On Sat, 11 May 2013 23:51:17 +0200, Wolfgang Strobl wrote:
> Markus Luft <
02-...@news.marquee-moon.de>:
>
>>On Sat, 11 May 2013 08:47:53 +0200, Wolfgang Strobl wrote:
>>
>>> Johann Mayerwieser <
johann.ma...@gmail.com>:
>>>>Warum holt ihr diesen Koffer aus dem Filter?
>>>
>>> Ich befürchte, man wird diese Sorte Desinformations-Troll nicht los,
>>> indem man sie einfach ignoriert.
>>>
>>Aber sicher doch!
>
>>Dies ist ein Kommunikationsmedium. Wenn Du an eine Gruppe herantrittst,
>>mit dem Ziel eine Kommunikation zu beginnen, diese Gruppe Dich aber
>>ignoriert, dann gehst Du wieder.
>
> Nein, da das Ziel eines solchen Trolls gar nicht die Teilnahme an der
> Kommunikation ist, ggfs. aber durchaus, diese zu formen.
>
Ja, das passiert aber, wenn man immer wieder auf solche Leute eingeht.
Und dann passiert das:
> Ein Muster ist dabei wiederkehrend: gelingt es nicht, einen als
> Kalenderspruch verpackten Glaubensartikel ohne Widerspruch abzusondern,
> sucht der Troll nicht den Dialog, sondern wird ausfällig. Die
> Psychologie dahinter ist die durchaus zutreffende Vermutung, daß die
> Leser die mehr oder weniger unterschwellige Behauptung zur Kenntnis
> nehmen, während Gegenargumente im Flamewar untergehen und von den Lesern
> aufgrund des Tonfalls ausgeblendet werden.
>
Die Trolle zerlegen sich damit eh nur selbst.
Vernünftige Leute erkennen, wer fundierte Argumente hat und wer gar
Nichts in der Hand hat und deshalb nur mit Mutmaßungen und emotionalen
Argumenten diskutieren kann. Im Gegensatz zu Dir vermute ich aber kein
planmäßiges Vorgehen. Auch im Alltag kann man immer wieder beobachten, daß
Leute von Tuten und Blasen keine Ahnung haben und eben dann, wenn sie
merken, daß sie keinen Blumentopf gewinnen können, eben ausfallend werden.
Das ist nichts anderes als das Eingeständnis im Unrecht zu sein und
genauso wird das von neutralen Beobachtern dann auch interpretiert.
>>> Von normalen Trollen unterscheidet sie nämlich, daß sie zielgerichtet
>>> kommentieren. Und da kann es schon interessant sein, die jeweiligen
>>> Mechanismen und Argumentationsmuster herauszuarbeiten.
>
>>Es sind aber immer dieselben, nur eben in einer gewissen
>>Variationsbreite.
>
> Das ist das Wesen von Propaganda.
>
Der Begriff Propaganda hat in Deutschland, aus naheliegenden Gründen,
einen negativen Beigeschmack. Zu Unrecht, wie ich finde, im Alltag
betreibe ich auch Propaganda. Es ist ja meine Absicht bestimmte Ansichten
zu verbreiten, zumal die allermeisten Leute ausgesprochen unaufgeklärt
sind und immer wieder dieselben Desinformationen unreflektiert
nachplappern. Da kann man dann Gegen-Propaganda betreiben.
>>Es werden auch immer dieselben Fehlannahmen getroffen, also z.B.
>>"Radwege bieten Sicherheit", "Helme schützen" oder "KFZ sind
>>gefährlich".
>>Man kann jetzt diese Grundannahmen bis zu einem gewissen Grad durchaus
>>aufweichen, aber im Grunde genommen geht dadurch bei den Diskutanten die
>>Schere zwischen gefühlter Realität und Realität nur noch weiter auf.
>
> Also sollte man die Versuche, Schlammschlachten zu starten, ignorieren,
> ja. Das muß einen aber nicht daran hindern, die eingeschobenen Brocken
> an Desinformation aufzudecken. Ich stimme Dir zu, daß man sich darauf
> beschränken sollte.
>
Genau so meinte ich das. Das gute ist, die Trolle gehen regelmäßig in die
Luft und zerlegen sich damit selbst. Auf offensichtlichen Schwachsinn
braucht man nicht einzugehen. Im Reallife macht man das doch meist
genauso, die Leute denken eben "Laß den Idioten nur reden!".
>>
>>> Ziel ist wie gesagt nicht, Stichworte für diesen Troll zu liefern und
>>> seine Beschäftigungsspielchen mitzumachen, sondern Erkenntnisgewinn.
>>> Es ist ja nicht so, daß man auf dergl. nicht auch im wirklichen Leben,
>>> bei Gesprächen, in Leserbriefspalten etc. träfe.
>>
>>Meines Erachtens ist es sinnvoller die Leute an einen Psychologen zu
>>verweisen, denn die Radweg- und Helm-Befürworter haben allesamt ein
>>psychologisches Problem. Die Lösung dieses Problem kann *ich* nicht
>>leisten.
>
> Diese Herangehensweise halte ich für problematisch. Aus der Ferne
> kannst Du nicht unterscheiden, ob jemand einen Sprung in der Schüssel
> hat oder ob er oder sie nur so tut. Und, ehrlich gesagt, es
> interessiert mich bei derartigem Trollverhalten auch nicht sonderlich.
> Nicht die Psychologie solcher Vögel ist von Bedeutung, sondern ihre
> Wirkung auf Dritte.
Ich meinte auch gar nicht, daß die im pathologischem Sinne einen Sprung
in der Schüssel haben. Wenn es um motorisierte Mobilität geht, legen
Menschen auf einmal völlig bekloppte Verhaltensweisen an den Tag.
Wenn mein Nachbar z.B. Lärm macht, dann beschwere ich mich, wenn aber
ganz viele Menschen mit ihren KFZ gesundheitsschädlichen Lärm machen,
dann werden schalldämmende Fenster eingebaut und zugleich nimmt man sich
das Recht bei geöffnetem Fenster zu schlafen. Wenn an bestimmten Plätzen
Menschen immer wieder bedroht werden, dann will man, daß die Täter sich
dort nicht mehr aufhalten dürfen und auch bestraft werden. Machen
Autofahrer das, dann will man selbst weggesperrt werden. Erteilt man mir
rechtswidrig einen Platzverweis, dann beschwere ich mich, wird dieser
Platzverweis in Form von blauen Schildern flächendeckend und rechtswidrig
ausgesprochen, dann wird das bejubelt.
Das sind irrationale Verhaltensweisen, die unserem Rechtssystem und
Rechtsempfinden vollkommen widersprechen.
Da eiern erwachsene Leute, wie unser Troll, im Pipi-Planschbecken am
Beckenrand rum und geraten dabei von einer Konfliktsituation in die
andere und zusätzlich springt denen vom Beckenrand aus immer wieder mal
ein Rüpel fast auf den Kopf. Und trotzdem wird da etwas über die
Sicherheit des Planchbeckens geschwafelt, man klammert sich an
Eigenverantwortung und Styropor-Bademützchen...
Die zugrunde liegenden psychischen Mechanismen, die dann zu diesem
verrücktem Verhalten führen, sind so tief greifend, daß ich die ganz
bestimmt nicht gerade biegen kann.