Letjat schurawli / (Wenn) die Kraniche ziehen (UdSSR 1957)

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Manfred Polak

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Oct 4, 2004, 7:09:51 PM10/4/04
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Originaltitel: "Letjat schurawli"
Deutsche Titel: "Wenn die Kraniche ziehen" (BRD)
"Die Kraniche ziehen" (DDR)
Land: UdSSR
Jahr: 1957
Bild: s/w, 1.33:1
Laufzeit: 95 min
Regie: Michail Kalatosow
Drehbuch: Viktor Rosow, nach seinem Schauspiel "Die ewig Lebenden"
(1956)
Kamera: Sergej Urussewski
Darsteller:
Tatjana Samoilowa .................... Veronika
Alexej Batalow .......................... Boris
Wassili Merkurjew .......... Fjodor Iwanowitsch
Alexander Schworin ....................... Mark
Swetlana Charitonowa .................... Irina
Valentin Subkow ........................ Stepan

(Ich verwende hier die übliche Transliteration aus dem Russischen
ins Deutsche. In der IMDb und anderen englischsprachigen Quellen
findet man Film und Regisseur unter "Letjat zhuravli" und "Mikhail
Kalatozov" bzw. "Mikheil Kalatozishvili".)

Im Februar 1956, knapp drei Jahre nach Stalins Tod, fand in Moskau der
20. Parteitag der KPdSU statt. Auf dieser denkwürdigen Veranstaltung
griff Nikita Chruschtschow in einer berühmt gewordenen Rede Stalin
scharf an und leitete damit die Entstalinisierung ein. In der darauf
folgenden "Tauwetterperiode", die bis zur "neuen Eiszeit" unter Leonid
Breschnew (ab 1964) währte, genossen Künstler und Intellektuelle in
der Sowjetunion weit mehr Freiheiten als im Vierteljahrhundert zuvor.
Eine nur lose zusammenhängende Gruppe von Filmschaffenden nutzte die
neue Freiheit, um sich von den Zwängen des "Sozialistischen Realismus"
zu lösen und individuell geprägte, teilweise gar systemkritische Filme
zu drehen. Ihr bekanntester Vertreter war Michail Kalatosow, und
"Letjat schurawli" war der künstlerisch und kommerziell erfolgreichste
Film der Epoche.


Moskau 1941, kurz bevor die Sowjetunion in den 2. Weltkrieg hineinge-
zogen wird. Während ein Schwarm Kraniche im eleganten V-förmigen For-
mationsflug über den Himmel zieht, trifft sich an den Ufern der Moskwa
ein junges Liebespaar. Boris Borosdin ist Arbeiter und Sohn eines ange-
sehenen Arztes, Veronika will irgendwann mal Architektur studieren.
Boris nennt sie "Belka" (Eichhörnchen), und in der Tat ähnelt sowohl
ihr hübsches Gesicht als auch ihr quirliges Wesen ein wenig dem agilen
Nagetier. Veronika sieht den Vögeln nach und rezitiert ihren Lieblings-
vers: Kraniche wie Schiffe, am Himmel segelnd, weiße wie graue, mit
langen Schnäbeln, ziehen sie dahin ...

Mit der Idylle ist es schnell vorbei: Nazi-Deutschland marschiert in
der Sowjetunion ein. Boris und sein Freund und Arbeitskollege Stepan
melden sich freiwillig zur Front, zunächst ohne Wissen von Veronika
und Boris' Familie. Boris' Cousin Mark dagegen, ein junger Pianist,
hofft auf seine Freistellung. Mark, der in der Wohnung der Borosdins
lebt, macht auch Veronika schöne Augen, ohne eine Chance bei ihr zu
haben. (In der deutschen Verleihfassung des Films wurde aus Mark aus
unerfindlichen Gründen Boris' Bruder, was aber in mehrfacher Hinsicht
keinen Sinn ergibt. Er ist definitiv sein Cousin.)

Einen Tag vor Boris' Abmarsch, und vor Veronikas Geburtstag, vereinbaren
Boris und die noch immer ahnungslose Veronika ihre Hochzeit, und Vero-
nika malt sich ihr weißes Brautkleid aus. Dann erscheint Stepan, und
die schockierte Veronika erfährt von Boris' Entschluß. Auch seine Fami-
lie ist entsetzt. Sein Vater Fjodor Iwanowitsch Borosdin hält ihm eine
Standpauke, und auch seine Schwester Irina, eine angehende Ärztin, und
seine Großmutter machen ihm Vorwürfe. Als am nächsten Tag zwei junge
Kolleginnen von Boris in der Wohnung erscheinen, um dem ausrückenden
"Helden" eine offizielle Grußbotschaft des Arbeiterkomitees zu überbrin-
gen, unterbricht sie Fjodor Iwanowitsch unwirsch und macht sich mit
grimmiger Ironie über die hohlen Phrasen lustig. Allein für diese Szene
wäre der Regisseur wohl noch wenige Jahre zuvor in einem Straflager in
Sibirien verschwunden.

Am Tag des Aufbruchs verfehlen sich die Liebenden, um Abschied zu neh-
men. Boris lässt als Geburtstagsgeschenk für Veronika ein Stoff-Eich-
hörnchen zurück, das ihr die Großmutter aushändigen soll. Unter ein
paar Süßigkeiten versteckt er seinen Abschiedsbrief. Als Veronika in
der Wohnung der Borosdins erscheint, ist Boris schon weg, und in der
Hektik erhält sie zwar das Eichhörnchen, aber sie übersieht den Brief.
Veronika eilt zum Sammelpunkt der ausrückenden Soldaten, aber auch hier
kommt sie zu spät. So werden Boris und Veronika getrennt, ohne sich
noch Lebewohl sagen zu können.


Etwas später. Veronika und die Borosdins warten ungeduldig auf Nach-
richten von Boris. Bei einem Luftangriff sucht Veronika in der U-Bahn
Schutz, während ihre Eltern leichtsinnigerweise in der Wohnung zurück-
bleiben. Das Wohnhaus erhält einen Volltreffer - Veronikas Eltern sind
tot. Die verstörte Veronika wird von den Borosdins in ihrer Wohnung
aufgenommen, als sei sie bereits Boris' Frau.

Bei einem neuerlichen Luftangriff bleiben Mark und Veronika allein in
der Wohnung zurück. Mark nützt die Situation, um sich wieder an Vero-
nika heranzumachen. Zunächst ohrfeigt sie ihn, aber dann gibt sie im
emotionalen und realen Chaos des Bombenhagels nach. (Einige Kritiker
wollen aus der Szene herauslesen, dass Veronika von Mark vergewaltigt
wird, aber dafür kann ich keine deutlichen Anzeichen erkennen.) Am
nächsten Morgen eröffnen Mark und Veronika der völlig überraschten
Familie, dass sie heiraten werden. Dies empfinden die Anderen als Verrat
an Boris und quittieren es mit versteinerten Mienen und eisigem Schwei-
gen.


Szenenwechsel an die Front. Boris ist mit seiner Kampfgruppe in einer
absolut trostlosen, sumpfigen Gegend von den Deutschen eingekesselt
worden. Auf einem Erkundungsgang wird er von einer Kugel getroffen,
wohl von einem Scharfschützen abgefeuert. Er bricht zusammen und stirbt
kurz darauf.

Nächster Szenenwechsel: Eine Stadt irgendwo in Sibirien, in die ein
Teil der Bevölkerung evakuiert wurde. Fjodor Iwanowitsch leitet das
Lazarett, in dem Irina als Ärztin und Veronika als Krankenschwester
arbeiten. Noch immer haben sie keine Nachricht von Boris, sie wissen
nur, dass er vermisst wird. Die Ehe von Mark und Veronika, die von
Anfang an unter keinem guten Stern stand, ist so gut wie gescheitert.
Veronika ist deprimiert, sie macht sich Selbstvorwürfe und sehnt sich
nach Boris. Dem vom aktiven Dienst freigestellten Mark gegenüber ist
sie abweisend. Der wiederum beginnt ein Verhältnis mit einer gewissen
Antonina Monastyrskaja, hinter der auch sein Vorgesetzter Tschernow
her ist.

Im Lazarett kommt es zu einem kleinen Tumult. Ein verwundeter Soldat
randaliert, als er erfährt, dass seine Braut in seiner Abwesenheit
einen Anderen geheiratet hat. Fjodor Iwanowitsch hält dem Mann eine
Standpauke, und ohne dabei Veronikas Anwesenheit zu bemerken, erklärt
er ihm, dass er an dieser "Verräterin" nicht viel verloren hat, um ihn
damit wieder aufzurichten. Aber Veronika bezieht die Predigt auf ihre
eigene Situation, und ihre Selbstvorwürfe schlagen in jähe Verzweiflung
um. Sie rennt fluchtartig ins Freie und auf eine Brücke, um sich vor
einen heranbrausenden Zug zu stürzen. Im letzten Augenblick kommt es
anders: Ein kleiner elternloser Junge wird auf der Straße neben Veronika
beinahe von einem Auto überfahren. Ihre Selbstmordgedanken sind jetzt
verflogen, sie kümmert sich um den Jungen - der auch Boris heißt - und
nimmt ihn mit in ihre Unterkunft.

Unterdessen hat Mark Veronikas Eichhörnchen seiner neuen Flamme Anto-
nina geschenkt. Veronika verursacht einen kleinen Eklat, als sie sich
das Eichhörnchen zurückholt und Mark dabei wild ohrfeigt. Zwischen den
beiden ist es nun endgültig aus. Bei dieser Gelegenheit kommt auch
endlich der im Eichhörnchen versteckte Brief zum Vorschein - Boris'
letzter Gruß an seine "Belka".

Währenddessen macht Antonina ihrem anderen Verehrer Tschernow Aussich-
ten, falls dieser ihr eine Spazierfahrt spendiert. Da er keinen Wagen
zur Verfügung hat, wendet er sich an Fjodor, um sich vom Lazarett einen
Krankenwagen zu leihen. Er lässt durchblicken, dass er das als Gegen-
leistung für seine erwiesenen Gefälligkeiten erwartet. Da Fjodor keine
Ahnung hat, wovon die Rede ist, erklärt ihm Tschernow, dass er doch
um Marks Freistellung von der Front gebeten habe. Schnell erkennen
beide, dass sich Mark mit dieser Lüge seine Freistellung erschlichen
hat.

Der aufgebrachte Fjodor stellt Mark zur Rede und hält ihm eine Straf-
predigt, dann verbannt er ihn aus dem Kreis der Familie. Dagegen hält
er Veronika, der er längst verziehen hat, zurück, als diese ebenfalls
gehen will. Etwas später taucht ein Kamerad von Boris in der Unterkunft
der Borosdins auf und überbringt die Todesnachricht. Er erzählt, dass
Boris auch während der heftigsten Kämpfe immer von seiner "Belka" ge-
sprochen hat. Allerdings hat er selbst Boris nicht tot, sondern nur
verwundet gesehen, und so klammert sich Veronika an die Hoffnung, dass
er vielleicht doch noch lebt.


Letzter Szenenwechsel: Wieder in Moskau, nach Ende des Krieges. Vero-
nika hofft immer noch auf Boris' Heimkehr. Als eine große Gruppe Heim-
kehrer auf dem Bahnhof empfangen wird, wartet Veronika mit einem Blumen-
strauß in der Menge. Boris ist nicht unter den Soldaten, aber Stepan.
Als er Veronika erblickt, zeigt er ihr ein Foto von ihr, das ihm Boris
vor dem verhängnisvollen Erkundungsgang ausgehändigt hat - für den Fall
der Fälle. Ohne überflüssige Worte bestätigt er damit Boris' Tod. Jetzt
erst akzeptiert Veronika die bittere Wahrheit. Während viele der Umste-
henden Freudentränen vergießen, schluchzt sie vor Kummer.

Stepan hat mittlerweile eine Lokomotive bestiegen und hält eine Rede:
"[...] aber wir werden die Gefallenen nie vergessen. Die Zeit wird
vergehen. Alles wird neu aufgebaut. Unsere Wunden werden geheilt.
Aber der Hass gegen den Krieg wird ewig glühen! Wir empfinden tiefes
Beileid für diejenigen, die ihre Angehörigen nie mehr treffen werden.
Und wir werden alles tun, damit die Bräute ihre Bräutigame nie ver-
lieren, damit die Mütter um das Leben ihrer Kinder nie zittern, damit
die mutigen Väter nie heimlich weinen müssen. Wir haben gesiegt, nicht
um alles zu zerstören, sondern um aufzubauen!" Während Stepan Applaus
erntet, hellt sich Veronikas Miene auf. Sie hat Stepan aufmerksam zuge-
hört und nimmt seine Worte zum Anlass, ihren Frieden mit der Vergangen-
heit zu machen und in die Zukunft zu blicken. Sie verteilt ihre Blumen
an Passanten und lächelt, zum ersten mal seit langer Zeit. Dann geht sie
mit Fjodor Iwanowitsch nach Hause. Und über den Himmel zieht wieder ein
Schwarm Kraniche.

"Letjat schurawli" ist ein erfreulich unideologischer Film. Weder anti-
deutsche noch kommunistische Propaganda spielt eine Rolle. Wenn der
Film überhaupt eine politische Botschaft hat, dann ist es die pazifi-
stische aus Stepans Ansprache. Aber die eigentliche Botschaft ist eine
menschliche: Einerseits davon, welches Leid der Krieg auch und gerade
bei den Zivilisten anrichtet, aber andererseits auch davon, dass das
Leben weitergeht, egal was passiert.


Michail Kalatosow wurde 1903 als Michail Kalatosischwili in Tbilisi
(Tiflis) in Georgien geboren. 1925 wurde er Schauspieler, kurz darauf
Kameramann, und ab 1927 arbeitete er als Regisseur von formal anspruchs-
vollen Dokumentarfilmen, mit denen er sich in die Tradition Dsiga Wer-
tows stellte. Das bekannteste dieser frühen Werke ist "Sol Swanetij"
(Das Salz Swanetiens) von 1930, ein ethnographisch angehauchter Film
über die Bewohner einer abgelegenen Berggegend Georgiens. In seinen
Frühwerken erschien er unter seinem richtigen Namen in den Credits,
aber berühmt wurde er erst unter der russischen Namensform, die ich
deshalb hier bevorzuge.

Obwohl Kalatosow eigentlich linientreuer Kommunist war, erregte "Das
Salz Swanetiens" bei den stalinistischen Kulturbürokraten wegen seiner
formalen Gestaltung bereits erhebliches Stirnrunzeln. Sein übernächster
Film mit dem Titel "Lursmani cheqmashi" (1931) wurde dann wegen "Nega-
tivismus" verboten, und Kalatosow durfte mehrere Jahre keinen Film mehr
drehen. Stattdessen wurde er dazu verdonnert, in der georgischen Film-
industrie administrative Aufgaben wahrzunehmen.

Ab 1939 durfte er dann wieder drehen, daneben war er weiterhin in der
Verwaltung tätig. Gegen Ende des 2. Weltkriegs war er als sowjetischer
Kulturattaché in Los Angeles. Ich nehme an, dass er die Gelegenheit
genutzt hat, um sich über die Verhältnisse in Hollywood zu informieren.
Nach dem Krieg gab es in seinem Werk erneut eine mehrjährige Pause. In
dieser Zeit war er wieder führend in der sowjetischen Filmverwaltung
tätig, 1945/46 sogar als stellvertretender Minister. Ab 1950 kehrte
Kalatosow dann neuerlich auf den Regiestuhl zurück. "Letjat schurawli"
war der fünfte Film seit dem Wiedereinstieg von 1950, und er wurde ein
überragender Erfolg. Und das nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch
im westlichen Ausland. Als Krönung errang "Letjat schurawli" beim Film-
festival in Cannes 1958 die Goldene Palme. Kalatosow war ein berühmter
Mann.


Der Erfolg verdankte sich vor allem zwei Faktoren: Erstens der Leistung
der Hauptdarsteller, zweitens der herausragenden Kameraarbeit von Sergej
Urussewski.

Alexej Batalow und insbesondere Tatjana Samoilowa spielen ungemein leb-
haft und ausdrucksstark und lassen beim Zuschauer vom ersten Moment an
eine emotionale Bindung an die Protagonisten entstehen. Die damaligen
Jungstars - Samoilowa spielte in den "Kranichen" erst ihre zweite Film-
rolle - ernteten weltweit begeisterte Kritiken. Aber auch die Nebenrol-
len sind vorzüglich besetzt. Vor allem Wassili Merkurjew erfüllt seinen
Fjodor Iwanowitsch mit Leben und lässt ihn "menscheln". Das Ensemble
insgesamt schafft es mühelos, den Zuseher an der Geschichte teilhaben
zu lassen. Das gilt natürlich in besonderem Maße für das damalige sow-
jetische Publikum, das die Zeit des Krieges noch aus eigener Erinnerung
kannte, und das damals wohl zum ersten Mal eine ungeschminkte, realis-
tische Darstellung der Leiden zu sehen bekam, frei von den offiziellen
Parolen über Heldentum und Opfermut. Entsprechend oft sollen damals in
den sowjetischen Kinos die Taschentücher gezückt worden sein.

Aus der heutigen zeitlichen Distanz betrachtet, ist jedoch die brillante
optische Gestaltung das herausragende Merkmal von "Letjat schurawli".
Das wird übrigens auch von Alexej Batalow so gesehen, wie er in einem
zehnminütigem Video-Statement, das sich als Bonusmaterial auf einer DVD
des Films befindet, neidlos anerkennt.

Kalatosow und Sergej Urussewski hatten 1955 erstmals zusammengearbeitet,
"Letjat schurawli" war der zweite von insgesamt vier gemeinsamen Filmen.
Die beiden hatten eine ungeschriebene Übereinkunft, die ihnen ein gegen-
seitiges Vetorecht einräumte: Keiner der beiden würde in seinem Bereich
etwas durchsetzen, was dem anderen nicht gefiel. Aber die beiden lagen
in künstlerischer Hinsicht ohnehin auf einer Wellenlänge, wie Batalow
im erwähnten Statement erzählt. Er bezeichnet es als einen Glücksfall,
dass sich die beiden gefunden hatten.

Urussewskis Spezialität waren lange, dynamische Kamerafahrten, die die
Protagonisten bei ihren Aktionen begleiten und so eine "mitfühlende"
Kamera schaffen. Der Effekt ist gelegentlich dem einer subjektiven Kame-
ra ähnlich, bei der das Geschehen aus der Sicht des Handelnden gezeigt
wird, ohne dass dieser selbst zu sehen ist. Doch Urussewskis Technik
ist weit virtuoser und auch subtiler als die eher einfache subjektive
Kamera. Er hat seine Rolle in diesen Sequenzen einmal so beschrieben:
"Die Kamera kann ausdrücken, was der Schauspieler nicht zu porträtieren
in der Lage ist: seine inneren Empfindungen. Der Kameramann muss mit
den Schauspielern mitspielen."

Diese dynamischen Kamerafahrten wurden zum größten Teil mit Handkameras
gedreht. Urussewski hatte während des Krieges zwei Jahre als Kameramann
beim Militär gedient und dort seine Vorliebe und seine Fertigkeit für
die Handkamera entwickelt. Die Sequenzen sind auch in der größten Hektik
stets so flüssig gedreht, als hätte Urussewski eine moderne Steadycam
zur Verfügung gehabt - doch die wurde erst viele Jahre später erfunden.

Neben den Kamerafahrten kamen weitere Stilmittel wie etwa mehrfache
Überblendungen zum Einsatz, und auch der Schnitt ist stellenweise vir-
tuos und erinnert an die glorreichen Tage des russischen Stummfilms.
Alle diese optischen Finessen werden jedoch keineswegs als selbstzweck-
hafte Gimmicks eingesetzt, sondern sie dienen der Geschichte. Insbeson-
dere korrespondieren die virtuosesten Szenen jeweils mit der aufgewühl-
ten Seelenlage der Protagonisten. Das möchte ich an den markantesten
Beispielen verdeutlichen.

Schon ziemlich am Anfang des Films gibt es eine Szene in dem Wohnhaus,
in dem sich ganz oben die Wohnung von Veronika und ihren Eltern befin-
det: Veronika steht oben im Treppenhaus und Boris rennt hinauf, um den
Termin ihres nächsten Rendezvous zu vereinbaren. Dabei folgt die Kamera
Boris in der lichten Öffnung des Treppenhauses, immer auf gleicher Höhe
mit ihm, und schraubt sich sozusagen spiralförmig in die Höhe. Doch die-
se an sich schon eindrucksvolle Szene ist nur eine Generalprobe für eine
Wiederholung unter ungleich dramatischerem Vorzeichen. Als nämlich Vero-
nika nach dem Bombenangriff, der ihre Eltern das Leben kostet, zum Wohn-
haus zurückkommt, hetzt sie, von den schlimmsten Befürchtungen getrie-
ben, durch die noch brennenden Ruinen und im Treppenhaus nach oben.
Nur - außer dem Treppenhaus steht von dem Haus kaum noch etwas, man
sieht durch riesige Löcher in den Mauern auf die Straße. Ohne darauf zu
achten, dass sie sich selbst in Lebensgefahr begibt, rennt Veronika auf
den Stufen nach oben, von der Kamera begleitet. Erst als sie, oben ange-
kommen, feststellt, dass von der elterlichen Wohnung buchstäblich nichts
mehr übrig ist, bleibt sie wie angewurzelt stehen. Eine Szene, die einem
den Atem stocken lässt.

Am Tag von Boris' Abfahrt setzt Veronika alles daran, ihn noch einmal
zu sehen, um sich zu verabschieden. Sie fährt zunächst mit einem Bus
in die Nähe der Wohnung der Borosdins, steigt aus, rennt durch eine
Menschenmenge und dann über eine Straße, über die gerade ein Panzerkon-
voi rollt. Dabei folgt ihr die Kamera ohne Schnitt aus dem Bus heraus,
durch die Menge - schnell, aber ohne störende Wackler, und immer auf
Tuchfühlung mit ihr -, um in dem Moment, als sie die Straße mit den
Panzern überquert, unversehens in einige Meter Höhe emporzusteigen und
Veronika und die Panzer aus der Vogelperspektive zu zeigen. Nachdem
Veronika Boris in der Wohnung verfehlt hat, eilt sie zum Abmarschplatz
der Soldaten, wo im allgemeinen Trubel die Szene eine noch dynamischere
Fortsetzung findet.

Auch der nächtliche Bombenangriff, den Mark nutzt, um Veronika zu ver-
führen, ist eindrucksvoll in Szene gesetzt. Durch einen Bombentreffer
irgendwo in der Nachbarschaft fällt das Licht aus, und die Wohnung wird
nur noch durch die Explosionsblitze erleuchtet, was eine stroboskopar-
tige Beleuchtung und dadurch eine fast expressionistische Stimmung er-
zeugt. Auch die akustische Gestaltung dieser Szene ist außergewöhnlich:
Marks Klavierspiel wird mit dem Heulen der Luftschutzsirenen und dem
Krachen der einschlagenden Bomben kombiniert, was für eine ziemlich
infernalische Soundkulisse sorgt.

Ein optischer Höhepunkt ganz besonderer Art ist Boris' Sterbeszene. Er
wird in den Rücken getroffen, und während er langsam zusammenbricht,
beginnen sich die Baumkronen über ihm zu drehen. Zugleich ziehen Szenen
seines Lebens an ihm vorbei: Zunächst sein vorhin erwähnter Lauf im
Treppenhaus empor, doch dann eine Szene seines Lebens, nicht wie es war,
sondern wie es hätte sein können - nämlich seine Hochzeit mit Veronika,
die sie sich gemeinsam ausgemalt hatten, und die nie stattfand. In einer
mehrfachen Überblendung der sich drehenden realen Baumkronen und der
halluzinierten fröhlichen Hochzeitsgäste und vom herumwirbelnden weißen
Schleier von Veronikas Brautkleid steigert sich die Szene zu einem wah-
ren optischen Crescendo, das man gesehen haben muss.

Auch Veronikas Beinahe-Selbstmord ist außergewöhnlich virtuos insze-
niert. Sie rennt wie von Furien gehetzt zu der Brücke, dabei wird sie
teilweise durch die Latten eines Zaunes gefilmt, teilweise (während des
Laufs!) in extremer Großaufnahme von vorn, und einige bis zur Abstrak-
tion verfremdete schnelle Zwischenschnitte auf die Umgebung verstärken
noch die Dynamik der Situation. In ihrer Gesamtheit erscheint die Szene
so rasant und dramatisch, dass sie einem Eisenstein alle Ehre gemacht
hätte, und sie visualisiert perfekt Veronikas desolate psychische Ver-
fassung in diesem Moment.

Das letzte Beispiel ist auch die letzte Szene des Films, die Heimkehr
der Soldaten am Moskauer Bahnhof. Während sich Veronika in der verzwei-
felten Hoffnung, Boris doch noch wiederzusehen, in angstvoller Eile
durch eine riesige wogende Menschenmasse kämpft, folgt ihr die Kamera
durch all die Menschen so mühelos, als besäße Urussewski die Fähigkeit,
herumstehende Passanten zu durchdringen, als seien sie gar nicht da.


Kalatosow und Urussewski setzten ihre Zusammenarbeit mit zwei weiteren
Filmen fort. "Neotpravlennoje pismo" ("Ein Brief, der nie ankam", 1959)
verfolgt das Schicksal einer geologischen Expedition (ein Mitglied wird
von Samoilowa gespielt), die im staatlichen Auftrag in Sibirien Diaman-
tenfelder finden soll. Sie finden tatsächlich Diamanten, aber am Ende
scheitern sie an den Widrigkeiten der Natur, und einer nach dem anderen
kommt um. Höhepunkt dieses Films ist ein von Urussewski wieder beein-
druckend gefilmter Waldbrand.

1964 erschien "Soy Cuba" (Ich bin Kuba), in dem Urussewski den Gipfel
seiner Kunstfertigkeit erreicht. Nach aufwendiger Vorbereitung entstand
ein Hymnus auf die kubanische Revolution. In vier nur lose verbundenen
Episoden, deren Handlung jeweils aufs Exemplarische vereinfacht ist,
werden das Nebeneinander von Armut und Dekadenz im Havanna des Batista-
Regimes, die Armut und Rechtlosigkeit der Landarbeiter, Aufruhr im stu-
dentischen Milieu Havannas und schließlich Castros Guerillakrieg im ku-
banischen Bergland thematisiert. Obwohl das revolutionäre Pathos am Ende
etwas überhand nimmt, ist "Soy Cuba" auch heute noch unbedingt sehens-
wert. Urussewski gelingen Einstellungen von magischer Poesie - die teil-
weise durch Verwendung von Infrarotfilm erreicht wurden - und geradezu
atemberaubende Kamerafahrten. Kalatosow und Urussewski (unterstützt vom
Kameraassistenten Alexander Kalzatij, der einige technische Entwicklun-
gen beisteuerte) erweisen sich als Dreamteam der entfesselten Kamera.

Wohl wegen seiner sozialistischen und antiamerikanischen Tendenz war
"Soy Cuba" im Westen lange Zeit selten zu sehen, in vielen Ländern über-
haupt nicht. Aber in den letzten Jahren erlebte "Soy Cuba" ein erstaun-
liches Revival. Aus irgendwelchen Gründen stießen Martin Scorsese und
Francis Ford Coppola auf den Film und brachten ihn in einer gemeinsamen
PR-Aktion dem amerikanischen Publikum nahe. Die amerikanischen Kritiker
überschlugen sich teilweise vor Begeisterung, und heute ist "Soy Cuba"
ebenso wie "Letjat schurawli" auf DVD erhältlich.


Seinen nächsten und letzten Film drehte Kalatosow ohne Urussewski.
"Krasnaja palatka"/"La tenda rossa" (Das rote Zelt) ist eine internati-
onale Großproduktion mit Sean Connery, Claudia Cardinale, Peter Finch
und Hardy Krüger. Er handelt von der tragisch verunglückten Fahrt des
italienischen Generals Umberto Nobile mit einem Luftschiff über den
Nordpol im Jahr 1928.

Michail Kalatosow starb 1973 in Moskau, Sergej Urussewski ein Jahr
darauf.

Manfred Polak

Armin Jaeger

unread,
Oct 6, 2004, 5:33:17 AM10/6/04
to
> Im Februar 1956, knapp drei Jahre nach Stalins Tod, fand in Moskau der
> 20. Parteitag der KPdSU statt. Auf dieser denkwürdigen Veranstaltung
> griff Nikita Chruschtschow in einer berühmt gewordenen Rede Stalin
> scharf an und leitete damit die Entstalinisierung ein. In der darauf
> folgenden "Tauwetterperiode", die bis zur "neuen Eiszeit" unter Leonid
> Breschnew (ab 1964) währte, genossen Künstler und Intellektuelle in
> der Sowjetunion weit mehr Freiheiten als im Vierteljahrhundert zuvor.

Abgesehen von zweimal Eisenstein, hat jemand einen russischen Film aus
der Zeit zwischen 1933 und 1953 gesehen? Vor allem die Jahre 45-53
sollen den totalen Untergang des russischen Filmas darstellen.

> Der Erfolg verdankte sich vor allem zwei Faktoren: Erstens der Leistung
> der Hauptdarsteller, zweitens der herausragenden Kameraarbeit von Sergej
> Urussewski.
>
> Alexej Batalow und insbesondere Tatjana Samoilowa spielen ungemein leb-
> haft und ausdrucksstark und lassen beim Zuschauer vom ersten Moment an
> eine emotionale Bindung an die Protagonisten entstehen. Die damaligen
> Jungstars - Samoilowa spielte in den "Kranichen" erst ihre zweite Film-
> rolle - ernteten weltweit begeisterte Kritiken.

> Aus der heutigen zeitlichen Distanz betrachtet, ist jedoch die brillante
> optische Gestaltung das herausragende Merkmal von "Letjat schurawli".
> Das wird übrigens auch von Alexej Batalow so gesehen, wie er in einem
> zehnminütigem Video-Statement, das sich als Bonusmaterial auf einer DVD
> des Films befindet, neidlos anerkennt.

Du hast die RUSCICO-DVD? Lohnen sich die Interviews mit Batalow und
Samoilowa?
Es gibt ja auch ein neues Begleitbuch zum Film, das beim Durchblättern
sehr gut aussah: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/1860645046/qid=1097051929/ref=sr_8_xs_ap_i1_xgl/302-6867345-3933616

> Kalatosow und Urussewski setzten ihre Zusammenarbeit mit zwei weiteren
> Filmen fort. "Neotpravlennoje pismo" ("Ein Brief, der nie ankam", 1959)
> verfolgt das Schicksal einer geologischen Expedition (ein Mitglied wird
> von Samoilowa gespielt), die im staatlichen Auftrag in Sibirien Diaman-
> tenfelder finden soll. Sie finden tatsächlich Diamanten, aber am Ende
> scheitern sie an den Widrigkeiten der Natur, und einer nach dem anderen
> kommt um. Höhepunkt dieses Films ist ein von Urussewski wieder beein-
> druckend gefilmter Waldbrand.

Rubrik: Filme, die nie gezeigt werden ...

> Wohl wegen seiner sozialistischen und antiamerikanischen Tendenz war
> "Soy Cuba" im Westen lange Zeit selten zu sehen, in vielen Ländern über-
> haupt nicht. Aber in den letzten Jahren erlebte "Soy Cuba" ein erstaun-
> liches Revival. Aus irgendwelchen Gründen stießen Martin Scorsese und
> Francis Ford Coppola auf den Film und brachten ihn in einer gemeinsamen
> PR-Aktion dem amerikanischen Publikum nahe. Die amerikanischen Kritiker
> überschlugen sich teilweise vor Begeisterung, und heute ist "Soy Cuba"
> ebenso wie "Letjat schurawli" auf DVD erhältlich.

Rubrik: Hab ich auf Video, aber noch nicht gesehen :-).

> Seinen nächsten und letzten Film drehte Kalatosow ohne Urussewski.
> "Krasnaja palatka"/"La tenda rossa" (Das rote Zelt) ist eine internati-
> onale Großproduktion mit Sean Connery, Claudia Cardinale, Peter Finch
> und Hardy Krüger. Er handelt von der tragisch verunglückten Fahrt des
> italienischen Generals Umberto Nobile mit einem Luftschiff über den
> Nordpol im Jahr 1928.

Rubrik: Hab ich auf Premiere verpennt :-).

Schöner Artikel, ich glaub, ich schau mir Kuba endlich an und das Buch
zu den Kranichen wollte ich auch schon so lange kaufen. Dürfte eine
echte Erholung vom Neuen Deutschen Film sein, durch den ich mich für
die Uni kämpfen muß :-).

Jedenfalls sind die Kraniche ein Kandidat für den besten
russischen/sowjetischen Film überhaupt.

Harry Oosterik

unread,
Oct 6, 2004, 4:02:45 PM10/6/04
to
Danke Manfred. Dieser interessante, spannende und romantische Film habe
ich zum ersten Mal im Filmsaal gesehen in den Niederlanden und dann
endlich auf DVD gekauft. Mein DVD ist übrigens von Moskwood, ein Verlag
in Haarlem mit viele interessante Russische DVD's (www.moskwood.nl)
Zudem gibt es auf diesem DVD auch ein trailer, filmografie und
interviews. Untertitel sind in Holländisch, Deutsch, Englisch,
Französisch usw.

--
Harry

Manfred Polak

unread,
Oct 6, 2004, 5:23:44 PM10/6/04
to
Armin Jaeger schrieb:

>Abgesehen von zweimal Eisenstein, hat jemand einen russischen Film aus
>der Zeit zwischen 1933 und 1953 gesehen?

Da kenne ich nur einen "Nachzügler", nämlich "Drei Lieder über Lenin"
von Wertow (1934). Da wurde auch schon daran rumgemäkelt - zuviel
Lenin und zuwenig Stalin -, und danach war es für Wertow mit der
künstlerischen Freiheit komplett vorbei.

Weil Du Eisenstein erwähnst: Auf der DVD von Dowschenkos "Erde"
ist als Zugabe das Fragment aus Standbildern von "Beshin-Wiese",
die Sergej Jutkewitsch montiert und mit Musik von Prokofjew unter-
legt hat. Dieser Torso lässt erahnen, dass das ein sehr schöner Film
geworden wäre.

>Du hast die RUSCICO-DVD?

Genau.

>Lohnen sich die Interviews mit Batalow und Samoilowa?

Das mit Batalow lohnt sich insofern, als man ihn als angenehm sym-
pathisch und seriös kennenlernt. Inhaltlich sagt er außer dem, was
ich schon im Artikel erwähnt habe, dass auch den Mitwirkenden die
Geschehnisse im Film persönlich nicht unbekannt waren: Batalow
wurde bei Kriegsausbruch evakuiert, und ein Cousin meldete sich
freiwillig und fiel. Große Details über die Dreharbeiten erfährt man
aber nicht.

Das mit Samoilowa ist kein Interview, sondern ein Filmessay von 20
Minuten über sie. Leider eine ziemlich zusammenhanglose Aneinander-
reihung von nichtssagenden Szenen. Beispiel: Samoilowa besucht
mit dem Filmteam die Wohnung, in der sie einst mit ihrer Familie gelebt
hatte. Und als sei es eine Show bei RTL, klingelt sie und belästigt die
nichtsahnenden Leute, die da jetzt wohnen. Sehr befremdlich. Keine
interessanten Aussagen über irgendeinen Film mit ihr. Fazit: Zeitver-
schwendung.

>Es gibt ja auch ein neues Begleitbuch zum Film, das beim Durchblättern
>sehr gut aussah: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/1860645046/qid=1097051929/ref=sr_8_xs_ap_i1_xgl/302-6867345-3933616

Danke, guter Tipp.

>> Wohl wegen seiner sozialistischen und antiamerikanischen Tendenz war
>> "Soy Cuba" im Westen lange Zeit selten zu sehen, in vielen Ländern über-
>> haupt nicht. Aber in den letzten Jahren erlebte "Soy Cuba" ein erstaun-
>> liches Revival. Aus irgendwelchen Gründen stießen Martin Scorsese und
>> Francis Ford Coppola auf den Film und brachten ihn in einer gemeinsamen
>> PR-Aktion dem amerikanischen Publikum nahe. Die amerikanischen Kritiker
>> überschlugen sich teilweise vor Begeisterung, und heute ist "Soy Cuba"
>> ebenso wie "Letjat schurawli" auf DVD erhältlich.
>
>Rubrik: Hab ich auf Video, aber noch nicht gesehen :-).

Falls Du es noch nicht kennst, hier ist ein netter Artikel über die
Entstehungsgeschichte des Films:
http://lists.wu-wien.ac.at/pipermail/slaw_l_ist/2004-June/000504.html

>Schöner Artikel, ich glaub, ich schau mir Kuba endlich an und das Buch
>zu den Kranichen wollte ich auch schon so lange kaufen. Dürfte eine
>echte Erholung vom Neuen Deutschen Film sein, durch den ich mich für
>die Uni kämpfen muß :-).

Ohren steif halten, da musst Du durch! ;-)
Andere haben das auch geschafft, siehe z.B.
http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/maglakelidse-dinara-2002-11-29/PDF/Maglakelidse.pdf

Manfred

Armin Jaeger

unread,
Oct 7, 2004, 3:34:14 PM10/7/04
to
> Weil Du Eisenstein erwähnst: Auf der DVD von Dowschenkos "Erde"
> ist als Zugabe das Fragment aus Standbildern von "Beshin-Wiese",
> die Sergej Jutkewitsch montiert und mit Musik von Prokofjew unter-
> legt hat. Dieser Torso lässt erahnen, dass das ein sehr schöner Film
> geworden wäre.

Da bin ich nicht sicher, vor allem der Plot wäre heute nur
unwesentlich erträglicher als der von "Jud Süß". Ein paar
Einstellungen sehen gut aus, aber mir ist eine Geschichte mit guten
Charakteren wichtiger als ein visuell eindrucksvoller Propagandafilm.

> >Lohnen sich die Interviews mit Batalow und Samoilowa?
>
> Das mit Batalow lohnt sich insofern, als man ihn als angenehm sym-
> pathisch und seriös kennenlernt. Inhaltlich sagt er außer dem, was
> ich schon im Artikel erwähnt habe, dass auch den Mitwirkenden die
> Geschehnisse im Film persönlich nicht unbekannt waren: Batalow
> wurde bei Kriegsausbruch evakuiert, und ein Cousin meldete sich
> freiwillig und fiel. Große Details über die Dreharbeiten erfährt man
> aber nicht.
>
> Das mit Samoilowa ist kein Interview, sondern ein Filmessay von 20
> Minuten über sie. Leider eine ziemlich zusammenhanglose Aneinander-
> reihung von nichtssagenden Szenen. Beispiel: Samoilowa besucht
> mit dem Filmteam die Wohnung, in der sie einst mit ihrer Familie gelebt
> hatte. Und als sei es eine Show bei RTL, klingelt sie und belästigt die
> nichtsahnenden Leute, die da jetzt wohnen. Sehr befremdlich. Keine
> interessanten Aussagen über irgendeinen Film mit ihr. Fazit: Zeitver-
> schwendung.

Danke!!! Der DVD-Beaver
http://www.dvdbeaver.com/film/dvdcompare/cranes.htm zeigt, daß die
Criterion-DVD eine bessere Bildqualität hat, aber halt nicht diese
Extras. Na ja, ich habe mir erstmal das Buch bestellt.

> >Schöner Artikel, ich glaub, ich schau mir Kuba endlich an und das Buch
> >zu den Kranichen wollte ich auch schon so lange kaufen. Dürfte eine
> >echte Erholung vom Neuen Deutschen Film sein, durch den ich mich für
> >die Uni kämpfen muß :-).
>
> Ohren steif halten, da musst Du durch! ;-)
> Andere haben das auch geschafft, siehe z.B.
>http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/maglakelidse-dinara-2002-11-29/PDF/Maglakelidse.pdf

Jaaaa, aber die Frau wollte wohl darüber schreiben, ich bin aber nach
4 Kluges und 17 Fassbinders so langsam mit meinen Nerven am Ende. Und
Wim Wenders steht mir noch bevor ...

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