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Faltboot: Gummierung defekt

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Rainer Schroeter

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Feb 26, 1999, 3:00:00 AM2/26/99
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Hallo Heimwerker,

ich besitze seit kurzem ein Faltboot aus den 60er Jahren, dessen Haut
(die Unterseite) aus gummibeschichtetem Gewebe (wahrscheinlich Canvas,
also feste Baumwolle oder Leinen) besteht. Heute nimmt man statt Gummi
Hypalon, das gabs damals aber wohl noch nicht und statt Canvas Nylon.

Diese Haut ist sehr gepflegt (wurde immer gewachst). Es gibt aber
einige kleine Ecken, die nach oben auf die Oberseite des Bootes
reichen und entweder nicht gepflegt wurden oder durch UV und andere
Witterungseinfluesse stark angegriffen sind. Konkret sind zwei
Streifen ca 4 x 10 cm) nicht mehr gummiert, das Gewebe liegt bloss,
ist aber noch fest. Diese Streifen muessen jeweils auf eine kleine
Flaeche desselben Materials geklebt werden. Auch diese Flaechen sind
bereits stark angegriffen (Gummibeschichtung verhaertet, broeselt
teilweise ab).

Wie kann ich diese Gewebe neu beschichten und verkleben? Kann man zu
Hause "Gummi kochen" (alter Autoreifen / -schlauch)? Taugt
Gummiloesung (wenn ja welche)?

Die Faltbootfahrer mit denen ich bisher Kontakt hatte, hatten alle
irgendeine Gummiloesung benutzt, letztlich war keiner wirklich
zufrieden (haelt alles nicht gut auf Dauer). Einem ist sogar sein Boot
in Venedig im wahrsten Sinne des Wortes "aus dem Leim gegangen" :-)
wohl wegen des hohen Benzinanteils im Wasser der Lagune.

So, ueber Anregungen würde ich mich freuen und bedanke mich schon mal
im Voraus.

Rainer


--
R. Schroeter, Marburg, Germany

Willi Diekhaus

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Feb 26, 1999, 3:00:00 AM2/26/99
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Hallo Rainer,

Rainer Schroeter wrote:

> Wie kann ich diese Gewebe neu beschichten und verkleben? Kann man zu
> Hause "Gummi kochen" (alter Autoreifen / -schlauch)? Taugt
> Gummiloesung (wenn ja welche)?
> Die Faltbootfahrer mit denen ich bisher Kontakt hatte, hatten alle
> irgendeine Gummiloesung benutzt, letztlich war keiner wirklich
> zufrieden (haelt alles nicht gut auf Dauer). Einem ist sogar sein Boot
> in Venedig im wahrsten Sinne des Wortes "aus dem Leim gegangen" :-)
> wohl wegen des hohen Benzinanteils im Wasser der Lagune.

Es gibt einen hochflexibelen Kleber mit Namen "Aquasure". Er ist gedacht
für Reparaturen an Neoprenekleidung klebt jedoch gleichermaßen Gummi
(Kautschuk)PVC und ähnliche Materialien. Als 12 Gramm Tube kostet er ca.
16 bis 18 DM
und ist in guten Angelgeschäften und Abteilungen für Taucherbedarf
erhältlich.
Die Trocknungszeit beträgt ca. 20 Stunden ohne Beschleuniger.
Meines Wissens ist der Beschleuniger aber nur auf dem amerikanischen Markt
zu erhalten.
Ich laufe jetzt schon seit ca. 5 Wochen beim Fischen mit Watstiefeln durch
die Gegend wo ich einen Bruch der Sohle (im Knickbereich über die gesamte
Schuhbreite)
mit diesem Kleber repariert habe, hält bombenfest und ist 100%
wasserdicht.
Der Kleber ist geleeartig und bildet eine relativ dicke Schicht nach dem
aushärten, also ideal als Gummibeschichtungsersatz. Die zu klebende oder
zu beschichtende Fläche
vorher mit Waschbenzin reinigen und etwas aufrauhen.

Tschüs
Willi


Wolfgang Diemert

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Feb 26, 1999, 3:00:00 AM2/26/99
to
Rainer Schroeter wrote:

> Wie kann ich diese Gewebe neu beschichten und verkleben? Kann man zu
> Hause "Gummi kochen" (alter Autoreifen / -schlauch)? Taugt
> Gummiloesung (wenn ja welche)?

Hallo, wenn es ein DDR-Boot der Marke Pouch ist, so
handelt es sich nicht um eine Gummihaut, sondern um
eine PVC-Beschichtung.Habe selber so ein Geraet seit
1975, aber noch nie irgendwelche Schaeden gehabt,die
Haut wurde immer nur mit Talkum behandelt, steht auch
in der Pflegeanleitung.Vom Falten entstehen mit der
Zeit leicht poroese Knickstellen,die aber nicht
bedenklich sind(oberflaechlich).
Reparatur erfolgt normalerweise mit PVC-Streifen,
die man mit einem erhitzten Messer direkt mit der
Haut verschweisst, Gummiloesung,PVC-Kleber o.a.
bringt nichts.Nur Verschweissen hilft. Ersatz-
material(PVC-Flicken) muss es noch geben.

Mit freundlichem Gruss

Rainer Schroeter

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Feb 26, 1999, 3:00:00 AM2/26/99
to
Hallo Willi,

danke fuer den Tip.
Ich hab immer so auf Gumiiloesung gekuckt, dass ich auf die einfachen
Sachen gar nicht gekommen bin.


> Es gibt einen hochflexibelen Kleber mit Namen "Aquasure". Er ist gedacht
> für Reparaturen an Neoprenekleidung klebt jedoch gleichermaßen Gummi
> (Kautschuk)PVC und ähnliche Materialien. Als 12 Gramm Tube kostet er ca.
> 16 bis 18 DM
> und ist in guten Angelgeschäften und Abteilungen für Taucherbedarf
> erhältlich.
> Die Trocknungszeit beträgt ca. 20 Stunden ohne Beschleuniger.
> Meines Wissens ist der Beschleuniger aber nur auf dem amerikanischen Markt
> zu erhalten.
> Ich laufe jetzt schon seit ca. 5 Wochen beim Fischen mit Watstiefeln durch
> die Gegend wo ich einen Bruch der Sohle (im Knickbereich über die gesamte
> Schuhbreite)
> mit diesem Kleber repariert habe, hält bombenfest und ist 100%
> wasserdicht.
> Der Kleber ist geleeartig und bildet eine relativ dicke Schicht nach dem
> aushärten, also ideal als Gummibeschichtungsersatz. Die zu klebende oder
> zu beschichtende Fläche
> vorher mit Waschbenzin reinigen und etwas aufrauhen.

Ich habe Auquasure schon oefter gesehen, benutze aber ansonsten fuer
meine Neoprenklamotten (fahre auch Wildwasser, aber nicht im Faltboot)
Seam-Seal. Das ist eine Urethanpaste, mit der ich ebenfalls sehr gute
Ergebnisse hatte (auch schon fuer Gummi). Dafuer bekommt man
hierzulande sogar den Beschleuniger, der das Zeug in 2 Std. fest
werden laesst.
Ich mach mal ein paar Probeklebungen mit beiden Klebern.

Es gibt was zu tun, ich muss in den outdoorladen (kleber kaufen) und
dann nach Hause (das Faltboot blockiert mein Wohnzimmer :-)

Bis dann

Rainer Schroeter

unread,
Feb 26, 1999, 3:00:00 AM2/26/99
to

Hallo Wolfgang,

> Hallo, wenn es ein DDR-Boot der Marke Pouch ist, so

Schoen, dass ich wieder einen Pouch-Fahrer treffe. Nein, das Boot ist
kein Pouch, es hat wirklich eine Gummihaut. Aber zwei Pouch habe ich
auch (den Zweier und den Einer).

> handelt es sich nicht um eine Gummihaut, sondern um
> eine PVC-Beschichtung.Habe selber so ein Geraet seit
> 1975, aber noch nie irgendwelche Schaeden gehabt,die
> Haut wurde immer nur mit Talkum behandelt, steht auch
> in der Pflegeanleitung.Vom Falten entstehen mit der
> Zeit leicht poroese Knickstellen,die aber nicht
> bedenklich sind(oberflaechlich).
> Reparatur erfolgt normalerweise mit PVC-Streifen,
> die man mit einem erhitzten Messer direkt mit der
> Haut verschweisst, Gummiloesung,PVC-Kleber o.a.
> bringt nichts.Nur Verschweissen hilft. Ersatz-
> material(PVC-Flicken) muss es noch geben.

Jaaa, Pouch kann ich einfach reparieren. Die Messermethode sagt mir
nicht so zu, ich klebe lieber (habe hier einen Kleber der bombenfest
haelt, aber nur PVC, nach Verklebung sind die Teile nicht mehr
zerstoerungsfrei zu trennen).
Zum PVC-Schweissen nehme ich eine Heissluftpistole. So mache ich mir
meine massgeschneiderten wasserdichten Kajaksaecke (mit
Rollverschluss). Wenns jemanden interessiert, kann ich gern mal meine
Erfahrungen beisteuern.

Wenn Du Dich weiter fuer Pouch interessierst, hier zwei URLs:

Pouch inoffiziell (von Marian Gunkel)
http://amor.rz.hu-berlin.de/~h0444juz/dpouch.htm

Faltboot.de
http://www.faltboot.de

Gruesse

Iris Grzeschiczek

unread,
Feb 27, 1999, 3:00:00 AM2/27/99
to

Rainer Schroeter wrote:

> So mache ich mir
> meine massgeschneiderten wasserdichten Kajaksaecke (mit
> Rollverschluss). Wenns jemanden interessiert, kann ich gern mal meine
> Erfahrungen beisteuern.

----- <snip> -----Hallo Rainer,
na dann erzaehl doch mal. Wasserdichte Saecke hat man nie genug.

Iris Grzeschiczek, Marburg (ups, was'n Zufall), Germany

Rainer Schroeter

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Feb 28, 1999, 3:00:00 AM2/28/99
to

Hi Iris,

kennen wir uns? Marburger Kanu Club oder sonstwoher? Eigentlich kann
man sich in Marburg nicht nicht kennen :-))

> na dann erzaehl doch mal. Wasserdichte Saecke hat man nie genug.

OK

Vorab: Kanusaecke sind gar nicht so teuer, dass sich der Aufwand einer
guten Heussluftpistole lohnen wuerde (ca. 200 M fuer die, die ich
habe) es sei denn, man geht in die Serienproduktion fuer Freunde und
Bekannte. Ausserdem sind die gekauften echt besser verarbeitet als
meine (die Firmen haben andere Geraete und Maschinen). Aber beim
selbermachen kann man sich die Groessen und Formen nach Mass
schneidern, und das war fuer mich wichtig (genau passende Saecke fuer
die Faltboote, Deckstaschen, Tasche fuer Rettungs- und
Bergungsmaterial, Erste-Hilfe Set, Kameratasche...).
Naja und Spass macht es auch und man kann mit Farben arbeiten wie man
will ...

1. Material: PVC-Folie gibts bei LKW-Planenfabriken oder kleineren
Betrieben.Wenn man sehr große Teile braucht (nicht fuer Kanusaecke)
wirds schnell teuer (quadratmeter 15 bis 45 M). Aber diese Firmen
haben i.d.R. viele Reste, die man für eine Spende in die Kaffetasse
kriegt. Immer eher die festere Varante nehmen,falls vorhanden.
[Für Iris: Planen Pellenat in der Cappeler Straße, der nette
langhaarige Besitzer grinst bestimmt, wenn Du sagst was Du willst und
warum, ich bin da fast Stammkunde].
PVC-Kleber, für die Sachen die schlecht zu schweißen sind
[Fuer Iris: Gibts auch bei Pellenat, Dose zu ca. 16 M, das beste an
PVC-Kleber, was ich je hatte]

2. Werkzeug: Heißluftpistole, am besten regelbar mit sehr kleiner
Flachdüse (die breiten Düsen zum Planenschweißen taugen nur für grobe
Sachen wie Teichfolien etc.).
Gummirolle zum Andrücken (ich benutze eine für Linoldruck aus dem
Bastelladen).
Diverse Bretter und Brettchen (Abfallstücke aus dem Baumark, am besten
Sperrholz, längere schmale Teile sind wichtig). Die benutze ich als
Unterlage.
Diverse Größen an Leimklemmen (auch große um die Bretter einfach an
einen Tisch zu Klemmen). Ich habe ca. 12 in unterschiedlichen Größen.

Als erstes mal diverse Schweissversuche machen. Es dauert bis man die
richtige Balance von Hitze, Heizdauer und Luftmenge hat. Ich arbeite
*ausschliesslich* auf dem Balkon, weil das Schweissen stinkt und die
erzeugten Abgase sicher nicht unschaedlich sind (deshalb ist der
Winter nicht meine Zeit um Kanusaecke zu schweissen).

Fuer den Kanusack die Groesse festlegen (Boden einrechnen und genug
Platz fuer den Rollverschluss) und ein Stueck PVC zurechtschneiden,
das dann zu einem "Schlauch" verschweisst wird.
Dazu die beiden Schweisskanten ca. 3cm ueberlappen lassen und mit den
Leimklemmen auf einem Brett fixieren. Das Fixieren ist sehr wichtig,
da sich das Material schnell verzieht, wenn es heiss wird.

Mit der Flachduese zwischen die PVC-Schichten gehen und schweissen
(langsam ziehen, wie langsam muss man leider selber lernen, haengt
eben auch von der Temperatur und er Luftmenge ab).Ich benutze in der
Regel die kleinere Luftmenge bei ca. 500 Grad C. Die Grenze zwischen
"das Material schmilzt" und "es verbrennt" ist recht schmal.
In der einen Hand die Pistole, in der anderen die Andruckrolle ist
eine Naht von 1m blitzschnell geschweisst. Andruecken ist ebenfalls
sehr wichtig. Nach dem Auskuehlen (geht schnell) die Naht pruefen
(kraeftig reissen), bei mir finden sich immer Stellen, die wieder
aufgehen, wo das PVC nicht ordentlich geschmolzen war. Nachschweissen.

Schlauch auf links drehen und die Naht dort nachschweissen, meistens
sind dort auch noch einige Stellen lose.

Die Bodennaht schweisse ich nicht mehr, die habe ich nie ordentlich
hingekriegt, die wird jetzt geklebt.

Leider ist der Tag damit vorbei, denn ueber Nacht sollte man den
Kleber haerten lassen (deswegen schweisse ich lieber, ich bin so
ungeduldig).

Jetzt die Bodennaht jeweils von aussen nach innen aufeinanderkleben
und zwar in der halben gewuenschten Bodenbreite (-hoehe? je nachdem
wie man guckt). Klebungen immer gut beschweren oder Klammern. Wieder
warten ...

Wenn Du den Sack jetzt auf rechts drehst, bist Du fast fertig. Die am
Boden enstandenen "offenen" (nicht undichten) Ecken zukleben (das hat
aber Zeit). Oben wird ein Stueck rausgeschnitten (nimm Dir einfach
einen fertigen Sack als Modell), eine Lasche eingeschweisst und die
Verschluesse drangemacht. Am Anfang habe ich es so wie die Hersteller
gemacht: Gewebeband drannaehen, da ist mir jetzt zu viel Arbeit, ich
schweisse einfach zwei bis drei Streifen PVC aufeinander und die dann
auf die Lasche. Fastexverschluesse gibts im Outdoorladen [Iris:
Tapir]. Noch je ein Stueck Klettband (selbstklebend oder mit
KVC-Kleber) einkleben, fertig ist der Sack.

Luft einschliessen, zurollen und ab damit in die Badewanne, meistens
findet sich noch das eine oder andere kleine Loch in einer Naht (oder
daneben, weils zu heiss geworden ist). Schnell mal nen Flicken
draufschweissen ist kein Problem.

Jetzt noch die andere Variante: Alles kleben statt schweissen. Ist
sicherer, einfacher, der Kleber haelt bombib (auch damit erstmal
Versuche machen) und auch beim Kleben gut lueften (jede Menge
Loesungsmittel).

Mit dem Kleber kann man auch Hart-PVC kleben auch Hart- auf Weich-PVC,
auf diese Weise mache ich Persenninge mit ordentlichem Suellrand fuers
Faltboot oder ne wasserdichte Kameratasche mit "Rahmern". Ist aber
wieder ne andere Geschichte.

Ich hoffe ich war verstaendlich (wenn auch lang).

Gruesse und Spass beim Basteln

Thoralf Winkler

unread,
Mar 2, 1999, 3:00:00 AM3/2/99
to
Rainer Schroeter schrieb:

> Schoen, dass ich wieder einen Pouch-Fahrer treffe. Nein, das Boot ist
> kein Pouch, es hat wirklich eine Gummihaut. Aber zwei Pouch habe ich
> auch (den Zweier und den Einer).
Hallo Rainer,
Hier. Ich auch. (Pouch-Fahrer)

Was ich noch dazu schreiben wollte, allerdings nicht zur Überschrift
passend: Bei mir war, infolge Feuchtigkeit ;-( das Verdeck brüchig
geworden (Stockflecke). Hier half nur noch das Austauschen des Verdecks,
habe ich bei Pouch erledigen lassen (unter Weiterverwendung der
PVC-Haut, die war noch brauchbar). War zwar nicht ganz preiswert, aber
billiger als 'ne komplette neue Haut.

> Wenn Du Dich weiter fuer Pouch interessierst, hier zwei URLs:
>
> Pouch inoffiziell (von Marian Gunkel)
> http://amor.rz.hu-berlin.de/~h0444juz/dpouch.htm

Prima Seite. Danke für den Tip.

Viele Grüße
Thoralf
--
Thoralf Winkler mailto:thoralf...@gmx.de
Schönebeck/E.

Rainer Schroeter

unread,
Mar 2, 1999, 3:00:00 AM3/2/99
to
Kleine Korrektur:

> Ich habe Auquasure schon oefter gesehen, benutze aber ansonsten fuer
> meine Neoprenklamotten (fahre auch Wildwasser, aber nicht im Faltboot)
> Seam-Seal.

Nein, habe den Kleber gestern in der Hand gehabt, er heisst Seam Grip.

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