Am 09.10.2016 um 11:31 schrieb Martin Gerdes:
> Martin Wohlauer <
mwoh...@yahoo.de> schrieb:
>
>>> Die Frau ging wohl auf der linken Seite, und wich dem entgegenkommenden
>>> Radfahrer durch einen raschen Schritt nach rechts aus, wodurch sie dem
>>> rechts fahrenden Radler direkt vors Vorderrad lief.
>
>>> Solche Situationen gibts hier alle Tage. Die helltönende Klingel ist für
>>> mich ein wichtiges Ausrüstungsteil an meinem Fahrrad.
>
>> Bei mir nicht. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich die das letzte mal
>> nicht nur zum Blödeln benutzt habe.
>
> Ich fahre hierzustadt häufig auf "Rad weg en", daher kommen mir
> tagtäglich Fußgänger in die Quere. Der durchschnittliche Fußgänger ist
> sich nicht bewußt, daß das gepflasterte Stück, auf dem er unterwegs ist,
> sowohl Gehweg, als auch Rad weg ist. Entsprechend bewegt er sich.
>
> Ich habe mir deswegen angewöhnt, häufig zu klingeln. Da werden dann
> schon öfter mal Fäuste in die Höhe gereckt, aber immerhin registrieren
> mich die Leute.
Naja, jeder wie er's mag.
>>>> Praktisch jedem ist das Rechtsfahrgebot bekannt, ganz selten, dass mal
>>>> einer eklatant dagegen verstößt (meistens sitzt derjenige auf einem
>>>> Rad...).
>
>>> Nein, der kann auch in einer Dose sitzen; oft hat er ein auswärtiges
>>> Kennzeichen und glaubt, in einer Einbahnstraße im Recht zu sein.
>
>> Und die fahren dann auf einmal links, wenn du kommst? So was habe ich
>> noch nie erlebt.
>
> Ja. Früher war das die Regel: Einbahnstraße, Radfahrer fährt gegen die
> Richtung, Autofahrer zieht bewußt nach links, mit der Absicht, den
> Radfahrer zum Anhalten oder Absteigen oder Ausweichen zu zwingen.
Das Spiel kann man auch rückwärts spielen... Einfach stehen bleiben, bis
der Hansel merkt, dass rechts von ihm genug Platz ist, um
Begegnungsverkehr zuzulassen. Der kommt da nämlich auch nicht durch,
wenn du dann stehen bleibst.
> Heute läuft das bei gleicher baulicher Situation entspannt. In aller
> Regel ist auf diesen Straßen genügend Platz, so daß sich ein Auto und
> ein Fahrrad begegnen können.
Das war damals auch schon so, nur wurde eben Fasching veranstaltet. Und
die Straßen, in denen das damals oder heute aus geometrischen Gründen
nicht geht, werden auch heute nicht freigegeben, weil sie eben gerade
keinen sicheren Begegnungsverkehr zulassen.
> Wenn beide die Spur halten, ist das unproblematisch.
Eben, es geht alles.
> Ein Blick auf das Nummernschild des entgegenkommenden Fahrzeugs ist aber
> Pflicht: Hiesige wissen, daß die Einbahnstraße in Gegenrichtung für
> Fahrräder freigegeben ist, Auswärtige wissen das oft nicht und
> praktizieren auch heute noch die oben geschilderte Fahrweise.
Siehe oben: Stehen bleiben und warten, bis der Trottel den Rückwärtsgang
benutzt. Recht muss dem Unrecht nicht weichen und wenn er die Bullen
ruft, wird's richtig lustig. =)
>>>> Und zweitens, selbst wenn, dann ist üblicherweise völlig klar, dass man
>>>> nicht links am Gegenverkehr vorbei fährt, oder rechts überholt
>>>> (again: Ausnahmen haben meistens ein Fahrrad unter'm Hintern).
>>>> Oder kurz gesagt: Es hilft auch enorm, sich so zu verhalten, dass gar
>>>> nicht erst Missverständnisse aufkommen. Wenn doch,
>>>> das alte Spiel: Tempo drosseln, Situation beobachten, ggf. ganz
>>>> anhalten.
>
>>> Oh! Du könntest problemlos bei der hiesigen Kreisjägerschaft anfangen.
>
>> Watt für'n Ding?
>
> Bei der hiesigen Kreisjägerschaft. Die fahren mit so komischen
> silber-blauen Autos herum mit einer Beule auf dem Dach. Wenn die einen
> anhalten, pflegen sie einem Vorträge zu halten, die man sinnvollerweise
> still über sich ergehen läßt.
Ist es eigentlich strafbar, bei dem Gesabbel die Finger in die Ohren zu
stecken und laut zu summen? =)
>>> Wenn alle Verkehrsteilnehmer streng die Geschwindigkeitsbegrenzung 0
>>> km/h einhalten würden, wären die Unfallzahlen sicherlich deutlich
>>> geringer als heute.
>
>> Sagen wir mal so: In bestimmten Situationen ist das tatsächlich das
>> sinnvollste. Insbesondere wenn gerade wieder jemand was total
>> unkonventionelles macht. Das muss nicht mal unbedingt dämlich sein,
>> sondern kann aus Sicht des Gegenüber sogar völlig logisch sein. Oft ist
>> es aber einfach nur verpeiltes Handeln, z. B. beim Ausparken oder wo
>> rein fahren sich anzustellen, wie die sprichwörtliche Kuh zum Eierlegen.
>> Da hilft es manchmal wirklich, einfach stehen zu bleiben und zu kucken,
>> was der Schnarchzapfen da gerade tut.
>
> Stehenbleiben ist aber halt kein Verkehr, und mit Stehenbleiben kommt
> man nicht von A nach B.
Wenn du so argumentierst, funktioniert Verkehr ja grundsätzlich nicht.
Jede Ampel oder Vorfahrtregelung zwingt zu Stehenbleiben. Man mag es
nicht glauben, aber Stehen bleiben ist elementarer Bestandteil von
Verkehr. Nicht unbedingt als Dauerzustand, aber eben als Notwendigkeit,
um Verkehr überhaupt zu ermöglichen.
>>> Ich habe solche Kadetten sicherlich schon manchmal in möglichst
>>> großem Bogen rechts auf dem Gehweg überholt.
>
>> Muss ich nie. Da wo ich fahre, fährt keiner solchen Stuss zusammen und
>> wenn, dann gibt es eh nur einen gemeinsamen Bereich, z. B. freigegebene
>> Fußgängerzone.
>
> Die Verkehrssituation dürfte in jeder Stadt unterschiedlich sein.
> Hierzustadt ist ein gewisser Bereich der Fußgängerzone zu jeder Zeit für
> Fahrradfahrer freigegeben: Genau dort sammeln sich die Fußgänger.
> Irgendwie zieht dieser Streifen sie magisch an. Man muß aufpassen wie
> ein Schießhund, wenn man dort fährt (und langsam fahren), damit einem
> keiner vor oder ins Rad läuft.
Fußgängerzone halt.
>>> Dann bin ich (langsam, aber solchen Schwoiern gegenüber natürlich
>>> dennoch schnell) an ihnen vorbei und sie können hinter mir in aller
>>> Ruhe weiter auf dem Rad weg herumtaumeln.
>
>> Ja, solche Leute hat man viel lieber hinter sich. Aber auch nur so
>> lange, wie man nicht an der nächsten Ampel halten muss ...
>
> Selbst wenn ich an einer Ampel halten muß und der Träumer aufholt, bin
> ich üblicherweise bei Grün wieder schnell weg.
Außer er war doch schnell genug und steht dir dann hinten drauf.
>>> Ohnehin kommt man als (pragmatischer) Rad weg benutzer ums Gehwegfahren
>>> nicht umhin, oder wie machst Du das, wenn ein Hochbord Rad weg einfach
>>> plötzlich aufhört?
>
>> Ich benutze ihn von vornherein schon mal nicht. =)
>
> Tja, das sollte man dann halt vorher wissen.
Oder es pauschal vermeiden. Genau wegen solcher Spielchen habe ich
keinen Bock mehr auf Sonderwege. Man wird alle paar Meter verarscht,
gegängelt, gefährdet und ausgebremst.
>> Und in den wenigen Fällen, in denen ich doch mal auf einem rumkurve, wird eben auf die
>> Fahrbahn ausgewichen.
>
> Wenn man dafür dann erst über 2 Meter Rasen muß (und sich eine Lücke
> zwischen den Parkplätzen suchen muß), dann ist das nicht überall so
> einfach.
Solche Stellen vermeide ich eben. Aber ich kenne dein Erlebnis natürlich
auch. Ich werde dann langsamer oder bleibe ganz stehen.
>> Beliebt ist ja immer noch der Transporter, der fast alles zu macht.
>
> Ja.
>
> Warum sollte ich als Fahrradfahrer eigentlich nicht auf dem Gehweg
> fahren dürfen? Jeder Lieferwagenfahrer tut das doch auch!
Mit der Begründung kann ich auch unliebsame Autofahrer abknallen, weil
jeder Mörder macht das doch auch. Nee, auf das Niveau sollte man sich
wirklich nicht begeben. Das war mit 10 vielleicht noch aktuell, aber
irgendwann darf man auch mal erwachsen werden und das »aber die anderen
machen es doch auch!« ablegen.
>>> Zurückzukommen auf den o.a. Unfall: Fußgänger außerorts sind immer
>>> gefährlich, weil dort häufig gemeinsame Fuß-/Rad weg e sind. Dort ist
>>> bremsen (und klingeln) meist die sinnvolle Lösung (auch wenn das Bremsen
>>> ärgert, wenn man vorankommen will).
>
>> Oder gar nicht erst das Todeskonstrukt benutzen.
>
> Auch das. Das kommt auf die Situation vor Ort und den aktuellen Verkehr
> an. Ich fahre gern auf der Straße (schon der glatten Oberfläche wegen),
> aber ich fürchte eben Oberlehrer im Auto, die mich aus pädagogischen
> Gründen ohne sachliche Notwendigkeit bedrängen. Und davon gibts
> hierzustadt eine ganze Menge. Also fahre ich so, wie es mir in der
> aktuellen Situation am günstigsten erscheint.
Vom Verdrängen lassen wird das auch nicht besser werden. Hier war es am
Anfang auch schwieriger aber inzwischen geht es meistens.
>>> Diesen Rad weg links bergab zu zischen, würde ich mich nicht trauen.
>
>> Das ist ja das was mich meistens erstaunt. »Ach, ich bin ja soo ein
>> armes ängstliches Radfahrerwürstchen, baut mir einen Weg! Sonst kann ich
>> nicht fahren!« Aber dann selbst Nummern abziehen, die ich zu keiner Zeit
>> durchgezogen hätte, nicht mal in meinen stürmischeren Jahren. Von wegen
>> »interested but concerned«. Rosinenpicker wie alle anderen...
>
> Jeder muß sehen, wo er bleibt. Im Verkehr bekommt man nichts geschenkt.
Ja, nur ist da ein Unterschied, sich das zu nehmen, was einem zusteht,
und einfach pauschal mal alles einzusacken, was geht. Z. B. eingebildete
Vorrechte von Autofahrern oder eingebildete Bagatell-Gründe für
saudummes Verhalten.
>>> Eine Einfahrt mit Dose und ich mache einen Doppelsalto.
>>
>> Mhm... Das ist ja das erstaunlichste dran. Dass dieselben Leute, die da
>> irgendwelchen Fasching mit dem Rad veranstalten, das auf ein mal ganz
>> genau so beschissen wie alle anderen Autofahrer finden, sobald sie
>> selbst so was mal wieder in der Windschutzscheibenperspektive serviert
>> bekommen.
>
> Das verstehe ich jetzt nicht.
Ich habe das so interpretiert, dass es dir auch gegen den Strich geht,
wenn die Leute um dich rum Blödsinn veranstalten, während du im Auto sitzt.
Grüßle,
Martin.