Am 21.08.2016 um 09:08 schrieb Dr. Joachim Neudert:
Da wir seit Jahren Sportfotos machen, haben wir solche Dinge auch schon
praktisch analysiert.
Dass Systeme wie Nikon 1 vom kleineren Format profitieren, hab' ich auch
hier schon mehrfach geschrieben, wogegen dann aber gern gepoltert wurde.
Gleichwohl verkackt Nikon 1 selbst dann in der Praxis. Drückt man
unbedarften Noobs eine solche kleine Systemkamera in die Hand, kriegen
die damit eher scharfe Bilder hin als mit Vollformat und lichtstarken
Objektiven.
Kommt aber Bewegung ins Spiel und auch noch schmales Licht, ist APS-C
Nikon 1 bereits deutlich überlegen und ich verwende dann grundsätzlich
Vollfomat. Mein System kenne ich seit drei Jahrzehnten und verwende nur
(d)SLR, deren Bedienung direkt auf dem Vorgänger aufbaut.
Zwischendurch nutze ich auch mal die EOS meiner Bekannten und umgekehrt
bei Ausflügen und Blümchenfotos, aber dann ist auch über Kreuz jemand
dabei, der dieses Kamera genau kennt. Abgesehen davon, dass wir so nicht
beide Systeme mitschleppen müssen, hilft mir das auch, wenn aus dem
Bekanntenkreis Fragen zu Canon kommen oder spätestens bei Kursen.
Wie viele mit ihren eigenen Kameras komplett überfordert sind, ist nicht
zu übersehen. Bei Kursen lege ich gern mal eine Anleitung für eine
Kamera aus den 70ern auf den Tisch, daneben das ausgedruckte Heft nur zu
einem modernen Blitz.
"Leute, da ist nur die Bedienung beschrieben, kein Stück Grundlagen über
Fotografie!" ... mache ich die erst mal wach.
Teilweise vernichtende Rezensionen wirklich unstrittig tadelloser
Markenobjektive erwecken bei mir den Eindruck, dass viele tolle
Objektive nur mal ausprobieren wollen. Die sagenumwobene Serienstreuung,
gerade bei für die Masse bezahlbaren Objektiven, macht dann in Foren die
Runde.
Klar haben wir auch das genau untersucht, im Verein mal einen speziellen
Testaufbau. Als der mal nicht zur Hand war, hatte uns Heino besucht und
wie seine bei ebay erstandene Scherbe untersucht. Das, ein altes
gebrauchtes Sigma, war das einzige Objektiv, bei dem wirklich ein
Fehlfokus festzustellen war, kein Bedienungsfehler die Ursache.
In unseren drei Haushalten haben wir mit Nikon, Canon und ein wenig
Nikon 1 drei Systeme, zehn Bodies. Im Laufe der Jahrzehnte sind da an
die 50 Objektive zusammen gekommen, meine Bekannte hat zwei bereits
mechanisch verschlissen, allein zigtausende Pflanzenfotos gemacht, dazu
Sportfotos, Poträts, Reisefotos, ... .
Dementsprechend haben wir die vielen Objektive, jeweils nach dem Kauf,
auch vorsichtshalber genau überprüft, dazu inzwischen den Spyder
Lenscal. Es erwies sich bisher nicht einmal das Objektiv oder die Kamera
als Fehlerquelle.
Jedes neue Objektiv wird ganz bewusst erst mal kennen gelernt, genau für
den Zweck, für den es sich speziell anbietet. Werden Objektive im
Wechsel benutzt, verwenden wir auch zwei, gelegentlich sogar drei
Bodies, um diese eben doch schneller individuell einstellen zu können.
Früher haben wir das alles nicht schleppen wollen, aber bei den Profis
sieht man, dass es gar nicht anders geht, wenn es schnell gehen muss.
Dazu war uns auch das Risiko, bei den vielen schnellen Wechseln mal ein
Objektiv runter fallen zu lassen oder im Bajonett zu verkannten zu gross
und bald erschien auch der Lady ein zweiter Body sinnvoller, als
womöglich ihr schönes 70-200 purzeln zu sehen.
Auch bei der sind die Kameras ganz bewusst sehr ähnlich gekauft, bauen
auf der Bedienung des Vorgängers auf. Nur dann lenkt die Kamera selbst,
nachdem man diese wirklich kennen gelernt hat, nicht mehr ab und erlaubt
es einem konzentriert zu fotografieren.
Die dazu nötige Routine erreichen meinem Eindruck nach nur noch Profis
oder Amateure, die sich wirklich Zeit nehmen bestimmte Themen auch mal
zu üben.
Steht man bei Sportveranstaltungen zwischen den Läufen mit den Profis an
der Strecke, wird über solche Dinge auch schon mal kurz besprochen. Die
belächeln das alles und wissen am besten, wie viel Routine man mit
seinem Zeug braucht. Schau mal in die Anleitung moderner dSLR, wie
umfangreich die Optionen für den AF dort beschrieben sind.
Ein Amateurkollege der sich für oben genannte D500 interessiert,
schwärmte von deren Möglichkeit das Motiv zu verfolgen. Dem hab' ich
dann gezeigt, dass seine D800 das auch kann. Die hat der gute Mann seit
gut 2008, 2009 kam etwa zu dieser Jahreszeit Nachfolger D300s auf den Markt.
Zur D500 gibt es neben der Schnellstartanleitung mittlerweile ein WLAN
Handbuch, das dicke Referenzhandbuch und eine weitere Anleitung allein
zu deren Menüs.
In Tests, auch speziellen Portalen jammern dann studierte Leute, die
sich Fachjournalisten nennen, über die langen Menüs. Da habe selbst die
Chefredakteure noch nicht begriffen, dass man bei vielen Kameras hinten
im Menü via INF Taste nahezu alle wichtigen Funktionen schnell und
direkt im LCD ansteuern kann.
Tester testen zig Kameras im Wechsel, lernen aber keine richtig kennen
und so sind auch solche Tests echt für den Hintern. Stiftung Warentest
zeigt oft solche Widersprüche, die nehme ich schon ewig nicht mehr
ernst, aber auch bei der c't finden sich immer wieder Fehler und
Widersprüche in den Tests, sicher durch Zeitdruck.
Den Eindruck, dass so gut wie niemand liest nimmt, wenn etwa der
Hersteller selbst ganz genau beschreiben, bis zu welchen Bildraten der
AF überhaupt noch nachstellt, habe ich schon sehr lange.
Ich selbst stelle meine Kameras übrigens so ein, dass die Automatik
Serienbilder automatisch einbremst, wenn der AF mehr Zeit braucht. Damit
habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, den Ausschuss durch Unschärfe
deutlich reduziert. Durch Nachfragen bei entsprechenden Gesprächen ist
mir aufgefallen, dass etwa solche Funktionen so gut wie niemand kennt,
geschweige denn benutzt. Einige haben das bei gemeinsamen Sportfotos nun
selbst aktiviert, vorher nie im Handbuch entdeckt, obwohl auch die
Kamera selbst die Option auf Tastendruck erklärt.
Hobbyknipser, die von Photokina zu Photokina pilgern, um sich Kameras
anzuschauen, die endlich Bilder machen sollen, wie sie es sich wünschen,
kennen wir alle. Da fällt nie der Schalter, dass man selbst sein
Werkzeug im Griff haben muss, damit das gelingen kann.
Bei Nikon AF hatte ich bereits 91' die Kamera gefunden, die mir alles
geboten hat, was ich wollte. Außer neuen Objektiven und '93 noch einem
identischem Zweitbody kam da nichts hinzu und den Weg zur Messe hab' ich
mir ganz gespart.
Heute schaue ich mir ab und zu mal Fachvortäge bei Calumet Hausmessen
an, zumal ich dann Aktionspreise beim Equipment mitgenommen hatte. Die
wiederholen sich aber auch nur noch und ich hab' mein Zeug auch
zusammen. So ist auch da mit der zweiten D800 ein identischer Body dazu
gekommen, weil der alles leistet, was ich mir wünsche, schon 2013.
Danach kamen nur neue Objektive dazu, zuletzt das schöne 4/300 PF oder
für die Lady das EF-S 10-18 IS und auch damit haben wir beider erst mal
geübt.
Mit Leuten aus dem Freundeskreis, die sich Hilfe beim Kauf er Kamera
wünschen, spreche ich erst mal, was genau die sich vorstellen, ob sie
vor allem draußen oder auch Party oder ihre Kinder / Enkel drinnen
fotografieren wollen, mit denen im Zoo sind oder speziell auch
Fotoausflüge machen wollen. Dann steuern wir bei Gelegenheit mal einen
Laden an und schauen uns die Modelle an, die ich aus geguckt habe, um zu
sehen, welche Bedienung am besten zusagt.
Das endet dann entweder bei dSLR oder Kompaktkameras, meistens mit
mäßigem Zoom, nur selten mit grossen Zoombereich. Was das Feedback
betrifft, sind die alle begeistert.
Testberichte? Buahaha!
Die Auflagen entwickeln sich nicht ohne Grund drastisch nach unten.
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Schöne Grüße
Jürgen Gerkens