"Der Zementgarten (1993)"

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F. W.

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Jul 19, 2022, 8:59:22 AMJul 19
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Wir wissen, es gibt schräge Filme. Und wenn die Filme aus Frankreich
kommen, dann sind sie manchmal besonders schräg. Und die Franzosen
scheinen Schrägheit zu lieben, wenn es um Sex geht.

Wenn aber ein französischer Film von Andrew Birkin ist und Charlotte
Gainsbourg mitspielt, dann erreicht der Film üblicherweise die
physikalisch größte Schräglage und ich muss ihn gucken.

Vor allem wegen Frau Gainsbourg, aber das ist eine andere Geschichte.

"Der Zementgarten" ist so ein Film. Gefunden habe ich ihn bei Google
Play wo es zwischen schrägen Mainstream-Filmen auch mal etwas für meines
Vaters Sohn gibt.

Eigentlich könnte der Film eine schöne schwarze Komödie sein. Vater und
Mutter sterben und vier Kinder wollen nicht getrennt werden oder von
Zuhause ausziehen und verbuddeln die beiden daher im Zement.

Als die Tochter (Gainsbourg) einen neuen Tuppes kennenlernt und der
Bauunternehmer ist und sich für den Zementsarg im Keller interessiert
(der Vater ruht zwischen Gehwegplatten), der leider einen immer größer
werdenden Riss aufweist, aus dem es merkwürdig riecht, schöpft er Verdacht.

Die zurecht gelegte Geschichte eines Hundes der ein Weibchen war und
Cosmos gehießen haben soll und sein Dasein im Kellerzement fristet,
überzeugt den wackeren Unternehmer nicht.

Und weil das alles noch nicht sexuell schräg genug ist, verlieben sich
die beiden Geschwister ineinander und treiben es am Ende auch heftig.
Klar, dass der Tuppes die beiden erwischt, wie sie gerade nackert
aufeinander hocken und sich küssen.

Als sie gemeinsam einschlafen, blitzt ein Blaulicht auf. Ende.

Diesen Film kann man eigentlich niemandem zeigen. Nicht nur, dass der
Inzest gezeigt wird, Mutter und Vater werden auch noch zu Statuen bzw.
Blöcken und das alleine bringt ja schon manchen aus der Fassung.

Schade, dass aus dem gutem Stoff nicht etwas dunkleres und witzigeres
wurde. Einige Szenen sind wirklich gut, aber es sind zu wenige und der
Film traut sich nicht so recht.

Schön ist die erotische Komponente zwischen den "Geschwistern", weil
natürlich jeder weiß, dass Gainsbourg und der Hauptdarsteller überhaupt
keine Geschwister sind und man das erotische Liebesspiel auch ohne
anrüchigen Inzest, einfach als Annäherung zweier sehr junger Menschen
genießen kann.

Der Inzest wirkt auch wie später eingefügt. Er trägt den Film nicht und
er ist irgendwie auch verzichtbar.

Schön die Symbolik (z. B. der Ameisen, die zwar nicht aus den Spalt des
Zementsarges, aber doch aus einer Spalte im Garten krabbeln und so den
Zuschauer an die Untaten erinnert), die gut gemacht ist.

Die Location wirkt dagegen wie nach dem Krieg. Das fragliche Haus ist
das einzige, das in einem scheinbar zerbombten Dorf noch steht.
Vielleicht geht es auch um die Apokalypse.

Und schön natürlich Charlotte Gainsbourg, die für diese Rolle gewonnen
werden konnte (schon klar: Jeanette Birkin -> Andrew Birkin) und die in
jeder beteiligten Szene irgendwie präsent ist wie Burt Lancaster.

Ja, ich liebte Charlotte Gainsbourg schon immer. Vor allem ihre schrägen
Filme, wobei ich "Nymphomanic" mal ausdrücklich ausnehme. Dafür hätte
ich sie lieber in "XXY" gesehen, aber der war, glaube ich, brasilianisch.

Nochmal sehen muss ich den Film aber nicht. Ein bisschen schräg ist für
mich oft schräg genug.

Noch schräger französisch sexuell kann es eigentlich nur Catherine
Breillat. Da muss aber wirklich mal eine Warnung ausgesprochen werden.
Die überschreitet wirklich grob schon mal den guten Geschmack.

FW

Stefan Froehlich

unread,
Jul 19, 2022, 10:31:49 AMJul 19
to
On Tue, 19 Jul 2022 14:59:20 F. W. wrote:
> Die Location wirkt dagegen wie nach dem Krieg. Das fragliche Haus
> ist das einzige, das in einem scheinbar zerbombten Dorf noch
> steht. Vielleicht geht es auch um die Apokalypse.

In der Wikipedia steht in der Beschreibung des gleichnamigen Romans:

<https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zementgart>
| [...] das Haus der Familie ist das letzte innerhalb einer Siedlung,
| die für eine Umgehungsstraße, die nie gebaut werden wird, bereits
| großflächig abgerissen wurde

Möglicherweise wurde das zwar in den Film übernommen, aber nicht
thematisiert. Die Handlung klingt jedenfalls interessant, mal sehen.

Servus,
Stefan

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Ferklig und doch armselig?! Stefan - wenn sie zwei linke Hände haben.
(Sloganizer)

Manfred Polak

unread,
Jul 19, 2022, 3:24:18 PMJul 19
to
F. W. schrieb:

>Eigentlich könnte der Film eine schöne schwarze Komödie sein. Vater und
>Mutter sterben und vier Kinder wollen nicht getrennt werden oder von
>Zuhause ausziehen und verbuddeln die beiden daher im Zement.

Wer diesem Thema auch ohne Sex etwas abgewinnen kann, für den gab
es vorher schon "Our Mother's House" ("Jede Nacht um neun", 1967)
mit Dirk Bogarde und einer Schar von Kindern, und natürlich "The Little
Girl Who Lives Down the Lane" (1976) mit Jodie Foster als jugendlicher
Einzelkämpferin gegen die Erwachsenen.


Manfred

F. W.

unread,
Jul 20, 2022, 12:38:22 AMJul 20
to
Super! Vielen Dank. Ich würde die Story noch mal gern ohne die
Inzesteinlagen sehen. Ich denke, sie trägt sich alleine sehr gut.

FW

F. W.

unread,
Jul 20, 2022, 12:38:44 AMJul 20
to
Am 19.07.2022 um 16:31 schrieb Stefan Froehlich:
> On Tue, 19 Jul 2022 14:59:20 F. W. wrote:
>> Die Location wirkt dagegen wie nach dem Krieg. Das fragliche Haus
>> ist das einzige, das in einem scheinbar zerbombten Dorf noch
>> steht. Vielleicht geht es auch um die Apokalypse.
>
> In der Wikipedia steht in der Beschreibung des gleichnamigen Romans:
>
> <https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zementgart>
> | [...] das Haus der Familie ist das letzte innerhalb einer Siedlung,
> | die für eine Umgehungsstraße, die nie gebaut werden wird, bereits
> | großflächig abgerissen wurde
>
> Möglicherweise wurde das zwar in den Film übernommen, aber nicht
> thematisiert. Die Handlung klingt jedenfalls interessant, mal sehen.
>
> Servus,
> Stefan
>

Ja, daran habe ich gar nicht gedacht. Danke!

FW

Andy Angerer

unread,
Jul 20, 2022, 7:59:00 AMJul 20
to
Am 19.07.22 um 16:31 schrieb Stefan Froehlich:
> On Tue, 19 Jul 2022 14:59:20 F. W. wrote:

>> Die Location wirkt dagegen wie nach dem Krieg. Das fragliche Haus
>> ist das einzige, das in einem scheinbar zerbombten Dorf noch
>> steht. Vielleicht geht es auch um die Apokalypse.
>
> In der Wikipedia steht in der Beschreibung des gleichnamigen Romans:
>
> <https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zementgart>

"Dieser Artikel existiert nicht."
(Hätte mich auch gewundert.)


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Stefan Froehlich

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Jul 20, 2022, 3:19:27 PMJul 20
to
On Wed, 20 Jul 2022 13:58:59 Andy Angerer wrote:
> Am 19.07.22 um 16:31 schrieb Stefan Froehlich:
>> On Tue, 19 Jul 2022 14:59:20 F. W. wrote:
>>> Die Location wirkt dagegen wie nach dem Krieg. Das fragliche
>>> Haus ist das einzige, das in einem scheinbar zerbombten Dorf
>>> noch steht. Vielleicht geht es auch um die Apokalypse.

>> In der Wikipedia steht in der Beschreibung des gleichnamigen Romans:

>> <https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zementgart>

> "Dieser Artikel existiert nicht."
> (Hätte mich auch gewundert.)

Auch copy/paste will gelernt sein :-/

Servus,
Stefan

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Andy Angerer

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Jul 20, 2022, 9:22:09 PMJul 20
to
Am 20.07.22 um 21:19 schrieb Stefan Froehlich:
> On Wed, 20 Jul 2022 13:58:59 Andy Angerer wrote:
>> Am 19.07.22 um 16:31 schrieb Stefan Froehlich:
>>> On Tue, 19 Jul 2022 14:59:20 F. W. wrote:
>>>> Die Location wirkt dagegen wie nach dem Krieg. Das fragliche
>>>> Haus ist das einzige, das in einem scheinbar zerbombten Dorf
>>>> noch steht. Vielleicht geht es auch um die Apokalypse.
>
>>> In der Wikipedia steht in der Beschreibung des gleichnamigen Romans:
>
>>> <https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zementgart>
>
>> "Dieser Artikel existiert nicht."
>> (Hätte mich auch gewundert.)
>
> Auch copy/paste will gelernt sein :-/

Gibts da nicht extra Guttenbergkurse dafür?
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