Am 09.11.2011 22:59, schrieb Wolfgang Exler:
> Johannes Leckebusch wrote:
Ach du lieber Gott - erst durch leicht irritiertes Nachgucken wird mir
klar, dass Adobe in der deutschen Lokalisation von Photoshop aus CS5 die
Begriffe "Arbeitsfarbraum" und "Farbprofil" offenbar quasi synonym
verwendet ... wenn es eine Datei laden soll, deren zugeordnetes
"Farbprofil" nicht dem eingestellten "Arbeitsfarbraum" entspricht, gibt
es verschiedene Möglichkeiten - dass es dieses so übernimmt oder eine
Frage stellt, ob es die beibehalten oder umwandeln soll - im Dialog
"Farbeinstellungen" hat man z. B. die Wahl im Abschnitt
"Farbmanagement-Richtlinien" einzustellen: RGB: aus/Eingebettete Profile
beibehalten/in RGB-Arbeitsfarbraum konvertieren.
Hier handelt es sich aber natürlich /NICHT/ um Geräteprofile wie ein
Druckerprofil oder Monitorprofil, sondern um den Farbraum, in dem die
RGB-Werte der Datei interpretiert werden!
Ich muss wirklich mal was dazu erarbeiten, angedacht ist das schon vielfach.
Grob gesagt kann man beim RGB-Format zwischen 8-Bit und 16-Bit
unterscheiden, ich beschränkte mich jetzt einmal auf das 8-Bit-Dateiformat.
In letzterem geht der Wertebreich pro Kanal von 0 bis 255. Ein
"maximales Rot" beschreibt man dann nach der Formel "RGB" mit (255, 0,
0), ein "maximales Grün" etwa als (0, 255, 0).
Diese Zahlentripel bedeuten aber noch keine bestimmten Farben, haha!
Hier kommt, ich kann leider die Zwischenbemerkung nicht ersparen, wieder
der Unterschied zwischen "Farben" in der Wahrnehmung (die nur im Gehirn
stattfindet) und deren technischer Repräsentation oder Physik ins Spiel.
Die drei "Farben" (255, 0, 0); (0, 255, 0); (0, 0, 255) bilden ein
Dreieck im CIE-Diagramm:
http://www.johannes-leckebusch.de/Fotogalerien/Farbraumschnitte/CIE1931xyAdobeRGB_jpg.htm
(in:)
http://www.johannes-leckebusch.de/Fotogalerien/Farbraumschnitte/index0002.htm
Fragt sich nur: Welches? Das hängt nämlich davon ab, welcher "Farbraum"
einer Datei zugeordnet ist. Um ein paar Beispiele kurz zu erläutern:
sRGB (oben weißes Dreieck) ist ein relativ kleiner Farbraum, der aber
von vielen Geräten dargestellt werden kann. Keine der Maximalfarben aus
der Liste
(255, 0, 0); (0, 255, 0); (0, 0, 255)
wird in maximaler Sättigung dargestellt.
Adobe-RGB (schwarzes Dreieck) ist größer, vor allem in der "grünen
Ecke", umfasst also sattere Grüntöne, während das maximale Rot und das
maximale Blau nahezu mit sRGB identisch sind.
Bei "ProPhoto-RGB" wird es nun (scheinbar!!!) esoterisch: Das Dreieck
liegt an seinen Spitzen außerhalb der CIE-Kurve. Das heißt, die Liste
(255, 0, 0); (0, 255, 0); (0, 0, 255)
beschreibt Farben, die es gar nicht gibt - bzw., die man gar nicht
wahrnehmen kann, denn sie müssten schneller als das Licht - äh, bunter
als maximal bunt sein.
Das hat trotzdem seinen Sinn, denn damit kann man einen sehr viel
größeren Bereich der leider vom lieben Gott höchst blödsinnig geformten
Wahrnehmungskurve beschreiben.
Die Konsequenz ist nun folgende: Mit denselben RGB-Zahlenwerten (in
8-Bit-RGB) werden ganz verschiedene Farben beschrieben, je nachdem,
welcher Farbraum (laut Adobe: Farbprofil) einer Datei zugeordnet ist.
In Photoshop gibt es merkwürdigerweise unter dem Menü "Bearbeiten" zwei
Auswahlen: "Profil zuweisen" und "In Profil umwandeln".
Der Unterschied wir einem am ehesten klar, wenn man einmal eine relativ
simple Testdatei wie meinen "Monitortest" benutzt und das daran durchspielt.
http://www.johannes-leckebusch.de/Fotogalerien/technik.html
Man lade sich da einmal die Datei "MonitortestbildsRGB.psd" herunter
(grümpf ... notfälls könnte ich das auch mal als ordinäres TIFF hochladen).
Diese hat also den "eingebetteten Farbraum" sRGB. Die verschiedenen
Farbtreppen links haben am Ende ein maximal buntes Feld, dabei findet
man u. a. für Rot (255, 0, 0), Gelb (255, 255, 0), für Grün (0, 255, 0)
und für Blau (0, 0, 255), wenn man die in PS oder ähnlich "pipettiert".
Wenn man diese Datei von Photoshop in Adobe-RGB /umwandeln/ lässt,
sollte sich am Aussehen nichts ändern, aber die pipettierten Werte
lauten nun Rot: (219, 0, 0), Grün: (144, 255, 60) und Blau: (0, 0, 250).
Alles klar?
Noch krasser wird es bei einer /Umwandlung/ in Prophoto-RGB:
Rot: (179, 70, 26), Grün: (138, 237, 78), Blau: (86, 35, 235).
Der Grund: Die /gleichen Farben/, die auf den Ecken des RGB-Farbraumes
liegen (also maximal bunt sind), liegen in den größeren Farbräumen
weiter innen in dem von ihnen aufgespannten Farbdreieck und werden daher
durch kleinere Zahlenwerte dargestellt.
Wohlgemerkt: An der Bildschirmdarstellung sollte sich überhaupt nichts
ändern, wenn das Farbmanagement auf dem Rechner für den Monitor
funktioniert.
>>> Was ich gemeint habe war, das eine Farbe mit den Werten 0 bis 255 gesteuert
>>> werden kann, als 0 = diese Farber weglassen und 255= diese Farbe volle Kanne
>>> alles dazuwischen muss linear sein und das muss die Firmware hinbekommen
>>
>> Die Frage ist halt: Linear in welchem Sinne? Eine lineare Menge Tinte,
>> eine lineare Menge Toner oder eine lineare Rasterdeckung? Oder als Ziel
>> eine lineare Deckung/Absorbtion?
>
> das Ziel ist eine lineare Farbdarstellung. Das muss keine Lineare
> Tintenmenge sein. 127 Rot ist halb so viel Rot wie 255. Das spielt vor allem
> beim Farbmischen eine extreme Rolle, wenn das nicht stimmt geht viel daneben
> und muss dann mühsam im Druckertreiebr korrigiert werden. Und das bedeutet
> dann: pro Betriebssytem/Druckertreiber das ganze nochmal implementieren
Die Frage lautet aber: "Was ist halb so viel Rot"? Halb so gesättigt?
Bezogen auf welches Gamma, das einem Farbraum(profil) zugeordnet ist?
Normal ist, dass ein mittlerer Grauwert von knapp 18% Reflexionsvermögen
(linear betrachtet) in einer RGB-Datei bei üblichem Gamma mit den Werten
(108, 108, 108) beschrieben wird. Ist das nun ca. "halb so viel Weiß"
(bzw. von jeder Farbe) oder knapp ein Fünftel?
>> Bisher sehe ich es so, dass der Drucker mittlere Töne viel zu hell
>> druckt ... und bei den Testfarben allerlei bunte Abweichungen je nach
>> "Motiv". Wirkt ziemlich undurchschaubar.
>
> hier empfehle ich das Testbild aus meiner Broschüre vom Druckerworkshop in
> AQ (
http://www.jirvana.com/printer_tests/PrinterEvaluationImage_V002.zip)
> mal auszudrucken und in meinem Script die Auswertung (Seite 27 -30) mal zur
> Analyse heranziehen. Das ist sehr aufschlussreich und man erkennt wo man
> "drehen" muss
Das kann ich mir ja gerne mal anschauen ... hoffentlich habe ich die
Tage Zeit dafür.
>>> das HP Easy Color kann ich gerade nicht 100%tih zuordnen
>>
>> Das soll wohl eine autmatische Optimierung sein ...
>
> tja, usn meistens ist bei solchen Automatiken nicht beschrieben was genau
> passiert
Leider ...