Am 04.06.2017 um 10:26 schrieb Jörg Barres:
> wir haben eine alte Birke gefällt, die recht nah am Haus stand und
> schon teilweise morsch bzw. abgestorben war.
>
> Jetzt haben wir von verschiedenen Stellen gehört, der Stumpf müsse
> auch entfernt werden, weil die Wurzeln immer noch das Fundament
> angreifen könnten.
>
> Im Web finde ich nicht wirklich Antworten, deshalb meine Frage an
> euch: Wer kennt zu diesem Thema Websites oder kann eigene Erfahrungen
> beisteuern?
Man könnte ja zunächst die verschiedenen Stellen nach deren jeweiligen
Quellen befragen. Ich könnte mir vorstellen, dass von denen etwas
ziemlich falsch verstanden wurde.
Wenn Stumpf und Wurzeln u.a. von Pilzen zersetzt werden, könnten die,
wenn sie ihren Job erledigt haben, auch Appetit auf andere noch gesunde
Wurzeln weiterer Bäume entdecken - wird häufig kolportiert.
Selbst erlebt habe ich das allerdings noch nie, und in unserem Garten
sind schon etliche Stümpfe wieder zu Erde geworden, oder sie befinden
sich in froher Erwartung dies zu tun (Fichten, Wacholder, Robinien,
Kastanien, Walnussbäume, Lärchen, Holunder, eine Linde, ein Birnbaum,
ein riesiger Exote, dessen Namen ich nicht kenne ...).
Wäre etwas dran an dieser "Weisheit", müssten sich nach einem
Blitzeinschlag im Wald, die entstehenden Lichtungen im Wald immer derart
erweitern, bis der ganze Wald verschwunden wäre, denn der Appetit
exponentiell anwachsender Zahlen von Holzvertilgern könnte erst dann
gezügelt werden, wenn es nichts mehr zu holen gäbe.
Sicher wird es auch Organismen geben, die Beton zersetzen können, aber
die kommen sicherlich nicht vorrangig aus dem Pool derer, die es gewohnt
sind, sich an Holz zu vergreifen.
> Reicht es, den Stumpf "natürlich" vermodern zu lassen, oder sollte
> der tatsächlich rausgefräst werden?
Das ist letztendlich eine Geschmacksfrage und auch davon abhängig, was
man mit dem gewonnenen Terrain vorhat. Soll darauf gebaut werden, muss
der Stumpf entfernt werden, weil es sonst zu Setzungen kommen kann.
Mir fällt gerade auf, dass das auch ein fast schlüssiger Grund für die
These sein könnte, dass " ... die Wurzeln immer noch das Fundament
angreifen könnten ...", wenn das Gebäude flach gegründet wäre (nicht
unterkellert, Kriechkeller) und der "Herzwurzler" Birke, starke Wurzeln
unter das Gebäude geschoben haben sollte.
Das äußerst schwierige Entfernen der Wurzeln unter dem Gebäude würde
dabei das Problem aber nicht lösen sondern verschlimmern, weil die
entstehenden Hohlräume dann noch aufwändig (mit Material gleicher
Plastizität wie dem Gründungsmaterial) verpresst werden müssten.
Angemessen wäre es in diesem Fall, die Wurzeln unter dem Gebäude zu
belassen und auf Zeit und Materialschläue (Spannungsreserven,
Gewölbebildung über nichttragenden Bereichen) zu setzen.
Will man die Fläche neu begrünen, muss man dort mit Verwerfungen
rechnen, wie man sie auch von Friedhöfen kennt, wenn die Wurzeln im
Boden verbleiben. Außerdem werden sich dort über einen längeren Zeitraum
die Fruchtkörper von Pilzen zeigen und der Baum wird mit der restlichen
Energie, die ihm verblieb, immer wieder versuchen neu auszutreiben. Je
früher man die Neutriebe daran hindert Photosynthese zu betreiben, desto
schneller kann man dem Einhalt gebieten. Robinie, Walnussbaum und Linde
haben es bei uns 1,5 bis 2,5 Jahre lang immer wieder versucht.
Aber auch dann, wenn der Stumpf entfernt wird, kommt es zu Verwerfungen,
wenn die entstandene Grube nicht aufwändig, lagenweise verdichtet wird.
Ganz verhindern lässt sich das sowieso nicht, weil Setzungen kriechend,
in sehr großen Zeiträumen vonstatten gehen.
--
Gruß,
Kalle
Erkläre mir und ich werde vergessen.
Zeige mir und ich erinnere.
Lass es mich tun und ich verstehe.
(Konfuzius)