folgende Situation: Zwischen Hauswand (Poroton, verputzt) und Treppenaufgang
(Beton) haben wir einen Pflanzstreifen von ca. 60 cm Breite und 8 m Länge
angelegt
und angepflanzt mit Kirschlorbeer, Zwergbambus, Kamelie und
Zwergblutpflaume.
Hat eine dieser Planzen die Eigenschaft ins Mauerwerk einzudringen, Beton zu
sprengen,
oder können wir die Pflanzen dort in Ruhe gedeihen lassen? Oder sollte man
generell in
der Nähe von Hauswänden keine Pflanzen setzen?
Mfg
Paul Platt
solange Du keine grossen Bäume an der Hauswand züchtest kann dort nichts
passieren....die Wurzeln sind nicht stark genug, die Hauswand wegzudrücken,
geschweige denn in diese einzudringen, vorausgesetzt, das Haus hat keine
grösseren Risse oder Löcher.
gruss a.b.
Hallo Paul,
ich würde mir evtl. mehr Sorgen um die Kamelien machen. Falls es sich
um relativ frischen Beton handelt, mußt Du mit einem erhöhten pH-Wert
in diesem Bereich rechnen. Das bekommt Kamelien und anderen, eher
sauren Boden liebenden Pflanzen weniger.
Gruß
G.W.
--
G. Wolmershaeuser
wolm...@chemie.uni-kl.de
>folgende Situation: Zwischen Hauswand (Poroton, verputzt) und Treppenaufgang
>(Beton) haben wir einen Pflanzstreifen von ca. 60 cm Breite und 8 m Länge
>angelegt und angepflanzt mit Kirschlorbeer, Zwergbambus, Kamelie und
>Zwergblutpflaume.
...
> Oder sollte man generell in
>der Nähe von Hauswänden keine Pflanzen setzen?
Ich pflanze generell keine Bäume und Sträucher ans Mauerwerk. Hier
hatte ich z.B. eine Eibe direkt an der Terrassentreppe übernommen und
nach ihrer Entfernung konnte man an der Seite sehen, wie die Treppe
langsam aus den Fugen geriet.
60 cm finde ich auch ein bischen schmal für die Pflaume und den
Lorbeer, wenn sie länger stehen sollen. Generell kannst Du aber
natürlich etwas an die Hauswand pflanzen. Praktisch sind z.B. Stauden.
Wenn Du im Herbst das Verblühte abnimmst, hast Du freien Blick auf die
Mauer und kannst sie inspizieren und bei Bedarf entmoosen.
Liebe Grüße
Astrid
> >folgende Situation: Zwischen Hauswand (Poroton, verputzt) und
> >Treppenaufgang (Beton) haben wir einen Pflanzstreifen von ca.
> > 60 cm Breite und 8 m Länge angelegt und angepflanzt mit
> > Kirschlorbeer, Zwergbambus, Kamelie und Zwergblutpflaume.
> ...
> > Oder sollte man generell in
> >der Nähe von Hauswänden keine Pflanzen setzen?
> Ich pflanze generell keine Bäume und Sträucher ans Mauerwerk. Hier
> hatte ich z.B. eine Eibe direkt an der Terrassentreppe übernommen
> und nach ihrer Entfernung konnte man an der Seite sehen, wie die
> Treppe langsam aus den Fugen geriet.
Das ist eine Frage der Dimensionen. Eine Eibe ist ein Baum! Auch wenn
man sie oberirdisch klein hält, wächst die Wurzel "so wie es sich für
Eiben gehört" :-)) Und für Bäume gehört sich - egal ob fief oder flach
wurzelnd ein Wurzeldurchmesser, der einem Baum (überwiegend
ausreichenden) Halt gegenüber Wind und eventuellem Ungleichgewicht
gibt. Da keine Wurzel sich Tunnel gräbt, sondern durch Dickenwuchs
radial Druck ausübt - geht eben kaputt, was diesem Druck nicht
standhält.
Ein Strauch braucht weniger Verankerung im Boden und "leistet" sich
demenstprechend keine so dicken Wurzeln.
Das "Druckproblem" (Schäden durch sekundären Dickenwuchs von Wurzeln)
besteht bei allen Pflanzen ähnlich. Hierbei ergeben sich nur zwei
Unterschiede:
1. Der Wurzeldurchmesser
Relevant hinsichtlich Beschädigungen sind nur dicke Wurzeln. Über den
Daumen kann man von einer Entsprechung der Wurzeldicke zur
potentiellen oberirdischen Biomasse ausgehen.
2. Die Wurzelorientierung
Flachwurzler werden eher horizontale Anlagen (Wege, Pflaster,
minderwertige flache Fundamente) schädigen, Tiefwurzler können auch im
Bereich von tieferen Kellerwänden u. seltenen U. kristisch werden.
Beides gilt für alle Wurzeln. Aber trotz "ganz netter"
Wurzeldurchmesser werden Obstbäume an Spalieren gezogen und i.d.R.
gibt es damit keine Probleme - schon garnicht bei Neubauten mit i.d.R.
trockenen Kellern......
Womit wir bei der zweiten Schadenursache "Bohrende Wurzeln"
wären.....
Neben der statischen Funktion, hat die Wurzel bekanntermaßen auch
Versorgungsfunktionen zu erfüllen. Die funktionieren mittels Wasser
(weil in der Pflanze kein Aufzug ist, mit dem diverse Feststoffe
stückchenweise hochgeschafft werden können :-)))
Etliche Arten orientieren daher ihr Wurzelwachstum entsprechend dem
Feuchteangebot im Boden und weichen härteren Hindernissen aus. Andere
bohren sich hindurch. Welche Pflanze mit welcher Strategie ihr
Wurzelsystem entwickelt, weiß ich nicht, aber man unterscheidet
"wurzelagressive" und "nicht wurzelagressive Pflanzen". Ich schätze
mal, dass Pflanzen aus Trockengebieten und Felsregionen
(Extremstandorte) eher zu agressivem Wurzelwachstum neigen. Aber da
weiß ich nicht konkret und da sind Verallgemeinerungen wohl eher
irreführend.
In dieser Hinsicht könnte man sich allerdings an der Praxis von
Materialtests hinsichtlich Wurzelfestigkeit orientieren. Dazu fallen
mir spontan Lupinen ein, die in einem früher mal normgerechten Versuch
zum Nachweis der Wurzelfestigkeit von Rohrmuffendichtungen benutzt
wurden und aktuell der Versuchsaufbau womit aktuell gemäß
FLL-Richtlinie Dachdichtungen auf Wurzelfestigkeit geprüft werden. Da
sind m.W. u.a. Birken und Disteln vertreten. Sicher lassen sich in der
Literatur auch Hinweise auf weitere "agressiv wurzlende" Pflanzen
finden....
Allgemein gilt jedoch, dass die Gefahr durch Wurzeln in direkter Nähe
von Häusern gerne überschätzt wird. Zwei Aspekte machen Schäden eher
unwahrscheinlich:
1. Das Haus bildet einen Regenschatten, teilweise durch Dachüberstand,
teilweise durch Windschatten. Dränung bewirkt ein übriges. Die
meisten Pflanzstellen in direkter Nähe zum Haus sind deshalb relativ
trocken und dementsprechend orientiert sich das Wurzelwachstum von
Gebäude weg.
2. Um Bauwerke herum ist i.d.R. kein gewachsener Boden, sondern eine
weniger verdichtete Anschüttung. Diese gibt dem Wurzeldruck auch
dickerer Wurzeln i.d.R. ausreichend nach.
Das wesentliche Problem besteht m.E. in Verbindung mit Gebäuden, die
unterirdische Feuchteprobleme aufweisen. Wurzeln sind bekannt dafür,
in defekte Abwasserrohre und Drainagen hineinzuwachsen. Das führt
unweigerlich zu Verstopfungen, ggf. zu Totalverschluss. Natürlich muss
eine Wurzel auch lang genug sein, um eine solche Einrichtung zu
erreichen. Ich kann dazu nichts allgemeines sagen - erinnere mich aber
z.B. an eine hanfgedichtete Wasserleitung aus Tonrohr, die in ca. 3,5
m Tiefe und 5 m Entfernung vom Stamm eines Apfelbaumes durch einen
Wurzelzopf desselben verschlossen war.
Als "Fassadenbegrüner" höre ich gelegentlich Schauergeschichten von
Wurzeln, die Kellerwände durchdrungen haben sollen. Real hat mir noch
niemand so etwas in bewohnten Gebäuden zeigen können.
Lediglich in Ruinen habe ich bisher Wurzeln gesehen, die in
unterirdische Räume eingedrungen sind.
Dies dürfte im Zusammenhang mit angesammeltem Regenwasser, verrotendem
Laub, Holzresten, feuchtem Gerümpel usw. zu sehen sein. ich halte
daher die hausnahe Pflanzung von Arten, die eher humusreichen Boden
benötigen und für ihre Standfestigkeit keine dicken Wurzeln bilden
müssen (u.a. alle Kletterpflanzen) für i.d.R. unbedenklich.
Oberirdische Feuchteschäden und Bemoosungen an aufgehenden Mauern
oberhalb einer Feuchtesperre resultieren meistens aus direkt (von
oben) einwirkendem Schlagregen oder aus Spritzwasser. Ein Bewuchs, der
hiervor nicht (wie z.B. eine Fassadenbegrünung) schützt, kann durch
Behinderung von Wind (Konvektion) die Abtrocknung verzögern. Das
erhöht die Anfälligkeit gegenüber Bewuchs mit Moosen, Flechten und
Algen sowie den Folgen anhaltender Feuchteeinwirkungen auf die
Baustoffe. Dies gilt vor allem, wenn "selbsttragende" Pflanzen direkt
bis an die Fassade wachsen,
also durch fehlenden Wandabstand der permanente vertikale
Luftaustausch unterbrochen wird.
Fassadenbegrünung ist in dieser Hinsich unbedenklich, da die
schindelartige Belaubung Regen abweist und hinter dem Laubschild ein
permanenter Luftaustausch stattfindet. Hinter einer Fassadenbegrünung
ist nicht nur die Wand, sondern auch die Luft trockener, als davor.
Grüße
Thorwald Brandwein