Volker Bartheld <
news...@bartheld.net> writes:
> Hallo Heino!
>
> On Tue, 1 Jul 2014 02:22:09 -0700 (PDT), Heino Tiedemann wrote:
>> ich muss jetzt echt noch mal die Erfahrenen fragen.
>
> Hmmm. Erfahrene? Dann lüge ich also jetzt einfach mal frech.
>
>> Der "Sam Jost" behauptet in seinem Buch "Manuell belichten mit der
>> Digitalkamera"[1] folgendes: Der Stabilisator in den Systemen - wie sie
>> Nikon und Canon verwenden - kann unter umständen dafür sorgen, das
>> Bilder, die schneller als 1/400 (circa Angabe) geschossen werden ggf
>> verwackelt sind. Gerad diese Spanne ab 1/400 nennt er als bedenklich und
>> meint der Stabi wäre dann besser "aus". [...] Ist das so? Kann das
>> einer bestätigen?
>
> Mir scheint die Angabe relativ willkürlich und es würde mich stark wundern,
> wenn dieser Jost da detaillierte Erfahrungen/Hintergrundinfo zu Technik
> hätte. Denn sonst würde er damit rüberwachsen und nicht über 1/400s
> orakeln. _Prinzipiell_ kann natürlich jedes System, das schwingungsfähig
> ist und dazu dient, eingebrachte Schwingungen zu dämpfen, eine Unschärfe
> erzeugen. Weil es zu schwach regelt (d. h. rückgekoppelt ist), zu stark
> (überschwingt), an die Grenzen des Regelbereichs kommt, usw.
Wenn die Regelverstärkung zu gering ist, dann dämpft das System aber
trotzdem - die ungeregelte Unschärfe wäre größer.
> Man wird also zunächst mal messen müssen, in welchem Frequenzbereich sich
> die Schwingungen überhaupt bewegen, die ein "menschliches Stativ" so in
> die Kamera einbringt. Das kann z. B. mit einer Smartphone-App geschehen,
> wo Du das Smartphone auf DSLR-Format beschwerst und die Trägheitssensoren
> nutzt [1]. Ein bißchen kann man sich das schon aus der Masse einer
> Kamera-Objektiv-Hand-Kombination herleiten, wenn man eine erzwungene
> Schwingung am harmonischen Oszillator unterstellt und die Federkonstante
> die von "Fleisch" ist. Deutlich oberhalb dieser Eigenfrequenz ist das
> Stabisystem also zumindest eines: Unnötig.
Man weiß ja noch aus alten Zeiten - die kritische Zeit ist
1/Brennweite. Daraus, den Bildwinkeln und den Beugungsscheibchen kann
man sich eigentlich bereits ausrechnen, wie groß die Amplituden bei
welchen Frequenzen des Humanstativs so sind.
> Weiters hat das Stabisystem selbst eine Grenze für die
> Stabilisierungsfrequenz, denn es ist auch nur ein Oszillator (wenn auch
> ein recht komplizierter), der von außen angeregt bzw. gestört wird.
Naja, die Systemfrequenz für die Beschleunigungssensoren liegt deutlich
höher (~10 kHz IIRC), die spielt also eigentlich keine Rolle. Der
Regelkreis wird sicher konservativ unbedingt stabil sein.
> Der Hersteller wird freilich das System so dimensioniert haben, daß
> gängige Vibrationen, wie sie "aus der Hand" auftreten, in Amplitude
> und Frequenz noch ausgeregelt werden können [2].
Eben.
> Gefühlsmäßig würde ich außerdem sagen, daß Du deutlich kürzer als von
> 1/(Brennweite*Cropfaktor) den Stabi ausschalten kannst.
So wird das Ding dimensioniert sein - das ist sozusagen die klassische
'aus der Hand Grenze'. Drüber braucht man den Stabi kaum, d.h. man kann
die Regelverstärkung sanft ausrollen lassen. Das hat auch rein
praktische Gründe, Einen Glasblock mit 1kHz Frequenz anzusteuern braucht
richtig viel Leistung.
>
> Das deckt sich auch mit den Ergebnissen, die Nasim Mansurov von Photography
> Life zusammengetragen hat [3].
Das wundert wenig. Das ist sozusagen die 'back-of-the-envelope'
performance requirement.
>
>> Macht ihr den IS/VC/VR/OS manchmal aus?
>
> Ja. Immer, wenn ich ihn nicht brauche. Denn er lutscht meinen Akku leer und
> fiept nervtötend rum.
Jungspund. Komm du in mein Alter un da fiept nichts mehr.