Tätowierung

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J J Panury

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Oct 22, 2021, 5:11:48 AM10/22/21
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Wenn andere hier mit "alten" Filmen rauskommen, kann ich das auch mal
...

Hatte mir den Film bei DVD-Verleih geliehen. (Ich muss hier einfach
mal Reklame für den Laden machen! Bisher der einzige, der auch
wirklich viel abseits des Mainstream zu bieten hat, - und ich meine
jetzt nicht Porno, Splatter, Zombie und so Zeuch. Nein auch so
Bildungsprogramm, Dokumentarfilm ... und wirklich interessantes
Off-Zeug.)

Ich bemerkte erst beim Schauen, dass ich ihn seinerzeit, Ende 60er,
schon gesehen hatte.

Fühlte mich teilweise an "Deep End" erinnert (der aber ja später
rauskam), teilweise an "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" (v.wg.
Jugendknast usw.).
Tja, und dann mein Westberlin von damals ... meine Fresse, was für
eine dicke Luft war da! Dunstglocke, gar richtig Smog und so, ich
erinnere mich: "Inversion" - - - nicht zu verwechseln mit "Invasion",
die natürlich, ging 's nach der "B.Z.", ebenfalls praktisch stündlich
zu gewärtigen war ...

Ich hatte kürzlich schon einen Schaaf-Film gesehen, "Traumstadt" (ich
schrieb hier davon), der mir aber zu verrätselt und zu wild war (...
und doch auch irgendwie, aus heutiger Sicht, verblasen).

Die Botschaft(?) des Films wirkt auf mich heute, über 50 Jahre später,
seltsam hausbacken, küchenpsychologisch - irgendwie fast schon auch
reaktionär. Als ob die Scheißjugend die einzig relevante Lebensphase
wäre! Dieses Sentiment durchweht ja praktisch die tutti quanti der
Aufmüpf-COA-Filme!
Heute würde man sagen: Lieber Adopteur-Gutmensch, lass da mal 'nen
Experten ran! Wenigstens begleitend!

Damals sollte man wohl doch ernstlich mit dem Benno-Dödel
sympathisieren, und obendrein auch noch mit dem Gabi-Schneckchen!
Klar, solch ranschmeißerische Versteherei ist nichts als eine Variante
bürgerlicher Selbstgerechtigkeit. Aber sowas übersteht ein auch nur
mäßig intelligenter Jungmensch. Ja, gut, Benno ist ein
Benachteiligter, wahrscheinlich Traumatisierter - jedenfalls ein
Problembär; und gehörte als ein solcher auch 1967 schon, wie schon
gesagt, in professionelle Behandlung - und nicht in die Adoption durch
Leute, die außer unerschütterlicher Gutmeinerei und materieller
Sicherheit nichts Zielführendes zu bieten haben.
Der Film lehrt eindringlich, dass *sagen*, man "verstehe" jemanden, so
gut wie immer ein Indiz ist, dass es genau *daran* fehle (was immer,
genauer, dieses "Verstehen" auch sei ...).

Alles in allem aber ein Zeitdokument vom Vorabend der sog.
Studentenproteste - - obwohl in dem Film kein einziger Student
vorkommt.

Andy Angerer

unread,
Oct 22, 2021, 6:43:48 AM10/22/21
to
Am 22.10.21 um 11:11 schrieb J J Panury:

> Der Film lehrt eindringlich, dass *sagen*, man "verstehe" jemanden, so
> gut wie immer ein Indiz ist, dass es genau *daran* fehle (was immer,
> genauer, dieses "Verstehen" auch sei ...).

:-)))
Volltreffer.


--
Die Pandemie setzt den Individuen Masken auf,
der Gesellschaft reißt sie die ihre herunter.

www.angerer-bodenlos.de
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