Andre Eiger wrote:
[Wer MIFA fährt, ist Dresche wert
Wer MIFA lenkt, gehört aufgehängt]
> Ich habe den Eindruck, dass viele solcher Sprüche erst nach Ende der DDR
> erfunden wurden. Vielleicht fehlte mir auch einfach der Kontakt zur
> Fahrradszene.
Den ersten Spruch kenne ich seit den frühen 1970ern, den zweiten erst
seit wenigen Tagen.
> Das mit den Alu-Felgen hatte ich anders erlebt. Als Student hatte ich
> Ende 80er ein Sportrad von Diamant, das vor dem Wohnheim vor sich hin
> rottete, wieder instandgesetzt und dabei die Laufräder (für Drahtreifen)
> neu einspeichen müssen, die dann mehrere Jahre unauffällig blieben. Etwas
> Praxis mit dem Einspeichen hatte ich vorher in meiner "Benzinphase" mit
> Moped- und Motorradrädern gesammelt. Zu den zeitgenössischen
> Schlauchreifenfelgen kann ich jedoch nichts sagen.
Die damaligen Stahlfelgen hielten definitiv um Größenordnungen länger.
Pech nur, dass es die für 28 x 1 3/8 x 1 5/8 nicht (mehr) gab. Nur die
passten in den schmalen Rahmen/Gabel des Diamant Sport.
> Der mittlere Zustand des studentischen Fahrradfuhrparks war allerdings
> schon ein Symbol der Vergänglichkeit alles Irdischen, Laufräder
> inbegriffen.
Logo, bei dem damaligen Angebot, Ersatzteile inbegriffen. Mein altes
Diamant fuhr erst ordentlich, als ich es abgeschrieben hatte und so gut
wie nicht mehr gepflegt. ;-)
> Auch rückblickend finde ich die damaligen Alufelgen wirklich nicht
> schlecht, vor allem nachdem ich nach der Wende diese gruseligen
> verchromten Stahlfelgen mit Felgenbremse zu Gesicht bekommen habe.
Die billigen Stahlfelgen sind zwar beim Bremsen nur mit "ausreichend"
einzustufen, aber im Vergleich zu einstigem Alu-Schrott halten sie ewig.
Für das Diamant Topas, was ich Anno 1996 gekauft hatte, brauchte ich 15
Jahre lang nur zwei Laufradsätze. Das Hinterrad wurde nur zusammen mit
der Schaltnabe einmal getauscht. Heute sind natürlich die Straßen in
bessrem Zustand und ich fahre kaum noch auf "Radwegen", aber diese oder
jene Holperstrecke kommt schon noch vor. Alu-Felgen hätte ich im
gleichen Zeitraum mind. vier Sätze verschlissen, auf den damaligen
Straßen wären es 6..8 geworden.
> das für das Nassbremsverhalten bedeutet, habe ich später selbst erfahren,
> nachdem ich in Mainz völlig unbekümmert ein Klapp^WFaltrad mit einer
> solchen Kombination im örtlichen Fachhandel gekauft hatte.
Mit dem o.g. Rad gab es keine einzige brenzlige Situation wegen
mangelhafter Bremswirkung. Natürlich musste man mehr Druck auf den
Bremshebel bringen, aber das ist bei heutigen V-Brakes am Hinterrad
nicht anders, nur vorn geht es mit wesentlich weniger Kraft. Beim
Diamant Topas dürfte außerdem der Rücktritt von Vorteil gewesen sein,
weil dessen Bremswirkung nicht so wetterabhängig ist. Hattest Du vorn +
hinten Felgenbremsen?
>> Ansonsten Pedalbrüche, ein Kettenriss, ständige Probleme mit dem
>> Tretlager u.a.m. Das Tourenrad von Diamant muss deutlich besser gewesen
>> sein - und war folgerichtig so zut wie nie im DDR-Handel zu bekommen.
> Die Ketten waren ein Stück weit Glückssache. Ein Kommilitone hatte mal
> von der (einzigen) Produktionsstätte für Rollenketten berichtet: Der
> Härtevorgang war nicht vollautomatisiert und hing durchaus von der Kunst
> des Werkers ab. Und Importware hatte ich nie gesehen, für Fahrradketten
> wurden sicher keine Devisen eingesetzt.
Kaum. Und wenn, dann wurden Fahrradteile aus dem Osten eingekauft, wie
jene "Bananenschalen" aus Vietnam, die als Reifen angeboten wurden.
> Beim Tretlager (BSA, Keil) hatte ich bei der Aufrüstung zu 2 x 5 zum
> Doppelkettenblatt notwendigerweise auch eine längere Tretlagerwelle
> gekauft. Die war gewalzt statt gedreht. Bei den Keilen gab es auch eine
> Qualität, die nicht nach spanabhebender Fertigung aussah. An dieser Kombi
> musste ich dann nie mehr herumschrauben, wobei ich mir damals mangels
> Erfahrung gar nicht bewusst war, welches Ärgerpotential in diesem Antrieb
> schlummerte.
Das Problem mit meinem Tretlager habe ich seinerzeit mit einem
Schweißpunkt auf die kettenblattseitige Lagerschale gelöst. ;-)
die Tretlagerwellen waren übrigens ziemlich unkaputtbar, egal ob gedreht
oder geschmiedet. Ganz im Gegensatz zu einem Baumarkt-Rad, was ich
Anfang 1990er kurzzeitig hatte. Pechschwarzer Stahl(???), schon die
alten Kelten konnten besseren herstellen, sonst hätten ihnen die Römer
keine Schwerter abgekauft.
> Auf dem Lande 100 km von Rostock entfernt war ich mit meinem aufgebauten
> Rennrad irgendwie ein Alien. Das Image des Radfahrens war auf einem
> Tiefpunkt, obwohl durchaus noch mehr mit dem Rad gefahren wurde als heute.
Fahrräder galten spätestens ab den 1980ern als Arme-Leute-Vehikel,
ebenso wie schon lange vorher in der Alt-BRD.
--
CU Chr. Maercker.
RADWEGE sind TOD-SICHER! Schlaue Füchse fahren Fahrbahn.