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Holunderwein

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Matthias Porst

unread,
Sep 8, 2002, 1:58:19 PM9/8/02
to
wuensche allen ein schoenes wochenende gehabt zu haben

ich such ein rezept fuer holunderwein (im kleinmengen, d.h. so 10 l)
welche hefe und so ...

danke schon mal

matthias


Bernd Wortmann

unread,
Sep 8, 2002, 6:44:32 PM9/8/02
to
Hallo Matthias Porst, von Dir war zu lesen:

>
> ich such ein rezept fuer holunderwein (im kleinmengen, d.h. so 10 l)
> welche hefe und so ...

Also,
Arauner schreibt 1985 im Kitzinger Weinbuch daß Holunderbeeren wegen
ihres Gehalts an "Sambunigrin"[1] nicht zur Weinherstellung geeignet
sind. Sie müßten auf mindestens 80 Grad C erhitzt werden und selbst das
wäre keine Garantie und außerdem würde der Wein nicht schmecken.

Keith Wicks macht im Buch "Wein keltern" keine derartigen
Einschränkungen und gibt für ca 10 l Wein an: 5 kg Beeren, 3 kg Zucker,
und 5 l Wasser mischen und auf 80 Grad erhitzen, nach Abkühlung unter
50 Grad Zusatz von 30 g 80 %ige Milchsäure, 4 g Hefenährsalz und
Reinzuchthefe[3], 1 Woche gären, abpressen und fertiggären, dann Zugabe
von 10 ml Antigel, evt. nachsüßen.

[1] Erregt angeblich Übelkeit und Erbrechen.
[2] Vermutlich in Unkenntnis von [1]
[3] Leider keine genauere Angabe, ich würde Cherry oder Madeira nehmen.

Bernd
--
"Geht dir das Leben an die Nieren?
Da hilft nur eins: Das Prozessieren!"
aus GMX-Info 12

Lutz Bojasch

unread,
Sep 9, 2002, 4:02:09 AM9/9/02
to
Matthias Porst schrieb:

> ich such ein rezept fuer holunderwein (im kleinmengen, d.h. so 10 l)
> welche hefe und so ...

Hallo,

Zur Frage der Hefeart und Rezeptur: Sie ist entscheidend für den
Charakter des Weinlings. Die Rezepturen sind recht unterschiedlich was
das Mengenverhältnis von Frucht / Wasser / Zucker / Hefeart / Zusätze
angeht. Man kann sowohl leichte Weinlinge wie auch schwere,
Likörweinähnliche Weinlinge zubereiten. Also gibts viele Rezepturen,
eine Tabelle ist in dem u.g. Heftchen zu finden, zu groß um sie hier zu
posten.
Wichtig bei Holunder, der zu den schwer zu verarbeitenden Früchten
gehört, ist die Zugabe von Mostmilchsäure ohne die der Wein recht
garstig schmeckt und auch schnell "krank" wird. Wichtig auch: Die Hefe
rechtzeitig (3-5 Tage zuvor) in einem Fruchtsaft-Wasser-Zuckergemisch
vermehren, wenn man ca 1 Liter davon als Starter benutzt, setzt die
Gärung schneller ein und die Gefahr dass sich wilde Hefen breit machen,
verringert sich. Praktisch: etwas "Antigel" oder "Antipektin" dazugeben,
das verhindert massive Schaumbildung und erleichtert die Saftabgabe aus
der Maische. (Bei Johannisbeeren unverzichtbar). Nach der stürmischen
Gärung unbedingt vom Bodensatz abziehen damit der Wein nicht umkippt.
10 Liter sind zuwenig, benutze ein 30 Liter Gärfass und fülle das mit
etwa 20 Litern. Bei Proben und beim Abziehen geht sonst zuviel verloren.

Anfängern würde ich allerdings nicht gerade zu Holunder als 1. Versuch
raten. Nützliches Zubehör zur Kontrolle des Weines, Hilfmittel zum
ermitteln der Restsäure / Gesamtsäure sowie Hefen und Nährsalze bekommt
man ebenso bei VIERKA im Versand oder über jede Apotheke. Vierka ist mir
recht sympatisch weil die mir schon 2x sehr gut mit telefonischen
Auskünften, 1x sogar mit einer kostenlosen Analyse einer eingesandten
Probe geholfen hatten.
Buchtip (neben der kleinen Broschüre aus der der obige Text stammt):
"Fruchtweine", Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, Schanderl/Koch/Kolb ISBN:
3-8001-5518-4
In beiden Büchern sind alle Vorgänge genau beschrieben und ohne
Anleitung wird man viele Fehlversuche erleiden.


Auszug aus Vierka-Weinbuch (eher ein Heftchen!):

Nur völlig ausgereifte Früchte verwenden, für gute Entfernung der Stiele
Sorge tragen, zerquetschen, einmaischen und nach 24 Stunden abpreesen.
Die übliche und meist vorkommende Art ist die baum- oder strauchartig
wachsende sambucus nigra. Die Beeren dieser Art sind ohne weiteres zu
verwenden und in vieler Beziehung sogar sehr gesundheitsfördernd. Nicht
verwechselt werden sollten diese Beeren mit denen von sambucus ebulus,
auf deutch: Attichbeeren oder Zwergholunder. Diese wachsen an einem sehr
niedrigen Strauch im Gegensatz zu den Sträuchern von sambucus nigra, die
mehr die Größe eines Baumes erreichen. Die Attichbeeren sind etwa halb
so gross wie die Beeren des gebräuchlichen Holunders, sonst in der Farbe
und Form diesen sehr ähnlich, aber eben bedeutend kleiner. Eine dritte
Art, die in Europa ausserdem noch heimisch ist, ist sambucua racemosa,
ein strauchartiges Gewächs, dessen Blätter länglich-elliptisch und
dessen Blütenrispen dicht behaart sind. Die Früchte sind scharlachrot
mit ganz bräunlichem Fruchtfleisch. Die Blätter von sambucus nigra
dagegen sind lang zugespitzt und lang gestielt, Die Frucht von sambucue
racemosa ist an sich nicht schädlich für den Genuß, jedoch enthalten die
Kerne ein Öl, welches gesundheitsschädlich ist, Kopfschmerz, Ergrechen
und Durchfall herbeiführt. Man sollte alsa von dieser Beerenart zur
Weinbereitvng Abstand nehmen.

Gruß Lutz

P.S. http://www.vierka.de

--
x-no-archive: yes http://www.cyborgs.de ><(((°> ><(((*<
Synthesizer,Synthy-Kurs,Musik,Testberichte,USA-Reisetagebücher,
Naturheilkunde,Therapien,Heilkräuter,Giftpflanzen, Gartentips,
Hundesport Agility, Konzertbilder Frank Zappa und vieles mehr

Ingo Dittmer

unread,
Sep 9, 2002, 4:52:24 AM9/9/02
to matthia...@gmx.de

Matthias Porst schrieb:

Holunderwein: schmeckt prima, ist aber schwer vergärbar. Für erste
Versuche würde ich beispielsweise Kirschen nehmen. Aber wenns denn
Holunder sein soll: nur völlig ausgereifte Früchte verwenden. Nur
_echten_ Holunder nehmen, nicht verwechseln mit dem niedrigen,
strauchartigen Zwergholunder (Attichbeeren) oder gar sambucus racemosa
(ist leicht giftig und gibt Durchfall). 2500 g Früchte, 850 g Zucker, 3
g Nährsalz und 5 g Zitronensäure für Reinzuchthefe Burgunder (gibt
schönen Tischwein) oder 2500 g Früchte, 1200 g Zucker, 3 g Nährsalz und
7 g Zitronensäure für herben Tokaier (Dessertwein).
Weitere Zubereitungshinweise können bei mir per mail angefordert werden.

Gutes Gelingen!
Ingo

Frank Müller

unread,
Sep 9, 2002, 5:01:36 AM9/9/02
to
"Lutz Bojasch" <lu...@cyborgs.de> schrieb

> > ich such ein rezept fuer holunderwein (im kleinmengen, d.h. so 10 l)
> > welche hefe und so ...
>

> Zur Frage der Hefeart und Rezeptur: Sie ist entscheidend für den
> Charakter des Weinlings. Die Rezepturen sind recht unterschiedlich was
> das Mengenverhältnis von Frucht / Wasser / Zucker / Hefeart / Zusätze
> angeht. Man kann sowohl leichte Weinlinge wie auch schwere,
> Likörweinähnliche Weinlinge zubereiten. Also gibts viele Rezepturen,
> eine Tabelle ist in dem u.g. Heftchen zu finden, zu groß um sie hier zu
> posten.

Die Frage der Hefeart bestimmt höchstens den Alkoholgehalt, und
ist grade bei Obstweinen nur darauf angestimmt die Ausgangsstoffe
nach Säure und Mineraliengehalt optimal auszunutzen.

> Anfängern würde ich allerdings nicht gerade zu Holunder als 1. Versuch

Nicht nur Anfängern würde ich von Holunder abraten, es gibt nun
mal auch Früchte die sich nicht so gut zur Weinherstellung eigenen,
und dann gibt es noch Früchte die teilweise noch giftig sind,
auf Holunder trifft beides zu.

> raten. Nützliches Zubehör zur Kontrolle des Weines, Hilfmittel zum
> ermitteln der Restsäure / Gesamtsäure sowie Hefen und Nährsalze bekommt
> man ebenso bei VIERKA im Versand oder über jede Apotheke. Vierka ist mir
> recht sympatisch weil die mir schon 2x sehr gut mit telefonischen
> Auskünften, 1x sogar mit einer kostenlosen Analyse einer eingesandten
> Probe geholfen hatten.

Die wollen doch auch nur ihr Zeugs loswerden...

Gruß Frank

Frank Müller

unread,
Sep 9, 2002, 5:19:19 AM9/9/02
to
"Matthias Porst" <matthia...@gmx.de> schrieb

> ich such ein rezept fuer holunderwein (im kleinmengen, d.h. so 10 l)
> welche hefe und so ...

Ich würde es nicht machen, denn der aufwand steht in keinen Verhältnis
zum nutzen. Wenn du es trotzdem versuchen willst, Hier mal ein auszug aus
"Obstwein selbst gemacht!"(1962) von Prof. Ehrhard Donath :
-------------------------------------------------------------------------
Holunderbeerwein (Fliederbeerwein)

Für die Herstellung von Wein aus Holunderbeeren gebe ich keine Rezeptur an, da ich eine Verwertung dieser Beeren zu Wein nicht
empfehlen kann. Die Samen wie auch die unreifen Beeren enthalten Stoffe, die toxische Wirkungen hervorrufen, wenn man die
Holunderbeeren roh verarbeitet und die Samen nicht sorgfältig entfernt. Der Genuß der frischen Beeren und des rohen Saftes kann zu
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schüttelfrost, ja sogar zu Benommenheit, Atemnot und Krämpfen führen.
Man sollte also die Holunderbeeren nur nach der bisher üblichen Art zur Herstellung von Suppen verwenden, da durch das längere
Kochen der Beeren und durch das Ausscheiden der Kerne beim Passieren die toxischen Wirkungen herabgesetzt werden. Wenn man aus
Holunderbeeren unbedingt Wein gewinnen will, so bleibt nichts übrig, als die Beeren in gleicher Weise vorzubehandeln wie für eine
Suppe und dann das gewonnene Mark weiterzuverarbeiten. Schwierigkeiten bereitet allerdings der hohe Gehalt an Fruchtfleischteilen.
Da das Säure-Zucker-Verhältnis bei der Holunderbeere ungefähr dem der Brombeere gleichkommt, wäre etwa weiter nach der Rezeptur für
Brombeerwein zu verfahren.

-------------------------------------------------------------------------

Brombeerwein

Die Brombeere gibt einen sehr schönen Wein, aber sie ist -wie die Erdbeere- sehr schwierig zu behandeln, da sie sehr säurearm ist.
Die wichtigste Voraussetzung, die bei der Brombeere selten erfüllt ist, ist eine vollreife Frucht. Vor allem die Gartenbrombeeren
werden meist in halbreifem Zustande geerntet und geben dann einen geschmacklich weniger befriedigenden Wein.
Auch die Brombeere wird zweckmäßigerweise gemaischt, wir können dann mit einer Saftausbeute von 80 % rechnen, d.h., 1,250kg
Brombeeren ergeben 1,000 l Saft. Die Brombeere hat nach unserer Tabelle einen Durchschnittssäuregehalt von 8 g/l, wir dürfen daher
überhaupt kein Wasser zusetzen, sondern müssen den Zucker in etwas Saft lösen. Da wir den Saft auch durch den Zuckerzusatz
verdünnen, haben wir Mühe, mit der Säure auszukommen. Der Fehler liegt bei vielen Brombeerweinen darin, daß Wasser zugesetzt und
dadurch der Säuregehalt herabgedrückt wird; der Wein ist dadurch allen Krankheiten ausgesetzt, wie wir später sehen werden.
Die Brombeere bringt für 2 Vol.-% Alkohol den Zucker mit. Um einen 11 Vol.-%igen Tischwein herzustellen, müssen wir also nur noch
für 9 Vol.-% Alkohol den Zucker zusetzen.
Rezeptur für Brombeer-Tischwein mit 7 g/l Säure und 11 Vol.-% Alkohol:


1,250 kg Brombeeren = 1,000 l Saft
0,180 kg Zucker = rund 0,100 l Vermehrung durch Zucker
Wasserzusatz = --
-----
Brombeer-Tischwein 1,100 l

Für einen 14 Vol.-%igen Dessertwein müßte der Zuckerzusatz auf 12 Vol.-% Alkohol berechnet werden, d. h. 240 g Zucker je Liter.
Theoretisch bekommen wir hier aus 1 l Saft rund 1,150 l Wein, also etwas mehr als beim Tischwein. Das bedeutet aber, daß die Säure
noch weiter herabgedrückt wird, und wir müssen den Wein besonders pfleglich behandeln. Das lohnt sich aber. Einen sorgfältig
hergestellten Brombeer-Dessertwein kann man schon als Arznei bezeichnen, die aber auch der Gesunde verträgt!
Die weiteren notwendigen Arbeiten sind uns bekannt.
Brombeerwein ist gut lagerfähig; er gewinnt bis zu seinem dritten bis vierten Jahr unbedingt an Qualität.

-------------------------------------------------------------------------

Frank

PS: Fals Interesse an dem ganzen Buch (gedruckt 60 Seiten) besteht,könnte
ich es in Netz stellen, es liegt mir als HTML und PDF-Dokument vor.


Norbert Voosen

unread,
Sep 9, 2002, 8:01:51 AM9/9/02
to
Bernd Wortmann schrieb:

> Arauner schreibt 1985 im Kitzinger Weinbuch daß Holunderbeeren wegen
> ihres Gehalts an "Sambunigrin"[1] nicht zur Weinherstellung geeignet
> sind. Sie müßten auf mindestens 80 Grad C erhitzt werden und selbst das
> wäre keine Garantie und außerdem würde der Wein nicht schmecken.

Ich kann das nur bestätigen.
Mir ist nach Genuss einer größeren Menge Holundermarmelade (ca. 100 gr)
dermaßen kotzübel geworden, dass ich seit dieser Zeit einen weiten Bogen
um dieses Gestrüpp mache.
Den Arauner habe ich dann erst später gelesen, da ist mir dann klar
geworden was da passiert war.

Norbert

Lutz Bojasch

unread,
Sep 9, 2002, 8:37:28 AM9/9/02
to
Frank Müller schrieb:

> Die Frage der Hefeart bestimmt höchstens den Alkoholgehalt, und
> ist grade bei Obstweinen nur darauf angestimmt die Ausgangsstoffe
> nach Säure und Mineraliengehalt optimal auszunutzen.

Hallo
und Du meinst, deshalb gibts mehr als 40 handelsübliche Hefen? ;-)

> Nicht nur Anfängern würde ich von Holunder abraten, es gibt nun
> mal auch Früchte die sich nicht so gut zur Weinherstellung eigenen,
> und dann gibt es noch Früchte die teilweise noch giftig sind,
> auf Holunder trifft beides zu.

Holunder ist nicht gleich Holunder. Man kann z.B. auch einen
Holundersekt herstellen. Kopfweh hat oft andere Ursachen ;) Abgesehen
davon, mir schmeckt Holunderwein nicht, da ist Wein aus Tomaten schon
besser und obendrein kurios ;)

> > raten. Nützliches Zubehör zur Kontrolle des Weines, Hilfmittel zum
> > ermitteln der Restsäure / Gesamtsäure sowie Hefen und Nährsalze bekommt
> > man ebenso bei VIERKA im Versand oder über jede Apotheke. Vierka ist mir
> > recht sympatisch weil die mir schon 2x sehr gut mit telefonischen
> > Auskünften, 1x sogar mit einer kostenlosen Analyse einer eingesandten
> > Probe geholfen hatten.
>
> Die wollen doch auch nur ihr Zeugs loswerden...

Hör doch auf! Kein Wunder, dass guter Service in Deutschland so selten
zu finden ist, wenn Menschen Probleme damit haben, ihn anzunehmen.
Ich fand die Beratung toll und gekostet hat auch der Tip der
Chemikerin keinen Pfennig. Es gibt tatsächlich auch Firmen oder
zumindest Mitarbeiter die voll hinter dem Produkt stehen und gerne
beraten. Nicht immer gleich das "schlimmste" erwarten.
Zucker und Wasser kaufst Du ja auch zu - und umsonst arbeiten tut wohl
niemand.
Erfolg: Ich wurde Stammkunde und gebe im Jahr sicher knapp 10 Euro bei
Vierka aus (Riesendeal!) ;-D
Gruß Lutz

Rene Gagnaux

unread,
Sep 9, 2002, 9:52:54 AM9/9/02
to

Guten Tag Norbert, guten Tag allerseits,

On Mon, 09 Sep 2002 14:01:51 +0200, Norbert Voosen <voo...@gmx.de> wrote
(<3D7C8DAE...@gmx.de>):

>Mir ist nach Genuss einer größeren Menge Holundermarmelade (ca. 100 gr)
>dermaßen kotzübel geworden, dass ich seit dieser Zeit einen weiten Bogen
>um dieses Gestrüpp mache.

Wenn die Marmelade die Kerne enthalten hat, oder die Kerne bei der
Saftherstellung zerdrückt worden sind, ist es nicht weiter verwunderlich.
Wenn man darauf achtet (siehe auch untenstehende Info), ist der Holunder
aber nicht kritisch.

MMMMM----- Meal-Master via MERE7

Title: Ist roter Holunder giftig?
Categories: Aufbau, Info, Holunder
Yield: 1 Text

Roter Holunder
Sambucus racemosa L.

MMMMM---------------------------QUELLE--------------------------------
-- Nach: S. u. U. Froehling
-- Erfasst von Rene Gagnaux

Frage: Zur Zeit findet man in unseren Waeldern Roten Holunder. Ich
war bis anhin der Meinung, dass die Kerne des Roten Holunders giftig
sind. Aus diesem Grund stelle ich jeweils Gelee und Sirup her. Jetzt
hat mir aber jemand gesagt, dass die Kerne ungiftig sind, und man
ohne Bedenken Konfituere herstellen kann. Stimmt das?

Man unterscheidet zwischen dem Schwarzen Holunder (Sambucus nigra),
mit seiner grossen Bluetendolden, und den Roten Holunder (Sambucus
racemosa). Die kleineren Dolden des Roten Holunders sind eher
eifoermig, und die Beeren leuchten scharlachrot.

Laut Auskunft vom Toxikologischen Institut in Zuerich ist es heute
erwiesen, dass die Kerne des Roten Holunders nicht - wie frueher
angenommen - Blausauere enthalten. Die chemische Zusammensetzung der
Samen ist aber noch nicht genau aufgeklaert. Bekannt ist, dass viele
Menschen auf Samen mit Vergiftungserscheinungen - wie beispielweise
Brechreiz - reagieren. Auch die Beeren selbst enthalten Stoffe, die
roh gegessen, unbekoemmlich sind. Durch Hitzeeinwirkung werden diese
eliminiert. Insofern hat die Empfehlung, aus rotem Holunder nur Gelee
oder Sirup herzustellen, immer noch Gueltigkeit.

Dabei sollten die Beerendolden mit den Kernen nur kurz aufgekocht und
sofort, ohne sie zu zerdruecken, entsaftet werden. Danach wird der
Saft gut aufgekocht und mit Zucker zur gewuenschten Dicke zu Sirup
oder Gelee verarbeitet.

Es ist uebrigens schwer vorstellbar, dass Konfituere aus Rotem
Holunder mit Kernen ein kulinarischer Genuss sein soll.

Auch die Beeren des Schwarzen Holunders gelten roh als giftig.

MMMMM

Salut
René

Achim Schiwek

unread,
Sep 9, 2002, 12:38:39 PM9/9/02
to
Hallo Mampfer,

ich habe mal bei der bewussten Firma in Kitzingen/Main gearbeitet
(vor vielen Jahren) und kann sagen, wie sich die verschiedenen
Heferassen unterscheiden : nämlich nur durch das Etikett.

Im einzelnen wurde folgendermassen verfahren :

Aus Italien wurde ein grosses Gebinde Traubensaft importiert
und diesem eine handelsübliche Trocken -(Wein)- Hefe zugesetzt.
Nach Abschluss der Gärung wurde in Fläschchen abgefüllt und
dann etikettiert Tokaier, Assmanshausen und so weiter.

Der Gehalt an Hefezellen war ziemlich gering, weshalb auch
viele Heimweinbereiter Probleme hatten, überhaupt eine Gärung
zustande zu bringen.

Ob man das nun Betrug nennen muss, kann ich nicht sagen, sonst
hätte ich schon früher Anzeige erstattet. Der Kunde bekam
immerhin eine gute Weinhefe, wenn auch in grosser Verdünnung.

Heimweinbereitern kann ich nur empfehlen, eine handelsübliche
Wein-Trockenhefe zu verwenden - übrigens auch in Kitzingen
erhältlich.

Und noch ein Tipp : klare Säfte gären schlecht. Deshalb mit der
Hefe einen frisch geriebenen Apfel zugeben.

Grüssle Achim

Frank Müller

unread,
Sep 9, 2002, 1:17:47 PM9/9/02
to
"Lutz Bojasch" <lu...@cyborgs.de> schrieb

> > Die Frage der Hefeart bestimmt höchstens den Alkoholgehalt, und
> > ist grade bei Obstweinen nur darauf angestimmt die Ausgangsstoffe
> > nach Säure und Mineraliengehalt optimal auszunutzen.
>
> Hallo
> und Du meinst, deshalb gibts mehr als 40 handelsübliche Hefen? ;-)

Handelsüblich ist eine Frage des Marketing, so große unterschiede
sind bei genauerer Betrachtung gar nicht da.
Es gibt auch ??? handelsübliche Mineralwasser und trotzdem ist
überall nur Wasser drin...

> > Nicht nur Anfängern würde ich von Holunder abraten, es gibt nun
> > mal auch Früchte die sich nicht so gut zur Weinherstellung eigenen,
> > und dann gibt es noch Früchte die teilweise noch giftig sind,
> > auf Holunder trifft beides zu.
>
> Holunder ist nicht gleich Holunder. Man kann z.B. auch einen
> Holundersekt herstellen. Kopfweh hat oft andere Ursachen ;) Abgesehen

Holundersekt macht man aber aus den Blüten, nicht aus den
Früchten, das hat mit der Weinfrage nun gar nichts zu tun.

> davon, mir schmeckt Holunderwein nicht, da ist Wein aus Tomaten schon
> besser und obendrein kurios ;)

Mir schmeckt Sauerkirsch am besten, aus Holunder oder Tomaten
würde ich trotzdem keinen machen.

> > > man ebenso bei VIERKA im Versand oder über jede Apotheke. Vierka ist mir

...


> > Die wollen doch auch nur ihr Zeugs loswerden...
>
> Hör doch auf! Kein Wunder, dass guter Service in Deutschland so selten
> zu finden ist, wenn Menschen Probleme damit haben, ihn anzunehmen.
> Ich fand die Beratung toll und gekostet hat auch der Tip der
> Chemikerin keinen Pfennig. Es gibt tatsächlich auch Firmen oder
> zumindest Mitarbeiter die voll hinter dem Produkt stehen und gerne
> beraten. Nicht immer gleich das "schlimmste" erwarten.
> Zucker und Wasser kaufst Du ja auch zu - und umsonst arbeiten tut wohl
> niemand.
> Erfolg: Ich wurde Stammkunde und gebe im Jahr sicher knapp 10 Euro bei
> Vierka aus (Riesendeal!) ;-D

... und machst in de.rec.mampf nebenbei noch Werbung solche
Kunden sind ihr Geld wert...

Ich kenne das kleine Heft von Vierka, wenn man das list und
vorher nie mit dem Thema zu tun hatte, kommt man schnell zu dem
Schluß das ohne die Produkte der Firma nichts gehen würde.
Auf mich macht das ganze Heft den Eindruck eine reine Werbung
zu sein, und dafür verlangt man da sogar noch Geld.
Dazu fehlen in der Anleitung einige Dinge, die einen von
anfänglichen Fehlschlägen bewaren würden. Aber das hast du
wohl selbst schon erlebt, sonst brauchtest du ja nicht der
Service der Firma...

Frank

Frank Müller

unread,
Sep 10, 2002, 5:55:40 AM9/10/02
to
"Achim Schiwek" <hjs...@s.netic.de> schrieb

> Aus Italien wurde ein grosses Gebinde Traubensaft importiert
> und diesem eine handelsübliche Trocken -(Wein)- Hefe zugesetzt.
> Nach Abschluss der Gärung wurde in Fläschchen abgefüllt und
> dann etikettiert Tokaier, Assmanshausen und so weiter.
>
> Der Gehalt an Hefezellen war ziemlich gering, weshalb auch
> viele Heimweinbereiter Probleme hatten, überhaupt eine Gärung
> zustande zu bringen.

Wenn das so ist kann man auch gleich, eine Flasche
"Heurigen" im Supermarkt kaufen, da ist wesentlich
mehr drin, und billiger ist es dazu auch noch.

> Und noch ein Tipp : klare Säfte gären schlecht. Deshalb mit der
> Hefe einen frisch geriebenen Apfel zugeben.

Für Apfelwein aus frischen Äpfeln aus den Garten benutzen
wir gar keine Reinzuchthefe. Hat in den letzen 40 Jahren,
wo mein Vater das gemacht hat immer geklappt.
Auf 11 - 13% Vol schafft das die "wilde" Hefe auch und von
den Nebenwirkungen von den in den Werbebroschüren der
Reinzuchthefehersteller berichtet wird haben wir auch noch
nichts gemerkt.

Gruß Frank

Robert Gummi

unread,
Sep 15, 2002, 2:16:27 PM9/15/02
to
Norbert Voosen wrote:

> Bernd Wortmann schrieb:
>> Arauner schreibt 1985 im Kitzinger Weinbuch daß Holunderbeeren wegen
>> ihres Gehalts an "Sambunigrin"[1] nicht zur Weinherstellung geeignet
>> sind. Sie müßten auf mindestens 80 Grad C erhitzt werden und selbst das
>> wäre keine Garantie und außerdem würde der Wein nicht schmecken.

Holundersträucher haben sehr unterschiedliches Aroma. Die Beeren des einen
Busches können gut schmecken, die des Busches daneben gar nicht.

> Ich kann das nur bestätigen.
> Mir ist nach Genuss einer größeren Menge Holundermarmelade (ca. 100 gr)
> dermaßen kotzübel geworden, dass ich seit dieser Zeit einen weiten Bogen
> um dieses Gestrüpp mache.

Sambunigrin ist nicht hitzebeständig. Marmelade wird ziemlich gründlich
gekocht.
Normalerweise macht man aus Holunderbeeren übrigens Gelee. War deine
'Marmelade' mit Kernen?

Mein 'Giftpflanzen Pflanzengifte' von Roth, Daunderer, Kormann sagt u.a.:
"Wirkstoffhaltige Pflanzenteile: Besonders Blätter, unreife Früchte und
frische Rinde. Die Blüten und reifen Früchte sind eßbar. [...] Der Genuß
roher Früchte sollte vermieden werden. [...] Gefährlichkeitsgrad: Kaum
giftig [...]"

Ich habe auch schon Träubleskuchen mit ganzen Holunderbeeren statt
Johannisbeeren gebacken und gegessen. Keine Probleme. (Aber die Menschen
reagieren auf Pflanzengifte sowieso sehr unterschiedlich.)

> Den Arauner habe ich dann erst später gelesen, da ist mir dann klar
> geworden was da passiert war.

Das bezweifle ich. Das Sambunigrin dürfte jedenfalls nicht schuld gewesen
sein.

Bye,
Robert

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