Danke für Aufklärung
Arne
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Before you buy.
see...@my-deja.com wrote:
> Weiß jemand, wo der bayerische Begriff "Pflanzerl" für Fleischpflanzerl
> herkommt?
Ich kenne folgende Erklärung:
Ursprünglich hieß es Pfann-Zelt, Pfanne ist klar, und Zelt ist etwas
flaches, gebackenes. Lebkuchen heißen auch Lebzelt, das ist der gleiche
Wortstamm.
Aus dem Pfannzelt wurde dann im Laufe der bayr. Sprachverwirrung das
Pflanzerl.
Gruß
Jochen
*Fleischpflanzl* n. per. oobd. 'Fleischküchlein' (<20. Jh.). Eigentlich
"Fleischpflanzl" aus "Pfann - Zelten" (s. "Zelte[n]") 'Pfannkuchen' mit
sekundärer Angleichung an "Pflanze".
n. = neutrum
per. = peripherer Wortschatz
oobd. = ostoberdeutsch
Das in Anführungszeichen geschriebene gehört eigentlich kursiv.
Das in einfachen Anführungszeichen ist die Angabe einer Bedeutung.
Und da ich schon dabei bin, schreib ich den Eintrag über Zelte auch gleich
noch ab:
*Zelte(n)* m. per. obd. 'flacher Kuchen' (< 10. Jh.). Mhd. "zelte", ahd.
"zelto". Dazu Lebzelten 'Lebkuchen', bair. "pfanzelt" 'in der Pfanne
Gebackenes' (heute Pflanzl. 'Frikadelle', s. "Fleischpflanzl"). Herkunft
unklar. Vielleicht zu dem unter "Zelt" behandelten "*teld-a- stV".
'bedecken'.
obd. = oberdeutsch
mhd. = mittelhochdeutsch
ahd. = althochdeutsch
bair. = bairisch
stV = starkes Verb
das * vor teld-a- heißt, daß es sich um eine rekonstruierte Form handelt
So, ich hoffe, die Erklärungen sind ausreichend (falls sie so detailiert
überhaupt von Interesse waren <g>)
Grüße
Eva
Das mit den Bouletten kenne ich auch nur so. Gehst Du hier (Preußen bzw.
Brandenburg) zum Fleischer und verlangst Pflanzerl, schickt er Dich in den
Blumenladen. Und verlangst Du Frikadellen, wirst Du wahrscheinlich
ausgelacht oder er sagt sowas wie "Oh, der Herr wünschen _Frikadellen_..."
;-))
So isses halt mit den regionalen Unterschieden.
Lieben Gruß, Martin
<see...@my-deja.com> schrieb in im Newsbeitrag:
866t6v$sn1$1...@nnrp1.deja.com...
> Weiß jemand, wo der bayerische Begriff "Pflanzerl" für Fleischpflanzerl
Gruß
see...@my-deja.com schrieb in Nachricht <869gcg$qd2$1...@nnrp1.deja.com>...
>... und wie steht es mit den linguistischen Wurzeln von Bouletten?
Ok, wenn Du es wirklich genau wissen willst, dann schau ich mal nach. Also:
*Bulette* f. per. omd. (Hackfleischbällchen) (<19. Jh.). Entlehnt aus frz.
"boulette (de viande)", einem Diminutivum zu frz. "boule" 'Kugel', aus 1.
"bulla" 'Aufgewalltes, Blase'. S. Bulle
f. = femininum
per. = peripherer Wortschatz
omd. = ostmitteldeutsch
Diminutiv = Verkleinerungsform
Das in Anführungszeichen geschriebene gehört eigentlich kursiv.
Das in einfachen Anführungszeichen ist die Angabe einer Bedeutung.
*Bulle* 1
m. 'Stier' (<17. Jh.). Ursprünglich ein niederdeutsches Wort: ndd. "bulle",
ndl. (dial.) "bol, ból, bolle" u. a. und nndl. bul aus den Kasusformen eines
"n"-Stammes *bulón, *buln- m. 'Stier', in einfacher Form bezeugt in anord.
"boli" 'Stier, Stierkalb', weitergebildet in ae. "bulluca" 'Stierkalb'. Das
Wort ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Ausdruck "pars pro toto", der
ursprünglich das Zeugungsglied bedeutet, voreinzelsprachl. *[Lautschrift,
hier nicht darstellbar] in gr. "phallós" (neben "phales", air. "ball"
'Glied, Geschlechtsglied', im Germanischen mit Ablaut ae. "beallucas"
'Hoden', hess. "bille" 'Penis'. Falls die Bedeutung 'Zeugungsglied'
ursprünglich ist, kann an die Wurzel (ig.) *[wieder Lautschrift]
angeschlossen werden, die Bezeichnung für aufgeblasene oder aufgeschwollene
Gegenstände liefert (s. "Ball 1"). Die allgemeine Bedeutung 'Glied' in dem
altirischen Wort ist dieser Annahme aber nicht günstig.
Nndl. "bul", ne. "bull", nisl. "boli" S. "Bullauge, Bulldogge, Phallus"
m. = masculinum
ndd. = niederdeutsch
ndl. = niederländisch
nndl. = neuniederländisch
anord. = altnordisch
ae. = altenglisch
gr. = griechisch
air. = altirisch
hess. = hessisch
ig. = (gemein-) indogemanisch
ne. = neuenglisch
nisl. = neuisländisch
*Bulle* 2
f. per. fach. 'päpstliche Verordnung' (<14. Jh.). Mhd. "bulle". Entlehnt aus
1. "bulla" gleicher Bedeutung, ursprünglich 'Siegelkapsel', also eine
Bezeichnung "pars pro toto". Ausgangsbedeutung ist 'Wasserblase, Kugel'.
S. (zur Bedeutung 'Kugel') "Bowling, Bulette, Billet, Bulletin, (zur
Bedeutung 'sieden, Blasen werfen') Boiler, Bouillon.
mhd. = mittelhochdeutsch
So, ich glaube, das reicht um einen Einblick zu schaffen in die vielfältigen
Beziehungen der Wortbedeutungen und Sprachen zueinander. Wer bis hierhin
gelesen hat, den hat es ja hoffentlich auch interessiert. Die anderen haben
hoffentlich weggeklickt, ehe ich angefangen habe, sie zu langweilen.
:-)
So, sonst noch Wörter, deren Herkunft Ihr erfahren wollt?
[habsbuchgraddaliegen]
Eva
>So, sonst noch Wörter, deren Herkunft Ihr erfahren wollt?
>[habsbuchgraddaliegen]
>
>Eva
>
Was heisst "klaszymik trilia klana trilia ko"?
Tschau,
Vava
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erst am Nachmittag, als keiner mehr einen Bissen herunterzuwuergen vermochte,
wurden die Feuer entfacht und darueber aus gruenen Staemmen Roste errichtet.
Man ging nun daran, die Vorraete, die bereits zu riechen begannen, im Rauch zu
konservieren.