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Triebwerkslärm aus großer Höhe?

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Thomas Roessing

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Apr 2, 2009, 3:14:59 PM4/2/09
to
Moin,
ich war die Tage an der Nordsee (auf Baltrum) im Urlaub. Zweimal kam es
bei Wanderungen (einmal am Strand, einmal in den Dünen, Wind lt.
Wetterbericht 5-7 Bft) vor, dass ich deutlich wahrnehmbaren
Triebwerkslärm hörte. Ich dachte an Militärflugzeuge und suchte den
Himmel danach ab, konnte aber keine entdecken - dafür aber
Kondensstreifen mit Flugzeugen an der Spitze in ziemlich großer Höhe,
nehezu senkrecht über mir; ich würde schätzen ca. 35.000 ft. Mein Bruder
hat übrigens unabhängig von mir genau das gleiche gehört und beobachtet.

Nun frage ich mich, ob man tatsächlich Flugzeuge aus so großer Höhe am
Boden hören kann. Erstens ist 10 km ziemlich weit weg und zweitens ist
die Luft da oben ja so dünn, dass zum Schallübertragen nicht viel
vorhanden ist.

Dass ich hier zuhause dergleichen nie erlebt habe, dürfte einerseits
daran liegen, dass in der Großstadt allgemeiner Lärm viel lauter ist -
und daran, dass man in Mainz prkatisch immer Flugzeuge hört, freilich
aus viel geringeren Höhen.

Weiß zu dem Phänomen jemand was?

Vielen Dank und viele Grüße

Thomas

--
http://www.roessing.org
http://forum.trgsites.de
http://wiki.meinungsklima.de
t...@trgsites.de

Jürgen Exner

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Apr 2, 2009, 3:25:08 PM4/2/09
to
Thomas Roessing <nachr...@roessing.org> wrote:
>Nun frage ich mich, ob man tatsächlich Flugzeuge aus so großer Höhe am
>Boden hören kann. Erstens ist 10 km ziemlich weit weg und zweitens ist
>die Luft da oben ja so dünn, dass zum Schallübertragen nicht viel
>vorhanden ist.

Ja, ist kein Problem. Passiert mir beim Wandern in den Cascades oder
anderen abgelegenen Gebieten laufend.



>Dass ich hier zuhause dergleichen nie erlebt habe, dürfte einerseits
>daran liegen, dass in der Großstadt allgemeiner Lärm viel lauter ist -

Eben. Leider ist der Mensch inzwischen so an Hintergrundlaerm gewoehnt,
dass er ihn kaum noch als Stoerfaktor wahrnimmt sondern ihn fuer normal
haelt.

jue

Wolfgang Decker

unread,
Apr 2, 2009, 5:16:59 PM4/2/09
to
Thomas Roessing <nachr...@roessing.org> schrub:

>Nun frage ich mich, ob man tatsächlich Flugzeuge aus so großer Höhe am
>Boden hören kann. Erstens ist 10 km ziemlich weit weg und zweitens ist
>die Luft da oben ja so dünn, dass zum Schallübertragen nicht viel
>vorhanden ist.

Überhaupt kein Problem.
Meine Schwiegereltern hatten einen Bauernhof "am Land" am Ende einer
Sackgasse weg von Straßen und umringt von Kuhweiden. Das einzige, was da
zu hören war, waren die Glocken der Kühe und die Flugzeuge in 10.000
Meter Höhe.

lg
Wolfgang
--
Das Problem ist oft, dass die Anbieter gar nicht wissen, was sie anbieten
wollen, könnten oder sollten und die resultierende Inhaltslosigkeit dann
hinter einer bunten Fassade kaschieren. Christoph Päper in dciwam
Neu: http://www.traumrouten.com/namibia

Uwe Hercksen

unread,
Apr 3, 2009, 4:18:18 AM4/3/09
to

Thomas Roessing schrieb:

> Nun frage ich mich, ob man tatsächlich Flugzeuge aus so großer Höhe am
> Boden hören kann. Erstens ist 10 km ziemlich weit weg und zweitens ist
> die Luft da oben ja so dünn, dass zum Schallübertragen nicht viel
> vorhanden ist.

Hallo,

wenn Du noch gut hörst und gerade in einer Umgebung mit geringem
Lärmpegel bist, warum nicht? Hochfliegende Flugzeuge habe ich auch schon
öfter gehört. Die Luft dort oben ist immer noch dicht genug das die
Tragflächen und Treibwerke funktionieren, das reicht auch für die
Schallübertragung. Wenn die Dichte der Luft nach unten hin ganz
plötzlich zunehmen würde, dann würde der Schall an dieser Grenzschicht
reflektiert, so wie Schall aus der Luft an der Wasseroberfläche
reflektiert wird. Aber in der Realität nimmt die Dichte nach unten hin
ganz langsam und gleichmässig zu und es wird kein Schall reflektiert.

Wenn die Lautstärke mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, dann wird
bei 10 km statt 10 m Flughöhe die Lautstärke um den Faktor 10^-6
kleiner, das sind nur 60 dB weniger. Bei 120 dB bleiben also noch ca. 60
dB übrig, das reicht locker zum Hören:
http://www.code-knacker.de/dba.htm
auch wenn nur noch 40 bis 50 dB am Boden ankommen.

Bye

Rainer Fredrich

unread,
Apr 3, 2009, 12:57:38 PM4/3/09
to
On 3 Apr., 10:18, Uwe Hercksen <herck...@mew.uni-erlangen.de> wrote:
> Thomas Roessing schrieb:

>
> Wenn die Lautstärke mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt,

Ist das tatsächlich so?

Christian Zietz

unread,
Apr 3, 2009, 2:00:14 PM4/3/09
to
Rainer Fredrich schrieb:

>> Wenn die Lautstärke mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt,
>
> Ist das tatsächlich so?

Die Schallintensität nimmt mit 1/r^2 ab, der Schalldruck nur mit 1/r.
Uwes Rechnung mit den logarithmischen Schalldruckpegel stimmt dennoch.

Christian
--
Christian Zietz - CHZ-Soft - czietz (at) gmx.net
WWW: http://www.chzsoft.com.ar/
PGP/GnuPG-Key-ID: 0x6DA025CA

Jakob Krieger

unread,
Apr 3, 2009, 2:57:11 PM4/3/09
to
- Rainer Fredrich


>> Wenn die Lautstärke mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, ...

> Ist das tatsächlich so?

Die Dämpfung in der Luft ist sehr stark frequenzabhängig,
und das auch wieder unterschiedlich je nach Temperatur und
Luftfeuchtigkeit.

Insofern sind solche Rechnungen immer nur als Modell zu
verstehen.

vgl

http://de.wikipedia.org/wiki/Schalldruckpegel#Abh.C3.A4ngigkeit_von_der_Messentfernung

Man geht davon aus, dass mit Verdoppelung des Abstandes
der Schall um 6 dB abnimmt, vei Vervierfachung also um
12 dB, was dann ungefähr eine Halbierung der wahrgenommenen
Lautstärke ist (das wäre bei 10 dB der Fall)


Tiefe Töne (Donnergrollen) tragen viel weiter als hohe
(Winpfeifen an der Hausecke), und wenn noch Resonanz-
Effekte dazu kommen, kann man den Taschenrechner gleich
einpacken. Dann hilft nur Messen und Dokumentieren.


--
no sig

Volker Gringmuth

unread,
Apr 3, 2009, 5:57:37 PM4/3/09
to
Uwe Hercksen wrote:

> Wenn die Lautstärke mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, dann wird
> bei 10 km statt 10 m Flughöhe die Lautstärke um den Faktor 10^-6
> kleiner, das sind nur 60 dB weniger. Bei 120 dB bleiben also noch ca. 60
> dB übrig, das reicht locker zum Hören:

Die Rechnung ist ein bissel schief :)

Die Leistung des Schallfeldes nimmt im freien Schallfeld mit dem Quadrat der
Entfernung ab. Logisch.

Unser Ohr wertet aber nicht die Leistung, sondern nur den Schalldruck aus,
Der Schalldruck, in Pa gemessen und meist als Schalldruckpegel in dB SPL
ausgedrückt (0 dB SPL = 20 µPa), nimmt linear mit der Entfernung ab (freies
Schallfeld vorausgesetzt, ganz homogen ist es hier nicht wegen der nach
oben abnehmenden Luftdichte, aber egal). Faktor 1000 entspricht in der
Pegeldarstellung - dieses Ergebnis stimmt - 60 dB Abnahme des Schalldrucks
(nicht der Lautstärke).

Die empfundene Lautstärke ist eine subjektive Sache und auch noch
psychoakustischen und wahrnehmungspsychologischen Prozessen unterworfen;
sie richtet sich nicht nach dem technischen Pegel, sondern ist schon
physiologisch höchst unlinear und dazu noch stark vom Frequenzspektrum und
der Zeitlichen Änderung des Geräusches abhängig.


vG

--
Diese Nachricht wurde mit freundlicher Unterstützung eines freilaufenden
Pinguins erstellt und ist garantiert frei von Microsoft-Viren.
-- <http://einklich.net> -- Ein Pinguin für jeden: <http://debian.org/> --

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Ralf Handel

unread,
Apr 5, 2009, 2:24:07 PM4/5/09
to
"Volker Gringmuth" <vgrin...@gmx.net> schrieb im Newsbeitrag
news:5164656.j...@marvin.einklich.net...

> Die empfundene Lautstärke ist eine subjektive Sache und auch noch
> psychoakustischen und wahrnehmungspsychologischen Prozessen unterworfen;

hehehe...
neulich, während eine hiphop-formation spielte (mit livebegleitung, key,
bass,
drums), wirklich extreeeeeem gut, kam einer ans pult:
"der bass ist vieeeel zu laut"
"HÄ?"
"der bass ist zu laut !!elf"
"HÄ?"
"der ba....grmblfx"
"HÄ?"

ja, wenn der wicht sich 2m vor den subs rumdrückt ists freilich zu laut ;-)

aber generell kommts schon hin, mit der quadratischen lautstärkeabnahme.
so quer übern daumen....

war gestern auch etwas störend aufm balkon, da hat man ausser den
waldvögeln nur die aus eisen gehört....immerhin waren die deutlich
höher als die gen norden ziehenden wildgänse. netter anblick :-)

CU Ralf


Thomas Roessing

unread,
Apr 6, 2009, 11:04:16 AM4/6/09
to
Moin,
danke an alle für die interessanten Informationen! Ich bin immer wieder
baff, wie viel man im Usenet immer noch lernen kann.

Viele Grüße

Uwe Hercksen

unread,
Apr 8, 2009, 5:59:58 AM4/8/09
to

Christian Zietz schrieb:

> Die Schallintensit�t nimmt mit 1/r^2 ab, der Schalldruck nur mit 1/r.


> Uwes Rechnung mit den logarithmischen Schalldruckpegel stimmt dennoch.

Hallo,

eigentlich wollte ich auch Schalleistung statt Lautst�rke schreiben...

Bye

Uwe Hercksen

unread,
Apr 8, 2009, 6:03:07 AM4/8/09
to

Volker Gringmuth schrieb:

> Die Rechnung ist ein bissel schief :)

Hallo,

die Bezeichnung war falsch, aber die Rechnung stimmte doch. ;-)

Bye

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