Am 25.06.2017 um 10:22 schrieb Fritz Rutz:
> Tamron hat mal wieder ein neues APS-C Suppenzoom mit erstaunlichen
> 18-400mm angekuendigt:
>
http://www.tamron.eu/de/magazin/blog/detail/890/
>
> Bei einem UVP von 889 Euro muss man sich allerdings ueber die
> Zielgruppe wundern. Wer kauft sich sowas? Im Gegensatz zu den
> ueblichen 18-200mm Zooms ist der Preis ziemlich sportlich.
Das Nikon 18-200 VR habe ich mir damals zur D200 gekauft. Das schlug
auch so mit gut 700 EUR zu Buche.
Es hat sich seitdem dort bewährt wo ich entsprechende Brennweiten sonst
nur ohne Stabilisator habe, bzw. damals hatte oder schnell und beweglich
sein möchte, vor allem auf Veranstaltungen.
> Deshalb duerften "preisbewusste" Kunden nicht die Zielgruppe sein.
> Und alle anderen die den Bereich Tier- und Sportfotografie abdecken
> wollen duerften sich ueber die potentiellen Probleme dieses Objektivs
> im klaren sein.
Das beste Objektiv ist immer das, das eine Aufnahme so ermöglicht, dass
sie einem gefällt.
> ...
Wegen der wirklich guten Erfahrungen mit dem 18-200 VR hat es sich auch
mein Bruder gekauft, ist Pressewart beim DLRG und nutzt es ebenfalls für
Veranstaltungen.
Um bei einer bestimmten Veranstaltung nicht bei schlechtem Wetter
mehrere teure Kameras und Objektive zwei Tage am Stück in nassen Taschen
"einzuweichen", habe ich angesichts des Wetterberichtes unmittelbar
vorher sogar für FX ein Superzoom gekauft, d.h. das 28-300 VR für die
D800. Das liegt vom Strassenpreis in der gleichen Preisklasse wie die
UVP des Tamron 18-400.
Wäre dort schönes Wetter gewesen, hätten mir drei Kollegen geholfen.
Dann hätte ich meine Priorität mehr auf Fotos gelegt, die mir selbst
gefallen und ich gezielt mit gemäßigten Zooms und zwei Festbrennweiten
auf den Punkt fotografiert, auch Zeit zum Standortwechsel gehabt.
Nur eine Kamera mit Superzoom dabei ließ diese sich unterm Schirm
schützen während keine Tasche neben mir im strömenden Regen stand. Ich
war zudem viel beweglicher und ohne Kamerawechsel auch schneller.
An der D800 sind Superzooms von der Sache Frevel, aber so konnte ich die
gewohnte Kamera verwenden, bzw. meine D700.
Auch an Zoomfahrten (dann wieder D800) hatte ich beim Kauf gedacht,
welche dann aber nur vom Stativ Sinn haben. Dazu habe ich noch einen
kleinen Hebel, den man mit einem Riemen am Zoomring befestigen kann, um
diese Bewegung flüssig und sanft erledigen zu können.
Kurz hatte ich auch überlegt es als Superzoom für meine Nikon 1 V1 zu
verwenden. Dessen 70-300 wäre ähnlich teuer gewesen, taugt aber
umgekehrt nicht an der dSLR, während man diese Lösung an Nikon 1
adaptieren kann.
Bei der Fotografie ist die Nikon 1 aber zu limitiert, um in der
Kombination an der D800 zu schnuppern. Da ist letztlich ein
Bildausschnitt der D800 besser. Interessant ist die Nikon 1 bei
Highspeedserien mit dem 300er Superzoom, die man halt nicht noch mal
wiederholen kann.
Und dann kam noch ein Szenario dazu: Gemeinsame Nutzung eines Systems
(Nikon FX), einer macht Fotos, einer Video. Da kann man nicht mal eben
das Objektiv des anderen nehmen, quatsch sich bei Absprachen in die
Tonaufnahme und muss deshalb auch gewissen Abstand haben, um
Auslösegeräusche nicht im Video zu haben. Schon macht das 28-300 VR auch
da einen guten Job.
Warum für mich kein Tamron?
Ganz einfach deshalb, weil ich solche Objektive gern auf Veranstaltungen
nutze, dort die Bilder direkt weiter gebe und schnell online stelle.
Dabei klappt dann die kamerainterne Korrektur nur mit Nikon Objektiven,
bei Tamron müsste ich diese erst mit Lightroom durch die
Stapelverarbeitung jagen.
Seitdem wir zwei Mal ein Sigma 18-200 OS im Vergleich mit meinem Nikon
18-200 VR am Start hatten, sah ich, wie wieviel stärker es vignetiert.
Das übrigens schon bei Verwendung des 18-200 VR an der D200, die noch
keine entsprechende Korrektur aus der Box kann.
Im Zweifelsfall würde ich das 18-300 VR an der D300s verwenden, wenn ich
tendenziell längere Brennweiten brauche, bzw. auch deren Videooption.
400 statt 300mm machen am langen Ende dann auch keinen solchen
Unterschied mehr aus, um ein solches Objektiv zu kaufen.
Wo es drauf ankommt, nehme ich lieber ein ein Supertele statt ein noch
extremeres Superzoom.
Andere Überlegung: Gewicht / weniger Gepäck
Letztes Jahr hatte ich meiner Lieblingsfotografin ein Tamron 18-200 VC
spendiert. Diese hat als Grafikerin an sich zwar höhere Ansprüche und
schon eine schönes Sortiment guter Objektive, war aber zum zweiten Mal
schwer erkrankt.
Würden wir uns mein Nikon Zeug teilen und ich den Packesel spielen,
müßten wir uns einen Standort teilen und sie ein ungewohntes System nutzen.
Dazu war das Tamron 18-200 VC sehr günstig und ist sehr leicht. Sie
kommt damit auf Veranstaltung eher ohne andere Objektive aus, die eben
auch nicht unbeaufsichtigt und für Diebe griffbereit herum liegen, wenn
sie sich auf ihre Aufnahmen konzentriert.
Bei mir ist das weniger dramatisch, weil ich viel stämmiger bin und mir
dabei dann den Kamerarucksack um den Pelz hängen kann.
Das Tamron 18-200 VC erwies sich als optisch gar nicht mal so schlecht(,
das Sigma 18-200 OS war bei zwei Tests am gleichen System schon
durchgefallen). Sie war damit auf der Veranstaltung trotz der schweren
Krankheit ziemlich flink unterwegs, ohne sich zu sehr anzustrengen.
Ob, wann und was in Frage kommt, bzw. mit Sinn behaftet ist, kommt also
sehr auf das eigene oder auch ein gemeinsames Nutzungsprofil an. Was ein
18-400 VC noch reell leisten kann, müßte man zudem in der Praxis sehen.
Sehr nett finde ich Superzooms bei Tagesausflügen, dann mit richtiger
Kamera statt einer Kompakten. Man hat seine gewohnte Kamera, nicht nur
ein Spielzeug mit, braucht aber nicht viel schleppen.
Und man kann damit schön Lage peilen, Perspektiven und Blickwinkel
ausprobieren, bevor man bei besserem Licht noch mal gezielt mit der
optimalen Festbrennweite wieder kommt. Ist halt bequem, um mit schlankem
Gepäck erst einmal zu stöbern.
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Schöne Grüße
Jürgen Gerkens