Volker Bartheld <
dr_ve...@freenet.de> wrote:
> On Sun, 8 Apr 2012 21:40:49 +0200, Wolfgang Weisselberg wrote:
>> Was für eine besondere Qualität hat HDR [...] als Methode, einen größeren
>> Dynamikumfang auf einen geringeren Dynamikumfang zu reduzieren?
> Das was Du meinst, ist "Tonemapping", also die Konvertierung von HDR in LDR
> nach gewissen Kriterien. Die besondere Qualität an HDR ist, trotz des
> beschränkten Dynamikumfangs von Digitalkameras dem Kontrast des Motivs
> gerecht zu werden, d. h. ihn zu erhalten.
Etwas gerecht zu werden heißt nunmal nicht es auf Gedeih und
Verderb zu erhalten. Dem Analogfilm gerecht zu werden heißt
nicht, nur Analogfilm zu verwenden.
In diesem Fall ist das "gerecht werden == erhalten" nur machbar,
wenn man den Kontrast auch im Output erhält. Sobald man ihn
im Output verringert ... POOF. Nix mehr erhalten.
> Ich kenne keine andere Methode,
> das zu tun. Dazu unten mehr.
Und das bringt genau *was* ein, wenn du einen gegebenen Output
(Bilder für's WWW, Dia, Print, ...) brauchst? Erwartest du, in
50 Jahren einen Output generieren zu können, bei dem der Kontrast
tatsächlich darstellbar ist, und wäre das dann ein besseres Bild?
>> Du kannst natürlich auch einen passenden graduellen Graufilter
>> nutzen, der die hellen Bereiche genügend abdunkelt.
> Natürlich. Irreversibles Tonemapping "vor Ort" bzw. "vor dem Objektiv".
> Kann man dem OP empfehlen, wenn er damit umzugehen imstande ist - für
> manche Motive (keine erkennbare Horizontlinie, Objekte, die die
> Horizontlinie durchbrechen, ...) ist der ND-Grad unbrauchbar,
Deshalb passend. Man soll solche Filter auch individuell für
Aufnahmen herstellen lassen können, wenn man's wirklich will,
statt nur einen mit einer geraden Kante zu haben.
> so wie HDR -
> konkret eigentlich die Anfertigung von Belichtungsreihen - sich (meist)
> für bewegte Objekte nicht eignet.
Ja.
>>> Und um z. B. eine Bergkulisse "aufzuhellen" braucht man schon einen recht
>>> potenten "Blitz", den man dann aber in Gigatonnen und nicht Ws mißt.
>> Da ist eben jener gradueller ND ganz nett zu gebrauchen.
> Meist schon, ja.
Eben. Es gibt eben mehrere Wege,
>> Nicht zu erkennen, welche Methode sinnvoll ist und nur HDR zu
>> kennen ist ein klares Zeichen für einen schlechten
>> Photographen.
> Da stimme ich Dir vollkommen zu.
> Nicht zu erkennen, welche Methode sinnvoll ist und nur eine Einzige zu
> _empfehlen_ bzw. zu verwenden (das war es wohl, was Du sagen wolltest) ist
> ganz allgemein immer ein klares Zeichen für mangelnde Expertise.
Nein, denn es mag Gründe geben, eine weniger sinnvolle Methode
zu verwenden (und sei es nur, um zu demonstrieren, daß sie nicht
sinnvoll ist). Auch mag es Gründe geben, bei einen gegebenen
Fall nur eine einzige Methode zu empfehlen --- z.B. weil die
anderen Methoden auch schon empfohlen wurden.
> Das
> schändet nicht, solange man Argumenten zugänglich und lernfähig ist. Ein
> schlechter Techniker (z. B. Fotograf) ist man deswegen noch lange nicht.
Wer sein Werkzeug nicht beherrscht, ist ein schlechter Techniker.
Wer nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt, obwohl seine
Ausrüstung und die Außenumstände das hergeben würden (oder
wer sich trotz Budgets nicht die notwendige Ausrüstung mietet),
der ist ein schlechter Techniker.
>> dafür sieht das Auge weniger als 2° und setzt das
>> Bild zusammen --- und wenn man gerade (Sakkade, z.B.) nicht (dahin)
>> schaut, kann man vollkommen unbemerkt das Bild verändern. Da
>> wird halt extra viel gefakt, und wenn man das mit Kameras machen
>> würde, würden alle massiv schreien."
> Wie würde ein solcher Fake bei einem Standbild/Abzug oder generell
> statischem Inhalt aussehen?
Halte einfach einen kleinen Ring über das Bild und decke den
Rest des Bildes ab. Jetzt bewege den Ring zuckend hin und her,
mit größeren Bewegungen in Richtung der interessanten Bildteile.
Decke den Ring immer ab, wen du ihn bewegst. usw.
> Das ist doch m. M. n. genau das Problem,
> weswegen man allerlei Hilfsmittel bemüht (ND, ND-Grad, HDR, Aufhellblitz,
> ...) und nach immer mehr Megapixeln giert.
Nein. Die von dir genannten Hilfsmittel sind notwendig, weil
die ganze Verarabeitungskette nicht in der Lage ist, extreme
Kontraste abzudecken, die unser Auge noch schafft ... wenn
auch anders. Die Megapixel sind großenteils dem Marketing
geschuldet.
> Würde man z. B. sicherstellen
> können, daß das Bild immer aus der üblichen Betrachtungsentfernung oder
> mit Eytrackingbrille angesehen würde, könnte man sich womöglich auf ein
> 50er und 6MP beschränken.
Nein, da der Standort wichtig für die Bildwirkung ist, und 6
MP einfach nicht ausreichen, wenn man mit einem 300'er immer
noch den relevanten Teil ausschneiden würde.
> Allerdings eben NICHT darauf, vor Ort ein LDR
> anzufertigen.
Du könntest ebenso wie das Auge über einen gewissen
Zeitbereich scannen und zusammensetzen --- mit 2° Blickwinkel
und co. Und intelligent kleinkomprimieren, worauf der
Betrachter eh nicht achtet/achten soll.
Was das mit einem LDR zu tun hat, weiß ich jetzt aber nicht.
> Übrigens WIRD extra viel "gefakt" - JPG,
Und es wird geschriehen.
> Rauschunterdrückungsalgorithmen
Und es wird erst recht geschriehen. "Glattbügeln",
"Plastikhaut", ...
> und der ganze sich mit psychovisuellen Fragestellungen befassende
> Berufszweig sind der Beweis dafür. Und keiner schreit. Zumindest nicht
> massiv. Oder hörst Du keine MP3s, schaust keine DVDs bzw. publizierst keine
> JPGs?
Ich bevorzuge Ogg Vorbis, schaue in der Tat selten DVDs (aber
speichere --- natürlich lossy compressed! --- was ich mir im
Fernsehen ansehen will, wann ich es sehen will) und natürlich
mache ich JPEGs.
Ich gehöre aber auch nicht zu der "MP3 schädigt mit seiner
Kompression die Ohren"-Fraktion.
>>> Nur weil der weitere Bearbeitungs- bzw. Darstellungsprozeß nicht mit den
>>> Kontrasten klarkommt, ist das noch lange kein Grund eine Szene nicht mit
>>> dem dafür notwendigen Kontrastumfang abzulichten. Denn die Option eines
>>> Tonemappingdurchgangs aus dem Rohbild habe ich in der Nachbearbeitung
>>> immer noch - wo aber nichts ist (ausgebrannte Lichter, abgesoffene
>>> Schatten), kann ich leider auch nichts mappen.
>> Gut, wenn du nicht weisst, was das überhaupt für ein Bild werden
>> soll und das nachher per Photoshop und Tonemapping erfindest und
>> zusammenstückelst, dann brauchst du das wohl.
> Mit demselben Argument kann man auf Rohformatfotografie und nachträgliche
> Bildbearbeitung gleich komplett verzichten.
Nur, wenn man DSLRs mit genau den Sensorformaten kauft, die man
nachher im Output möchte, die DSLR-Displays farbtreu sind (um den
Weißabgleich nach Stimmung vorzunehmen), man auch z.B. nie nachher
die korrekten Farben in von z.B. schlechten Leuctstoffröhren
beleuchteten Gebieten braucht (wozu noch Farbabgleichskarten?), man
in der DSLR neu auftretende bad pixel rückwirkend selber ausmappen
kann, wenn man sie im Output bemerkt, und viele andere Dinge mehr.
> Was ist so schlimm oder
> verwerflich daran, bei der Aufnahme eine technisch möglichst gute
> Abbildung des Motivs zu versuchen?
Verwechselst du "technisch möglichst gute Abbildung" mit
"maximaler Kontrastaufzeichnung"? Letztere ist für erstere
keinesfalls zwingend notwendig: du betreibst ja keinen Scanner, der
Dias in den Lichtern wie in den dichtesten Dichten durchleuchten
soll.
-Wolfgang