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Re: Moos und Kupfer

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Reindl Wolfgang

unread,
Nov 28, 2006, 7:48:14 PM11/28/06
to
Jens Arne Maennig schrieb:


> Nun ist mir heute aber aufgefallen, dass rund um die Blitzableiter und
> auch unterhalb der Kupferverblechungen an Fenstern und Gauben
> überhaupt kein Moos wächst.

Die gleiche Beobachtung kann ich auf einem bibergedeckten und
taubengedüngten Dach machen: überall, wo etwas Kupfernes am Dach ist -
dort ist kein Moos unterhalb vom Cu.

Cu auf dem Dach hält "ewig", der Materialabtrag dürfte also wirklich nur
in Spuren erfolgen.
Die Kommunen haben nix dagegen, daß das Wasser von Dächern mit Cu in
ihre Kanalisation gelangt. Ich vermute, daß das Cu2+ recht schnell mit
CO2 als CuCO3 gefällt wird.

Wolfgang

Günter Hackel

unread,
Nov 29, 2006, 2:55:49 AM11/29/06
to
Reindl Wolfgang schrieb:

> Cu auf dem Dach hält "ewig", der Materialabtrag dürfte also wirklich nur
> in Spuren erfolgen.
> Die Kommunen haben nix dagegen, daß das Wasser von Dächern mit Cu in
> ihre Kanalisation gelangt. Ich vermute, daß das Cu2+ recht schnell mit
> CO2 als CuCO3 gefällt wird.

Äh, da gibts durchaus auch andere Ansichten. So soll es bereits einige
Kommunen geben, die Kupferdachrinnen nicht mehr zulassen weil es mit den
Kläranlagen, genauer gesagt, mit dem Klärschlamm und dessen Beseitigung
Probleme gibt. Früher hatten nur reiche Leute Kupfer auf dem Dach, heute
macht das "jeder". In Verbindung mit schwefelhaltigen Rauchgasen und
Feuchtigkeit entsteht schweflige Säure (oder sogar schwefelsäure?) und
die greift Kupfer sehr stark an, zerfrisst auch
Edelstahlkaminabdeckungen und natürlich auch die Dachplatten im
Tropfbereich der Haube. Also so ganz "ohne" ist das nicht.
Nebenbei ist diese Kupferblech gegen Moos-geschichte nichts neues. Aus
der Ferne erkennt man solche Dächer durch dunkle Streifen auf den
Dächern, da wäre mir Moos noch lieber, das kann man nämlich in großen
Abständen entfernen wenns mal zuviel werden sollte.
gh

Gerhard Zahn

unread,
Nov 29, 2006, 4:01:20 AM11/29/06
to
Am Tue, 28 Nov 2006 19:36:03 +0100 schrieb Jens Arne Maennig:

Hallo,

>Bin heute der Schwiegermutter aufs Dach gestiegen, um die Dachrinnen
>nach Laubfall nochmal zu reinigen. Einen Großteil der Verstopfungen
>auf der Nordseite des Hauses verursacht allerdings immer das Moos, das
>auf dem Dach (Pappdach, aber ein sehr großes) wächst.


>
>Nun ist mir heute aber aufgefallen, dass rund um die Blitzableiter und
>auch unterhalb der Kupferverblechungen an Fenstern und Gauben

>überhaupt kein Moos wächst. Kurz mal gegoogelt und siehe da:
>Offensichtlich haben andere das auch schon festgestellt und verkaufen
>allerhand Kupfergewebe-Bänder für teuer Geld, die, unterhalb des
>Firsts angeklebt, das Dach dauerhaft vor Vermoosung schützen sollen.

Moos scheint nicht nur Kupfer, sondern auch andere metallische Salze,
falls man die so nennen kann, nicht zu vertragen. Bei der
Moosvernichtung im Rasen kommen, statt Kupfer, allerdings
Eisenverbindungen zum Einsatz und dies wohl deshalb, weil Kupfer als
Schwermetall giftiger ist und z.B. den Regenwürmern schadet. Eisen
scheint dies nicht zu tun, zudem wird es von den Pflanzen in größeren
Mengen aufgenommen als das Spurenelement Kupfer.

>Bevor ich jetzt selbst in die Experimentalphase mit allerhand
>Kupfernetzen, -blechstreifen etc. pp. gehe: Hat jemand diesbezüglich
>Erfahrungen gesammelt?

Habe leider keine eigenen Erfahrungen und auch im Bekanntenkreis noch
nichts darüber gehört. Ich kann mir aber vorstellen, dass es schwierig
sein dürfte, eine Dachfläche gleichmäßig mit Kupfer zu versorgen und
wo das Zuviel erreicht ist, steht wohl auch in den Sternen. Wenn ich
sehe, mit welchen Minimengen bei Kupfermitteln hantiert wird, wäre mir
diese Methode echt etwas suspekt.

Beste Grüße G e r h a r d

Reindl Wolfgang

unread,
Nov 29, 2006, 5:27:41 AM11/29/06
to
Günter Hackel schrieb:
> Reindl Wolfgang schrieb:

>> Die Kommunen haben nix dagegen, daß das Wasser von Dächern mit Cu in
>> ihre Kanalisation gelangt.

> Äh, da gibts durchaus auch andere Ansichten. So soll es bereits einige

> Kommunen geben, die Kupferdachrinnen nicht mehr zulassen weil es mit den
> Kläranlagen, genauer gesagt, mit dem Klärschlamm und dessen Beseitigung
> Probleme gibt.

In meinem Fall hat das Denkmalamt auch noch ein Wort bezüglich
"Ensembleschutz" mitzureden :-(
Ob ich will oder nicht muß Cu auf's Dach

Wäre aber wirklich interessant, einmal nachzumessen, wieviel ppb Cu
unten aus dem Cu-Fallrohr herauskommen, bei leichtem Nieselregen und bei
Starkregen.

> Früher hatten nur reiche Leute Kupfer auf dem Dach, heute
> macht das "jeder".

Die billigere Alternative wäre zu alten Zeiten Blei gewesen. Da dürften
die Kommunen heutzutage erst recht was dagegen haben.
Die modernen Alternativen Edelstahl oder Alu sind halt manchmal aus
optischen Gründen unerwünscht - bei den Kommunen.

> In Verbindung mit schwefelhaltigen Rauchgasen und
> Feuchtigkeit entsteht schweflige Säure (oder sogar schwefelsäure?) und
> die greift Kupfer sehr stark an,

H2SO3 wird sehr schnell zu H2SO4 aufoxydiert.
Moderne Brennstoffe sind aber zum Glück schwefelarm, Erdgas praktisch
S-frei. Heizt Du mit Braunkohle?

> Nebenbei ist diese Kupferblech gegen Moos-geschichte nichts neues.

Hab' ich auch nicht behauptet

> Aus
> der Ferne erkennt man solche Dächer durch dunkle Streifen auf den
> Dächern,

Stimmt. Schon nach 15 Jahren Taubendüngung...

Wolfgang

Matthias Koehler

unread,
Nov 29, 2006, 5:37:54 AM11/29/06
to
[L:]

> Äh, da gibts durchaus auch andere Ansichten. So soll es bereits einige
> Kommunen geben, die Kupferdachrinnen nicht mehr zulassen weil es mit den
> Kläranlagen, genauer gesagt, mit dem Klärschlamm und dessen Beseitigung
> Probleme gibt.

Wir hier in Berlin sind mit allem, was irgendwie mit Wasser und Abwasser zu
tun hat, extrem pingelig, weil unser komplettes Trinkwasser aus dem
Grundwasser kommt. Übrigens in exzellenter Qualität, das haben wir unserer
Geologie zu verdanken. Und sogar hier gibt es keine Bedenken gegen die
Verwendung von Kupfer am Haus. Von daher gehe ich mal davon aus, dass man
Kupfer ruhigen Gewissens verbauen kann.

Matthias


--
Matthias Köhler
Film- und Fernsehproduktion
http://www.koehler-film.de


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Matthias Koehler

unread,
Nov 29, 2006, 5:47:53 AM11/29/06
to
[Wolfgang:]

> In meinem Fall hat das Denkmalamt auch noch ein Wort bezüglich
> "Ensembleschutz" mitzureden :-(
> Ob ich will oder nicht muß Cu auf's Dach

Das ist doch aber auch die beste Lösung. Aus meiner Sicht gibt es für alles,
was mit Rinnen, Einhangblechen, Schornsteinfegerstufen und Fallrohren zu tun
hat, nichts Besseres und Schöneres. Das Kupfer lässt sich hervorragend
verarbeiten, es gibt tolle Formteile und das Material nimmt schon nach
kurzer Zeit eine wunderbare dunkle Patina an.

Man könnte, wenn gewünscht, sogar ohne großen Aufwand diese typische
Grünfärbung erreichen, wie an Kirchen und Palästen. In Berlin sind an den
nordischen Botschaften und an der österreichischen Botschaft große Teile der
Fassade aus speziellen vorbewitterten Kupferplatten (Tecu Patina)
hergestellt worden, das ist wirklich ein "Hingucker".

Matthias Koehler

unread,
Nov 29, 2006, 6:15:42 AM11/29/06
to
[JAM:]

> Wirklich? Gerade aus Berlin war mir doch eine Geschichte über die
> Trinkwassergewinnung per Uferfiltration im Bereich des Wannsees (?)
> und die daraus resultierende deutliche Ibuprofen- und
> Diclophenac-Belastung im Trinkwasser in Erinnerung.

Das mit den Belastungen weiß ich nicht, aber Uferfiltration steht ja nicht
in einem Gegensatz zum Grundwasser. Das bedeutet ja nur, dass man
Brunnengalerien nah (einige hundert Meter entfernt) an einem Gewässer hat
und dort das Wasser aus der Tiefe fördert. Dadurch entsteht eine Art "Sog",
welcher neues Wasser nachströmen lässt. Da dieser Sickervorgang allerdings
sechs bis acht Monate dauert und das Wasser aus dem Gewässer in Ruhe die
ganzen vielen Kies- und sonstigen Schichten durchläuft, kann man da wirklich
von astreinem Grundwasser sprechen.

Die meisten Wasserwerke und deren Brunnengalerien liegen ja an Gewässern:
Beelitzhof am Wannsee, Tiefwerder und Kladow an der Havel, Tegel am Tegeler
See, Friedrichshagen am Müggelsee. Dennoch fördern sie bestes Grundwasser.

T. Brandwein

unread,
Nov 29, 2006, 5:58:56 AM11/29/06
to
"Jens Arne Maennig" <maenn...@cricetus.com> schrieb:

> Nun ist mir heute aber aufgefallen, dass rund um die Blitzableiter und
> auch unterhalb der Kupferverblechungen an Fenstern und Gauben
> überhaupt kein Moos wächst. Kurz mal gegoogelt und siehe da:
> Offensichtlich haben andere das auch schon festgestellt und verkaufen
> allerhand Kupfergewebe-Bänder für teuer Geld, die, unterhalb des
> Firsts angeklebt, das Dach dauerhaft vor Vermoosung schützen sollen.

Soweit so gut - bzw. schlecht.
Kupfer in der Natur wirkt im Zusammanspiel mit Säuren
pflanzentoxisch. Das ist seit langem bekannt und betrifft
auch andere Metalle, die unter Einwirkung von Säuren
Salze bilden.
Das bekannteste Kupfersalz ist Kupfersulfat als Reaktionsprodukt
von oxidiertem Cu und Schwefelsäure. Gelöst ist es auch als
(blaues) Kupfervitriol bekannt. Angeblich (ich hab es nicht ausprobiert,
aber es ist glaubhaft) kann man damit auch Bäume umbringen.
Kupfer auf dem Dach wirkt also um so zuverlässiger gegen jeden
Bewuchs, je höher die Luftverschmutzung ist.


> Das Regenwasser von diesem Bereich des Daches fließt ungenutzt in die
> Kanalisation, daher ist die eventuelle (zusätzliche, die Dachrinnen
> sind ohnehin auch aus Kupfer) "Verkupferung" des Wasser erstmal kein
> extragroßes Problem.

Für den Einzelnen natürlich nicht..... Aber so ganz ohne ist die
Wirkung von Kupfer auf Wasser und Boden nicht. Mir ist bereits
mehrfach aufgefallen, dass auch ausdauernde Kletterpflanzen
(also Gehölze) an kupfernen Regenfallrohren gelegentlich sehr
stark kümmern und mehrfach bestätigten die Hausbesitzer, dass sie
an diesem Standort anhaltend Probleme mit den Pflanzen haben.
Mitunter wurde schon mehrfach erfolglos bepflanzt. (Aus meiner
sich ist das kein Schaden, denn weder Wilder Wein, noch
Aristolochia oder Kiwi - das sind die mir in diesem Zusammenhang
aufgefallenen Arten - gehören an Regenfallrohe gepflanzt. Aber
ich sehe es als Indiz für Boden- und ggf Grundwasseverunreinigung.)
Übrigens traf ich einmal einen Gärtner, der sehr beharrlich behauptete,
die (pflanzen)toxische Wirkung von Metallen auch bei Zink - hier
feuerverzinkte Zäune - regelmäßig zu beobachten.

Ich glaube daher auch nicht daran, dass Bakterien (in Kläranlagen)
sich über solches Futter (Kupersalze) "freuen".....

Grüße
TB

--
Üblicherweise stellt man sich vor, ehe man irgenwo mitredet
und/oder Gehör erwartet. Über meine Tätigkeit(en) im Realen
informiert: "3 x w.biotekt.de". (3 x w = www)


G Wolmershäuser

unread,
Nov 29, 2006, 7:06:31 AM11/29/06
to
Gerhard Zahn schrieb:
> .........., weil Kupfer als

> Schwermetall giftiger ist und z.B. den Regenwürmern schadet. Eisen
> scheint dies nicht zu tun, zudem wird es von den Pflanzen in größeren
> Mengen aufgenommen als das Spurenelement Kupfer.

Nun ja, mein Hausdach (natürlich komplett moosfrei!) ist komplett mit
Kupferscharen in Doppelstehfalzdeckung eingedeckt. Das Dachwasser lasse
ich im Garten versickern. Wenn sich Cu-Ionen wirklich so schädlich auf
das Bodenleben auswirkt, dann sollten wohl unsere Maulwürfe aus Mangel
an Nahrung einen großen Bogen um diesen Bereich machen, was zu meinem
größten Bedauern leider nicht der Fall ist. Manchmal habe ich ja
wirklich den Eindruck, die wollen mich mit ihren Grabaktivitäten nur
ärgern. Höhere Pflanzen scheinen weniger Schwierigkeiten mit Cu zu
haben. Jedenfalls kann ich keinen Unterschied im Wachstum der Pflanzen
erkennen. Und noch etwas: hier in der Gegend (Donnersberg) gibt es eine
ehemalige Kupfergrube wo Chalkosin abgebaut wurde. Dort liegt noch jede
Menge Abraum in der Gegend herum. Signifikante Unterschiede in Flora und
Fauna im Vergleich zu weiter entfernten Bereichen konnte ich noch nicht
ausmachen.
Allgemein bekannt dürfte ferner sein, dass Kupfer (wie z.B auch Zink und
Mangan) zu den essentiellen Schwermetallen zählt, also lebensnotwendig
ist. Womit ich das Spritzen mit Kupferkalkbrühe (machen das die Bioökos
immer noch so?) keineswegs für gut heiße. Da sollte man mal ausrechnen,
wieviel Cu auf diese Weise in den Boden gelangt!
Beste Grüße
G.W.

Günter Hackel

unread,
Nov 29, 2006, 10:20:47 AM11/29/06
to
Reindl Wolfgang schrieb:

> Günter Hackel schrieb:
>> Reindl Wolfgang schrieb:
>
>>> Die Kommunen haben nix dagegen, daß das Wasser von Dächern mit Cu in
>>> ihre Kanalisation gelangt.
>
>> Äh, da gibts durchaus auch andere Ansichten. So soll es bereits einige
>> Kommunen geben, die Kupferdachrinnen nicht mehr zulassen weil es mit den
>> Kläranlagen, genauer gesagt, mit dem Klärschlamm und dessen Beseitigung
>> Probleme gibt.
>
> In meinem Fall hat das Denkmalamt auch noch ein Wort bezüglich
> "Ensembleschutz" mitzureden :-(
> Ob ich will oder nicht muß Cu auf's Dach

Ohaua, Denkmalschutz, das kann schlimmere Folgen haben wie Termiten ;)

> Die billigere Alternative wäre zu alten Zeiten Blei gewesen. Da dürften
> die Kommunen heutzutage erst recht was dagegen haben.

Bleibleche wurden noch vor ca 20 verbaut, bist Du sicher, dass das
inzwischen wirklich unzulässig ist?

> Die modernen Alternativen Edelstahl oder Alu sind halt manchmal aus
> optischen Gründen unerwünscht - bei den Kommunen.

Na klar, irgendwie ist das verständlich weil das eine Gesamtansicht
einer vielleicht historischen Häuserzeile erheblich stören würde.
Ärgerlich wirds erst, wenn man auf der einen Seite kleinlich ist, aber
auf der anderen Seite in der gleichen Straße zulässt, dass Banken
riesige moderne Schaufenster einbauen. (Vitamin B)


> Stimmt. Schon nach 15 Jahren Taubendüngung...

Hähä:) sind das nicht eher weiße Steifen?
gh

Günter Hackel

unread,
Nov 29, 2006, 10:21:39 AM11/29/06
to
Matthias Koehler schrieb:

> Das ist doch aber auch die beste Lösung. Aus meiner Sicht gibt es für alles,
> was mit Rinnen, Einhangblechen, Schornsteinfegerstufen und Fallrohren zu tun
> hat, nichts Besseres und Schöneres. Das Kupfer lässt sich hervorragend
> verarbeiten, es gibt tolle Formteile und das Material nimmt schon nach
> kurzer Zeit eine wunderbare dunkle Patina an.
>
> Man könnte, wenn gewünscht, sogar ohne großen Aufwand diese typische
> Grünfärbung erreichen, wie an Kirchen und Palästen.

einfach drüberpinkeln... ;)

Günter Hackel

unread,
Nov 29, 2006, 10:27:24 AM11/29/06
to
Jens Arne Maennig schrieb:
> Matthias Koehler schrieb:

>
>> Wir hier in Berlin sind mit allem, was irgendwie mit Wasser und
>> Abwasser zu tun hat, extrem pingelig, weil unser komplettes
>> Trinkwasser aus dem Grundwasser kommt. Übrigens in exzellenter
>> Qualität, das haben wir unserer Geologie zu verdanken.
>
> Wirklich? Gerade aus Berlin war mir doch eine Geschichte über die
> Trinkwassergewinnung per Uferfiltration im Bereich des Wannsees (?)
> und die daraus resultierende deutliche Ibuprofen- und
> Diclophenac-Belastung im Trinkwasser in Erinnerung. Müsste die
> Unterlagen mal raussuchen ...

Berlin hat wirklich gutes Wasser, nicht so ausnehmend gutes wie München
allerdings. Dort wo es viele Tiefbrunnen gibt, existieren gewaltige
Sandschichten (Märkischer Sandboden, die Streusandbüchse Deutschlands)
und das sind ausgezeichnete Filter. Natürlich ist nicht jeder Brunnen
gut, vor allem die unzähligen Privatbrunnen in Kleingartensiedlungen im
Ostteil und in der Umgebung Berlins, sind alles andere wie gut. Ich
kenne da einige Feriendomizile wo das Wasser modrig stinkt und voller
Mangan ist.
gh

Günter Hackel

unread,
Nov 29, 2006, 10:31:35 AM11/29/06
to
G Wolmershäuser schrieb:

> Allgemein bekannt dürfte ferner sein, dass Kupfer (wie z.B auch Zink und
> Mangan) zu den essentiellen Schwermetallen zählt, also lebensnotwendig
> ist. Womit ich das Spritzen mit Kupferkalkbrühe (machen das die Bioökos
> immer noch so?) keineswegs für gut heiße. Da sollte man mal ausrechnen,
> wieviel Cu auf diese Weise in den Boden gelangt!

So gibt es dann also zweierlei Kupfer? das Gute, das auf dem Dach
verbaut wird und das böse, das man mit Spritzmitteln verteilt? ;)
IMMER ist die Dosis entscheidend und das, was vom Dach kommt ist in
Abhängig vom PG- Wert des Regens nicht unerheblich. Nicht umsonst weiß
jeder Gartenteichbesitzer, dass Regenwasser aus Cu-Anlagen die Tiere im
Teich umbringt. (ok, da spielt auch wieder die Akkumulation eine Rolle..)
gh

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G Wolmershäuser

unread,
Nov 29, 2006, 12:35:10 PM11/29/06
to
Jens Arne Maennig schrieb:
>
> Jou. Alternative: Die Reihe Fichten, die an der Nordseite des Hauses
> stehen, fällen und durch eine Buchenhecke ersetzen. Dann wäre das
> Thema Moos auf dem Dach wahrscheinlich eh gegessen.

Wenn Du die Buchen auch so wachsen lässt wie die Fichten? Ein an mein
Grundstück angrenzender Buchenwald sorgt jedenfalls für raschen
Moosbewuchs auf einem Schuppendach (mit Bitumenschindeln).
Beste Grüße
G.W.

G Wolmershäuser

unread,
Nov 29, 2006, 12:48:21 PM11/29/06
to
T. Brandwein schrieb:

> Das bekannteste Kupfersalz ist Kupfersulfat als Reaktionsprodukt
> von oxidiertem Cu und Schwefelsäure. Gelöst ist es auch als
> (blaues) Kupfervitriol bekannt. Angeblich (ich hab es nicht ausprobiert,
> aber es ist glaubhaft) kann man damit auch Bäume umbringen.

Woher stammt denn eigentlich dieses Märchen mit dem Kupfernagel und
warum hält es sich so hartnäckig?
Im Prinzip hast Du natürlich Recht: selbstverständlich kann man durch
Anwendung von Kupfersulfat in genügend hoher Konzentration Bäume
umbringen. Aber das kann man auch durch hohe Düngerkonzentrationen oder
auch ganz simpel durch zu viel Wasser :-)
Übrigens: eine an meinem Haus entlang einer Fallrinne wachsende
Hydrangea anomala ssp. petiolaris fühlt sich schon seit vielen, vielen
Jahren recht wohl und macht sich mit ihren Haftwurzeln immer wieder an
der Ortgangverkleidung (ebenfalls Cu) zu schaffen.
Beste Grüße
G.W.

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Gerhard Zahn

unread,
Nov 29, 2006, 2:22:21 PM11/29/06
to
Am Wed, 29 Nov 2006 13:06:31 +0100 schrieb G Wolmershäuser:

Hallo,

>Gerhard Zahn schrieb:
>> .........., weil Kupfer als
>> Schwermetall giftiger ist und z.B. den Regenwürmern schadet. Eisen
>> scheint dies nicht zu tun, zudem wird es von den Pflanzen in größeren
>> Mengen aufgenommen als das Spurenelement Kupfer.
>
>Nun ja, mein Hausdach (natürlich komplett moosfrei!) ist komplett mit
>Kupferscharen in Doppelstehfalzdeckung eingedeckt. Das Dachwasser lasse
>ich im Garten versickern. Wenn sich Cu-Ionen wirklich so schädlich auf
>das Bodenleben auswirkt, dann sollten wohl unsere Maulwürfe aus Mangel
>an Nahrung einen großen Bogen um diesen Bereich machen, was zu meinem
>größten Bedauern leider nicht der Fall ist. Manchmal habe ich ja
>wirklich den Eindruck, die wollen mich mit ihren Grabaktivitäten nur
>ärgern.

warum sollten Maulwürde da, wo es keine Regenwürmer mehr gibt, nicht
bisweilen mal nachsehen, ob es da nicht doch Regenwürmer gibt?

>Höhere Pflanzen scheinen weniger Schwierigkeiten mit Cu zu
>haben. Jedenfalls kann ich keinen Unterschied im Wachstum der Pflanzen
>erkennen. Und noch etwas: hier in der Gegend (Donnersberg) gibt es eine
>ehemalige Kupfergrube wo Chalkosin abgebaut wurde. Dort liegt noch jede
>Menge Abraum in der Gegend herum. Signifikante Unterschiede in Flora und
>Fauna im Vergleich zu weiter entfernten Bereichen konnte ich noch nicht
>ausmachen.
>Allgemein bekannt dürfte ferner sein, dass Kupfer (wie z.B auch Zink und
>Mangan) zu den essentiellen Schwermetallen zählt, also lebensnotwendig
>ist. Womit ich das Spritzen mit Kupferkalkbrühe (machen das die Bioökos
>immer noch so?) keineswegs für gut heiße. Da sollte man mal ausrechnen,
>wieviel Cu auf diese Weise in den Boden gelangt!

Die Bios können gar nicht anders, weil sie noch so unschädliche
chemische Wirkstoffe aus der bösen chemischen Fabrik auch dann nicht
verwenden dürfen, wenn Kupfermittel nachweislich diese oder jene
Folgeschäden anrichten. Sie haben keine wirkliche Alternative.

Ich fand etwas von 6,7 kg/ha als Obergrenze für Kupferhydroxid
Cuprozin WP. Wie ich die damit ausgebrachte Kupfermenge allerdings ins
Verhältnis zu der von deinem Kupferdach bringen soll, ist mir eher
schleierhaft.

Vor 30 Jahren hat mir mal jemand ein Kilo Cupravit angedreht. Das
Zeugs steht heute noch rum, weil davor gewarnt wurde, dass es den
Austrieb von Tulpen usw. schädigt.
Es kriegt bei mir das Gnadenbrot. :-)

G Wolmershäuser

unread,
Dec 4, 2006, 5:50:41 AM12/4/06
to
Gerhard Zahn schrieb:

>
> warum sollten Maulwürde da, wo es keine Regenwürmer mehr gibt, nicht
> bisweilen mal nachsehen, ob es da nicht doch Regenwürmer gibt?

Vermutlich betrachten sie diesen Bereich als Trainingsgelände, auf dem
sie testen, wie hoch man einen Hügel aufschütten kann, statt ins
Fitnessstudio zu gehen. Blöde Viecher, diese Maulwürfe :-)

> Ich fand etwas von 6,7 kg/ha als Obergrenze für Kupferhydroxid
> Cuprozin WP. Wie ich die damit ausgebrachte Kupfermenge allerdings ins
> Verhältnis zu der von deinem Kupferdach bringen soll, ist mir eher
> schleierhaft.

Pro Spritzung oder für welchen Zeitraum gilt dies?
Zum Vergleich müsste man mal in Erfahrung bringen, wie groß die
Abtragmenge pro qm Dachfläche ist. Ich hatte mal spaßeshalber
Regenwasser von meinem Dach mit Ammoniak versetzt und sowohl visuell als
auch im Photometer nichts feststellen können. Folglich liegt die
Konzentration zumindest unter der Erfassungsgrenze für die
photometrische Bestimmung von Cu mittels Tetramminkomplex.
Beste Grüße
G.W.

T. Brandwein

unread,
Dec 4, 2006, 8:04:18 AM12/4/06
to
"G Wolmershäuser" <wolm...@chemie.uni-kl.de> schrieb:

> Woher stammt denn eigentlich dieses Märchen mit dem Kupfernagel und
> warum hält es sich so hartnäckig?

Weiss der Kuckuck ;-) Naheliegend wäre, dass man in Zusammenhang
mit Kupfererzeugung und Verarbeitung Umweltschäden angerichtet
hat, bei denen die pflanzentoxische Wirkungen nicht zu übersehen war.
Daraus entstanden wirksame Methoden (z.B. Moos-/Algen-/Pilzvernichtung)
und solche, die (z.B. wegen der Dosierungen) nicht (oder nur bedingt)
funktionieren.

> Im Prinzip hast Du natürlich Recht: selbstverständlich kann man durch
> Anwendung von Kupfersulfat in genügend hoher Konzentration Bäume
> umbringen. Aber das kann man auch durch hohe Düngerkonzentrationen oder
> auch ganz simpel durch zu viel Wasser :-)

Ja.

> Übrigens: eine an meinem Haus entlang einer Fallrinne wachsende
> Hydrangea anomala ssp. petiolaris fühlt sich schon seit vielen, vielen
> Jahren recht wohl und macht sich mit ihren Haftwurzeln immer wieder an
> der Ortgangverkleidung (ebenfalls Cu) zu schaffen.

Das sagt - und ich bin sicher, du weisst das auch - eher wenig. Auch
bei Menschen gibt ers unterschiedlich vitale Exemplare und solche,
die in bestimmte Richtungen mehr oder weniger empfindlich sind.
Mich bringt z.B. eine Handvoll Wespenstiche wahrscheinlich nicht in
Verlegenheit während bei meiner Frau schon ein einziger einen
Notruf erforderlich machen kann. Dafür fühlt sie sich im normal
gechlorten Wasser öffentlicher Schwimmbäder i.d.R. Wohl., während
ich bereits Hautausschlag bekomme, wenn ich das Zeug in der
Eingangshalle rieche....

Gerhard Zahn

unread,
Dec 4, 2006, 8:05:42 AM12/4/06
to
Am Mon, 04 Dec 2006 11:50:41 +0100 schrieb G Wolmershäuser:

Hallo G.W.,

>> warum sollten Maulwürfe da, wo es keine Regenwürmer mehr gibt, nicht


>> bisweilen mal nachsehen, ob es da nicht doch Regenwürmer gibt?
>
>Vermutlich betrachten sie diesen Bereich als Trainingsgelände, auf dem
>sie testen, wie hoch man einen Hügel aufschütten kann, statt ins
>Fitnessstudio zu gehen. Blöde Viecher, diese Maulwürfe :-)

tja, die "Nützlinge" haben so manchmal ihre Macken.

Mich würde mal interessieren, wie viel vom Nahrungsspektrum der
Maulwürde tatsächlich auf Nützlinge und Schädlinge entfällt.
Und wenn ich dann bedenke, wie viele total nützliche Würmer aller Art
so ein Maulwurf verputzt und dass er sicher auch vor so manchem
nützlichen Laufkäfer nicht Halt macht, dann frage ich mich ernsthaft,
wer den Maulwurf warum als Nützling eingestuft hat.
Aber wahrscheinlich gibt es da menschelnde Sonderpunkte für
Putzigkeit, wie bei Igili usw. :-)


>
>> Ich fand etwas von 6,7 kg/ha als Obergrenze für Kupferhydroxid
>> Cuprozin WP. Wie ich die damit ausgebrachte Kupfermenge allerdings ins
>> Verhältnis zu der von deinem Kupferdach bringen soll, ist mir eher
>> schleierhaft.
>
>Pro Spritzung oder für welchen Zeitraum gilt dies?

6,7 kg/ha wären für Cuprozin WP die jährliche Maximalmenge.

>Zum Vergleich müsste man mal in Erfahrung bringen, wie groß die
>Abtragmenge pro qm Dachfläche ist. Ich hatte mal spaßeshalber
>Regenwasser von meinem Dach mit Ammoniak versetzt und sowohl visuell als
>auch im Photometer nichts feststellen können. Folglich liegt die
>Konzentration zumindest unter der Erfassungsgrenze für die
>photometrische Bestimmung von Cu mittels Tetramminkomplex.

Vorstellbar wäre, dass neue Kupferdächer mehr, ältere deutlich weniger
Cu abgeben. Auf Dauer gesehen wird es nicht so wild sein, aber
empfindliche Tiere, wie Daphnien, Hydra usw. dürften auch auf winzige
Mengen mit Abdankung reagieren.
Aber selbst die tatsächliche langfristige Auswirkung auf Regenwürmer
ist mir nicht bekannt.
Ich höre nur aus dem Umfeld des Integrierten Anbaues, dass die die
Kupfermittel so weit wie irgend möglich zurückfahren. Es bleiben aber
immer noch so fast unlösbare Probleme, wie schädigende Holzpilze, für
Kupferbehandlungen übrig.

Reindl Wolfgang

unread,
Dec 4, 2006, 9:51:45 AM12/4/06
to
T. Brandwein schrieb:

> Weiss der Kuckuck ;-) Naheliegend wäre, dass man in Zusammenhang
> mit Kupfererzeugung und Verarbeitung Umweltschäden angerichtet
> hat, bei denen die pflanzentoxische Wirkungen nicht zu übersehen war.

Cu-Erze enthalten häufig auch Arsen in mehr oder weniger großen Spuren.
Manche in der Kupferzeit abgebauten Lagerstätten enthielten so viel As,
daß bei der Verhüttung nicht weitgehend reines Kupfer gewonnen wurde,
sondern eine Cu-As-Legierung "Arsenbronze", die von der Härte her der
später üblichen Zinnbronze sogar überlegen war. Die Verhüttung verkürzte
allerdings die Lebenserwartung der dort Beschäftigten erheblich...

Cu wird meist in Form von sulfidischen Erzen gefunden, bei der
Verhüttung entstehen SO2 und daraus SO3, die zusammen mit Wasser zu
Schwefeliger Säure und Schwefelsäure werden.

Das genügt für erhebliche Umweltschäden um Umkreis um die
Verhüttungsstellen.

Wolfgang

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