Lust auf eine neue Verschwörungstheorie?

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F. W.

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Jul 9, 2021, 3:18:46 AMJul 9
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Ende der Sechziger Jahre war US-Komiker JERRY LEWIS bereits über seinem
Zenith. Zwar war er wohlhabend geworden und auch privat erfolgreich, mit
der Karriere klappte es allerdings nicht mehr so gut. Seine überdrehten
Slapstick-Einlagen waren nicht mehr so gefragt.

1960 hatte Lewis ein Buch gelesen: "The day the clown cried".

"The day the clown cried" war kein Witzfilm. Er erzählt die Geschichte
von Helmut Doork, einem entlassenen Clown, der nach Witzen über Hitler
in ein KZ gesteckt wird. Dort entdeckt er hinter einem Zaun eine Gruppe
Kinder, mit denen er sich anfreundet und die er mit Zirkusspäßen
unterhält.

Nachdem sie ihn deshalb schikaniert haben, entdecken die Nazis, dass
ihnen der Clown als Vertrauter der Kinder nützlich sein kann. Die Kinder
nämlich sollen samt und sonders ohne Angst in ein Gebäude ohne Fenster
geführt werden: die Gaskammer.

Doork weigert sich. Als ihm die Nazis aber das Leben dafür versprechen,
willigt er scheinbar ein. Er führt die Kinder in die Gaskammer und geht
selbst mit hinein.

Von anderen Komikern wusste er, dass am Ende einer Clown-Karriere von
anderen oft (sehr erfolgreich) das Tragische an der Clowns-Figur
hervorgehoben wurde (z. B. "Wenn der Vater mit dem Sohne" m. Heinz
Rühmann, besser bekannt als "Lah Lih Luh, nur der Mann im Mond...").

Lewis ließ sich mit dem Produzenten Nat Wachsberger ein und finanzierte
mit seiner Hilfe die Dreharbeiten. Da man aus naheliegenden Gründen
nicht in Deutschland drehen wollte, aber authentische europäische Bauten
und Fauna brauchte, wurde das Set nach Schweden verlagert.

Die Dreharbeiten gingen gut voran. Lewis und die (überwiegend
schwedischen) Schauspieler und Statisten lieferten gute Arbeit ab, was
Jerry Lewis und Produzent Wachsberger beim Sichten der "Dailies", also
der zwischenzeitlich entwickelten Rohaufnahmen, jedes mal feststellten.

Der Film sollte nach Cannes, Lewis äußerte sich in mehreren Interviews
zufrieden mit den Dreharbeiten und auch Margret Dünser ("VIP-Schaukel")
berichtete wohlwollend über den Film.

Es war schon klar, dass eine solche schwergewichtige und wuchtige Story
alles hinwegfegen und das Image von Jerry Lewis komplett auf links
krempeln würde. Dennoch, da in Schweden gedreht wurde, nahm man in
Hollywood kaum Notiz von der Sache. Der Film wurde zu etwa 98 % fertig
gedreht.

Aber Jerry Lewis hatte eine großen Fehler gemacht. Er hatte einen
waschechten SS-Mann als Berater verpflichtet, der seinerseits
tatsächlich Menschen in die Gaskammer geführt haben will.

Eines Tages tauchten die Produzenten am Set auf und erklärten, die
Finanzierung des Films sein gescheitert. Lewis glaubte das nicht und
wollte den Film so kurz vor seiner Fertigstellung nicht aufgeben. Er
finanzierte die Dreharbeiten aus eigener Tasche.

Dann verschwand der Co-Produzent Wachsmann spurlos mit dem Geld. Auch
das entmutigte Lewis nicht.

Abschließend meldete sich die Autorin des Drehbuchs und erklärte, sie
sei nie bezahlt worden und werde die Rechte am Film nicht mehr abgeben.

Das war das Ende. Lewis nahm die letzten drei Filmrollen und flog nach
Los Angeles.

In späteren Interviews hat er sich kaum zu den damaligen Vorkommnissen
geäußert. Er nannte den Film nun "Schlecht, schlecht, schlecht" und
erklärte ein Aufführungsverbot bis 2024.

Was ist damals passiert? Ein erfahrener Superstar dreht seinen Traumfilm
und lobt ihn über alle Maßen. Er wird von Cannes eingeladen und ganz
plötzlich werden alle Dreharbeiten eingestellt. Die Finanzierung bricht
kurz vor dem Ende des Films zusammen und die Autorin verweigert
plötzlich ihre Rechte.

Man muss die politische Situation in Betracht ziehen: 1972 war der
Eichmann-Prozess gerade mal zehn Jahre her. Und da brachten ein paar
amerikanische Juden einen Film heraus, in dem ein Deutscher zum Helden
wird. Der Film wird nach Cannes eingeladen und als Berater wirkt
tatsächlich ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher mit.

Das hätte das zarte politische Gleichgewicht nach dem Krieg doch stark
ins Wanken gebracht. Natürlich steckt dahinter keine "jüdische
Weltverschwörung". Die braucht man auch gar nicht. Es reicht schon aus,
dass die USA ihre politischen Strippen gezogen hätte und den Film
sabotierte, schon um das Verhältnis zum nahöstlichen Brückenkopf Israel
nicht zu gefährden.

Ob Beteiligte unter Druck gesetzt wurden, werden wir wohl nie erfahren.
Natürlich kann alles so sein, wie es z. B. im Wikipedia-Artikel oder in
der NDR-Dokumentation dargestellt wird. Logisch ist aber ein
Über-Nacht-Umschwenken und die Sperrung nach und nach aller
Aufführungsmöglichkeiten irgendwie nicht.

Wer sich jetzt an Benignis "Das Leben ist schön" 25 Jahre später
erinnert fühlt, der liegt richtig. Lewis sagte, Bennigni habe seinen
Stoff geklaut, aber er habe es wesentlich besser gemacht.

Möge sich jeder sein Urteil bilden. Jerry Lewis starb 2017 und fast alle
Beteiligten sind ebenfalls tot.

FW
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