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Linde verdurstet?

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Claudia Grothus

unread,
Jan 11, 2001, 4:14:26 AM1/11/01
to
Liebe NGler!
Wir wohnen zur Miete und genießen seit 2 Jahren die dazugehörigen 5000qm
Garten(!). Mitten auf einer großen Wiese steht bei uns eine riesige alte
Linde. Leider ist sie immer nur schwach belaubt und fängt schon im
Spätsommer an, trockene grüe Blätter abzuwerfen.
Ein uns bekannter Gärtner hat mal einen Blick drauf geworfen und gemeint,
das wäre ein Wasserproblem. Anscheinend ist die Bodenoberfläche durch
falsches Einebnen der Rasenfläche verdichtet worden, so dass Regenwasser
nicht genügend einsickert. Das Wasser in den unteren Schichten des leicht
abschüssigen Bodens scheint durch eine Unterhöhlung der Wurzeln (Wühlmäuse?)
abzufliessen, bevor der Baum es richtig aufnehmen kann.
Unser Vermieter meint, er hätte den Boden nicht verdichtet und die Linde
wäre eine besondere Art, die eben so ist. Er drückt sich gerne bei allem,
was Geld kosten könnte. Die Vorbesitzer des Hauses haben uns erzählt, dass
diese Linde früher sehr viel dichter belaubt war.
Wir haben schon auf Anraten des Gärtners ca. 100 Löcher von 60cm-Tiefe um
die Linde in den Boden gebohrt, damit da Regenwasser hineinsickern kann.
Aber unter den Wurzeln muss es unendliche Gänge und Höhlen geben: steckt man
einen voll aufgedrehten Wasserschlauch in eines der Löcher, kommt nirgends
Wasser wieder raus. Es fließt alles irgendwohin ab.
Ist die Linde wirklich in Gefahr und wenn ja, ist sie noch zu retten?

Viele Grüße
Claudia


Elisabeth Eder

unread,
Jan 11, 2001, 8:51:52 AM1/11/01
to
Liebe Claudia, wir hatten auch eine Winterlinde gepflanzt und waren die
ersten Jahre furchtbar enttäuscht, als sich ähnliche Symptome gezeigt hatten
wie bei Dir, Blätter hinge immer herab, als würde sie gleich eingehen.
Mittlerweile weiß ich dass ein riesiger Unterschied ist zwischen Sommer- und
Winterlinde ,und dass die Winterlinde im Sommer oft so ausschaut, ohne dass
sie kaputtgeht. Die Sommerlinde hat viel größere saftigere und hellgrünere
Blätter und schaut immer knackig uas. Wahrscheinlich habt ihr auch eine
Winterlinde. ciao elisabeth

--
---
MFG Elisabeth Eder
mailto:eli....@wish.de

Claudia Grothus <cla...@dogs-web.de> schrieb in im Newsbeitrag:
93jth5$amtj5$1...@ID-62425.news.dfncis.de...

Gerhard Zahn

unread,
Jan 12, 2001, 11:25:33 AM1/12/01
to
Am Thu, 11 Jan 2001 10:14:26 +0100, schrieb "Claudia Grothus"
<cla...@dogs-web.de> :

Hallo Claudia,


>Wir wohnen zur Miete und genießen seit 2 Jahren die dazugehörigen 5000qm
>Garten(!). Mitten auf einer großen Wiese steht bei uns eine riesige alte
>Linde. Leider ist sie immer nur schwach belaubt und fängt schon im
>Spätsommer an, trockene grüe Blätter abzuwerfen.
>Ein uns bekannter Gärtner hat mal einen Blick drauf geworfen und gemeint,
>das wäre ein Wasserproblem.

da könnte er grundsätzlich Recht haben.
Plantus meint zB zur Sommerlinde, die 1000 Jahre u älter werden kann:

Wurzel: Herz- bis Tiefwurzler, empfindlich gegen
Einpflastern, Überfüllen und Bodenverdichtungen;

Ansprüche: Sonne bis Halbschatten; wärmeliebend, spätfrostge-
fährdet, aber frosthart; Hitze und Trockenheit nicht ver-
tragend, sonst früher Laubfall; gut in kühlen oder milden
luft- und bodenfeuchten Lagen; nährstoffreiche, tiefgründige
Böden, möglichst lehmig, schwach sauer bis alkalisch,
kalkliebend, sehr anspruchsvoll; salzempfindlich,
windverträglich;

>Anscheinend ist die Bodenoberfläche durch
>falsches Einebnen der Rasenfläche verdichtet worden, so dass Regenwasser
>nicht genügend einsickert.

Na ja, einsickern wird es schon, sonst müsste es ja weglaufen. Und bis
es unter einer riesigen Linde dazu kommt, muss es ganz schön lange
regnen.

>Das Wasser in den unteren Schichten des leicht
>abschüssigen Bodens scheint durch eine Unterhöhlung der Wurzeln (Wühlmäuse?)
>abzufliessen, bevor der Baum es richtig aufnehmen kann.

Halte ich für ein Gerücht. Im Boden selbst fließt gar nix.

>Unser Vermieter meint, er hätte den Boden nicht verdichtet und die Linde
>wäre eine besondere Art, die eben so ist.

Und, wieviel hat er aufgefüllt?

>Er drückt sich gerne bei allem,
>was Geld kosten könnte. Die Vorbesitzer des Hauses haben uns erzählt, dass
>diese Linde früher sehr viel dichter belaubt war.
>Wir haben schon auf Anraten des Gärtners ca. 100 Löcher von 60cm-Tiefe um
>die Linde in den Boden gebohrt, damit da Regenwasser hineinsickern kann.

Also wenn's an mangelnder Bodenfeuchte liegen sollte, könnte man das
sehr gut testhalber mal abstellen: Einfach bei längerer Trockenheit
wöchentlich einmal den Rasensprenger drunter stellen u ganz lang laufen
lassen.

Beste Grüße G e r h a r d

Johannes Eberle

unread,
Jan 13, 2001, 6:08:21 AM1/13/01
to
Claudia Grothus schrieb am 11 Jan 2001:

>Leider ist sie immer nur schwach belaubt und fängt schon im

>Spätsommer an, trockene grüne Blätter abzuwerfen.


hi,
sind die Blätter wirklich grün, wenn sie abgeworfen werden?
Das vorzeitige Abwerfen, aus dem Stand heraus deutet meines Wissens
auf eine hypersensible Reaktion hin, quasi eine Befreiung von einer
Gefahrenstelle.

Es könnte sich dann um eine pilzliche oder virale Erkrankung,
möglicherweise im Zusammenhang mit Trockenheit und verdichtetem Boden
zu handeln. Es müßten aber mindestens leichte Flecken oder
Verfäbungen auf dem Blatt zu sehen sein.

Vergliben oder vertrocknen die Blätter kommen auch Trockenheit pur
oder Zierläuse in Frage (müßten aber mit 'ner Lupe zu sehen sein).

Ich mußte mich einmal sehr wundern, als ich in der Zeitung las, daß
die Linden (sicher überwiegend sehr robuste Sorten) in Berlin unter
einem Pilz und nicht unter Hundeexkrementen leiden...

Schöne Grüße,
Johannes

Hilmar Pietzuch

unread,
Jan 13, 2001, 6:34:13 AM1/13/01
to
>Hallo Claudia!
Der vorzeitige Laubfall der Linde im Sommer kann verschiedene Ursachen haben,
deutet aber auf eine baumeigene Methode zur Reduzierung der Verdunstungsfläche
hin. Die Linde steht auf einer Wiese. Je dichter diese Wiese ist, um so mehr
Niederschlagswasser nimmt der Rasen auf. Bis zu 13 l je Quadratmeter ist das
möglich. Die Lindenwurzeln liegen unter dem Rasenteppich und haben bei geringeren
Niederschlagsmengen das Nachsehen. Wenn das zugeführte Wasser schnell wegfließt,
ist dies doch ein Zeichen für einen hohen Wasserbedarf (und nicht für ein hohes
Wühlmausaufkommen). Bei einer Eiche bei uns im Ort habe ich den Rasen nach einem
ganzen Tag Regen ein Stück entfernt. Der Boden darunter war staubtrocken. Da es
sich aber um eine alte Linde handeln soll, haben die Baumwurzeln sicherlich den
Kappilarwassersaum erreicht und somit Anschluß an das Grundwasser. Es sei denn,
dass durch Baumaßnahmen in der Nachbarschaft der Grundwasserspiegel gesenkt wurde.
Durch die maschinelle Einebnung der Rasenfläche ist der Boden garantiert
verdichtet. Eine Verdichtung tritt schon allein durch das Betreten des Erdbodens
ein. Dadurch verändert sich die Bodenstruktur. Das Wasser im Erdboden kann dann
mit einer so hohen Spannung an die Bodenstruktur gebunden werden, dass die
Baumwurzeln es nicht mehr aufnehmen können. Ein wesentlicher negativer Aspekt ist
aber der stark reduzierte Austausch der Bodenluft mit der Atmosphäre. Die
Baumwurzeln und ihre Mykorrhizapilze brauchen zur Nährstoffaufnahme Sauerstoff,
welcher nur bei ungestörter Bodenstruktur ausreichend zur Verfügung steht. Durch
fehlenden Sauerstoff können die Wurzeln auch ganz absterben. Dies tritt auch nach
einer Auffüllung des ursprünglichen Bodenhorizontes auf.


Es ist bei diesen Auswirkungen völlig egal, ob es eine Sommerlinde oder eine
Winterlinde ist.


Eine Verwechslungsmöglichkeit mit Trockenschäden an Linden ist bei einem Befall
mit Spinnmilben oder dem Larvenfraß der Kleinen Lindenblattwespe möglich. Bei
Trockenschäden vergilben die Blätter im Kroneninneren zuerst. Du solltest mal
darauf achten.
Auf alle Fälle ist das Anlegen der Löcher zur besseren Versorgung des Baumes mit
Wasser nicht falsch. Auch die Bodenluft kann dadurch besser ausgetauscht werden.
Den gesamten Rasen innerhalb des Kronentraufbereichs der Linde kannst Du
sicherlich nicht ohne massiven Ärger entfernen.
Die zusätzliche Bewässerung besonders bei heißen Sommern ist aber nur der
sogenannten Tropfen auf den heißen Stein. Die alte Linde verdunstet an solchen
Tagen mehrere Hundert Liter Wasser, welche die Wurzeln erst mal aufnehmen müssen.
Aber besser wenig Gutes getan als nur zusehen, wie ein alter Baum langsam eingeht.


Gruß
Hilmar
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