Nachdem hier jᅵngst so leidenschaftlich ᅵber Blitzem im
allgemeinen und Canon im besonderen diskutiert wird, mᅵchte ich
mich mal mit einer Frage anhᅵngen.
Meines Wissens nach funktionieren die alten Canon A-TTL(?)-
Blitze aus der EZ-Serie ja nicht an Digitalkameras. ("Nicht
funktionieren" in dem Sinn, daᅵ manuelles Blitzen natᅵrlich
schon funktioniert, aber eben keine TTL-Steuerung.)
Nur - warum ist das so?
Ich habe eine Begrᅵndung im Hinterkopf, daᅵ das mit
unterschiedlichen Eigenschaften von Filmen und Digitalsensoren
zu tun haben solle. Das leuchtet mir aber nicht ein: TTL heiᅵt
ja "Through The Lens", also wird wohl offensichtlich Licht
irgendwie "hinter" dem Objektiv gemessen. Das bedeutet aber, daᅵ
die entsprechende Steuerlogik oder zumindest die Sensorik dafᅵr
irgendwo in der Kamera sitzen muᅵ. D.h., wenn es Unterschiede
zwischen Film und Sensor gᅵbe, kᅵnnte man das doch direkt im
Kameragehᅵuse berᅵcksichtigen und entsprechend "korrigierte"
Informationen an den Blitz weitergeben.
Tschᅵs,
Sebastian
--
"Muss ich mir eigentlich im Vergleich zu einem Analog-Fotografen
eine 1.6-fach grᅵssere Fototasche kaufen, weil die Objektive
lᅵnger werden?"
[P.J. Meisch in drf zum Thema "Verlᅵngerungsfaktor"]
> Meines Wissens nach funktionieren die alten Canon A-TTL(?)- Blitze aus der
> EZ-Serie ja nicht an Digitalkameras. ("Nicht funktionieren" in dem Sinn,
> da� manuelles Blitzen nat�rlich schon funktioniert, aber eben keine
> TTL-Steuerung.) Nur - warum ist das so?
Das Stichwort dazu lautet "OTF" - "off the film".
> Ich habe eine Begr�ndung im Hinterkopf, da� das mit unterschiedlichen
> Eigenschaften von Filmen und Digitalsensoren zu tun haben solle.
Ja.
> Das leuchtet mir aber nicht ein: TTL hei�t ja "Through The Lens", also
> wird wohl offensichtlich Licht irgendwie "hinter" dem Objektiv gemessen.
> Das bedeutet aber, da� die entsprechende Steuerlogik oder zumindest die
> Sensorik daf�r irgendwo in der Kamera sitzen mu�.
Beim klassischen TTL-OTF misst ein Sensor das von der Filmoberfl�che
reflektierte Licht und entscheidet danach, wann der Blitz beendet werden
soll, weil genug Licht auf dem Film angekommen ist. Dazu muss nat�rlich
der Film eine standardisierte Oberfl�chen-Reflexion liefern.
> D.h., wenn es Unterschiede zwischen Film und Sensor g�be, k�nnte man das
> doch direkt im Kamerageh�use ber�cksichtigen und entsprechend
> "korrigierte" Informationen an den Blitz weitergeben.
Das haben einige Hersteller versucht, bei Pentax konnte man IIRC eine
zeitlang auch noch das "analoge" Blitzprotokoll f�r TTL benutzen. Das
klappt aber anscheinend nicht so gut, denn auch dort ist man inzwischen
auf eine L�sung mit Vorblitz umgeschwenkt.
Diese Systeme (bei Canon E-TTL, bei Nikon iTTL, etc.) arbeiten anders,
dort sagt die Kamera nicht dem Blitz "jetzt ists genug", stattdessen
wird die Belichtung bei einem (bzw. zumeist mehreren) schwachen
Vorblitzen abgesch�tzt und der Blitz bekommt dann das Kommando, er m�ge
bei der Aufnahme mit dieser oder jener Leistung blitzen. Das verstehen
nat�rlich nur neuere Blitzger�te, die alten geuern los und warten weiter
auf das Stopp-Kommando der Kamera (das dann eben nicht kommt).
Gru�,
Dominik.
(... <http://faq.d-r-f.de/wiki/Blitzsteuerung#TTL-Blitzsteuerung> passt
da auch noch.)
>irgendwo in der Kamera sitzen mu�. D.h., wenn es Unterschiede
>zwischen Film und Sensor g�be, k�nnte man das doch direkt im
>Kamerageh�use ber�cksichtigen und entsprechend "korrigierte"
>Informationen an den Blitz weitergeben.
Stimmt, Pentax konnte das bei der istD. Canon konnte es wohl noch nie.
Soll angeblich nicht so genau sein. Ich war aber immer damit
zufrieden. Man muss aber vielleicht abwaegen zwischen nicht ganz so
genau und vollkommen unbrauchbar. Letzters ist naemlich der Witz an
der Sache mit dem Vorblitz. Was soll man mit gut belichteten
Blitzbildern wo Menschen alle besoffen aussehen weil sie ihre Augen
bereits halb zu haben.
Olaf
> Das haben einige Hersteller versucht, bei Pentax konnte man IIRC eine
> zeitlang auch noch das "analoge" Blitzprotokoll f�r TTL benutzen. Das
> klappt aber anscheinend nicht so gut, denn auch dort ist man inzwischen
> auf eine L�sung mit Vorblitz umgeschwenkt.
Jein. Pentax hatte von Anfang an P-TTL drin, aber eben als �bergang bei
den ersten DLSRs noch das analoge TTL verbaut, ab der *istDL dann nur
noch P-TTL. Was aber immer geht ist Automatikmodus des Blitzes mit
Daten�bertragung von der Kamera, f�r Pentax-Nutzer auch heute noch das
beste beim Blitzen. Das analoge TTL geht wirklich ziemlich schief, das
konnte ich selbst feststellen, P-TTL ist aber kaum besser.
Das gleiche Problem haben Fuji S1pro und S2pro, denn das sind ja
umgebaute Filmbodies. Man tut gut daran, dort einen Blitz mit A-Modus
und Daten�bertragung zu nutzen, denn diese haben kein digitales
Vorblitz-TTL. Das w�ren dann entweder ein SB-800 oder ein Metz (40MZ,
44MZ, 50MZ, 70MZ, 76MZ oder 54MZ bzw 58AF-1), andere Nikonblitze k�nnen
das nicht (SB-28DX und 80DX k�nnen den AA-Modus nur mit D-TTL).
--
Bye, Dietmar
Augenblicke XII, 3.-6. Juni 2010 in Tecklenburg
http://www.d-r-f.de/augenblicke/
Der Unterschied ist viel weitgehender:
Der Punkt ist, Film _streut_ Licht in gut definierter Weise Licht in
Richtung Objektiv. Ein Sensor ᅵblicherweise im Boden des Spiegelkastens
misst dieses Licht wᅵhrend der Blitz den Film belichtet. Die
Streueigenschaften des Filmmaterials ermᅵglichen dieses Messprinzip.
Der Sensor einer DSLR ist jedoch durch eine sehr gut polierte plane
Flᅵche abgeschlossen (die Flᅵche, die immer geputzt wird) und der
darunterliegende Filterstapel sowie der Sensor streuen auch fast gar
nicht - jedenfalls viel zu wenig. Deshalb funktioniert die klassische
TTL-Blitzbelichtungsmessung hier ᅵberhaupt nicht. Wo man praktisch
nichts messen kann gibt's auch nichts zu korrigieren.
Statt dessen wird bei E-TTL (evaluative TTL) unmittelbar vor der
Auslᅵsung ein Vorblitz gezᅵndet, mit den Belichtungssensoren im
Prismenhaus die Szene gemessen und daraus die notwendige Lichtmenge
berechnet, die der Blitz zu liefern hat.
Das funktioniert natᅵrlich unabhᅵngig davon, ob die Kamera Film oder
Halbleiter belichtet. In der Tat beherrschen z.B. EOS 50, EOS 3 oder
auch EOS 30V, bestimmt auch die EOS 1V E-TTL.
Grᅵᅵe aus dem Saaletal
Christian
--
http://christian.hat-gar-keine-homepage.de/
> Meines Wissens nach funktionieren die alten Canon A-TTL(?)-
> Blitze aus der EZ-Serie ja nicht an Digitalkameras. ("Nicht
> funktionieren" in dem Sinn, da� manuelles Blitzen nat�rlich
> schon funktioniert, aber eben keine TTL-Steuerung.)
> Nur - warum ist das so?
Weil sie nichts mit dem kameraseitigen Befehl
"bitte einmal Leitzahl 28,3 jetzt" anfangen k�nnen.
> Ich habe eine Begr�ndung im Hinterkopf, da� das mit
> unterschiedlichen Eigenschaften von Filmen und Digitalsensoren
> zu tun haben solle. Das leuchtet mir aber nicht ein: TTL hei�t
> ja "Through The Lens", also wird wohl offensichtlich Licht
> irgendwie "hinter" dem Objektiv gemessen.
Ja. Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit.
> Das bedeutet aber, da�
> die entsprechende Steuerlogik oder zumindest die Sensorik daf�r
> irgendwo in der Kamera sitzen mu�. D.h., wenn es Unterschiede
> zwischen Film und Sensor g�be, k�nnte man das doch direkt im
> Kamerageh�use ber�cksichtigen und entsprechend "korrigierte"
> Informationen an den Blitz weitergeben.
Aaalso:
Wie klassisches TTL-Blitzen funktioniert, sollte seit 1975 klar sein:
In der Kamera sitzt eine Messzelle, die kuckt w�hrend des Blitzleuchtens
innerhalb der Kamera auf das Bild, das da gerade auf den Film projiziert
wird (OTF-Messung, "off the film"), und wenn die Gesamtbelichtung dann
stimmt, sagt die Kamera "gut jetzt" und der Blitz schaltet sich aus.
Das ganze funktioniert praktisch genauso wie beim guten alten Sensor
vorne im Blitzger�t, nur dass der Sensor eben in der Kamera sitzt und
nicht auf das Motiv, sondern dessen Bild auf der Filmoberfl�che kuckt.
A-TTL ist nur eine einfache Variante davon, bei der die Kamera nach
einem Mess-Vorblitz (Rotlicht oder "normal") eine Blende vorschl�gt und
einstellt (je nach Motivhelligkeit und/oder -Entfernung), so dass der
Anwender da nichts entscheiden muss. Rest wie gehabt.
Der Blitz selbst kann dabei bl�d sein. Er bekommt von der Kamera nur
gesagt "einschalten" und etwas sp�ter "abschalten" - das war's.
(Hinweis f�r T90-User: Nein, A-TTL kann in Wirklichkeit viel, viel mehr,
wie man in dieser Kamera gesehen hat, aber das war wohl nicht so ganz
massenmarktkompatibel, deswegen gibt es sowas Tolles heute nicht mehr).
E-TTL ist *ganz* anders. In zwei wesentlichen Punkten:
1. Der Messsensor ist der gleiche wie der f�r Dauerlicht. Das hei�t, die
Kamera misst den Blitz mit dem selben Messsystem wie sonst das Tages-
oder Kunstlicht. Eben mit dem mehrfeldf�higen Messsystem oben im Sucher.
Daher E wie Evaluative = "intelligente" Auswertung der Einzelmessfelder.
Genauso kann man daher problemlos eine Spotmessung nur �ber das mittlere
Belichtungsmessfeld vornehmen - genau wie bei Dauerlicht auch.
2. Nachdem der Sensor oben im Sucher sitzt, kann Blitz nicht w�hrend der
Belichtung auf dem Film oder CCD/CMOS gemessen werden. Noch einmal ganz
abgesehen davon, dass eine solche Messung auf dem spiegelnden CCD/CMOS
Probleme machen w�rde. Was macht man also? Man macht einen schwachen
Vorblitz (mit bekannter St�rke) vor der eigentlichen Aufnahme, misst
diesen Blitz mit dem normalen Belichtungsmesssystem und berechnet daraus
die notwendige Blitzleistung f�r die folgende Aufnahme. Daher siehst Du
dann auch in der Spiegelreflex einen Blitz unmittelbar vor der Aufnahme
im Sucher. Wenn es dann unmittelbar danach "klick" macht, geht der
Verschluss auf und der Blitz bekommt gesagt: "So, Du musst jetzt mal
ganz selbst�ndig eine Leistung von Leitzahl xy abgeben - mach mal". Und
genau das k�nnen die E-TTL-f�higen Blitze, und die "Normal-TTL-f�higen"
eben nicht. Die warten nur auf "Los geht's" und "Schluss jetzt". Das
kommt aber an E-TTL-Kameras nicht, also leuchten sie immer volle �lle.
So erkl�rt sich die vollst�ndige Bezeichnung von ETTL:
Evaluative prestored through the lens metering.
Dieter