Georg Wieser schrieb:
[...]
>Wie findest Du das?
>
>Zitat:
>Die Nichtraucherinitiative bietet auf ihrer Homepage eine 48-seitige
>Anleitung zum Herunterladen an, wie mit rauchenden Nachbarn umzugehen
>sei. Die Gesundheit der Nichtraucher zähle mehr als die Selbstbestimmung
>der Raucher, heißt es, und da könne schon ein offenes Fenster stören.
>Die Anleitung rät, erst die Trennwände zur Terrasse oder zum Balkon des
>Nachbarn zu vergrößern, dann Rauch- und Lüftzeiten festzulegen und
>schließlich – wenn alles nichts helfe – vor Gericht zu ziehen. Dort
>seien die Chancen allerdings gering, weil viele Richter »zu feige«
>seien. Deshalb rät die Initiative, selbst ein Mietshaus zu kaufen und
>dort das Rauchen zu verbieten. »Rauchfreien Wohnhäusern gehört die Zukunft.
>Zitat Ende.
>
>
>ICH möchte in der Umgebung solcher anhedonischen Misanthropen nicht
>wirklich wohnen. Ich hasse Nur-Negativmenschen. Die haben Genugtuung
>dran sich una anderen das Leben zu vermiesen.
Fanatische Nichtraucher sind mir so zuwider wie fanatische Raucher.
Trotzdem kann ich verstehen, daß Rauch im Wohnumfeld Probleme bereiten
kann. Ob ich in eine bestimmte Kneipe gehe, kann ich mir aussuchen.
Aber wenn ein penetranter Raucher nebenan einzieht, kann ich schlecht
jedesmal die Wohnung wechseln. Da wäre ich nur am Umziehen.
Vor einigen Jahren wohnte jemand unter mir, der in seiner Wohnung von
25 qm fast jede Nacht Besuch von 3-4 Mitrauchern hatte. Davon
abgesehen, daß sie nicht gerade leise waren, wäre ich damals fast
daran gestorben. Ich hatte eine heftige Grippe, die mit verschiedenen
Antibiotika bekämpft wurde. Als ich nach über 3 Wochen immer noch
nichts riechen konnte, und der Husten nicht wegging, besuchte ich eine
Lungenfachärztin, die allergisches Asthma bei mir feststellte.
Nach einigen Wochen kam der Geruchssinn teilweise zurück, leider nicht
ganz. Jedenfalls wurde ich eines Nachts wach, weil mir die Luft
wegblieb - im wörtlichen Sinne. Ich schnappte nach Luft, wie ein Fisch
an Land. Es stellte sich heraus, daß der Mieter unter mir bei einer
seiner nächtlichen Diskussionsrunden um 3 Uhr morgens gelüftet hat,
was ich inzwischen wieder riechen konnte. Seitdem schlafe ich bei
geschlossenem Fenster. Inzwischen nur sicherheitshalber, weil der
besagte Mieter mittlerweile ausgezogen ist und durch den nächsten
Raucher ersetzt wurde, der aber mit seiner Freundin "normal" rauchte.
Ich versuchte damals, mich mit dem kettenrauchenden Mieter auf
Lüftungszeiten zu einigen - keine Chance. Der Vermieter konnte
ebenfalls nichts machen, weil Rauchen in der eigenen Wohnung eben
erlaubt ist. Vielleicht hätte ich eine Klage gewonnen. Aber darauf
hatte ich keine Lust.
Trotzdem gebe ich Dir recht. Ich möchte auch nicht neben Dauernörglern
wohnen. Menschen, die zum Lachen in den Keller gehen, kenne ich genug.
Glücklicherweise sind nicht alle so.
Früher konnte man sich oft untereinander einigen. Heute pochen die
meisten auf ihr Recht. Ob der Nachbar dabei erstickt, spielt keine
Rolle. Was nicht gesetzlich oder vom Gericht verboten ist, wird
gemacht. Traurig, aber meiner Erfahrung nach nur zu oft wahr.
Wie bereits erwähnt, war ich dafür, eine Anzahl von Raucherkneipen
freizugeben, die dem Prozentsatz der Raucher in der Bevölkerung
entspricht (etwa 30%, soweit ich mich erinnere). Eigentlich müßten es
meiner Einschätzung nach eher doppelt soviele sein, denn die meisten
Gäste in Kneipen (nicht Restaurants!) rauchen, aber man will ja nicht
unverschämt sein. Das war wohl zu ausgeglichen gedacht.
Daß jetzt alle vor die Tür müssen, einschließlich Wirten und
Angestellten, bringt auch Probleme mit sich. Unter anderem würde ich
mich ab 1.5. bedanken, über einer Kneipe zu wohnen. Während früher der
Rauch in der Kneipe durch die Lüftung abgesogen und über Luftschächte
entsorgt wurde, qualmt es ab 1.5. fröhlich in die Wohnungen über den
Kneipen, weil die Raucher alle vor der Tür stehen. Die Bibliothek der
Uni Dortmund schließt inzwischen in den Pausen die Fenster, weil der
Qualm der vor dem Eingang rauchenden Studenten in die Räume und damit
auch in die Bücher zieht. Nichtraucher sagen mir, es wäre ihnen
lieber, wenn die Raucher in den Kneipen blieben. Früher blieb der
Rauch mit ihnen dort, heute müssen die Nichtraucher sich durch
Kolonnen von pärzenden Trinkern (wie mich :-) schlängeln, was sie sich
im Gegensatz zum Kneipenbesuch nicht aussuchen können.
Ich selbst rauche seit vielen Jahren nicht zu Hause, sondern nur im
Freien oder halt in der Kneipe. Da ich im Schnitt nur eine Schachtel
pro Monat rauche, kann ich mich mit jeder Lösung arrangieren. Trotzdem
kann ich der jetzt in Bayern und demnächst in NRW geltenden Regelung
nichts abgewinnen. Ich finde sie unverhältnismäßig, und sie
widerspricht meinem Gerechtigskeitsempfinden. Der Gemütlichkeit
sowieso.
Ich glaube nicht, daß die Misanthropen inzwischen in der Überzahl
sind. Aber anscheinend können sie sich besser durchsetzen. Meiner
Abgeordneten habe ich nach der Verabschiedung der Änderung des
Nichtraucherschutzgesetzes geschrieben, daß ich ihre Partei deshalb
bei der nächsten (letzten) Landtagswahl nicht mehr wählen würde.
Gesagt, getan. Ändert natürlich genau nichts.
Mit freundlichen Grüßen
Detlef Wirsing