Hi(gh)!
On 29.09.23 09:21, Ulli Horlacher wrote:
> Das Bild ist aber auch mehr als ungluecklich!
Stümpt, sollte schon ein langmähniger blondbärtiger
Frühachtziger-Ökofreak in Latzhosen und Norwegerpulli sein! Obwohl das
dann auch ziemlich chauvimäßig rüberkäme...
...und auch ansonsten der übliche zeitgeistige Kokolores*: natürlich ist
es ein Elektro-Mofa, und natürlich kann man es bequem in den SUV(!!!)
packen, und um es richtig nutzen zu können braucht man eine Äpp für die
Wischwanze, und beworben wird das Ganze wie eine typische Dose: "Das
neue...", die Protagonisten fahren entweder durch eine öko-moderne
IT-Hipster-Metropole (Portland? Vancouver?) oder eine romantische
südfranzösische Altstadt, aber natürlich nicht durch Köln-Chorweiler
oder brandenburgische Plattenbau-Pampa. Es würde mich nicht wundern,
wenn man als Laie an so einem "Tern" nichts, aber auch rein gar nichts
selbst reparieren kann, das Teil muss bei jedem Plattfuß in die
Vertragswerkstatt... und wenn die nicht gerade in fußläufiger Entfernung
zu erreichen ist hilft nur der SUV, huahuahuahuahua...
* Versteht mich nicht falsch: grundsätzlich finde es sympathisch, wenn
Werbung auch People of Color zeigt... aber das wirkt oft so
bemüht-konstruiert, aus dem realen Alltag glaube ich zu wissen, dass
junge männliche Immigranten, wenn sie denn Fahrrad fahren, eher auf cool
gestylte Mountainbikes mit flashig-greller Lackierung stehen, nicht
elektrisch (ist doch eh voll schwul!), sondern richtig zum Kurbeln, aber
wohl kaum solche biederen E-Mutti-Cityhopper.
Ach ja, zur Verbindung bestimmter Fahrradtypen mit spezifischen
soziokulturellen Milieus könnte ich noch jede Menge schreiben,
angefangen beim graubärtigen gebetskettenrollenden türkischen
Strickmützen-Baba auf seinem 70er-Jahre-Damenrad mit Schwanenhalsrahmen,
über den bereits erwähnten langmähnigen blonden Ökofreak im
Norwegerpulli mit seiner dunkelgrünen (oder dunkelbraunen) "Gazelle",
nicht zu vergessen den Coolbiker in voller Kampfmontur, der natürlich
ein martialisch aufgedonnertes Full-Suspension-MTB-Geschoss fährt, in
Flipfloplackierung passend zum flipfloplackierten Profimützchen,
supercoole verspiegelte Sonnenbrille und ultracoole
George-Michael-Stoppeln im Gesicht sind natürlich Pflicht! Die
scheckheftgepflegten 1964er Peugeot-Renner sind hingegen den Hipstern
vorbehalten, spindeldürr in Skinnyjeans und T-Shirts mit der
Strukturformel von Koffein, nicht zu vergessen Undercut und
luxusgeölter, vom Barbier des Vertrauens auf Zehntelmillimeter exakt
skulptierter Minoxidil-Designer-Talibart!
Und ganz zum Schluss eiert Wampen-Yadgar durchs Bild, in irgendwelchen
Klamotten auf irgendeinem Fahrrad...
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar