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Carbon-Gabel sinnvoll?

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Sven

unread,
Feb 20, 2002, 3:30:59 AM2/20/02
to
Hallo alle miteinander,

ich werde mir im März ein Rennrad zulegen (mein erstes!:-) und bin
immer noch dabei meine "Wunschliste" zusammenzustellen.

Ein Punkt, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, ist die Gabel. Ich
habe irgendwo mal gelesen, dass Carbon-Gabeln den Fahrcomfort erhöhen
würden, da sie bei gleicher Stabilität wie z.B. Aluminium trotzdem
flexibler sind und somit eine Dämpfungswirking haben. Stimmt das oder
ist das Blödsinn und bringen Carbongabeln nur was für's Gewicht?
Machen da auch Carbon-Gabeln im unteren Preissegment Sinn (das gesamte
Fahrrad soll nicht mehr als DM 3.500,-- kosten)? Wie empfindlich sind
Carbongabeln gegen Stöße im Vergleich zu Alu? Machen sie überhaupt
Sinn für einen Rennrad-Einsteiger?

BTW: Ich habe mir als obere Preisgrenze für das komplette Rennrad DM
3.500,-- gesetzt. Ist das für einen Marken-Alu-Rahmen mit Shimano
105-Ausstattung und anständigen Laufrädern realistisch? (Ich möchte
beim Fachhändler kaufen und nicht beim Versand). Welcher hersteller
bietet in dieser Preisklasse gute Räder?

Ich freue mich auf Eure Antworten

Sven

Heinz Birthler

unread,
Feb 20, 2002, 5:42:50 AM2/20/02
to
Sven wrote:
> ich werde mir im März ein Rennrad zulegen (mein erstes!:-) und bin
> immer noch dabei meine "Wunschliste" zusammenzustellen.
>
> Ein Punkt, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, ist die Gabel. Ich
> habe irgendwo mal gelesen, dass Carbon-Gabeln den Fahrcomfort erhöhen
> würden, da sie bei gleicher Stabilität wie z.B. Aluminium trotzdem
> flexibler sind und somit eine Dämpfungswirking haben. Stimmt das oder
> ist das Blödsinn und bringen Carbongabeln nur was für's Gewicht?

Wenn ich mich recht entsinne, spielt die Materialfrage der Gabel weniger
eine Rolle hinsichtlich des Komforts, als die Form. Sehr gerade,
ungebogene Gabeln sind grundsätzlich deutlich härter als solche mit
Vorbiegung.
"Komfort" kriegst du auf einem Rennrad sowieso nur in sehr
eingeschränktem Maße. Die Gabelform, der Sattel, deine
(bequeme/aktivitäts-stützende) Sitzposition und deine Radkleidung sind
die Komfort-Faktoren.
Es sei denn, das Rad hat Vollfederung ;-)

> Machen da auch Carbon-Gabeln im unteren Preissegment Sinn (das gesamte
> Fahrrad soll nicht mehr als DM 3.500,-- kosten)? Wie empfindlich sind
> Carbongabeln gegen Stöße im Vergleich zu Alu? Machen sie überhaupt
> Sinn für einen Rennrad-Einsteiger?

In der TOUR war vor längerer Zeit mal ein Test von Gabeln, Gewicht und
insbesondere Haltbarkeit wurde untersucht, Kinesi(??) war eine der
besten. Vielleicht findet sich da noch was, oder jemand anderes hat was
dazu.
Welche Gabel du fährst, ist aber eigentlich völlig egal.
Viel wichtiger (als sämtlicher technischer Schnickschnack), ist das
Wohlgefühl auf dem Rad.
Je besser dir das Rad passt, um so mehr Spaß macht das Ganze. Ein
passender Rahmen, Sattel und Vorbau und (unverzichtbar!) eine gut
passende Ausstattung (Radschuhe, RadHose , Handschuhe, Trikot, ggf.
Jacke) werden dein Wohlgefühl erheblich steigern und tragen zu einem
flotten Vorankommen und zu längeren Ausfahren 1000mal mehr bei, als eine
andere Gabel, die teuerte Campa-Gruppe oder 2 kg weniger Radgewicht.

Blute dich daher nicht beim Radkauf aus, sondern halte Geld für
Modifikationen zurück (wenn der Radladen gut ist, lässt er dich sowieso
ausprobieren). IMO ist es mit den Ahead-Set-Rädern schwieriger geworden,
den Lenkerabstand zu modifizieren, denn das einfache Hoch/Runterschieben
des Lenkers wie früher geht nicht mehr.
Rahmengröße und Vorbauwinkel- und länge sollten daher bestens passen.

> BTW: Ich habe mir als obere Preisgrenze für das komplette Rennrad DM
> 3.500,-- gesetzt. Ist das für einen Marken-Alu-Rahmen mit Shimano
> 105-Ausstattung und anständigen Laufrädern realistisch?

Auf jeden Fall.
Neue "sinnvolle" Rennräder bekommst du sicherlich schon unter 1000 EUR,
und wenn du z.B. den Gebrauchtmarkt abklapperst, bekommst du sehr feine
Dinge für relativ wenig Geld. Aber im Prinzip ist alles teurere
eigentlich was für's Ego und die Sinne. Mit der 105er-Gruppe fährst du
sicherlich ausgezeichnet. Apropos "teure Gruppe=bessere Gruppe": Wenn
ich sehe, wie verschleißträchtig der Alltagsbetrieb ist (bei mir 6Mm/a)
und wie gut die billigen Teile da halten, würde ich mir erstmal
_überhaupt_ keine Gedanken über Verschleiß am Rennrad machen.
Stahl oder Alu ist Geschmacksfrage. Obwohl ich mir das Material Stahl
besser gefällt, würde ich heute vermutlich auch zu einem Alurahmen
greifen: Die meisten Alur. sind stabiler gegen seitliche Auslenkung.

Ich hab '90 als Rennradanfänger für 3000DM ein gebrauchtes Rennrad
gekauft (DuraAce, Suntour Superbe, damals TopGruppen). Es hat damals
ca. 1500 km gedauert, bis ich annähernd meine Sitzposition gefunden
hatte (unterwegs häufiger geschraubt), und bis ich mich an die "Härte"
auf dem Gerät gewöhnt hatte. Danach war die Gewöhnung immer nur kurz.

Heinz

Uwe Jahns

unread,
Feb 20, 2002, 6:21:32 AM2/20/02
to
Hi Sven,

bei Bau von Carbonteilen wird die Steifigkeit dadurch bestimmt, wie die
einzelnen Carbonlagen übereinandergelegt
werden. So ist es möglich die Gabel seitlich total hart, aber vertikal
federnd zu bauen.
Was Heinz schreibt stimmt: Die Form der Gabel bestimmt den Komfort
ebenfalls. Ich habe eine Straight Fork Alu Gabel
am Renner und die ist wahnsinnig hart. Das empfinde ich allerdings als
Vorteil, da meine Energie nicht in
Schlabberbewegungen der Gabel umgesetzt wird. Ein anderer würde vielleicht
Rückenschmerzen bekommen.

Ich habe keine Erfahrung damit, aber viele Leute raten ab, eine
Carbongabel mit Aluschaft zu kaufen.
Da die Verbindung der Materialien manchmal nicht gut gelingen soll, sei
die Bruchgefahr größer.

Ein Alurahmen ist beim Rennrad wirklich zu empfehlen. Beim Reiserad
bevorzuge ich Stahl.
Die dicken Aluirohre sind spürbar (beim Wiegetritt) steifer als
Stahlrahmen.
Aber natürlich gilt auch hier: Ich habe nicht alle Stahlrahmen gefahren -
mein erstes Rennrad war aus (gutem)
Stahl, aber beim Test des ersten Alurenners habe ich sofort (ich war
erstaunt und haette das nicht erwartet)
einen grossen Unterschied im Wiegetritt gespuert.

Für 1800 Euro wirst du Räder mit Ultegra Ausstattung bekommen. Eine 105er
ist auch gut! Schaue am besten nach
Vorjahresmodellen. Da gibt es schon gute Räder mit 105er für 1100 Euro.

Du brauchst auch noch Pedale, Schuhe, eine Hochdruckpumpe und Kleidung.

Leider leider kann die niemand universelle Tipps geben, was nun für dich
gut ist.
Nur einen Tipp: Wenn ein Händler oder sonst wer ganz genau weiß was für
dich am besten ist, nimm dich in Acht.

Heinz Birthler

unread,
Feb 20, 2002, 7:57:20 AM2/20/02
to
Uwe Jahns wrote:

> Ein Alurahmen ist beim Rennrad wirklich zu empfehlen...


> Die dicken Aluirohre sind spürbar (beim Wiegetritt) steifer als
> Stahlrahmen.

> ... beim Test des ersten Alurenners habe ich sofort (ich war


> erstaunt und haette das nicht erwartet)
> einen grossen Unterschied im Wiegetritt gespuert.

Genau.
Obwohl kein Schwergewicht, ist es bei mir immmer zum leichten Schleifen
des Umwerfers am Kettenblatt im Wiegetritt gekommen, wenn der Umwerfer
etwas ungünstig stand. Das muss nicht sein.

BTW: Wenn eingesetzte Kraft besser in Vortrieb und weniger in Verformung
gewandelt wird, ist das auch eine Art von Komfort, weil sich das Rad
letztendlich "leichter" bewegen lässt.

> Leider leider kann dir niemand universelle Tipps geben, was nun für dich


> gut ist.
> Nur einen Tipp: Wenn ein Händler oder sonst wer ganz genau weiß was für
> dich am besten ist, nimm dich in Acht.

Sehr guter Tip von Uwe. Lass dir nix aufschwatzen.

Heinz

Helmut Springer

unread,
Feb 20, 2002, 8:25:21 AM2/20/02
to
Heinz Birthler <birt...@gmx.de> wrote:
> BTW: Wenn eingesetzte Kraft besser in Vortrieb und weniger in
> Verformung gewandelt wird, ist das auch eine Art von Komfort, weil
> sich das Rad letztendlich "leichter" bewegen lässt.

Solange die Verformung reversibel ist --alles andere duerfte nicht
von langem Betrieb sein-- agiert der Rahmen allerdings als Feder und
verliert keine Energie. AFAIK ist man frueher teilweise mit sehr
leichten und weichen (Alu mit duennem Rohr) Rahmen zum Bergfahren
angetreten...

Uebrigens denke ich nicht, dass Gabel im gebogenen Teil gross
federn, das duerfte angesichts des Hebsl nur nahe der Krone der Fall
sein (wo sie denn auch idR versagen). Gibt es vergleichende
Messungen von geraden und gebogenen Gabeln?

--
MfG/best regards, "Those who would give up essential liberty
helmut springer to purchase a little temporary safety
deserve neither liberty nor safety."
Benjamin Franklin, 1759

Erich Preissl

unread,
Feb 20, 2002, 10:12:31 AM2/20/02
to
" Shimano 105-Ausstattung"

Da du mit sonstigen Ratschlaegen hier schon sehr gut bedient wirst moechte
ich dich nur mehr auf die Ausstattung mit Campagnolo Teilen anstelle der
Shimano aufmerksam machen.
Es gibt hier sehr, sehr gute Alternativen.

Tschuess

Erich

Sven Chowanietz

unread,
Feb 20, 2002, 1:17:29 PM2/20/02
to
> Da du mit sonstigen Ratschlaegen hier schon sehr gut bedient wirst moechte
> ich dich nur mehr auf die Ausstattung mit Campagnolo Teilen anstelle der
> Shimano aufmerksam machen.
> Es gibt hier sehr, sehr gute Alternativen.
Erst kommt Campa dann Shimano. ;-)
Lance ist der einzige Rennradfahrer der die Tour mit Shimano gewonnen hat.

Sven


Sven Wiegand

unread,
Feb 21, 2002, 3:51:10 AM2/21/02
to
An alle, die mir geantwortet haben:

Herzlichen Dank für die diversen Erläuterungen. Ich reesümiere: Die
Mehrausgabe für eine Carbongabel lohnt sich (für mich) auf keinen Fall.

Nochmals vielen Dank...

Sven


Heinz Birthler

unread,
Feb 21, 2002, 5:11:46 AM2/21/02
to
Helmut Springer wrote:
>
> Heinz Birthler <birt...@gmx.de> wrote:
> > BTW: Wenn eingesetzte Kraft besser in Vortrieb und weniger in
> > Verformung gewandelt wird, ist das auch eine Art von Komfort, weil
> > sich das Rad letztendlich "leichter" bewegen lässt.
>
> Solange die Verformung reversibel ist --alles andere duerfte nicht
> von langem Betrieb sein-- agiert der Rahmen allerdings als Feder und
> verliert keine Energie.

Der Fahrer verliert aber Leistung. Der Rahmen federt senkrecht zu der
Richtung, in der der Fahrers seinen Krafteinsatz braucht. Das heißt, ein
Teil der Kraft, die für den Vortrieb genutzt werden soll, wird jetzt in
die links/rechts-Verformung des Rahmens gesteckt. Wenn der Rahmen
zurückfedert, d.h. i.A. um den unteren Totpunkt herum, hat der Fahrer
gar keine Möglichkeit, die jetzt zurückkommende Federenergie zu nutzen.

> Gibt es vergleichende
> Messungen von geraden und gebogenen Gabeln?

Messungen hab' ich noch nicht gesehen. Aber es gab vor Jahren mal ein
Rad, das in einer der gängigen Magazine getestet wurde, und durch eine
fast schon unappetitlich und scheinbar vorgeschädigte gebogene Gabel
auffiel. Aber alle Tester waren erstaunt, wie komfortabel diese Gabel
gegenüber den handelsüblichen war, einige wagten sogar den Vergleich mit
Federgabeln. Merkmal waren schlanke Gabelscheiden, und die extreme
Biegung im unteren Drittel, nicht unähnlich einem auf dem Kopf
gestellten Fragezeichen.

> Uebrigens denke ich nicht, dass Gabeln im gebogenen Teil gross


> federn, das duerfte angesichts des Hebsl nur nahe der Krone der Fall
> sein (wo sie denn auch idR versagen).

Der ganze Hebel verbiegt sich. Würde das nur nahe der Krone stattfinden,
gäb's vermutlich nur noch Reklamationsfälle. Die Kunst des Ingenieurs
sollte es gerade sein, die Kräfte gleichmäßig zu verteilen und dorthin
zu lenken, wo am meisten aufgenommen werden kann. Je stärker sie gebogen
sind, und je schlanker die Rohre, desto besser biegen sie auf der Länge.
Aber was Schlankes und Gebogenes wird kaum mehr gebaut.

Heinz

Helmut Springer

unread,
Feb 21, 2002, 5:25:04 AM2/21/02
to
Heinz Birthler <birt...@gmx.de> wrote:
> gesteckt. Wenn der Rahmen zurückfedert, d.h. i.A. um den unteren
> Totpunkt herum, hat der Fahrer gar keine Möglichkeit, die jetzt
> zurückkommende Federenergie zu nutzen.

Zum einen federt der Rahmen mit Ueberschreiten der maximalen Kraft
zurueck, zum anderen: Wohin geht diese Energie?


> wagten sogar den Vergleich mit Federgabeln. Merkmal waren schlanke
> Gabelscheiden, und die extreme Biegung im unteren Drittel, nicht

Das duerfte nicht mit einer normalen gebogenen Gabel vergleichbar
sein. Wenn Material und Form darauf angelegt sind, ist es eine
Federgabel.


> Der ganze Hebel verbiegt sich. Würde das nur nahe der Krone
> stattfinden, gäb's vermutlich nur noch Reklamationsfälle. Die

Nur da treten sie mW auf.


> Je stärker sie gebogen sind, und je schlanker die Rohre, desto
> besser biegen sie auf der Länge.

Wie lange halten sie echte Biegung im Bereich der Biegung aus und
wie faehrt sich etwas dort nachgebendes? Das duerfte entweder sehr
weich sein, oder schnell im Bereich irreversibler Schaedigungen
ankommen.

Ich haette gerne eine Messung oder Rechnung/Abschaetzung dazu, bis
jetzt habe ich auf beiden Seiten nur Glaubensaussagen gesehen.

Heinz Birthler

unread,
Feb 21, 2002, 6:48:27 AM2/21/02
to
Helmut Springer wrote:
>
> Heinz Birthler <birt...@gmx.de> wrote:
> > gesteckt. Wenn der Rahmen zurückfedert, d.h. i.A. um den unteren
> > Totpunkt herum, hat der Fahrer gar keine Möglichkeit, die jetzt
> > zurückkommende Federenergie zu nutzen.
>
> Zum einen federt der Rahmen mit Ueberschreiten der maximalen Kraft
> zurueck,

Der Rahmen federt proportional zur Kraft ein. Je "härter" er ist, um so
weniger.

> zum anderen: Wohin geht diese Energie?

In's Nichts. Ein Feder, die ausgelenkt und dann losgelassen wird,
pendelt in Abhängigkeit von ihrer Eigendämpfung aus.
Rahmen werden recht gut eigengedämpft sein. Die Energie, die nicht
sofort durch die Eigendämpfung weggeht, wird dann der Fahrer wegdämpfen.

> > wagten sogar den Vergleich mit Federgabeln. Merkmal waren schlanke
> > Gabelscheiden, und die extreme Biegung im unteren Drittel, nicht
>
> Das duerfte nicht mit einer normalen gebogenen Gabel vergleichbar
> sein. Wenn Material und Form darauf angelegt sind, ist es eine
> Federgabel.

Diese Gabel ist mit einer normalen Gabel vergleichbar, nur ungewöhnlich
stärker gebogen.
Mit schlanken Gabelscheiden gibt das eine Menge Federweg. Du brauchst
auch einfach nur mal die Rennräder aus den 60er Jahren mit den heutigen
Rennrädern zu vergleichen, die Unterschiede sind schon sichtbar: Die
heutigen Gabeln sind dicker, ungebogener und federn weniger.



> > Der ganze Hebel verbiegt sich. Würde das nur nahe der Krone
> > stattfinden, gäb's vermutlich nur noch Reklamationsfälle. Die
>
> Nur da treten sie mW auf.

Das kann schon sein, denn :
Wenn kaum noch Federweg angeboten wird, ist eventuell alles sehr starr
ausgelegt. D.h. der Federweg ist so kurz, dass es sich eigentlich um das
Scherverhalten des Metalls handelt ;-). Es braucht nur entsprechend
Masse. Aber wenn man nennenswerten Federweg erzeugen möchte, ist es
sinnvoll auch Länge zu haben, über der man federt.

Heinz

Helmut Springer

unread,
Feb 21, 2002, 6:57:24 AM2/21/02
to
Heinz Birthler <birt...@gmx.de> wrote:
>> zum anderen: Wohin geht diese Energie?
>
> In's Nichts.

Das ist nunmal nicht moeglich.


> Ein Feder, die ausgelenkt und dann losgelassen wird, pendelt in
> Abhängigkeit von ihrer Eigendämpfung aus.

Daempfung bedeutet idR irreversible Ableitung in Waerme.


> Rahmen werden recht gut eigengedämpft sein.

Meiner wird nicht warm. Angesichts der Abmessungen und Auslenkungen
sehe ich auch nicht Raum fuer nennenswerte Daempfung.


> Die Energie, die nicht sofort durch die Eigendämpfung weggeht,
> wird dann der Fahrer wegdämpfen.

In welcher Bewegung?


> brauchst auch einfach nur mal die Rennräder aus den 60er Jahren
> mit den heutigen Rennrädern zu vergleichen, die Unterschiede sind
> schon sichtbar: Die heutigen Gabeln sind dicker, ungebogener und
> federn weniger.

Ja, ja, weiss ich nicht bzw. warum? Du hast explizit auf die
Bauform abgehoben, nicht auf Material und -einsatz.

Ich glaube Dir schon, dass Du das glaubst 8)
Ich wuerde es nur gerne nachvollziehen koennen.

Heinz Birthler

unread,
Feb 21, 2002, 7:55:40 AM2/21/02
to
Helmut Springer wrote:
>
> Heinz Birthler <birt...@gmx.de> wrote:
> >> zum anderen: Wohin geht diese Energie?
> >
> > In's Nichts.
>
> Das ist nunmal nicht moeglich.

Siehe unten, Eigendämpfung. Damit war das Nichts gemeint.
Wärmeentwicklung.

> > Ein Feder, die ausgelenkt und dann losgelassen wird, pendelt in
> > Abhängigkeit von ihrer Eigendämpfung aus.
>
> Daempfung bedeutet idR irreversible Ableitung in Waerme.

Ja.

> > Rahmen werden recht gut eigengedämpft sein.
>
> Meiner wird nicht warm.

Dein Rahmen wird warm.
Angesichts der Energiegrößen merkt man das aber nicht.
Ich glaube, dass du dir Dämpfung als ein extrem...mmm ich sag mal,
auffälliges Ereignis vorstellst.

Wenn man mit einem Rennrad z.B. über Kopfsteinpflaster fährt, dämpfen
Reifen und ganz stark der Fahrer die Schwingungen weg. Obwohl das extrem
energieverzehrend ist, tritt spürbare Wärme da nicht auf. Auf ebener,
bester Strecke merkt man auch, wenn zu wenig Luft in den Reifen ist, und
es wird einiges mehr an Wärme erzeugt...aber ich glaube kaum, dass man
das ohne penible Messung spüren kann. Wir haben z.B. im Studium die
Wärme gemessen, die beim normalen Umrühren in einem Glas entsteht. Es
ist messbar, aber als Mensch nicht spürbar. Wärmeerzeugung frisst
wahnsinnig viel Energie.

Wenn man an einem stehenden Fahrrad seitlich gegen das Tretlager tritt,
verformt sich der Rahmen. Ob man den Fuß schlagartig oder nur langsam
wegnimmt, spielt i.A. keine Rolle, die Auslenkung wird reversibel sein,
aber es wird zu keiner Schwingung kommen, d.h. der Rahmen geht nur in
seinen Anfangszustand zurück -> eigengedämpft. Andernfalls müsste er
hin- und herschwingen. Selbst wenn er das während des Fahrens täte, es
sitzt ein Dämpfer obendrauf. Der Radler selbst.

> Angesichts der Abmessungen und Auslenkungen
> sehe ich auch nicht Raum fuer nennenswerte Daempfung.

Ich schätze mal grob, dass ein schlechter Rahmen im Wiegetritt am
Tretlager seitlich einige cm nachgibt (70er Jahre Dahmenrad), ein
steifer Rahmen nur 5mm auslenkt. Das sind Unterschiede im cm-Bereich.
Angenommen 5mm Unterschied bei ähnlich guten Rennrädern, z.B. Stahl- vs.
Alurahmen. Die Unterschiede sind nicht gewaltig, aber man spürt schon
den Unterschied, ob man auf einer Kurbelumdrehung grob gesagt 5mm mehr
Weg hat, der nicht zum Vortrieb beiträgt oder nicht. Und jeder mm der
nicht der Verformung dient, landet im Vortrieb, jede Auslenkung geht
verloren.

> > Die Energie, die nicht sofort durch die Eigendämpfung weggeht,
> > wird dann der Fahrer wegdämpfen.
>
> In welcher Bewegung?

Dadurch dass ein Radler auf dem Rad sitzt. Das reicht schon.

Heinz

Helmut Springer

unread,
Feb 21, 2002, 8:54:58 AM2/21/02
to
Heinz Birthler <birt...@gmx.de> wrote:
> Dein Rahmen wird warm.

Eben dazu haette ich gerne die Rechnung/Abschaetzung gesehen. Wie
bereits gesagt, halte ich das angesichts von Abmessungen und
Auslenkungen fuer vernachlaessigbar. Obige Formulierung war etwas
plakativ.


> Ich glaube, dass du dir Dämpfung als ein extrem...mmm ich sag mal,
> auffälliges Ereignis vorstellst.

Unterstell' mal ausreichend viel Festkoerperphysik fuer eine
realistische Vorstellung der Ablaeufe 8)


> Wärmeerzeugung frisst wahnsinnig viel Energie.

...und ein Fahrrad bewegt sich idR durch ein Kuehlmedium.


> der Rahmen geht nur in seinen Anfangszustand zurück ->
> eigengedämpft.

Fehlende Eigenschwingung muss nichts mit Eigendaempfung zu tun
haben. Wenn ich zwischen Sohle und Pedal eine Federplatte (mit
geeigneter Eigenfrequenz) setze und von aussen die Schwingung
(=Trittfrequenz) vorgebe, ist die Eigenschwingung vernachlaessigbar
und der Energieverslust ebenfalls. Was unterscheidet den Rahmen in
Deinen Augen von einer solchen Feder?


> Ich schätze mal grob, dass ein schlechter Rahmen im Wiegetritt am
> Tretlager seitlich einige cm nachgibt (70er Jahre Dahmenrad), ein

Dazu gibt es zB die Messungen von Damon Rinard unter
http://sheldonbrown.com/rinard/, sie sagen aber nichts ueber
Energieverluste beim Fahren aus.

Ralf Stein-Cadenbach

unread,
Feb 22, 2002, 8:45:26 AM2/22/02
to

Heinz Birthler schrieb:

> > > wagten sogar den Vergleich mit Federgabeln. Merkmal waren schlanke
> > > Gabelscheiden, und die extreme Biegung im unteren Drittel, nicht
> >
> > Das duerfte nicht mit einer normalen gebogenen Gabel vergleichbar
> > sein. Wenn Material und Form darauf angelegt sind, ist es eine
> > Federgabel.
>
> Diese Gabel ist mit einer normalen Gabel vergleichbar, nur ungewöhnlich
> stärker gebogen.
> Mit schlanken Gabelscheiden gibt das eine Menge Federweg. Du brauchst
> auch einfach nur mal die Rennräder aus den 60er Jahren mit den heutigen
> Rennrädern zu vergleichen, die Unterschiede sind schon sichtbar: Die
> heutigen Gabeln sind dicker, ungebogener und federn weniger.

Ich vermute, das liegt am Material, bzw. am Wechsel von Stahl auf Alu. Alu
kann seine Vorteile nur ausreizen, wenn es geometrisch äußert steif
konstruiert ist. Eine Alu-Gabel läßt sich natürlich auch flexend gestalten,
bloß ist die Gefahr zu groß, daß sie irgendwann mal schlagartig wegbricht.
Smolik erzählte mal von einem tödlichen Unfall in seinen Freundeskreis, der
so abgelaufen ist. Stahl ist da viel gutmütiger, ein Bruch kündigt sich an.
Die Standrohre von Federgabeln sind inzwischen ja auch im Durchmesser erhöht
worden: mit Dauerstandsfestigkeit ist es nicht allzuweit her bei Alu.
Wahrscheinlich gehört Verbundmaterialien wie Carbon die Zukunft, aber
z.Z.ist das für ein Sicherheitsteil mir zu sehr unausgereift. Die meist
kleinen Firmen schmeißen nach meinen Urteil ihre Entwicklungen etwas
schnellauf den Markt - nicht gerade sehr verwunderlich, wenn man keinen oder
nur sehr geringen Forschungsetat zur Verfügung hat.....

Ralf


Gerald Eischer

unread,
Feb 23, 2002, 9:40:06 AM2/23/02
to
"Sven Chowanietz" <cho...@ietz.de> schrieb:

>Erst kommt Campa dann Shimano. ;-)
>Lance ist der einzige Rennradfahrer der die Tour mit Shimano gewonnen hat.

Fällt in die Kategorie "Zufall".

--
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