Doch, doch, die haben schon 1999 danach verlangt und auch 9 Jahre später
keine bekommen, umso lustiger ist die Argumentation des
Verkehrtministeriums:
| Seit 1999 wurden insgesamt rd. 91 Mio. € für Radwegebaumaßnahmen an
| Bundes-, Landes- und kommunalen Straßen investiert. Ein Nachweis da-
| für, dass das Land damit den Zielen des Fahrradprogramms näher ge-
| kommen ist, kann mangels Erfolgskontrolle nicht erbracht werden.
| Aus der Verkehrsstatistik 1 ist eine signifikante Zunahme des
| Radverkehrs landesweit nicht ablesbar. Insbesondere an freien
| Strecken ist die Anzahl der gezählten Radfahrer sehr gering 2 .
| Die Verkehrssicherheit für Radfahrer verbesserte sich nicht. 3 Der
| Kfz-Verkehr stagnierte in den letzten 10 Jahren.
| Das Verkehrsministerium erklärt, dass es den Zielen des Programms
| näher gekommen sei, lasse sich anhand der getroffenen Maßnahmen in
| den definierten Handlungsfeldern nachvollziehen. Die
| Verkehrsstatistik allein liefere keine Aussagen. Zuförderst gehe es
| um die Schaffung von Angeboten, deren Annahme erfahrungsgemäß einer
| gewissen zeitlichen Verzögerung unterliege. Berücksichtigt werden
| müsse auch die wechselnde Zahl der potenziellen Nutzer.
| Der LRH folgt dieser Argumentation nicht. Auch die ergänzenden
| Hinweise des Verkehrsministeriums lassen nicht erkennen, dass das
| Land den o. g. Zielen des Fahrradprogramms näher gekommen ist oder
| sich auf dem richtigen Weg befindet. Die Auffassung des Ministeriums,
| dass es sich bei der Verausgabung der 91 Mio. € Haushaltsmittel eher
| um die Schaffung von Angeboten für Radfahrer handele, deren Annahme
| einer zeitlichen Verzögerung unterliege und deren Erfolg sich nicht
| nur an harten Faktoren messen lasse, verkennt die Tatsache, dass
| gem. § 7 LHO Voraussetzung für Investitionen ein nachgewiesener
| Bedarf ist. Die Argumentation des Verkehrsministeriums läuft darauf
| hinaus, die Verwirklichung der Ziele lediglich am Umfang des Inputs
| zu messen. Dieses ist vom LRH bereits in seinen Bemerkungen 1999,
| Nr. 19, zum Radwegebau beanstandet und ein Erfolgsnachweis verlangt
| worden.
Aus meiner Heimat kann ich berichten, daß die zeitliche Verzögerung
von der das Verkehrtministerium ausgeht, gut und gerne mehr als 50
Jahre beträgt, vermutlich eher 100 Jahre und mehr.
Und wenn Du glaubst das war lustig, dann warte ab:
| Erfolgskontrolle
|
| Der LRH hatte bei seiner Prüfung des Radwegeprogramms bereits 1999
| gefordert, dass das Verkehrsministerium ein System der
| Erfolgskontrolle entwickelt und für eingeleitete Maßnahmen den
| Nachweis führt, inwieweit sie zur Erreichung der Ziele beitragen².
| Trotz Zusage hat das Verkehrsministerium ein solches System nicht
| entwickelt. Bei der erneuten Prüfung wurden, bis auf die Aufzählung
| von Aktivitäten³ , keine eigenen Untersuchungen vorgefunden. Die
| Entwicklung eines Systems der Erfolgskontrolle ist mit Blick auf den
| hohen Mitteleinsatz erforderlich.
|
| Das Verkehrsministerium erklärt, es sei korrekt, dass eine
| Evaluation zur Förderung des Radverkehrs bisher nicht stattgefunden
| habe. Eine solche könne sich nicht nur auf harte Faktoren beziehen,
| sondern sei oftmals von weichen Wirkungsfaktoren abhängig. Außerdem
| finde eine Erfolgskontrolle durch das Fahrradforum, durch die
| beteiligten Verkehrsverbände und durch die Nutzer statt.
|
| Der LRH bleibt bei seiner Forderung, dass die Entwicklung eines
| Systems der Erfolgskontrolle, das angesichts des hohen finanziellen
| Mitteleinsatzes konkrete Nachweise für die Wirksamkeit der
| Investitionen liefert, erforderlich ist. Im Bereich der Förderung
| von Forschung, Entwicklung und Innovation zur Stärkung der
| Wirtschaft wird diese Notwendigkeit vom Wirtschaftsministerium
| akzeptiert.
|
| ¹ Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein,
| Jahresberichte 1990, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005,
| 2006.
| ² Bemerkungen 1999 des LRH, Nr. 19.
| ³ Landtagsdrucksache 15/3551 vom 12.07.2004 zur Agenda 21 und
| Klimaschutzbericht.
| Vom Finanzausschuss¹ ist die Ausarbeitung eines systematischen
| Programmcontrollings begrüßt worden.
|
| ¹ Bericht und Beschlussempfehlung des Finanzausschusses,
| Landtagsdrucksache 16/994 vom 25.09.2006, S. 14.
Die weichen Wirkungsfaktoren sind so windelweich, daß sie sich jeder
Statistik entziehen.
Aber wenn ich eh schon so viel zitiert habe, will ich auch nicht den
Abschnitt zur Verkehrssicherheit vorenthalten:
| Verkehrssicherheit
|
| Die Anzahl der verunglückten Fahrradfahrer bei Unfällen mit Personen-
| schaden ist innerorts 9-mal so hoch wie außerorts. Damit liegt das
| Bedürfnis, die Verkehrssicherheit zu verbessern, deutlich innerorts.
| Dagegen wurden viele Kilometer Radwege an freien Strecken mit
| unterdurchschnittlichem, z. T. weit unterdurchschnittlichem
| Verkehrsaufkommen gebaut und gefördert. Innerhalb der
| Ortsdurchfahrten förderte das Verkehrsministerium fast ausschließlich
| kombinierte Geh- und Radwege, die wegen ihrer Konfliktträchtigkeit
| die Ausnahme sein sollen.¹ Diese Finanzierung wurde im Interesse der
| Gemeinden gewählt, die vielfach damit kostengünstig zu einem Gehweg
| kamen.² Die bisherige Förderpraxis der gemeinsamen Geh- und Radwege
| sollte überprüft werden.
| Die Landesregierung, die Kreise und Kommunen sollten ihr Haupt-
| augenmerk auf die Erhöhung der Verkehrssicherheit innerorts legen.
| Dabei sollten verkehrsordnerische, verkehrserzieherische und
| aufklärende Maßnahmen im Vordergrund stehen. Für Verkehrserziehung
| und Aufklärung wurden zwischen 2002 und 2006 nur 0,45 % der
| Gesamtmittel für den Radverkehr ausgegeben.
|
| Das Verkehrsministerium verweist darauf, dass vom LRH nicht beachtet
| worden sei, dass es innerorts mehr Radfahrer gebe.
|
| Der LRH bleibt bei seiner Auffassung. Zunächst ist festzuhalten,
| dass die absolute Zahl der Radfahrer innerorts und außerorts bezogen
| auf das komplette Netz nicht bekannt ist. Die absoluten Zahlen der
| Verunglückten zeigen eindeutig, dass die Verkehrssicherheit
| innerorts verbessert werden muss.
|
| ¹ Nach Forschungsunterlagen des Bundesverkehrsministeriums sollen
| gemeinsame Geh- und Radwege wegen des beträchtlichen
| Konfliktpotenzials die Ausnahme sein. Bundesverkehrsministerium,
| Forschung, Straßenbau und Straßenverkehrstechnik, Heft 737, 1997.
| ² Diese Finanzierung ist bereits vom Bundesrechnungshof (BRH)
| kritisiert worden. Bemerkungen des BRH 2006, Nr. 24.
Der LRH S-H ist bemerkenswert schlau. Das mit Radverkehrsfördermitteln
im wesentlichen die Gehwege der Gemeinden finanziert wurden, die
ohne die Fördermittel von den Kommunen allein hätten finanziert werden
müssen, ist denen aufgefallen und Forderung zur Erhöhung der
verkehrssicherheit wesentlich mehr Mittel für verkehrsordnerische
und verkehrserzieherische und aufklärende Maßnahmen auszugeben ist
ebenfalls smart. 👍
Der Bericht des LRH S-H enthält auch eine sehr interessante Grafik
bezüglich der verunglückten Radfahrer unter 15 Jahren innerorts
und außerorts, was die häufig anzutreffende Argumentation man bräuchte
den (natürlich benutzungspflichtigen) Radweg außerorts zur
Schulwegsicherung, in einem anderen Licht erscheinen läßt.
Vernunft in Bezug auf Radwege ist offensichtlich doch möglich.
Auch interessant, trotz Ankündigung im Fahrradprogramm S-H vermehrt
auf Low-Cost-Maßnahmen zurückzugreifen, wurden 99% der Fördermittel
für den Radwegebau verpulvert. Verpulvert deswegen, weil es keine
objektivierbaren Ergebnisse gibt und das Verkehrtministerium konnte
ja auch keine benennen.