Mark schrieb:
> Selbst ein kleiner Bäckermeisterbetrieb greift auf Backmischungen mit
> zweifelhaftem Inhalt zurück, weil die sonst nicht wie heute üblich 40
> verschiedene Teigsorten im Angebot haben könnten.
Und anstatt dann mit 3, 4 guten Basisteigen zu arbeiten, meint man auf
Masse statt Klasse zu gehen im Irrglauben, dass es machbar ist, diesen
Kampf in Richtung Masse und Preis mithalten zu können...
Da haben wir uns - Bäckereien betreuend- als diese Entwicklung in den
90er anfing, schon das Maul fuselig geredet. Immerhin gibt es sie ja
wieder bzw. immer noch und vereinzelt, die vernünftigen Bäcker mit
einem guten Sortiment wirklich leckerer Brote und Brötchen.
>
> Da habe ich mir gedacht, dass selbstgemachte Brötchen auch besser sein
> könnten, wenn man nur wüsste, wie man sie richtig macht.
Das hatte ich so verstanden, bleibt allerdings die Frag, was du unter
dem "richtigen" Brötchen verstehst und wie viel Aufwand du betreiben
willst.
Ich habe einige Monate herum probiert, um "mein" Brötchen zu finden.
Es sollte zwar locker, aber keine Luftnummer sein. Mit schönem
Eigengeschmack. Idealerweise auch am nächsten Tag noch gut zu genießen
(was die Luftnummern nicht tun), rösch. Und, darauf achte ich
eigentlich allen Rezepten, es muss mit handelsüblichen Zutaten und
Gerätschaften zuzubereiten sein. Ich wohne in einer Mietwohnung und
habe einen einfachen 08/15-Herd. Last not least ein weiteres
Kriterium: Der Aufwand muss praktikabel sein. Das heißt für Hefeteig:
Ich fange gerne einen Tag vorher an, wenn sich ansonsten die
eigentliche Arbeit am Objekt in Grenzen hält. Gerade für Brötchen war
in dem Zusammenhang wichtig, dass das Rezept morgens nicht allzu lange
braucht.
Aus diesen genannten Gründen fallen Rezepte raus, die mit
irgendwelchen Backzusatzstoffen arbeiten. Backmalz wird bei mir durch
Melassezucker ersetzt, weil ich den auch für andere Sachen immer im
Haus hab. Dampfbackofen brauch ich nicht, die Schale Wasser +
Einnebeln am Anfang bringt gute Ergebnisse. Und was die eigentliche
Zubereitung angeht sind mir Rezepte, wo ich auf die Minute oder aufs
Thermometer gucken muss, ein Graus. So ein Rezept hat Sommer wie
Winter zu funktionieren!
Wenn ich - nix für Ungut - nebenan schon lese, 24 Grad und 40 Grad
Umgebungstemperatur, da wüsste ich gar nicht, wie ich die hinbekomme.
Und einen Raum gar extra heizen käme gar nicht in Frage. Abgesehen
davon, dass ich es für mich lächerlich fände, dem Teig mit einem
Thermometer hinterher zu laufen. Hefeteig ist, wenn man auf ein paar
wenige Kleinigkeiten achte, eigentlich eine sehr genügsame, robuste
Geschichte.
Angepasst wird da nur in Extremsituationen.
Wie im Jahrhundertsommer, als ich Pizzateig machen wollte, der morgens
angesetzt werden musste, weil wir ihn nach dem Tagesausflug brauchten.
Voraus ahnend, dass das bei Tagestemperaturen von gut über 30 Grad mit
meiner üblichen Methode eng werden könnte, die große Waschschüssel
genommen und die in die mit kaltem Wasser halb gefüllte Wanne
gestellt. Als wir zurück kamen, quoll der Teig dennoch über und
dümpelte gerade über der Wasseroberfläche ;-) Der Qualität der Pizza
hat das aber keinen Abbruch getan.