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Schlachtekraut (mit verschiedenen Zutaten angemachtes Sauerkraut)

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Dorothee Hermann

unread,
Feb 9, 2016, 11:05:21 AM2/9/16
to
In einer anderen NG tauchte das *Schlachtekraut* auf.

Der Name war mir neu. Googelnderweise fand ich, dass es der (regionale)
Name für ein 'gedünstetes Sauerkraut mit verschiedenen Beigaben' ist.
Ursprünglich wurde Sauerkraut mit Wurst- oder Fleischbrühe (schlachten)
gedünstet, daher der Name. Heute nimmt man Brühe, Saft, etc.

Die 'Beigaben' können sein: Zwiebeln, Speckwürfel, Möhrenstreifen,
Ananas, Debrecziner-, Salami- und/oder Kasslerstückchen, usw.
Gewürze, Lorbeerblätter, Weinbeeren, Kümmel, usw.

Ich kannte so etwas nur als 'Ananaskraut, oder geschmortes Sauerkraut,
alles auch mit den unterschiedlichsten Zugaben.
Beilage dann zum Schweinsbraten, Bratwurst, Haxe, Kassler - wie auch
zu Kartoffeln, Schupfnudeln oder Knödel/Klößen.

In der NG drm ist der Name noch nie aufgetaucht, sagt Google.
;-)

Unter welchen Namen kennt Ihr das?

Dorothee

Wolfgang Orth

unread,
Feb 9, 2016, 12:52:48 PM2/9/16
to
Am Tue, 09 Feb 2016 17:05:18 +0100 schrieb Dorothee Hermann:

> In einer anderen NG tauchte das *Schlachtekraut* auf.
>
>
> Unter welchen Namen kennt Ihr das?
>
> Dorothee

Wir kaufen das immer als Thüringer Schlachtekraut. Im Moment habe ich es
vor mir stehen. Der Hersteller sitzt in Großengottern. Auf dem Glas ist
die Website www.thueringer-landgarten.de angegeben.

Habe die Seite gerade mal aufgerufen.

Gruß aus Brandenburg

Wolfgang

Helene Brandstaetter

unread,
Feb 10, 2016, 12:10:29 PM2/10/16
to


"Dorothee Hermann" schrieb:

...> Unter welchen Namen kennt Ihr das?

In Franken heißt das 'Schlachtschüssel' und besteht i.d.R. aus Sauerkraut,
Blut- und Leberwürsten, gekochtem Bauchfleisch und Bratwürsten.

Gruß Helene

Antonia H.

unread,
Feb 10, 2016, 1:18:12 PM2/10/16
to
Am 09.02.2016 um 19:10 schrieb Ludger Averborg:
> In Sachsen gar nicht. Dort wurde beim Schlachten der
> Schweinebauch in der Wurschbrühe gekocht und hieß dann
> "Wellfleisch". Das kam nicht ins Sauerkraut. Sauerkraut
> wurde getrennt gekocht wie üblich mit einem Apfel drin und
> Wacholderbeeren -wenn vorhanden mit einem Löffel
> Schweineschmalz (auf sächsisch schlicht: Fett). Dazu gab es
> Kartoffelbrei (Ärbernmauge) und eben das Wellfleisch.
> Sowas zusammengekochtes war nicht üblich.
>
> l.
>

Ludgers Ausführungen kann ich bestätigen.
Wusste gar nicht, dass er aus Sachsen stammt...

A.

Florian E. Teply

unread,
Feb 10, 2016, 5:48:39 PM2/10/16
to
Hmm, das einzige was mir zu der Beschreibung einfällt, wäre Bigos. Leg'
mich bitte nicht auf die Schreibweise fest, ich hab's nie geschrieben
gesehen und auch nie selber gekocht (immer nur gegessen ;-) ), und ich
kann auch garkein Polnisch. Ich kennne es aus dem östlichsten Zipfel
Oberschlesiens, was vor dem zweiten Weltkrieg de facto zweisprachige
Grenzregion war.

Zutaten waren WIMRE Kraut, Kartoffeln, Fleischwaren (je nach
Verfügbarkeit Fleischwurst, Würstchen, Kassler), Zwiebeln, bei den
Gewürzen kann ich mich bloß prominant an nicht zu knapp Paprika erinnern
ob der rötlichen Farbe.

Man ist sich allerdings ziemlich einig, daß es erst nach dem dritten
Aufwärmen richtig schmeckt ;-)

Gruß,
Florian

Dorothee Hermann

unread,
Feb 10, 2016, 6:09:14 PM2/10/16
to
Am 10.02.2016 um 21:22 schrieb Florian E. Teply:

>> [ ... Schlachtekraut ...]


> Hmm, das einzige was mir zu der Beschreibung einfällt, wäre Bigos.
> Zutaten waren WIMRE Kraut, Kartoffeln, Fleischwaren (je nach
> Verfügbarkeit Fleischwurst, Würstchen, Kassler), Zwiebeln, bei den
> Gewürzen kann ich mich bloß prominant an nicht zu knapp Paprika
> erinnern ob der rötlichen Farbe.

Oh, das kenn ich auch gut. Kann man prima in größeren Mengen für mehrere
Personen und mit diversen Fleisch-/Wurstzugaben verändern.
Ist vielleicht dann nicht superoriginal, aber 'lecker'. ;-)

> Man ist sich allerdings ziemlich einig, daß es erst nach dem dritten
> Aufwärmen richtig schmeckt ;-)

Hat es bei uns damals nie erreicht (WG, Haus, 5 Pers., kaum Bafög),
vielleicht waren wir aber auch bloß verfressen.


Dorothee, könnte ich auch mal wieder machen ...

Lars Krause

unread,
Feb 11, 2016, 1:34:20 AM2/11/16
to
Guten Morgen,

Ludger Averborg schrieb:

> <anto...@freenet.de> wrote:
>
>> Ludgers Ausführungen kann ich bestätigen.
>> Wusste gar nicht, dass er aus Sachsen stammt...
>>
> Nur meine Kenntnisse über sächsisches Essen muss ja nicht
> bedeuten, dass ich da her stamme. Man soll ja mit
> persönlichen Informationen im Netz so sparsam sein wie
> möglich.

Naja, Ansichten ändern sich, das hatte er einmal anders.
In seiner Signatur stand die vollständige Adresse.

Grüße
Lars

--
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Kathinka Wenz

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Feb 11, 2016, 2:30:33 AM2/11/16
to
Ich kenne die Schlachteplatte. Da ist das Sauerkraut aber nur eines von vielen
Zutaten, daher ist es im Namen auch nicht mehr vorhanden.

Wikipedia kennt es als Schlachtplatte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlachtplatte

Schlachteplatte kommt wohl aus dem Schwäbischen. Da ich da nicht her komme,
bin ich aber nicht sicher. ;-)

In Norddeutschland gibt es nichts in der Richtung, wir haben stattdessen
Labskaus. :-D

Gruß, Kathinka

Wolfgang Kynast

unread,
Feb 11, 2016, 5:34:50 AM2/11/16
to
On Wed, 10 Feb 2016 23:30:32 -0800 (PST), "Kathinka Wenz" posted:

>On Wednesday, February 10, 2016 at 6:10:29 PM UTC+1, Helene Brandstaetter wrote:
>> "Dorothee Hermann" schrieb:
>> ...> Unter welchen Namen kennt Ihr das?
>> In Franken heißt das 'Schlachtschüssel' und besteht i.d.R. aus Sauerkraut,
>> Blut- und Leberwürsten, gekochtem Bauchfleisch und Bratwürsten.
>
>Ich kenne die Schlachteplatte. Da ist das Sauerkraut aber nur eines von vielen
>Zutaten, daher ist es im Namen auch nicht mehr vorhanden.
>
>Wikipedia kennt es als Schlachtplatte:
>https://de.wikipedia.org/wiki/Schlachtplatte
>
>Schlachteplatte kommt wohl aus dem Schwäbischen.

Awa, des bassd doch iberhaupd net in onser Sproch nei.

Ich verorte das Wort in Mittel/Nordhessen und Thüringen.

--
Schöne Grüße,
Wolfgang

hansr...@googlemail.com

unread,
Feb 12, 2016, 12:21:44 PM2/12/16
to
Am Mittwoch, 10. Februar 2016 18:10:29 UTC+1 schrieb Helene Brandstaetter:

> ...> Unter welchen Namen kennt Ihr das?

> In Franken heißt das 'Schlachtschüssel' und besteht i.d.R. aus Sauerkraut,
> Blut- und Leberwürsten, gekochtem Bauchfleisch und Bratwürsten.

Im Elsaß sollte man nicht verabsäumen, Choucroute einzunehmen,
schmeckt wunderherrlich, aber wie stets in dem Landstrich sind
die Portionen einfach zu groß - FR

Dorothee Hermann

unread,
Feb 12, 2016, 12:53:26 PM2/12/16
to
Am 12.02.2016 um 18:21 schrieb Hans Biermann:
> Am Mittwoch, 10.02.2016 um 18:10 schrieb Helene Brandstaetter:
>> ... Unter welchen Namen kennt Ihr das?

>> In Franken heißt das 'Schlachtschüssel' und besteht i.d.R. aus
>> Sauerkraut, Blut- und Leberwürsten, gekochtem Bauchfleisch und
>> Bratwürsten.

Heißt in Bayern ähnlich: 'Schlachtplatte':
http://www.grillsportverein.de/forum/threads/kinzigtaeler-schlachtplatte-brutal-wie-sau.181369/

> Im Elsaß sollte man nicht verabsäumen, Choucroute einzunehmen,
> schmeckt wunderherrlich, aber wie stets in dem Landstrich sind die
> Portionen einfach zu groß

Die Portionen sind, wie überall, von Gasthaus/Restaurant zu
Restaurant/Gasthaus verschieden:
https://www.google.de/search?q=Choucroute&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiEqca_4vLKAhUDOQ8KHaxzDg4Q_AUIBygB&biw=1227&bih=558

https://www.google.de/search?rls=ig&biw=1227&bih=558&site=webhp&tbm=isch&sa=1&q=schlachtplatte+bayrisch&oq=schlachtplatte+bayrisch&gs_l=img.3..0i8i30.39803.43488.0.43685.15.15.0.0.0.0.150.1627.1j13.14.0....0...1c.1.64.img..1.5.646.MdQc16DKNuM


Dorothee

Hartmut Ott

unread,
Feb 12, 2016, 2:30:22 PM2/12/16
to
Hej,

Am 11.02.2016 um 08:30 schrieb Kathinka Wenz:


> Schlachteplatte kommt wohl aus dem Schwäbischen. Da ich da nicht her komme,
> bin ich aber nicht sicher. ;-)
>
> In Norddeutschland gibt es nichts in der Richtung, wir haben stattdessen
> Labskaus. :-D

Am Schlachttag gab es bei uns es Stich (das Teil, wo das Schwein
abgestochen wurde) oder Wellfleisch.


mfg
Hartmut Ott
*Wir alle tragen den Heiligenschein des gewöhnlichen Wahnsinns*
--
Trage es lachend

Hans-Jürgen Meyer

unread,
Feb 12, 2016, 3:56:54 PM2/12/16
to
Am 11.02.2016 um 08:30 schrieb Kathinka Wenz:
> On Wednesday, February 10, 2016 at 6:10:29 PM UTC+1, Helene Brandstaetter wrote:
>> "Dorothee Hermann" schrieb:
>> ...> Unter welchen Namen kennt Ihr das?
>> In Franken heißt das 'Schlachtschüssel' und besteht i.d.R. aus Sauerkraut,
>> Blut- und Leberwürsten, gekochtem Bauchfleisch und Bratwürsten.
>
> Ich kenne die Schlachteplatte. Da ist das Sauerkraut aber nur eines von vielen
> Zutaten, daher ist es im Namen auch nicht mehr vorhanden.
>
> Wikipedia kennt es als Schlachtplatte:
> https://de.wikipedia.org/wiki/Schlachtplatte
>
> Schlachteplatte kommt wohl aus dem Schwäbischen. Da ich da nicht her komme,
> bin ich aber nicht sicher. ;-)
>
Das würde ich auch stark anzweifeln. Eine Schlachteplatte gibt es in
irgendeiner Art mit wechselnden Zutaten in ganz Deutschland.

> In Norddeutschland gibt es nichts in der Richtung, wir haben stattdessen
> Labskaus. :-D
>
Labskaus gibt es direkt an der Küste. Aber auch da gibt es
Schlachteplatten. Man lebt da auch nicht nur von Fisch ;)

Raum Hannover zählt auch zu Norddeutschland. Und da hast Du dann unrecht
mit dem Labskaus. Den gibt es da schon nur noch bei umgesiedelten und
Seefreunden.

Das Bild zeigt die warme Schlachteplatte. Und auf die wird hier
verlinkt: https://de.wikipedia.org/wiki/Nieders%C3%A4chsische_K%C3%BCche
Dazu gibt es hier dann gelegentlich auch noch Pfannenschlag. Und auf
keinen Fall vergessen: Salzkartoffeln.

Dann gibt es noch die kalte Schlachteplatte oder Wurstemolle (auch
Schlachtemolle). Also sowas in der Art:
http://www.mm-cateringservice.de/bildergalerie.html#
Aber natürlich ohne Räucherware.

Da ist üblicherweise mindestens folgendes drin/drauf: reichlich Mett,
Leberwurst, Rotwurst und Schweinesteak. Dann gibt es üblicherweise noch
etwas davon: frische Mettwurst, Bregenwurst, Speckwurst, Schnauze mit
Mett, Sülze und Knappwurst.

Dazu gehören Butter, eingelegte Gurken oder auch anderes Sauergemüse,
Zwiebeln und ein deftiges Brot. Und wenn es schon abgekühlt ist:
Griebenschmalz.

Getränke dazu: Frische Schweinebrühe oder Pils und Korn oder Kümmel oder
Wacholder.

Leider lässt das alles nach. Hausschlachtung ist heute fast unmöglich
geworden... :(

Hans-Jürgen



Hans-Jürgen Meyer

unread,
Feb 13, 2016, 12:50:42 AM2/13/16
to
Am 13.02.2016 um 06:22 schrieb Hans-Juergen Lukaschik:
> Hallo Hans-Jürgen,
>
> am Freitag, 12 Februar 2016 21:56:47
> schrieb Hans-Jürgen Meyer <spamme...@gmx.de>:
>
>> Leider lässt das alles nach. Hausschlachtung ist heute fast unmöglich
>> geworden... :(
>
> Das Erste, das es bei uns noch abends nach dem Schlachten gab, war
> Tollatsch.
>
> <https://de.wikipedia.org/wiki/Tollatsch>
>
Bei uns gab es nach dem Schlachten Wurst vom letzten Schwein. Einen
anständigen Doppelkorn und ein Bier. Das Blut wurde am nächsten Tag für
die Rotwurst gebraucht.

> Mehr als Blut stand, neben den Innereien, Füßen, Kopf und Schwanz, noch
> gar nicht zur Verfügung. Zerlegt wurde erst am nächsten Tag, über Nacht
> hing das Schwein draußen in der Kälte.
>
Das Schwein wurde mittig aufgebrochen und "ausgeräumt". Die Innereien
wurden gewässert. Der Darm gereinigt. Dann hat man das Schwein mit den
Hinterläufen auf ein Krummholz gespannt und an die Hauswand gehängt.
Dann kam der Veterinär um die Freigabe zu erteile. Und am nächsten
morgen um 4 wurde der Waschkessel angeheizt. Und dann wurde das Schwein
zerlegt und gewurstet. Mittags war alles erledigt. Die ganzen Utensilien
fürs Schlachten habe ich heute noch. Selbst den Haken an der Hauswand.
Der Räucherofen hat leider mittlerweile nach mehr als einem halben
Jahrhundert das zeitliche gesegnet :(

Hier wird das Schlachten sehr schön und treffend beschrieben:
http://www.wernges.de/hausschlachtung-frueher.html

Hans-Jürgen


Daniel Krebs

unread,
Feb 15, 2016, 1:29:17 PM2/15/16
to
Lars Krause <new...@nord-com.net> wrote:

> Guten Morgen,
>
> Ludger Averborg schrieb:
>
> > <anto...@freenet.de> wrote:
> >
> >> Ludgers Ausführungen kann ich bestätigen.
> >> Wusste gar nicht, dass er aus Sachsen stammt...
> >>
> > Nur meine Kenntnisse über sächsisches Essen muss ja nicht
> > bedeuten, dass ich da her stamme. Man soll ja mit
> > persönlichen Informationen im Netz so sparsam sein wie
> > möglich.
>
> Naja, Ansichten ändern sich, das hatte er einmal anders.
> In seiner Signatur stand die vollständige Adresse.

Auch sein Geburtsjahr hat er gern gepostet, so wie sein Gewicht.
Daniel

--
"Die Ratten schrubben das sinkende Schiff
mit der Zahnbürste, mit der Klobürste,
mit der Nietzsche-Büste."
Baader
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