Gruß Uwe.
> Der Rasen an der Nordseite unseres Hauses auf schwerem Boden gedeiht
> eher schlecht als recht und wird allmählich von Moos und Klee
durchwandert.
> Da müsste man doch aus der Not eine Tugend machen können und gezielt
> Moose oder ähnliches anpflanzen können,
Das ist eine m.E. die richtige Vorgehensweise. Nicht gegen die Verhältnisse
arbeiten - sondern mit ihnen.
Letztens gabs hier schon eine Diskussion:
http://groups.google.de/groups?q=Moosgarten
Vorbilder sind natürlich die "Japanischen" - aber eben nur Vorbilder.
Man sollte das nicht sklavisch nachäffen - man sieht es sowieso - sondern
sich Prinzipien abschauen und adaptieren.
Moosgärten sind per Definition "monochrom" - d.h. "grün" in Variation (+
Holzfarbe + Steinfarbe), also keineswegs bunt. Passend sind m.E. durchaus
jahreszeitlich getrennte einfache Farben von Blüten, z.B.
Maiglöckchen/Salomonsiegel, Herbstanemone, oder eine einzelne Dicentra oder
eine kleine Azalee (weiß oder rot). Achte auf ungefüllte Blüten, klare
Farben.
> so dass das Ganze dann
> 1. weiterhin begehbar und robust
Die Begehung sollte über Trittsteine erfolgen - Moospolster sind doch sehr
empfindlich.
> 2. gut anzuschauen
Versuche "Strukturen" zu schaffen, z.B. mit
- flache Hügel, Senken, Rinnen,
- Gößere Steine (je nach natürlichem Vorkommen in der Umgebung)
Die Setzung der Steine auch von den Japanern abschauen - also nicht
wahllos verteilen, sondern als "Poole" gruppieren.
- bemoostes großes Holz
- kleinere Bäumchen ... hier würde ich mal auf Ödland/Ruderalflächen in
Deiner
Umgebung nach Sämlingen suchen (nicht im Wald oder geschützten Gebieten)
Suche nach "Bonsai"-Merkmalen - z.B. skurilen Formen.
Nix mit großen Blättern, nix Exotisches, keine Nadelgehölze (außer Eibe).
Feldahorn ist z.b. sehr gut geeignet.
Im Schatten wachsen diese dann sehr langsam und entwickeln lichtschiefe
Formen.
- Eine Begrenzung kann (muß nicht) durch Buchs erfolgen -
meine Emfehlung wäre hier,
die Schnittform der Gartenstruktur anzupassen; also keine gerade Hecke,
sondern "Wolkenbänder"
- Es lohnt sich einen Plan zu machen.
> 3. pflegeleicht
Hm; die Begehung sollte über Trittsteine erfolgen - Moospolster sind doch
sehr empfindlich.
Pflegeleicht sind Moosgärten dann, wenn die Moosfläche geschlossen ist.
Davor steht natürlich die Arbeit, die Konkurrenzpflanzen auszuschalten.
Das erreichst Du bei der Anlage dadurch, daß du den Boden nach
Strukturierung verdichtest, je schwerer der Boden desto leichter
oberflächlich anklopfen.
In Japan werden Moosgärten regelmäßig mit einem weichen Besen gefegt ;)
Es ist aber fast unmöglich, dies erfogreich zu tun, wenn Nadelbäume
drinstehen.
Deshab stehen keine drin.
Übrigens: ein Moosgarten macht süchtig; hast Du die ersten Schritte gemacht,
denkst Du nicht mehr an die Arbeit.
Halte einen Platz für einen(!) blickgeschützten Sitzplatz frei.
Gruß Walter
>Das ist eine m.E. die richtige Vorgehensweise. Nicht gegen die Verhältnisse
>arbeiten - sondern mit ihnen.
Sehr richtig!
>Moosgärten sind per Definition "monochrom" - d.h. "grün" in Variation (+
>Holzfarbe + Steinfarbe), also keineswegs bunt.
Naja, monochrom würde ich nicht unbedingt sagen. Moose sind zwar immer
grün, aber es gibt doch sehr verschiedene Grüntöne. Von den
dunkelgrünen, manchmal fast schwarzen Polytrichumarten (Frauenhaar)
biz zu sehr hellen Sphagnumarten (Torfmoos)
>Versuche "Strukturen" zu schaffen, z.B. mit
>- flache Hügel, Senken, Rinnen,
Strukturen lassen sich auch durch die Auswahl der Arten schaffen. Hier
in der Nähe gibt es Polytrichumpolster mit gut 15 cm Höhe. Sowas lässt
sich dekorativ mit flach wachsenden Moosen kombinieren.
Für dauerfeuchte Stellen sind Lebermoose (Brunnenlebermoos) gut
geeignet.
>- Gößere Steine (je nach natürlichem Vorkommen in der Umgebung)
> Die Setzung der Steine auch von den Japanern abschauen - also nicht
> wahllos verteilen, sondern als "Poole" gruppieren.
>- bemoostes großes Holz
Wenn diese Steine oder Holzstücke dann auch noch von verschiedenen
Flechten besetzt sind.....
Dort passen dann auch sehr gut einige Farne hin. Nicht unbedingt die
großen Arten, sondern eher zierliche Streifenfarne, Mauerrauten oder
Schriftfarne.
Hirschzunge ist für schattige, kühle Stellen gut geeignet. (In der
Natur streng geschützt, auf keinen Fall ausgraben!)
>> 3. pflegeleicht
>
>Hm; die Begehung sollte über Trittsteine erfolgen - Moospolster sind doch
>sehr empfindlich.
Trittsteine sind natürlich optimal, allerdings sind die meisten Moose
bei mäßiger Begehung ziemlich robust.
>Übrigens: ein Moosgarten macht süchtig; hast Du die ersten Schritte gemacht,
>denkst Du nicht mehr an die Arbeit.
Das ist richtig. Allerdings ist die Auswahl der Pflanzen nicht immer
ganz einfach.
Es sollte darauf geachtet werden, dass der natürliche Standort der
Moosarten möglichst genau den Gartenbedingungen entspricht.
Seltene Arten sind beim Sammeln selbstverständlich Tabu. Nie ganze
Polster abräumen, damit sich der natürliche Bestand wieder erholen
kann.
Die einfachste und vielleicht beste Methode ist wohl, sich auf die
Arten zu beschränken, die sich auf natürlichem Wege am Standort
ansiedeln.
Beste Grüße
Friedhelm
das ist ja nur so ein terminus technicus [tt], der sehr oft für die
Beschreibung japanischer Gärten so (sic!)[tm] benutzt wird und nicht nicht
die strenge physikalische Bedeutung hat - erklärt habe ichs ja - und zwar
als Gegenpol zu europäischen Buntgärten([tm] von mir;)
> Strukturen lassen sich auch durch die Auswahl der Arten schaffen. Hier
> in der Nähe gibt es Polytrichumpolster mit gut 15 cm Höhe. Sowas lässt
> sich dekorativ mit flach wachsenden Moosen kombinieren.
Sehr richtig. Probieren.
> >Übrigens: ein Moosgarten macht süchtig; hast Du die ersten Schritte
gemacht,
> >denkst Du nicht mehr an die Arbeit.
>
> Das ist richtig. Allerdings ist die Auswahl der Pflanzen nicht immer
> ganz einfach.
> Die einfachste und vielleicht beste Methode ist wohl, sich auf die
> Arten zu beschränken, die sich auf natürlichem Wege am Standort
> ansiedeln.
Wenn man darauf achtet, findet man auf Schritt und Tritt überall an den
unglaublichsten Stellen Moose. Gut beobachten hilft, solche auszuwählen, die
unter den eigenen Bedingungen auch wachsen könnten.
Beobachten meint, auch mal ein _kleines_ Stück vom Rand her hochzuheben und
sich den Untergrund anzuschauen.
Sich nicht von Mißerfolgen entmutigen zu lassen.
Das Problem ist nach meiner Erfahrung, die Erdschlüssigkeit wieder
hinzubekommen.
Für viele Arten gewährleistet die Schattenfeuchtigkeit oder Tau ausreichende
Wasserzufuhr.
Gruß Walter
>
>
> Beste Grüße
> Friedhelm
Hallo,
>Am Fri, 7 Mar 2003 12:15:53 +0100 schrieb
> "Walter Hermann" <walter....@4people.net>
>
>
>>Das ist eine m.E. die richtige Vorgehensweise. Nicht gegen die Verhältnisse
>>arbeiten - sondern mit ihnen.
>
>Sehr richtig!
na, wenn ihr euch da so einig seid, werde ich doch gleich mal unsere
Obergrünen auf ein schattiges Rasenstück in unserer Gemeinschaftsfläche
los lassen. Da ist nichts mehr von Gras zu sehen und nur einheitliche
Moosfläche.
Wenn man da mehr draus machen kann als eintönige Grünelei, könnte das
durchaus was werden. Ein Moosgarten, Sachen gibt's...:-)
Aber heuer werkeln sie erst mal an einem Heidegarten. Wird auch
spannend.
Die Moosfläche werde ich mal beobachten. Mal sehen, wie die im
Hochsommer aussieht.
Beste Grüße G e r h a r d
>das ist ja nur so ein terminus technicus [tt], der sehr oft für die
>Beschreibung japanischer Gärten so (sic!)[tm] benutzt wird und nicht nicht
>die strenge physikalische Bedeutung hat - erklärt habe ichs ja - und zwar
>als Gegenpol zu europäischen Buntgärten([tm] von mir;)
So ein Garten im japanischen Stil benötigt doch bestimmt ein
Mindestmaß an Platz, wenn die Anlage einigermaßen wirken soll. Das
habe ich leider nicht zur Verfügung. Wie groß oder klein kann Deiner
Meinung nach ein Japan-Garten sein?
>Wenn man darauf achtet, findet man auf Schritt und Tritt überall an den
>unglaublichsten Stellen Moose.
Stimmt. Sogar nackter Fels wird besiedelt. Hier in der Nachbarschaft
gibt es Leute, die Moose oder Flechten auf Randsteinen u.s.w.
regelmäßig entfernen. Ich versteh sowas nicht.
>Gut beobachten hilft, solche auszuwählen, die
>unter den eigenen Bedingungen auch wachsen könnten.
>Beobachten meint, auch mal ein _kleines_ Stück vom Rand her hochzuheben und
>sich den Untergrund anzuschauen.
Der Untergrund kann evtl. nachgebildet werden, wenn die sonstigen
Bedingungen passen.
>Sich nicht von Mißerfolgen entmutigen zu lassen.
>Das Problem ist nach meiner Erfahrung, die Erdschlüssigkeit wieder
>hinzubekommen.
Moose haben nunmal keine echten Wurzeln, die man eingraben könnte. Es
wäre sinnvoll, einige cm Substrat mitzunehmen.
>Für viele Arten gewährleistet die Schattenfeuchtigkeit oder Tau ausreichende
>Wasserzufuhr.
Wenn die Pflanzen sich an den neuen Standort gewöhnt haben, ja.
Beste Grüße
Friedhelm
>Wenn man da mehr draus machen kann als eintönige Grünelei, könnte das
>durchaus was werden. Ein Moosgarten, Sachen gibt's...:-)
Sachen gibt's, die gibt's garnicht. Aber für ein schattiges Fleckchen
Erde ist das doch eine Idee.
>Aber heuer werkeln sie erst mal an einem Heidegarten. Wird auch
>spannend.
Kann ich mir vorstellen.
>Die Moosfläche werde ich mal beobachten. Mal sehen, wie die im
>Hochsommer aussieht.
Klar. Einen schattigen, immer etwas kühlen und feuchten Standort im
Wald kann man kaum mit einen schattigen, aber warmen und trockenen
Stück Wiese vergleichen.
Beste Grüße
Friedhelm
> So ein Garten im japanischen Stil benötigt doch bestimmt ein
> Mindestmaß an Platz, wenn die Anlage einigermaßen wirken soll.
Nein. Janz und jar nicht.
> Das habe ich leider nicht zur Verfügung. Wie groß oder klein kann Deiner
> Meinung nach ein Japan-Garten sein?
>
Eine Blumenschale? 1mx2m?
Das ist es ja das Verblüffende. Nimm was Du gerade hast, nicht gerade liebst
oder geben willst. Obgleich in der japanischen Gartenkultur der Garten immer
als Ganzes komponiert, angelegt und dann nicht mehr verändert wird
(möglichst keine Veränderung mehr zugelassen wird), läßt er doch durch seine
spezielle Struktur genau auch das Gegenteil zu.
Das Große ist im Kleinen. Nu, das verstehen wir Nichttaoisten aber
Eukidianer und Liebhaber Dürers "Großes Rasenstück" doch auch.
Erstemal: Bitte keinen "Japanischen Garten". Den gibts ja nicht, es gibt
sehr verschiedene sich historisch ablösende Gartentypen und eine japanische
Gartenkultur, die bestimmte, oft religös/philosophisch fundamentierte Ideen,
Prinzipien und Realisierungen immer wieder aufnimmt und variiert. Während
den meisten von uns deren Gesamtheit naturgemäß fremd und zeitlebens
unverständlich beiben muß, sind uns viele Elemente davon sofort emotional
oder sogar spirituell vertraut, obgleich sie in der europäischen
Gartenkultur kaum Entsprechungen finden (es gibt sie aber).
Deshalb finde ich einerseits, das jetzt ja wieder modische Anlegen
"Japanischer Gärten" mit Felsensammelsurien, Steinlaternennippes,
Nadelbaumkrüppeln und Teehäuserchen überaus lächerlich, befürworte aber
ausdrücklich die Adaptation (Annahme durch Wandlung) von
Gestaltungsprinzipien. Das kann man auf kleinstem Raum mit einheimischen
Gewächsen, ein paar Steinen und unter strikter Vermeidung von Japannippes
einfach ausprobieren.
Wenn Du dich unmittelbar davor oder hinein setzt (stellst, hockst) hast Du
die richtige Perspektive ein kleines Stück auf Dich wirken zu lassen.
Gruß Walter
>Eine Blumenschale?
Das erinnert mich an die Zimmergärten, die mal ziemlich verbreitet
waren. So gesehen wäre ein Bonsai bereits ein "Kleinstgarten".
>1mx2m?
Kann für einen Moosgarten ausreichen. Moose brauchen wenig Platz, da
kannst Du auf 2 Quadratmeter vieles gestalten.
>Das Große ist im Kleinen. Nu, das verstehen wir Nichttaoisten aber
>Eukidianer und Liebhaber Dürers "Großes Rasenstück" doch auch.
Womit wir wieder beim Thema Moosgarten wären :-)
Du kannst auf kleinem Raum viel gestalten.
>Erstemal: Bitte keinen "Japanischen Garten". Den gibts ja nicht, es gibt
>sehr verschiedene sich historisch ablösende Gartentypen und eine japanische
>Gartenkultur, die bestimmte, oft religös/philosophisch fundamentierte Ideen,
>Prinzipien und Realisierungen immer wieder aufnimmt und variiert.
Allerdings sind die "echten" japanischen Gärten doch oft sehr streng
formal angelegt. Da liegt kein Steinchen zufällig irgendwo herum.
Andererseits gefällt mir persönlich dieser Stil wesentlich besser als
die ornamentartig gestalteten Ziergärten, die beispielsweise an
Barockschlössern angelegt wurden.
>Während den meisten von uns deren Gesamtheit naturgemäß fremd und zeitlebens
>unverständlich beiben muß, sind uns viele Elemente davon sofort emotional
>oder sogar spirituell vertraut, obgleich sie in der europäischen
>Gartenkultur kaum Entsprechungen finden (es gibt sie aber).
Diesen Eindruck konnte ich schonmal erleben. Irgendwie wirkt so eine
Anlage beruhigend. Man könnte stundenlang die Details betrachten.
Ein sorgfältig angelegter Steingarten mit gut abgestimmter Bepflanzung
könnte dem vielleicht entsprechen.
>Deshalb finde ich einerseits, das jetzt ja wieder modische Anlegen
>"Japanischer Gärten" mit Felsensammelsurien, Steinlaternennippes,
>Nadelbaumkrüppeln und Teehäuserchen überaus lächerlich,
Naja. Etwas Dekoration geht schon in Ordnung. Es darf nur nicht
kitschig werden. Damit kriegst Du jeden Garten "kaputt"
>befürworte aber ausdrücklich die Adaptation (Annahme durch Wandlung) von
>Gestaltungsprinzipien. Das kann man auf kleinstem Raum mit einheimischen
>Gewächsen, ein paar Steinen und unter strikter Vermeidung von Japannippes
>einfach ausprobieren.
Ich glaub, ich werde mal ein Stückchen Garten reservieren...
Beste Grüße
Friedhelm
> Allerdings sind die "echten" japanischen Gärten doch oft sehr streng
> formal angelegt. Da liegt kein Steinchen zufällig irgendwo herum.
Sagen wir so, es liegt kein Steinchen zufällig zufällig rum ;)
Und das Formale ist stets ein Mittel, das Natürliche in seiner Wirkung zu
potenzieren. Kein japanischer Gartenarchitekt hat Angst vor Mauern, geraden
Linien oder hohen Tujahecken (falls es die dort gäbe ;)
> Andererseits gefällt mir persönlich dieser Stil wesentlich besser als
> die ornamentartig gestalteten Ziergärten, die beispielsweise an
> Barockschlössern angelegt wurden.
Ja, das sind eben Gärten von aristrokatischen Größenwahnsinnigen und deren
Nachäffer - man merkt, irgendwas stimmt da nicht.
> Diesen Eindruck konnte ich schonmal erleben. Irgendwie wirkt so eine
> Anlage beruhigend. Man könnte stundenlang die Details betrachten.
Manchmal findet man solche Stimmungen bei uns in engen Großstadt-Hinterhöfen
oder auf alten, nicht mehr bewirtschafteten Friedhöfen.
> Naja. Etwas Dekoration geht schon in Ordnung. Es darf nur nicht
> kitschig werden. Damit kriegst Du jeden Garten "kaputt"
Das Problem ist, daß das, was wir als Dekoration ansehen, im japanischen
Garten eine religiöse Bedeutung hat, und hier inhaltsentleert verkommt.
Es gibt aber durchaus Elemente, die eine europäische Entsprechung haben -
z.B. die Wasserbecken zur rituellen Reinigung der Hände. Das sind oft nur
schlichte natürlich wirkende Auffangbecken für Regenwasser ohne zuleitendes
Bambusrohr. Paßt hier auch prima.
Einen Japaner kannst Du auch mit einer alten deutschen Gießkanne, schön grau
verzinkt (aber nicht verrostet), umgehend in Zen-Trance versetzen ;)
Gruß Walter