Am Mon, 21 Sep 2015 18:00:46 +0200 schrieb Martin Gerdes:
> Lutz Schulze <
lsch...@netzwerkseite.de> schrieb:
>
>>> Die Buderus-Kessel sind berüchtigt für ihre hohe (zu hohe?)
>>> Startleistung (um die 11 kW), die sie erstmal etwa eine Minute halten,
>>> bevor sie heruntermodulieren.
>
>> Interessant und gut zu wissen, bevor man sich entscheidet. Ist das bei
>> anderen Fabrikaten besser oder geht es technisch aus irgendwelchen Gründen
>> nicht anders?
>
> Wenn so ein Kessel losläuft, muß er erstmal in einen stabilen
> Betriebszustand kommen. Das geht technisch nicht anders. Dazu läuft mein
> Kessel mit 40% Kesselleistung und 30% Pumpenleistung los und bleibt dann
> etwa 1 Minute bei diesen (nicht konfigurierbaren Parametern). Nochmal
> nachgerechnet: 40%x24kW=9,6kW, also etwas weniger, als ich aus der
> Erinnerung angegeben habe.
>
> Diese Leistung ist viel zu hoch für den Wärmebedarf der Übergangszeit.
>
> Ein Heizungsinstallateur, den ich darauf angesprochen habe, sagte mir,
> andere Fabrikate könne man auch in dieser Betriebsphase parametrieren
> (er verbraue vorwiegend Brötje), die Buderus-Kessel seien berüchtigt für
> ihre hohen Startparameter. Ich kann das nicht verifizieren, weiß auch
> nicht, wieviel Eigenwerbung bei dieser Aussage ist.
>
> Was passiert nun, wenn der Kessel startet?
>
> Der Kessel läuft los wie die Feuerwehr, die Kesseltemperatur schießt in
> die Höhe, die Pumpe pumpt mit ihrer festgenagelten Leistung das warme
> Wasser nur müde ab, also erreicht die Kesseltemperatur relativ schnell
> den oberen Abschaltpunkt. Der liegt m.W. etwa 10° über der Heizkurve
> (wie sinngemäß der Einschaltpunkt 10° unter der Heizkurve liegt, was
> ganz gut zu den Angaben unseres OPs paßt). In der Übergangszeit ist die
> Heizkurve relativ niedrig, somit liegt auch diese Abschalttemperatur
> relativ niedrig.
>
> Es kann sein, daß der Kessel bereits nach 40 Sekunden den Abschaltpunkt
> erreicht hat. Viel Wärme hat er dann natürlich noch nicht ins Haus
> transportiert. Danach folgen 10 Minuten Brennersperrzeit (Diese Zeit ist
> auch nicht konfigurierbar).
>
> Reproduzierbar ist das nicht. Manchmal kommt er von sich aus über die
> Startphase hinweg, manchmal nicht. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht,
> stundenlang neben der Heizung zu sitzen und die Länge der einzelnen
> Heizphasen zu protokollieren, und ja, ich habe mir auch keinen Meßpc
> besorgt, denn ein Regular dieser Gruppe herstellt und verkauft. Dieses
> Gerät hätte das sicherlich gekonnt. :-)
>
> Gelingt es, den Kessel über die Startphase hinweg am Laufen zu halten,
> moduliert er herunter. Ich begrenze ihn dann auf eine möglichst geringe
> Leistung, was zwar das Aufheizverhalten verschlechtert, aber die
> Taktungen verringert und insgesamt zu einem weniger schlechten, nämlich
> ausgeglichenerem Heizverhalten sorgt (Denn beim nächsten Takt geht der
> Zirkus ja von neuem los).
>
>
> Ich habe mehrere Möglichkeiten herausgefunden, den Kessel über die
> Startphase hinwegzubringen:
>
> 1) manuell heizen: Ich drehe einen großen Heizkörper voll auf
> (Thermostat auf 5 oder 30°). Das erhöht in meinem Haus den Wärmebedarf
> so, daß der Kessel in der Startphase die Abschalttemperatur nicht
> erreicht. Leider muß ich dann dabeisitzen, bis das Haus eine angemessene
> Temperatur hat, und dann den Thermostat manuell wieder zurückdrehen.
> Dann kann man als außerhäusig Berufstätiger nicht leisten.
>
> 2) lange Abschaltphasen. Ich schalte den Kessel in der Nacht und in der
> Übergangszeit auch untertags einige Stunden aus; dadurch kühlt das Haus
> etwas ab, wodurch der Heizbedarf in der Wiederaufheizphase höher liegt,
> wodurch der Kessel leichter über seine Startphase hinwegkommt.
>
> 3) völlig verdrehte Heizkurve. Meine Heizkurve liegt nach gängigen
> Richtlinien auf der warmen Seite entschieden zu hoch. Ich komme dennoch
> ohne dies nicht aus, weil auch in der Startphase sich die obere
> Abschalttemperatur an der Heizkurve bemißt und nicht etwa an einer
> Sicherheitsabschalttemperatur. Der Kessel hält ja problemlos
> Heizwassertemperaturen von 80 Grad aus, bei der Brauchwassererwärmung
> hat er diese ja. Dadurch daß ich die Heizkurve übertrieben hoch gesetzt
> habe, kommt der Heizkessel über den anfänglichen Berg hinweg, danach
> setzt die Begrenzung ein und der Kessel hat ggf. stundenlang zu tun, bis
> er auch nur in die Gegend der Heizkurventemperatur kommt. Auch
> diesbezüglich gilt: Mit der "falschen" Heizkurve ist das Heizverhalten
> weniger schlecht als mit einer "korrekten" Heizkurve.
>
> Mit einer normalen Heizkurve bekomme ich ohne manuelle Intervention das
> Haus nicht automatisch angemessen warm.
>
>
> Wie Du weißt, protokolliere ich meine Heizungsverbräuche seit vielen
> Jahren ziemlich kleinteilig. Meine Spitzenverbräuche in den letzten
> Jahren lagen bei etwa 280kWh/d, also bei etwa 12kW Dauerleistung, und
> das auch nur an wenigen Tagen bei zweistelligem Frost (einschließlich
> Warmwasser, was etwa 10-15kWh am Tag braucht). Der Kessel leistet das
> Doppelte. Seine Mindestleistung liegt bei etwa 5kW. Das mal 24 Stunden
> sind 120kWh Verbrauch pro Tag. Das oder mehr haben wir im vergangenen
> Jahr an 48 Tagen gebraucht, im Jahr davor an 31 Tagen.
>
> Der an sich modulierende Kessel (der auch korrekt moduliert) ist nach
> meinem Dafürhalten überdimensioniert, er beginnt durchzulaufen, wenn die
> Außentemperatur etwa den Gefrierpunkt erreicht (Wärmebedarf des Hauses
> dann etwa 5 kW). Darüber taktet er (Wärmebedarf des Hauses geringer als
> Kesselmindestleistung). Es wäre vermutlich besser gewesen, einen Kessel
> mit 15kW einzubauen, der auch eine wesentlich niedrigere Mindestleistung
> gehabt hätte. Die Angst meiner Vermieterin vor Unterdimensionierung in
> Verbindung mit einem jovialen "viel hilft viel" des Installateurs
> ("Dimensionierung aus dem Handgelenk") hat das aber leider vereitelt.
>
> :-)
>
> Ich könnte mir gut vorstellen, daß der OP das gleiche Problem hat: Einen
> Kessel, der für sein Haus mutmaßlich zu groß ist.
>
> PS: Spiel doch mal den Vollquottel, damit unser Google-OP auch etwas von
> meinem Beitrag hat :-)
Mache ich doch gern ;-)
Danke für die Details, wenn mal ein Wechsel ansteht werde ich in dem Punkt
gezielt nachfragen.
Hier bullert ja im Moment noch ein 25 KW Niedertemperaturkessel los, ohne
Möglichkeit der Modulation. Auch hier schoss die Temperatur im Vorlauf
schnell hoch und der Kessel ging meist schon nach 60 - 70 Sekunden aus.
Diskussionen mit der Firma die auch die Wartung und Reparaturen erledigte
brachten nicht viel, eine Nachfrage beim Hersteller, die Kesselleistung
durch andere Düsen zu reduzieren war auch erfolglos. Im tiefsten Winter
brauchen wir hier maximal ca. 15 KW Leistung.
'Notlösung' war dann jedesmal beim Brennerlauf die Ladepumpe für das
Warmwasser mit anlaufen zu lassen (Bastelei mit einem Relais, schrieb ich
schon mal), das mildert die Spitzen etwas ab und der Brenner läuft länger.
Ob es vom Verbrauch her etwas bringt weiss ich nicht genau, zumindest denke
ich dass sich die Lebensdauer des Heizkessels durch weniger Starts erhöht.
Der nächste wird wohl dann ein Brennwertgerät sein, mal sehen ob der auch so
robust wie die bisherige Technik ist. Da gab es sehr wenig Ausfälle.