Kleines Problem:
Mein Innenputz ist stellenweise weich wie Butter. Kann man
problemlos mit dem Fingernagel wegschaben. Zudem sind Risse
im Putz. Zum einen sind Setzungsrisse vorhanden und zum anderen
weist der Putz sehr viele Haarrisse auf.
Empfehlung eines Freundes:
Ein hauchdünnes Glasvlies mit verdünnter Dispersionsfarbe auf den
Putz 'tapezieren'. Dies soll den Untergrund festigen und die Risse
überbrücken. Noch ein Vorteil wäre, die Tapeten in Zukunft sehr gut
wieder abzubekommen. Das Glasvlies wäre vorhanden.
Fragen:
Was wäre eure Empfehlung, den Putz zu festigen?
Wer kann aus seiner Erfahrungskiste plaudern bezüglich Vlies?
Was haltet ihr davon, die Wände mit verdünnter Dispersionsfarbe
vorzustreichen?
Würde es sich lohnen, die Setzungsrisse diagonal von oben anzubohren
und mit Epoxydharz (Hab ich auch noch in Mengen) auszugiessen?
(Ziegelmauerwerk)?
Was habt ihr sonst noch für gute Ratschläge für mich?
Eine schöne Woche wünscht euch
Bernhard
Bernhard Nuding <b.nu...@alcatel.de> schrieb:
> Mein Innenputz ist stellenweise weich wie Butter. Kann man
> problemlos mit dem Fingernagel wegschaben.
Was heißt "stellenweise"? Großflächig oder eher nur kleine Flecken?
> Zudem sind Risse
> im Putz. Zum einen sind Setzungsrisse vorhanden und zum anderen
> weist der Putz sehr viele Haarrisse auf.
Die Setzrisse: Sind sie in Innen- und/oder Außenwänden? Wie breit sind
sie derzeit und bewegen sie sich noch oder ist das Setzen so ziemlich
abgeschlossen?
Gehen die Risse wirklich durch das Mauerwerk durch?
> Empfehlung eines Freundes:
> Ein hauchdünnes Glasvlies mit verdünnter Dispersionsfarbe auf den
> Putz 'tapezieren'. Dies soll den Untergrund festigen und die Risse
> überbrücken. Noch ein Vorteil wäre, die Tapeten in Zukunft sehr gut
> wieder abzubekommen. Das Glasvlies wäre vorhanden.
Wirklich Rissüberbrückend wird das aber nicht. Rissbewegungen im Bereich
0,1 bis 0,2 mm sind das Ende der Fahnenstange, selbst wenn Du nicht nur
Farbe nimmst, sondern einen Anstrich-/Beschichtungsaufbau wie an
Außenfassaden.
> Fragen:
> Was wäre eure Empfehlung, den Putz zu festigen?
Tiefengrund. Dispersionsfarbe (auch verdünnte) dringen nicht tief genug
ein und verfestigen nicht wirklich. Auf mehligem Untergrund wird aber
auch Tiefengrund keine Wunder vollbringen. Man verfestigt ja immer nur
die/den obersten Millimeter und nicht die komplette Putzschicht. :-/
> Wer kann aus seiner Erfahrungskiste plaudern bezüglich Vlies?
Im Außenbereich macht man das bei Fassaden manchmal so. Ob es bei Dir
sinnvoll ist, kommt drauf an. Ich würde meinen: Eher nein. Damit das
Glasfaservlies seine rissüberbrückende Wirkung (gegenüber den sich evtl.
bewegenden Setzrissen) entfalten kann, musst Du eine ganz hübsche
Schichtdicke aufbringen. Das ist nicht nur recht teuer, sondern in
Innenräumen ungünstig. (dampfdicht)
Wie soll die Wand denn zum Schluss aussehen? Tapete drauf? Dann wäre
Tiegengrund + Spachtelmasse + Farbe noch die bessere Variante.
> Was haltet ihr davon, die Wände mit verdünnter Dispersionsfarbe
> vorzustreichen?
Nix.
> Würde es sich lohnen, die Setzungsrisse diagonal von oben anzubohren
> und mit Epoxydharz (Hab ich auch noch in Mengen) auszugiessen?
> (Ziegelmauerwerk)?
Die Setzrisse sind ein eigenes Problem. Sind die so breit, dass Dein
EP-Harz da von alleine drin fliessen würde? <schluck>
Wenn ja: Wie willst Du die Risse denn außen abdichten?
Andrea
Die weichen Stellen des Putzes bewegen sich im 1 qm Bereich. Zudem ist
an manchen
Stellen nur sehr dünn nachgeputzt, das keine vernünftige Haftung auf dem
Untergrund
hat. Das werde ich wohl abkratzen müssen.
Die Setzungsrisse sind Gott sei Dank nicht an den Aussenwänden (1 kleine
Ausnahme) sondern
in den tragenden Innenwänden. Die Risse sind auf beiden Seiten zu sehen.
Was heisst
breit? Eher wie ein Sprung im Glas. Sie gehen typischerweise oft vom
Türsturz aus.
Das Setzen müsste abgeschlossen sein (Baujahr 1966). Ich will lediglich,
dass meine
neuen Tapeten nicht einreissen.
Der Putz ist ja noch an der Wand und hält auch. Die Oberfläche zu
festigen
würde doch schon reichen, oder? Ich denke ich werde mit Tiefengrund
vorarbeiten
und danach mit dem Vlies arbeiten.
Würde es etwas bringen, den Putz dem Riss entlang aufzumeiseln und
auszubessern?
Ist Tiefengrund gesundheitlich problematisch?
Bernhard
Bernhard Nuding <b.nu...@alcatel.de> schrieb:
> Die weichen Stellen des Putzes bewegen sich im 1 qm Bereich. Zudem ist
> an manchen Stellen nur sehr dünn nachgeputzt, das keine vernünftige
> Haftung auf dem Untergrund hat. Das werde ich wohl abkratzen müssen.
Ja, das denke ich auch.
> Die Setzungsrisse sind Gott sei Dank nicht an den Aussenwänden (1 kleine
> Ausnahme) sondern in den tragenden Innenwänden. Die Risse sind auf beiden
> Seiten zu sehen.
> Was heisst breit? Eher wie ein Sprung im Glas. Sie gehen typischerweise oft vom
> Türsturz aus.
> Das Setzen müsste abgeschlossen sein (Baujahr 1966). Ich will lediglich,
> dass meine neuen Tapeten nicht einreissen.
Zum Überdecken dieser Risse ist das Vlies wirklich keine schlechte Idee.
So lange sich die Risse nicht mehr bewegen hilft es.
> Der Putz ist ja noch an der Wand und hält auch. Die Oberfläche zu
> festigen würde doch schon reichen, oder? Ich denke ich werde mit Tiefengrund
> vorarbeiten und danach mit dem Vlies arbeiten.
ACK
> Würde es etwas bringen, den Putz dem Riss entlang aufzumeiseln und
> auszubessern?
Nein, ich mene nicht. Das macht das Problem eher schlimmer. In den
Innenwänden stören die Risse doch überhaupt nicht. Bei Aussenwänden wäre
das u.U. etwas anderes, aber in diesem Fall ist es ganz sicher kein
Fehler, das einfach nur mit Viles und Farbe zu überdecken.
> Ist Tiefengrund gesundheitlich problematisch?
Kommt drauf an wie empfindlich man ist. ;-) In Öko-Haus 2/2001 ist ein
Test von Putzfestigern drin. Hast Du Fax? --> mail mir die Nummer; es
wird aber z.Tl. kaum lesbar sein
Dort sind die Festiger allerdings nicht auf Wirksamkeit getestet,
sondern lediglich auf gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe. Da das nicht
das einzige Kaufkriterium ist, hilft der Tes nur bedingt, aber
interessant er trotzdem. Man muss ja nicht unbedingt einen Formaldehyd
abspaltenden oder weichmacherhaltigen Tiefengrund nehmen.
Das Testergebnis sah so aus:
Empehlenswert:
Aglaia Vorleim (Beek'sche Frabwerke)
Auro Naturharz-Putzgrundierung Nr. 301
Bio Pin Imprägnierungsöl
Biofa Haft- und Tiefengrund
Leinos Tiefengrund
Livos Grava Tiefgrund
Eingeschränkt empfehlenswert:
Aquamarijn Impril Tiefengrund, 2850 farblos
Classic Fassadengrund, gebrauchsfertiger Tiefgrund (Obi)
Faust Tiefgrund LF (Praktiker; Metro)
Genius pro Tiefgrund lösemittelfrei (Toom-Baumarkt)
MEM Super-Tiefgrund
Opus 1 Tiefgrund
Swing Color Tiefgrund lösemittelfrei (Bauhaus)
Vincent Tiefgrund, lösemittelfrei (Hellweg)
Weniger empfehlenswert:
Caparol Acryl-Hydrosol Tiefgrund LF
Ceretec CT 17 Tiefgrund lösemittelfrei
Decotric Tiefengrund LF
Hagebau Acryl Tiefgrund (Hagebau)
Molto Tiefgrund lösemittelfrei
Nicht empfehlenswert:
Alpina Tiefgrund LF
Hornbach Acryl-Tiefgrund (Hornbach)
Knauf Tiefengrund plus
Methylan Tapezier- & Tiefgrund
TC Tiefgrund (Rühl)
Die Gründe für die Einstufungen spare ich mir hier - die machen nur Sinn
im Gesamtzusammenhang der Testkriterien.
Andrea
Vielen Dank für Deine Ratschläge. Hat mir weitergeholfen.
Ich werde ein Tiefengrund verwenden, der in dieser Zeitschrift
als empfehlenswert aufgeführt ist. Ich mache lieber bei der
Wirksamkeit als bei der Gesundheit abstriche.
Das Glasvlies hat übrigens 30g/qm und ist somit sehr dünn.
Ich werde es erst einmal in einem Zimmer verarbeiten und wenn
es den Anschein macht, es bewährt sich, werde ich die komplette
Wohnung damit ausstatten. Das Vlies muss ich ja schliesslich
nicht kaufen. Hab da eine Quelle aus der ich genügend Reste
bekomme. Dann ist es auch eine Art Recycling.
Bernhard
Hallo Andrea,
>> Das Setzen muesste abgeschlossen sein (Baujahr 1966). Ich will
> lediglich,
>> dass meine neuen Tapeten nicht einreissen.
> Zum Ueberdecken dieser Risse ist das Vlies wirklich keine schlechte
> Idee.
> So lange sich die Risse nicht mehr bewegen hilft es.
Ich denke, da einen besseren Vorschlag zu haben:
In meinem "Neubauelfparteientreppenhaus" war anscheinend mit zuvielen
unterschiedlichsten Materialien gearbeitet worden, dort wuchsen viele
wunderschoene Risslandkarten in dem Gipsputz an den Waenden. Den hatte
ich damals erstmal ohne jede Grundierung gestrichen; vor ein paar
Jahren habe ich dann eine sauteure, strukturstabile,
"ohnerissedehnungsfaehige", diffusionsoffene (Erfurt Strukturfaser)
Vliestapete daraufgepappt. Das Ergebnis ist bis jetzt super!!
-> Gruesse aus meinem kleinen Gartenhaeuschen, Gerd
> a...@baustoffchemie.de meinte am 24.04.01
> zum Thema "Re: Weicher Putz":
[Setzrisse]
>> Zum Ueberdecken dieser Risse ist das Vlies wirklich keine schlechte
>> Idee. So lange sich die Risse nicht mehr bewegen hilft es.
> Ich denke, da einen besseren Vorschlag zu haben:
> [...] eine sauteure, strukturstabile,
> "ohnerissedehnungsfaehige", diffusionsoffene (Erfurt Strukturfaser)
> Vliestapete daraufgepappt. Das Ergebnis ist bis jetzt super!!
Naja, wenn man das Glasvlies kostenlos bekommt, ist eine sauteure
Alternative irgendwie nicht so reizvoll. ;-)
Andrea