Uwe Meyer wrote:
> Hallo VergaserGuruVolker,
;=3D)
> ich habe mit Interesse Deinen Artikel ueber Vergaser gelesen, Du
> scheinst ja eine Menge davon zu verstehen.
Leider musste ich mir alles in schmerzlicher Selbsterfahrung
beibringen. Der Vergaser an der XR600R ist hochsensibel gegen-
ueber Aenderungen der Stroemungswege, d.h. ein anderer Luft-
filter oder gar ein anderer Endrohreinsatz bringen die Gemisch-
bildung schon erheblich durcheinander. Ganz zu schweigen von
einem Drosselsatz, der eigentlich besser aus einem neuen Ver-
gaser mit geringerem Querschnitt bestehen sollte...
> Ich habe ein Problem, dass
> ich nicht nochmals in die drm setzen will, da ich nur als Antwort
> bekomme, ich soll die Finger davon lassen.
Lass' die Finger davon... ;) (Nur Spass - im Gegenteil: Ich will
Dich ermutigen, selbst etwas dazuzulernen und Dein Mopped wieder
gut zum Laufen zu bringen !)
> Also - ich habe eine Yamaha XV 750 SE, Bj.82. F=FCr dieses Moped habe
> ich mir neue Luftfilter besorgt, die halt an einem "Chopper" besser
> aussehen und ausserdem einen guten Sound produzieren (dumpf, nicht zu
> laut). Leider laeuft nun mein Moped wie ein stoericher Esel, es
> knallt, es ruckt und bei ca. 5000 Touren ist schluss. Die Zuendkerze
> ist auch schoen weiss.
1) Die XV750 hat wie die XV535 und die kleinste XV (Glaub' 250) einen
unterdruckgesteuerten Schiebervergaser, d.h. Du regelst die Leistungs-
abgabe ueber eine Drosselklappe (aehnlich der Chokeklappe, nur nicht
vor - in Stroemungsrichtung - sondern hinter der Einschnuerung im Ver-
gaser), die den Querschnitt verengt. Durch den bei sich oeffnender
Drosselklappe ansteigenden Unterdruck wird eine Membran ausgestuelpt,
die ihrerseits die Duesennadel aus dem Duesenstuck zieht und damit
sekundaer Kraftstoff dem Gemisch beimengt. Meistens haengt an der
Membran auch noch der 'Gasschieber', ein zylindrischer Verdraengungs-
koerper, der noch etwas Einfluss auf den Luftdurchsatz nimmt.
2) Da bei niedrigen Drehzahlen diese Unterdruckregulierung schlechter
funktioniert, gibt es bei manchen Moppeds noch einen parallelen
Schiebervergaser, bei dem das Gemisch direkt ueber die an der Schieber-
betaetigung angeschlossene Duesennadel, den (meist zylindrischen) Gas-
schieber und ein ausgekluegeltes Duesensystem aufbereitet wird. Im
Gegensatz zu 1) ist keine Membran und keine Unterdrucksteuerung er-
forderlich. Das hilft z.B. bei Gelaendemotorraedern den 'Schluckauf'
nach Spruengen zu vermeiden, wo durch die Beschleunigung die Membran
zu pendeln beginnt.
3) Soweit ich weiss, haben die XVs einen Doppelvergaser, d.h. zwei
Membranvergaser in einem Gehaeuse. Diese muessen 'synchronisiert'
werden (gleicher Unterdruck an den Unterdruckmessrohren), damit die
beiden Zylinder mit gleicher Last laufen. Das prueft man meist bei
leicht erhoehter Leerlaufdrehzahl mit zwei Messuhren und stellt
sicher, dass ueber den gesamten Drehzahl- und Lastbereich etwa
gleiche Verhaeltnisse herrschen.
Jetzt zu Dir. Du hast durch den Einbau eines (wie ich annehme
stroemungsguenstigeren) Luftfiltereinsatzes erfahren, dass ein
Membranvergaser nicht so tolerant auf eine andere Gemischbildung
reagiert. Fraglos ist das Gemisch zu *MAGER*, speziell im
mittleren bis oberen Drehzahl- und Lastbereich (logisch, da das
Leerlaufsystem mit einem separaten Luftstrom, separaten Duesen
und ohne den Membranteil des Vergasers funktioniert), das sieht
man auch an der weissen Zuendkerze.
> Ausserdem wurde mir gesagt, dass zu viel fahren mit zu magerer
> Einstellung der Motor das Zeitliche segnen koennte. Stimmt dass?
Durch ein zu mageres Gemisch kommt es zu Spontanverbrennungen an
den heissen Zylinderwaenden oder der (zu heissen) Zuendkerze, das
nennt man 'Klingeln', da der Motor in diesen Faellen zumeist
deutlich 'Ping' sagt. Dabei bekommt der aufwaerts laufende Kolben
noch vor dem Zuendzeitpunkt von der bereits schon abwaertslaufenden
Flammenfront einen Schlag auf seinen Boden. Das kann Loecher in den
Kolben brennen und Pleuel- sowie Kurbelwellenlager ruinieren. Ausser-
dem laeuft ein solcher Motor heiss, da die notwendige Gemischkuehlung
der Ventile durch das einstroemende Kraftstoff-/Luftgemisch fehlt.
Fazit: Zu mager ---> Schlecht !
Uebergangsweise kannst Du so schon weiterfahren, solltest den Motor
aber nicht quaelen oder hochjubeln.
> Kannst Du mir verraten, wie ich ohne grosse Aufwaende die Kiste zum
> Laufen bekomme?
Es stellt sich die Frage, was Du unter 'grosse Aufwaende' verstehst.
Eine Loesung (die teurere) ist ein Gang zum Dynojet-Pruefstand. Dort
wird man Dir die passenden Duesen und Duesennadeln einbauen, die zu
einer optimalen Gemischzusammensetzung fuehren. Das kostet aber
proportional zur Zylinderzahl etwa DM 400,-- pro Zylinder.
Die andere Methode fuehrt ueber das Yamaha-Werkstatthandbuch (kein
'Jetzt helfe ich mir selbst'-Machwerk kaufen - da steht sowas naemlich
nicht drin - und eigenhaendiges Schrauben am Vergaser.
Zunaechst pruefst Du, ob eine Anfettung des Gemischs hilft, z.B. das
leichte Einschalten des Choke. Ueber den Leistungsverlust darfst Du
Dich nicht wundern, schliesslich hat Dein Chopper ja nun weniger
Vergaserquerschnitt. Wenn Du feststellst, dass sich das Kerzengesicht
so normalisieren laesst, dann hast Du den/die Schuldigen gefunden.
Die Hauptduese(n) und/oder die Duesennadel sind zu mager. Die Haupt-
duesengroesse (grosse Nummern=3Dgrosse Bohrung=3Dviel Sprit) bestimmt
den Lastbereich von etwa 3/4 bis 1/1 Vollast. Die Duesennadel (die
in den Duesenstock eintaucht und so den Duesenquerschnitt verengt)
bestimmt etwa 1/2 bis 4/5 Vollast. Haengt man die Duesennadel hoeher
(sie hat einen kleinen Clip und etwa 5 Rillen, den Clip kann man um-
haengen), also so, dass sie im Ruhezustand *WEITER* aus dem Duesen-
stock gezogen wird, dann reicherst Du das Gemisch an. Zu bemerken ist,
dass sich die Bereiche ueberlappen, d.h. eine fettere Nadeleinstellung
(oder, wenn das nicht hilft: Eine fettere - schlankere - Nadel) wird
sich auch auf das Ansprechverhalten auf Hauptduesenaenderungen aus-
wirken. In Deinem Doppelvergaser musst Du natuerlich die Aenderungen
parallel vornehmen.
An jede Aenderung (mitschreiben) sollte sich ein Vergasersynchroni-
sation und eine Probefahrt mit Zuendkerzenkontrolle anschliessen,
damit Du Schritte in die richtige oder falsche Richtung bemerkst.
Die Leerlaufeinstellung wird, wie gesagt, ueber einen separaten
Kreis justiert, darum kannst Du Dich am Schluss kuemmern.
Ein Beispiel aus meiner Schrauberkariere:
1) XR600 laeuft schlecht im Leerlauf. Geht oft aus, verschluckt
sich, nimmt schlecht Gas an und knallt im Schiebebetrieb.
Urteil: 'Zu mager !'
Loesung: Leerlaufduese von 62 auf 68 vergroessern.
2) Neuer Luftfiltereinsatz. Wieder die Probleme aus 1)
Loesung: Leerlaufduese von 68 auf 70. Leerlaufgemischein-
stellung.
3) Luftfilterkasten geoeffnet. Ansaugluftschnorchel entfernt.
Motor klingelt, ruckt im oberen Lastbereich - so als ob der
Sprit ausgehen wuerde.
Urteil: 'Zu mager !'
Loesung: Hauptduese von 125 (viel zu mager) auf 135, dann 140.
Motor laeuft wieder gut, bleibt merklich kuehler und klingelt
nicht mehr.
4) Modifizierten Endrohreinsatz montiert. Schlechter Durchzug im
mittl. bis oberen Lastbereich. Rucken bei Vollgas.
Urteil: 'Zu mager !'
Loesung: Hauptduese von 140 auf 152 (Serie in USA) und dann
158 vergroessert. Perfekt ! Lauft rund 150 Sachen und zieht
wie Schwein.
Beispiel 2)
1) Virago XV535 mit Nockenwellendrosselung und Standardbeduesung.
Schlecht zu starten, verrusst Zuendkerzen, Beschleunigt aus dem
Leerlauf schlecht (leichtes Gaswegnehmen fuehrt zu mehr Vor-
trieb), saeuft Sprit, erreicht die Hoechstgeschwindigkeit nicht.
Urteil: 'Haupt- evtl. Leerlaufsystem zu fett'.
Loesung: Kleinere Haupt-/Leerlaufduesen, evtl. stroemungs-
guenstigerer Luftfiltereinsatz. Moeglicherweise sogar heissere
Zuendkerzen einbauen.
Arbeite noch dran (Keine Zeit).
> Ich hoffe auf eine Antwort von Dir (egal welche)
Evtl. riskierst Du auch mal einen Blick auf die Temperatur- und
Hoehenkorrekturtabelle um einen Eindruck vom erforderlichen
Umfang der Modifikationen zu bekommen. Der Tabelle kannst Du ent-
nehmen, wie die Duesen bei grossen Hoehen abzumagern sind. Aehn-
liche Schrittweiten kannst Du in die Gegenrichtung unternehmen.
> PS: Die XV750 zieht ihre Luft durch einen Kanal im Rahmen der bis zu
> dem Luftfilter unter der Sitzbank geht, die neuen Luftfilter sitzen
> seitlich neben den Vergasern.
Was mir diesbezueglich noch einfaellt: Achte mal auf moegliche
Falschluftquellen. Wenn die Luftfilter nich perfekt sitzen und sich
irgendwo Spalte gebildet haben, dann kann das Gemisch auch rapide
abmagern. Am besten geht der Test mit Startkraftstoff aus der
Spruehdose. Damit spruehst Du die Flansche, Dichtungen, Wellen
und Gummis an. Steigt die Drehzahl, hast saugt der Motor Falsch-
luft.
Ach ja: Zur Leerlaufgemischeinstellung bei leicht erhoehter Dreh-
zahl die Einstellschraube hineindrehen bis die Drehzahl von d0=3Da(0)
auf d1=3Da(u1) RPM abfaellt. 'u' ist die Anzahl der Schraubendrehungen,
ca. 1/2 bis eine Drehung sollte langen. Dann andersherum, bis
die Drehzahl wieder auf d1=3Da(u2) abfaellt. In die Mitte dazwischen
u=3D(u1+u2)/2 einstellen. Leerlaufdrehzahl wieder absenken. Fertig.
Ich wuensche Dir viel Erfolg mit Deinen Experimenten.
Lass' mich wissen, wie es Dir ergangen ist.
Volker
P.S.: Ich poste mein Reply jetzt doch parallel in die d.r.m.,
da der Umfang etwas laenglich geworden ist und evtl. der
eine oder andere Leser daraus nuetzlich Informationen ziehen
kann.
Ciao !
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