Andreas Oehler schrieb am 17.10.2021 um 23:19:
> Sat, 16 Oct 2021 21:02:51 +0200, Bernd Lammer:
>
>>Meiner Erfahrung nach fühlt es sich anders an, ob eine Bude kurz zuvor
>>schnell aufgeheizt worden ist, oder durchgehend bei angenehmer
>>Temperatur gehalten wurde. Auch wenn die Luft vielleicht schon die 20 -
>>22°C erreicht hat, sind die Wände und Einrichtungsgegenstände noch
>>kälter. Das fällt mir immer dann auf, wenn ich im Winter in ein
>>Hotelzimmer komme, welches zuvor unbewohnt und unbeheizt war. Erst rund
>>24h später hat man eine gleichmäßige und angenehme Temperaturverteilung.
>>
>>Seitdem wir in einem modernen und gut gedämmten Haus wohnen, weiß ich es
>>zu schätzen, dass man ohne größere Verluste durchgehend wohlige
>>Temperaturen haben kann. In einem schlecht gedämmten Haus wäre ich immer
>>hin und her gerissen, ob ich es lieber angenehm haben möchte oder besser
>>sparen sollte.
>
> Ich finde den Aufenthalt in einem Raum mit teilweise unangemessen heißen
> Heizkörper schlicht unangenehm. Mein Arbeitsplatz ist im Erdgeschoss eines
> mehrgeschossigen modernen (Bj. ca 2010) Gebäude mit Wohnungen in den
> oberen Stockwerken. Weil in den schicken Wohnungen oben große Fenster aber
> eher zu kleine Heizkörper eingenaut sind, sorgen die Bewohner dort dafür,
> dass der Fernwärme-Übergabe-Wärmetauscher auf vergleichsweise hohe
> Vorlauftemperatur eingestellt ist. Meine Arbeitskollegen reißen nun bei
>>5°C Aussentemperatur gerne länger die Fenster auf und lassen dann die
> großen Heizkörper den Raum nachher wieder aufheizen. Dabei sind dann die
> oberen Zentimeter der HK jetzt bei vielleicht 60°C. Folge: Man hat
> vergleichsweise trockene Luft mit ordentlich Luft-/Staubzirkulation, es
> riecht leicht nach "verbranntem Staub" und in manchen Bereichen des Raums
> spürt man die Wäremstrahlung des heißen Wasser. Furchtbar.
:-) Der von dir beschriebene Zustand wirft mich Dekaden zurück und
erinnert mich an meine Kindheit, als ich bei Omma inner Eifel im Winter
nach dem Schlittenfahren klatschnass und durchgefroren in der Küche vor
heißem Schokoladenpudding und direkt neben dem sehr heißen, knackenden
Heizkörper gesessen habe, der den von dir beschriebenen verbrannten
Geruch abgegeben hat. Ich genieße das, zumindest in den wenigen
Momenten, in denen ich es erlebe. Ob ich das bei Büroarbeit mehrmals
täglich toll fände, weiß ich mangels Erfahrung nicht.
Das Problem bei euch scheint mir aber weniger die Vorlauftemperatur, als
mehr die Dauer des Lüftens zu sein. Wenn man das auf ein ökonomisch und
ökologisch sinnvolles Maß begrenzen würde, dann würden auch die HKs,
wenn überhaupt, nur sehr kurz sehr warm werden.
> Daheim im mittelprächtig gedämmten Altbau habe ich jetzt maximal 40°C
> Vorlauftemperatur. Hier ist oft nicht klar, ob die Heizung gerade
> überhaupt läuft oder nicht. Sehr angenehm.
Hier haben wir ein Haus Bj. 2000 mit Fernwärmeanschluss und eher kleinen
HKs. Da das Wasser in der Heizsaison meist mit über 70°C geliefert wird,
könnte ich die Vorlauftemperatur ohne Kostensteigerung sehr hoch
einstellen.
Ich habe aber festgestellt, dass damit der Druck im
Heizungswasserkreislauf schneller sinkt, weil wir hier KS-Rohre mit
Klemmverschraubungen verlegt haben, die durch schnelles und starkes
Abkühlen eher lecken.
Da Lüften kurz und kräftig am Sinnvollsten ist, brauche ich auch dafür
keine hohe Vorlauftemperatur und ansonsten ist eine gleichbleibende
Raumtemperatur mit nur minimaler Nachtabsenkung die angenehmste Variante
ohne Energieverschwendung. Die Kennlinie des Steuergerätes habe ich
deswegen so eingestellt, dass die VL-Temp immer etwas höher ist, als sie
es sein müsste, um die Raumtemperatur zu halten.
> Leider gibt es keine simple Lösung, die aus hoher Vorlauftemperatur einen
> gleichmäßig lauwarmen Heizkörper zaubert.
Gibt es dafür überhaupt eine Lösung?
--
Bernd