Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

JAR-FCL3 - Kosten

2 views
Skip to first unread message

W. Marmit

unread,
Jul 9, 2003, 3:41:06 AM7/9/03
to
Hi NG,

folgende (veröffentlichte) eMail des Hrn. Fliegerarzt Dr. W.
Müller-Goldbeck habe ich unter
http://www.fliegerarztverband.de/index2.htm gefunden...

" ... Wenn der Untersuchungsumfang auch vordergründig abgenommen hat,
so ist der AME viel mehr mit Administration beschäftigt: der AME
verlängert
die Lizenz, der Pilot legt sein Tauglichkeitszeugnis in seinen Schein
ein und darf weiterfliegen, braucht nicht bei der Behörde einreichen
und braucht dort auch keine Gebühren für die Verlängerung bezahlen."
Zitat Ende

Diese Aussage ist für jeden nachzuvollziehen und entspricht (bis
jetzt) den Tatsachen. Der vom LBA geforderte, erhöhte
Verwaltungsaufwand ist zweifelsohne vorhanden. Andererseits wird
prompt die "freigesetzte Gebührenbelastung" avisiert, die man sich
doch in diesem günstigen Moment anzueignen empfiehlt. Da klingt ein
gut wahrnehmbarer Sarkasmus durch: Da hat ein Pilot doch tatsächlich
einfach so einen reduzierten Gebührenaufwand dadurch, daß er nur noch
alle 5 Jahre zur Behörde dackeln muß und soll jetzt auch noch einfach
so mit weniger Kosten davonkommen? Na, das müßte sich doch
"umverteilen" lassen - oder?

Und dann weiter:

"Also wirtschaftlich denken und nicht zwei und mehr Stunden am PC
hängen, den
Piloten untersuchen und dann pauschal lediglich EUR 80,-- berechnen!!"
Zitat Ende

Dies bestätigt den Verdacht, der sich bei vielen Fliegern seit
Bekanntwerden der JAR-FCL3 latent vorhanden sein dürfte: Die Flieger
zahlen die Zeche.
Wer etwas anderes gedacht hat, dürfte nun mittlerweile von gewissen
Zeitgenossen als hoffnungslos naiv belächelt werden.

"Die zwei und mehr Stunden am PC hängen" (gemeint ist wohl
Gesamtaufwand pro Tag für mehrere Untersuchungen) sollen also auf die
Untersuchungskosten draufgeschlagen/verteilt werden.

Meines Wissens (man korrigiere mich) ist der Arzt berechtigt Gebühren
für ärztliche Leistungen zu berechnen, nicht für die Verwaltung seiner
Patientendaten. Da könnte man als Kunde doch künftig glatt mal auf die
Idee kommen, eine detaillierte Rechnung mit den festgelegten
Gebührensätzen vorgelegt zu bekommen - rein mal so aus Interesse. Und
wenn sich dann eine Pauschale für das Rumhängen am PC finden läßt...

Um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen: Ich adressiere hier nicht
die Gebührensätze oder die vorhandenen/nicht vorhandenen Aufwände der
Fliegerärzte - ich kritisiere den Automatismus, so unverblümt die
Selbstbedienung auszurufen und sich am "Ende der Kette" (=Kunde)
schadlos zu halten. Ein Arzt der >_primär_< wirtschaftlich
argumentiert statt Lösungen gemeinsam mit den Kunden zu suchen ist
keinen Deut besser als ein Manager, dem in schwierigen Zeiten als
Erstes das Wort "Entlassung" einfällt.

Ein jeder möge sich sein eigenes Bild darüber machen.


Fliegergruß,

Winnie

P.S. Da könnte man doch glatt auf die Idee kommen, dem Finanzamt eine
Rechnung für die Dauer des Ausfüllens seiner Steuererklärung
zuzustellen ;-)

Dr. Oliver Brock

unread,
Jul 9, 2003, 4:42:26 PM7/9/03
to
Hallo Winni,

bei einem kannst Du GANZ sicher sein:

Kein einziger Fliegerarzt in Deutschland, bis vielleicht auf den im LBA,
wollte die JAR-FCL in dieser Form.

Sei doch so nett, und nimm´ einmal vertrauensvollen Kontakt mit Deinem
Fliegerarzt auf, und lass Dir von ihm erklären, was die Verwaltungsarie
"JAR" für die Fliegerärzte seit 1.5. alles bedeutet.

Die Bemerkungen zum Finanzamt etc. schreibe ich mal dem Affekt zu.

Übrigens sollte jeder Fliegerarzt ohnehin eine detaillierte Rechnung
stellen, denn dann läufts erstens über die Steuer (keine
Schwarzrechnungen unter der Hand mehr, was das bedeutet, weisst Du
sicher), zweitens merken dann vielleicht einige, dass ein KFZ-Mechaniker
oder der Klempner, der ins Haus kommt, mehr berechnet als die meisten
Ärzte, die als flugmedizinische Sachverständige (offizieller Terminus)
nicht nur mal eben ein Attest ausstellen, sondern für den
Gesundheitszustand des Piloten (mit allen Konsequenzen)geradestehen!


Beste Grüße,

Oliver

W. Marmit

unread,
Jul 10, 2003, 8:09:21 AM7/10/03
to
At 21:12 09 July 2003, Dr. Oliver Brock wrote:

Hi Oliver,

ich weiß nicht warum ich geahnt habe, daß du dich angesprochen
fühlst ;-)

>Kein einziger Fliegerarzt in Deutschland, bis vielleicht
>auf den im LBA,
>wollte die JAR-FCL in dieser Form.

Das glaube ich Dir unbesehen. Fakt ist aber: sie ist
da - und euer Verband konnte wohl nicht allzu viel
dagegen ausrichten (leider).

>Die Bemerkungen zum Finanzamt etc. schreibe ich mal
>dem Affekt zu.

Bitte keine Ferndiagnosen - ich bin äußerst sensibel
und habe oft den Schalk im Nacken ;-)

>Übrigens sollte jeder Fliegerarzt ohnehin eine detaillierte
>Rechnung
>stellen, denn dann läufts erstens über die Steuer (keine
>
>Schwarzrechnungen unter der Hand mehr, was das bedeutet,
>weisst Du
>sicher),

Ich beschäftige keine Schwarzarbeiter; auch keine Fliegerärzte.

>zweitens merken dann vielleicht einige, dass ein KFZ-Mechaniker
>
>oder der Klempner, der ins Haus kommt, mehr berechnet
>als die meisten
>Ärzte, die als flugmedizinische Sachverständige (offizieller
>Terminus)
>nicht nur mal eben ein Attest ausstellen, sondern für
>den
>Gesundheitszustand des Piloten (mit allen Konsequenzen)geradestehe
>>n!

Wem sagst du das? Sogar mit der Unterschrift 20 Jahre
im Voraus - ist üblich in der produzierenden Luftfahrtbranche
- nicht nur bei Fliegerärzten :-)

Ich weiß nicht, warum ich in meinem Posting gleich
geschrieben hatte, daß ich nicht die Gebührensätze
an sich adressiere, sondern lediglich den unverblümten
Aufruf deines werten Kollegen die freiwerdenden Kosten
gleich 'umzuverteilen'.

Du hast dir doch nichts vorzuwerfen, weshalb also so
angefasst reagieren? Es liegt mir fern dir Standesdünkel
unterstellen zu wollen zumal ich weiß, daß du hier
immer sehr sachliche Beiträge abgegeben hast.

Im Übrigen habe ich ein sehr gutes (Kunden-)Verhältnis
zu meiner Fliegerärztin :-)

Fliegergruß,


Winnie

Karl-Heinz Schulze

unread,
Jul 10, 2003, 5:57:01 PM7/10/03
to
Hallo Oliver!

>nicht nur mal eben ein Attest ausstellen, sondern für den
>Gesundheitszustand des Piloten (mit allen Konsequenzen)geradestehen!

Aber er trägt die Verantwortung doch nur auf dem Papier. Ich kann mir
kaum vorstellen, dass ein Fliegerarzt wirklich einmal herangenommen
wird, wenn ein Pilot aus gesundheitllichen Gründen Mist baut.

Viele Grüsse
Karl

Dr. Oliver Brock

unread,
Jul 11, 2003, 9:22:10 AM7/11/03
to
Karl-Heinz Schulze schrieb:

Hallo Karl,

da kennst Du aber die deutsche Justiz schlecht! Wenn sich z.B. nach
einem Unfall herausstellt, dass der Pilot z.B. eine chronische
Erkrankung hatte, die mit zum Unfall beigetragen haben könnte, wird
mindestens eine Versicherung erstmal die Güte des Medicals in Frage
stellen!
Dann muss erstmal der Doc beweisen, dass er alles angemessene bezüglich
der Diagnostik gemacht hat.


Gruß,

Oliver


Karl-Heinz Schulze

unread,
Jul 11, 2003, 7:00:32 PM7/11/03
to
Hallo Oliver,

>da kennst Du aber die deutsche Justiz schlecht! Wenn sich z.B. nach
>einem Unfall herausstellt, dass der Pilot z.B. eine chronische
>Erkrankung hatte, die mit zum Unfall beigetragen haben könnte, wird
>mindestens eine Versicherung erstmal die Güte des Medicals in Frage
>stellen!
>Dann muss erstmal der Doc beweisen, dass er alles angemessene bezüglich
>der Diagnostik gemacht hat.

Du hast Recht: Ich kenne die Justiz schlecht. Aber nach dem was man
allgemein über Ärztepfusch hört und liesst und wie schwer es scheinbar
ist, etwas nachzuweisen, nehme ich einfach mal an, dass es beim
Medical nicht anders ist. Warum sollte ausgerechnet hier "heile Welt"
sein? Aber wie gesagt: Ich kann nur vermuten.

Viele Grüsse
Karl

P.S. Ich finde Deine Hilfsbereitschaft hier in diesem Forum wirklich
vorbildlich und lese deine Statements immer gerne.

0 new messages