Vorgestern ist mir bei einer Rennrad-Tour der Latexschlauch (Michelin
AirComp A1, Breite 23mm) im Vorderrad regelrecht explodiert, als ich
über einen Gullydeckel gefahren bin - jaja, den hatte ich zu spät
gesehen :-( - der war aber total eben in die Fahrbahn eingelassen und
stellt normalerweise kein Problem dar. Ich hatte gerade eine eigentlich
harmlose Abfahrt hinter mir - ca. 150 Höhenmeter, Durchschnittsgefälle
etwa 5% (Wer's zufällig kennt: Ortsdurchfahrt Remich in Luxemburg, von
Mondorf kommend und dann runter Richtung Mosel). Habe eigentlich auch
nicht dauernd gebremst. Beim anschliessenden Reifenwechsel ist mir
allerdings aufgefallen, dass die Felge (Campa Neutron, also "normale"
Alu-Felge) schon mehr als kuschelig warm war.
Den Reifen bin ich mit um die 9 bar Druck gefahren, der Schlauch hatte
erst eine Laufleistung von ca. 200km, ebenso die Laufräder. Bei der
Montage wurde mit Sicherheit nicht gepfuscht.
Da ich aber in Zukunft gerne auf solchen Nervenkitzel und
Herausforderung meiner Fahrkünste verzichten würde, frage ich mich - und
Euch, ob's einfach nur Pech war oder woran es sonst gelegen haben könnte:
Muss man bei Latexschläuchen prinzipiell davon ausgehen, dass sie zu
platzen drohen, wenn die Felge heisser wird? War der Druck für den
Schlauch zu hoch, so dass er noch empfindlicher gegenüber der heissen
Felge wurde? Könnte in diesem Fall ein etwas niedrigerer Druck das
Risiko verringern? Oder klingt das alles wieder stark nach der leidigen
Geschichte des schlecht sitzenden Felgenbands?
Fragen über Fragen...
Steve
Hmmm. Ich habe (bisher) keine Erfahrung mit Latex-Schlaeuchen, aber
schon jede Menge Ungutes drueber gehoert. Wenn bei Dir das Felgen-
band richtig verlegt ist und nix im Mantel steckt, waere das wieder
ein Fall fuer die Negativstatistik ;) Ich habe bisher noch nicht
gehoert, dass Latexschlaeuche auf Hitze deutlich empfindlicher reagieren
als normale Butylschlaeuche ....
Wenn der Gullideckel wirklich schoen eben in der Fahrbahn war (also ein
Durchschlag nicht in Betracht kommt), vielleicht war da irgendein Mist
drauf, der sich reingestochen hat?
Ansonsten wuerde ich halt (wenns nicht so sehr auf die paar Gramm
ankommt) wieder auf normale Butylschlaeuche zurueckwechseln ;)
Viele Gruesse
Carsten
--
:w
>Vorgestern ist mir bei einer Rennrad-Tour der Latexschlauch (Michelin
>AirComp A1, Breite 23mm) im Vorderrad regelrecht explodiert, als ich
[...]
>nicht dauernd gebremst. Beim anschliessenden Reifenwechsel ist mir
>allerdings aufgefallen, dass die Felge (Campa Neutron, also "normale"
>Alu-Felge) schon mehr als kuschelig warm war.
Mir ist einmal ein Latexschlauch beim Stehen des Fahrrades in der
prallen Sonne geplatzt. Die Butylschläuche in den anderen Laufrädern
allerdings auch =:-/
>War der Druck für den
>Schlauch zu hoch, so dass er noch empfindlicher gegenüber der heissen
>Felge wurde?
Dem Schlauch ist der Druck wurscht, der wird eh vom Mantel aufgenommen.
>Könnte in diesem Fall ein etwas niedrigerer Druck das
>Risiko verringern?
Ja. Oder auf Schlauchreifen umsteigen.
>Oder klingt das alles wieder stark nach der leidigen
>Geschichte des schlecht sitzenden Felgenbands?
Es klingt nach einem weich gewordenen Felgenband. Montiere in Zukunft
das Velox, alternativ das nicht klebende Michelin.
--
Gerald
| FAQ zu de.rec.fahrrad: http://drffaq.freezope.org |
| Für OE-Nutzer: http://www.wschmidhuber.de/oeprob/index.html |
Gruss
Jens
Steve Wirth wrote:
> Muss man bei Latexschläuchen prinzipiell davon ausgehen, dass sie zu
> platzen drohen, wenn die Felge heisser wird?
Ja, Latex ist weniger hitzevertraeglich als Butyl und platzt deshalb
frueher, gleiche Masse (Schlauch-Gewicht/Wandstaerke) vorausgesetzt.
Vielleicht kann uns jemand (zB. Chemiker/in) die Groessenordnung
verraten?
Armin
>Gerald Eischer wrote:
>> Es klingt nach einem weich gewordenen Felgenband. Montiere in Zukunft
>> das Velox, alternativ das nicht klebende Michelin.
>Meiner Meinung nach nicht unbedingt eine gute Idee. Das Velox wird zwar
>nicht weich,
>dafuer aber nach einiger Zeit morsch.
Ich habe schon 10 Jahre alte Veloxbänder gesehen, die nicht morsch
waren.
>28 mm-Reifens auf ca. 8 Bar passiert, dass sich der Schlauch an einem
>der Loecher im Bett der
>Felge durch das offensichtlich nicht mehr sonderlich widerstandsfaehige
> Velox-Felgenband gedrueckt hat.
Bei scharfkantigen Löchern und Hitze kann das auch bei Kunststoffbändern
passieren. Die Michelin halten aber meiner Erfahrung nach.
> Ja, Latex ist weniger hitzevertraeglich als Butyl und platzt deshalb
> frueher, gleiche Masse (Schlauch-Gewicht/Wandstaerke) vorausgesetzt.
>
> Vielleicht kann uns jemand (zB. Chemiker/in) die Groessenordnung
> verraten?
Im ROEMPP Online habe ich etwas zu den physikalischen Eigenschaften
Latex vs. Butyl entdeckt:
| Butylkautschuk (IIR) mit geringer Luft- u. Gasdurchlässigkeit
| u. guter Alterungs- u. Wärmebeständigkeit
| [...]
| Vergleich der Eigenschaften
| Material//Wärmebeständigkeit nach 5h/70h/1000h//Betriebstemp.
|
| Butylkautschuk (IIR)//200/160/130//150 [°C]
| Naturkautschuk (NR )//150/120/ 90//100 [°C]
Bei gleichem Gewicht ist demnach der Butylschlauch deutlich weniger
hitzeempfindlich. Auch aus meiner Erfahrung nur in Verbindung mit
Scheibenbremsen oder fuer spezielle Einsaetze (zB.
Bahnrad-Schlauchreifen) zu empfehlen.
Armin
Auch aus meiner Erfahrung _sind Latexschlaeuche_ nur in Verbindung mit