"Martin Gerdes" <
martin...@gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:lu1r68hd0p6l7h69s...@4ax.com...
Martin Kienass <
mar...@makienet.de> schrieb:
Im Rahmen einer verallgemeinernden Darstellung ist das aber unabdingbar.
>Aber es fällt schon auf, wenn (wie zum Beispiel bei mir
>geschehen) bei einem knapp 2½ Jahre alten TFT-Monitor die
>Hintergrundbeleuchtung die Grätsche macht und man dann im www auf
>Berichte von Leidensgenossen, Reparaturanleitungen und sogar fertig
>konfektionierte Reparatursätze mit den auszutauschenden Bauteilen
>stößt.
>Da könnte man schon mal auf den Gedanken kommen, dass da ein gewisser
>Plan dahintersteckt. Ob letztlich nun Absicht, Kostendruck oder
>Dummheit die tatsächliche Ursache für solche Ausfälle ist, weiss ich
>nicht, aber jedenfalls werde ich um diesen Hersteller zukünftig einen
>Bogen machen.
Und damit wäre das Ziel "Umsatzsteigerung" ja verfehlt. Was hat der
Hersteller von einem schlechten Ruf? Kaufen die Leute dann mehr BEI IHM?
>Ich habe dann Elektrolyt-Kondensatoren für insgesamt 11,95 € incl.
>Versand bestellt und in knapp 1 ½ Stunden das Netzteil repariert. Der
>Monitor läuft wieder, Neukauf eines ähnlich ausgestatteten Modells
>hätte mit ~350,-- € zu Buche geschlagen.
Hoppala, das muß schon ein besserer/größerer/etc. TFT-Monitor gewesen
sein, soviel kosten die heute doch nicht mehr!
>[...]
>> @Martin: Eine Dichtung ist nun einmal ein Verschleißteil (wem erzähle
>> ich das?). Ich habe neulich mal die Dichtung an meiner Küchenarmatur
>> gewechselt, weil die Armatur tropfte. Erfreulicherweise habe ich die
>> passende Ersatzdichtung bekommen
>> Wie hätte der Handwerker gerechnet? Er hätte erst einmal kommen müssen,
>> um den Schaden zu begutachten, denn die Fehlerbeschreibung des
>> durchschnittlichen Privatkunden ist so gut wie die unseres OPs. Mit
>> Glück hätte er dann die passende Dichtung im Wagen gehabt,
>Unwahrscheinlich. ... Die passenden
>Ersatzteile, sofern es nicht standardisierte Teile sind, wird er in der
>Regel immer gezielt mitbringen oder besorgen müssen.
Im vorliegenden Fall hatte der Betrieb die Dichtungen vorrätig (Ich habe
die Dichtung in dem Geschäft gekauft, das ich auch für die Reparatur
beauftragt hätte.) Ein pfiffiger Auftragsaufnehmer hätte nach Typ oder
wenigstens Marke der Armatur gefragt, in meinem Fall stand die Marke
außen drauf.
>> Was kostet die zusätzliche Anfahrt?
> Das ist eine Frage der Kalkulation des einzelnen Anbieters.
>Ich versuche dem Kunden am Telefon so viele Informationen wie möglich zu
>entlocken, damit die voraussichtlich erforderlichen Ersatzteile gleich
>mitgenommen werden können.
Ich sehe, Du bist ein pfiffiger Auftragsaufnehmer (oder hast einen
solchen am Telefon).
Immer klappt das aber nicht, beim besten Willen nicht, und Du mußt die
Kosten irgendwie darstellen können. Wenn Du dem speziellen Kunden eine
eventuell nötige zweite Anfahrt nicht berechnen willst, muß der Preis
dafür im Stundensatz eingerechnet sein.
>> Tauscht der Monteur die Armatur, hat der Kunde eine "one stop solution"
>> und dazu beide Seiten einigermaßen die Sicherheit, daß das Neuteil
>> technisch in Ordnung ist.
> Das geht aber nur, wenn keine Designansprüche seitens des Kunden mit im
> Spiel sind. Sobald Wert darauf gelegt wird, dass z.B. die neue Armatur
> auch zur restlichen Sanitärausstattung passen möge, geht das Spiel von
> vorn los.
Natürlich.
> Wir haben schon mal Dornbracht-Oberteile gekauft, zerlegt, entchromen
> lassen, neue Bediengriffe passend zur Form der vorhandenen Armaturen
> fräsen lassen und das ganze dann neu in "Altsilber" verchromen
> lassen. Stückpreis pro Oberteil: 489 €
> Einfach neue Oberteile, die in Form und Farbe nicht passen oder eine
> neue Armatur in ähnlicher Farbe aber nichtpassendem Design zu 1/10 bzw.
> 2/3 des Oberteil-Stückpreises kam für die Kundin nicht in Frage...:o)
> Zugegeben, die Regel sind solche Fälle nicht, aber in abgeschwächter
> Form gibt es das häufiger.
Der Kunde ist König; wenn er es bezahlt, ist das doch in Ordnung.
>[Erfolgreiche Staubsaugerreparatur]
>> Ich selbst bin ein leidenschaftlicher Reparierer, ich muß aber sehen,
>> daß manche Reparatur von den erforderlichen Mitteln unrealistisch ist
>> und vom Zeitaufwand zweimal, wenn man als Kunde die Zeit bezahlen muß.
> Das ist aber (auch) ein Problem, dass sich "die Industrie" jedenfalls
> teilweise ankreiden lassen muss. Reparaturfreundlichkeit ist das
> Stichwort.
Natürlich (und Verfügbarmachung von Serviceunterlagen).
> Einfachstes Beispiel: "Glühlampen"wechsel an KFZen. "Früher" konnte das
> jede(r) nicht völlig unbegabte Autofahrer(in) innerhalb von ein paar
> Minuten selbst erledigen, notfalls mit Hilfe des freundlichen
> Tankwarts.
"Früher" konnte man einen Schraubenschlüssel, den man im Motorraum
verlor, problemlos unter dem Auto wieder aufsammeln. Das geht heute auch
nicht mehr, so voll, wie ein moderner Motorraum ist.
> An modernen KFZ muss man schon genau wissen, welche Handgriffe in
> welcher Reihenfolge auszuführen sind
> Als mein freundlicher VW-Händler vor ein paar Jahren für den Wechsel
> des Xenon-Brenners am Passat geschmeidige 750 € aufgerufen hatte, hab
> ich erst geschluckt, dann gelacht und dann selbst geschraubt:
> Frontschürze ab, Scheinwerfer raus, Brenner wechseln, alles wieder
> zusammenbauen, "Lichttest" machen lassen.
Mir ist ein Birnchen der Armaturenbrettbeleuchtung ausgefallen -- zwei
Wochen, nachdem ich das andere hatte ersetzen lassen. Dazu muß man auch
ziemlich viel abbauen. Ich habe mich hinterher gefragt, warum der
Monteur nicht, als er alles schon abmontiert hatte, sämtliche Birnchen
ausgetauscht hat.
> Ich weiß, solche Konstruktionen sind bei Neufahrzeugen gemäß EU wohl
> nicht mehr zulässig, aber ich frage mich schon, ob der Hersteller
> seinen Vertragswerkstätten mit solchen vermeidbar umständlichen
> Reparaturmöglichkeiten nicht ein schönes Zusatzgeschäft bescheren
> wollte.
Ich glaube, daß derlei Dinge eher billigend in Kauf genommen, nicht aber
absichtlich einkonstruiert werden.
> Eigentlich bin ich mir sicher, dass dem so ist und dass das
> auch "zufriedenstellend funktioniert" hat. Schraubt ja nicht jeder sein
> Auto selbst auseinander, um eine Lampe zu erneuern.
> Die Anleitung zum Leuchtmittelwechsel findet sich konsequenterweise
> auch nicht in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs (da steht nur:
> "Fahren sie in die Werkstatt"), sondern im www.
Klar.
>> Und das ganz ohne die böse Industrie, die absichtlich kaputte Geräte
>> verkauft.
>Bist du Dir denn so sicher, dass der kaputte Kondensator keine
>"Sollbruchstelle" darstellte?
Man kann das in beide Richtungen nicht beweisen; bei einem Gerät, das
nach 15 oder 20 Jahren ausfällt, wäre ich eher geneigt, das Ende eines
normalen Lebens anzunehmen als eine bewußte Schlechtkonstruktion.
>Weniger ambitionierte Reparateure hätten den Staubsauger wahrscheinlich
>entsorgt und der Staubsaugerindustrie einen Neukauf-Umsatz beschert.
Ich bin im Zuge dessen mit einem Miele-Vertreter ins Gespräch gekommen,
der mir gesagt hat, daß Miele seine Waschmaschinen auf 5000 Stunden
Lebensdauer auslege (leg mich bitte nicht auf den genauen Wert fest,
deutlich länger jedenfalls als die Konkurrenz) und daß der Handel immer
daran herummäkele und frage, ob man die Geräte nicht etwas kürzerlebig
bauen könnte.
Klar ist, daß man in vielen Fällen mit einem mäßigen konstruktiven
Mehraufwand Geräte bauen könnte, die länger leben. Für mich wäre das
immer ein Thema; ich wäre normalerweise bereit, mehr Geld für ein
längerlebiges Gerät zu bezahlen. Andererseits stelle ich fest, daß ich
die meisten Geräte nicht etwa deswegen austausche, weil der Vorgänger
kaputt gewesen wäre, sondern deswegen, weil ich etwas Neues, Schöneres,
Besseres haben möchte. Und ich bin KEIN Modefatzke.
>Gerade bei diesen Motoranlaufkondensatoren ist es ja für den Hersteller
>leicht, die voraussichtliche Betriebsdauer bis zum Abrauchen
>abzuschätzen: Sie steht nämlich auf dem Kondensatorgehäuse oder ist im
>Datenblatt angegeben. Da kann man dann prima "auf Naht" kalkulieren und
>ein paar Ausfälle innerhalb der Garantie- bzw. Gewährleistungszeit in
>Kauf nehmen. Oder eben großzügig dimensionieren, ein paar Cent mehr für
>einen besseren Kondensator ausgeben (und auf den Gerätepreis
>draufschlagen) und "riskieren" dass der Staubsauger tatsächlich erst
>nach 10 Jahren (oder so) das Zeitliche segnet.
Siehe oben. Der fragliche Staubsauger war viel älter als 10 Jahre, aber
er tut ja trotzdem noch.
>Wenn Du tatsächlich glaubst, dass solche Überlegungen in "der
>Industrie" keine Rolle spielen, dann bist Du schief gewickelt.
Ich bezweifle nicht, daß Geräte auf eine bestimmte Lebensdauer
konstruiert sind. Das ist ja auch sinnvoll so. Ein Handy, das
schließlich für 19 Euro bei Aldi liegen soll, ist nur als Massenartikel
realisierbar -- und da wird aus jedem Bauteil der letzte Centbruchteil
herausgequetscht. Ein Sender für einen Satelliten wird ganz anders
aufgebaut und getestet; ihn kann man schließlich nicht einfach in der
Garantiezeit austauschen.
Schau dir die Entwicklung verschiedener technischer Geräte an: Sie sind
im Aufbau immer einfacher geworden; manchmal erfreulich einfach,
manchmal ärgerlich einfach ("Einclipsen"). Nicht in jedem Fall aber hat
die böse Industrie die geplante Obsoleszenz im Hinterkopf. Daß vor
einigen Jahren mal eine Marssonde abgestürzt ist, lag daran, daß der
zuständige Ingenieur in Kalifornien nichts von Kilometern wußte und
stattdessen mit den heimischen Meilen rechnete. Das war schlichte
Dummheit, ein einfacher Fehler, und nicht etwa Berechnung, daß die NASA
nach einem Fehlschlag schnell bei der gleichen Firma wieder einen neuen
Satelliten kauft.
>Wohlgemerkt: Mit "böser Industrie" hat das auch nach meiner Meinung
>nichts zu tun, es gehört ja auch immer noch ein Käufer dazu, der das
>vermeintliche Schnäppchen kaufen will.
Das sowieso.
Ich bin grundsätzlich ein Freund der Langlebigkeit und bin auch bereit,
dafür zu bezahlen. Fragt sich halt, wieviel. Dieser Rechner hier gilt
den Fachleuten der Notebookgruppe, der Church of Thinkpad, als
"Consumerschrott". Ich habe dafür vor nunmehr 2 1/2 Jahren 450 Euro
bezahlt. Das Gerät tut es für meine Zwecke, ich hoffe, daß es mich noch
lang begleitet. Wahre Kenner kaufen natürlich Lenovo (und nur das) mit
3-Jahres-vor-Ort-Garantie und zahlen dafür zusammen das Dreifache für
ein Gerät, das von den Basisdaten sich nicht groß von dem meinen
unterscheidet. Das ist mir dann zuviel Aufpreis. Ich finde es zwar
bedauerlich, daß ein heutiger Rechner nicht 10 Jahre hält (oder so), die
technische Entwicklung schreitet aber immer noch so schnell weiter, daß
ein wirklich langlebiger Computer nicht recht sinnvoll ist.
Amen