Johannes Leckebusch <
jlno...@johannes-leckebusch.de>:
>Am 07.05.2014 20:09, schrieb Wolfgang Strobl:
>
>> Und wo die gelegentliche Verkehrserziehung mit der Sto�stange nicht
>> hilft, wirkt ein auf die Fahrbahn gepinselter Radstreifen f�r wenig Geld
>> wahre Wunder. [...]
Da sich Gregor beschwerte und da es jetzt wieder ein Fotothema*) wird,
leite ich es mal wieder zur�ck.
>H�h? Da kann ich jetzt nicht ganz folgen?
Sieht wohl so aus.
Vielleicht n�tzt die folgende Veranschaulichung ja ein wenig, diesem
Verst�ndnisproblem abzuhelfen.
<
http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rwbilder/radstreifen2a/ein_spaziergang_durch_bonn.htm>
Obwohl ich's nicht glaube, da� es viel hilft, noch folgendes. Manchmal
beruhen Verst�ndnisprobleme auf einer bewu�ten Entscheidung, etwas nicht
sehen zu _wollen_. So wie der Fraktionssprecher der Bonner Gr�nen,
Peter Finger nicht sehen und nicht h�ren wollte, was mir an dem hier
gezeigten Radweg
<
http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/suchbild.html>
<
http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/ansichten.htm>
nicht gef�llt. Er hatte mich damals angerufen und sich zun�chst
freundlich erkundigt, was denn meine W�nsche seien,
dann aber erst Unwillen und dann Unverst�ndnis ge�u�ert, als ich eine
Aufhebung der neu geschaffenen Benutzungspflicht dieses zu einem Radweg
umetikettierten Gehwegs vorschlug.
Als das Gespr�ch darauhin stockte, schlug ich vor, doch einfach einen
praktischen Versuch zu machen. "Wir setzen uns beide auf unser Fahrrad
und fahren die Strecke ab, 2.5 km vom Botanischen Garten bis zur
Adenaueralle, 2.5 km zur�ck. Sie auf dem Radweg, ich auf der Fahrbahn,
die Vorfahrtsregeln und rote Ampeln sind zu beachten. Das wiederholen
wir zwei oder drei mal. Wer zuerst heil ankommt, hat seinen Punkt
gemacht".
Danach war das Gespr�ch schnell zu Ende, auf den Vorschlag ist er gar
nicht eingegangen, Herr Finger hat sp�ter nie wieder mit mir gesprochen,
er hat das Ansinnen, seinen verkehrspolitischen Glauben experimentell zu
�berpr�fen, offenbar sehr �bel genommen.
>Meinst Du, diese Spur sei zu
>schmal?
Nein. Ich meine nicht, da� die typische, vors�tzliche
Unterdimensionierung von Radstreifen ihr wesentliches Problem
darstellte. Es ist ein zus�tzliches �rgernis.
Hier sind noch ein paar Illustrationen weiterer Probleme.
<
http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rwbilder/scradstreifen.htm>
<
http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rwbilder/radstreifen5/ks1.slideshow.html>
Alles zwar schon recht abgehangen, aber immer noch aktuell. Will hei�en,
die Probleme haben eher noch zugenommen, mehr Verkehr, mehr Tiefgaragen,
mehr Einfahrten, mehr schwerere Fahrzeuge, weniger Geld f�r
Ausbesserungen, infolgedessen mehr kaputte Stra�enr�nder, die nicht
geflickt, sondern als "Schutzstreifen" abmarkiert werden, der blanke
Hohn.
>Ich m�sste mal nachmessen, wie breit die per Streifen f�r
>Fahrr�der reservierte Spur tats�chlich ist, aber "knapp ein Meter" kommt
>mir jetzt untertrieben vor.
"F�r Fahrr�der reserviert" ist meist auch gelogen.
Oft implizit, manchmal auch explizit, siehe z.B.
<
http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rwbilder/radstreifen5/08b_2.html>. Da
wird explizit der Ladeverkehr auf einem benutzungspflichtig
ausgeschilderten Radstreifen erlaubt.
Abgesehen davon: F�hrst Du einen Zweit�rer? Dann sch�tz doch mal, wie
weit dessen Fahrert�r aufgeht. Und dann mi� nach.
>
>Aber man k�nnte nat�rlich die Argumentation auch umkehren und sagen, die
>f�r Autofahrer und Motorradfahrer reservierten (bzw. in dem Falle
>�brigbleibenden) Fahrspuren seien zu schmal, als dass sie diesen bei den
>von ihnen gewohnheitsm��ig gefahrenen Geschwindigkeiten folgen k�nnten.
Nat�rlich. Man k�nnte auch sagen, da� Ghettos nur dem Schutze ihrer
Insassen dienen. Tats�chlich hat man das sogar gesagt.
Aber mal ernsthaft. Deiner verqueren Argumentation folgend k�nnte man
auch auf die Idee kommen, die schmalen, weitgehend ungesch�tzen Pkw auf
die Seitenstreifen der Autobahnen zu verbannen, damit die viel st�rker
motorisierten und viel massiveren und gr��eren Trucks auf ihren
Fahrspuren freie Bahn haben. Die "gewohnheitsm��igen"
Geschwindigkeiten w�rden sich dann schon ganz von selber einstellen. :-}
Bez�glich des Geschwindigkeitsaspekts stimme ich Dir aber grunds�tzlich
zu. Fahrzeuge, die schnell gefahren werden, geh�ren auf die Fahrbahn
und sollten dort nach den f�r alle geltenden "best practices" bewegt
werden, wozu auch das Einhalten von Sicherheitsabst�nden zum
Fahrbahnrand geh�rt.
>
>Im �brigen, man mag es nicht glauben, gibt es tats�chlich auch behelmte
>und bedresste Radler, die vorhandene Radwege nutzen, ohne deshalb
>st�ndig in den Graben zu st�rzen.
Genau so wie es barh�uptige Vollbarttr�ger in Jesuslatschen gibt, die es
schaffen, sich auf freier Landstra�e mit dem Kabrio zu �berschlagen und
sich dabei - auch - den Sch�del einzuschlagen. Your point?
>Aber wahrscheinlich haben die ein
>Spezialtraining hinter sich - gibt es dann einen Radwegef�hrerschein???
Ein Erlebnis, das man in solchen Diskussionen sehr h�ufig hat: da
versucht einer im polemischen �berschwang eine ausgesuchte Albernheit zu
produzieren und findet, wie das sprichw�rtliche Huhn, ein K�rnchen
Weisheit.
Sagt Dir der Begriff "kognitive Dissonanz" etwas?
Schon mal dar�ber nachgedacht, da� es nicht so recht zusammenpassen
will, da� diese so sicheren Radwege einerseits als Schutz und
Laufst�llchen f�r die Jungen, die Alten, die Langsamen, Schwachen und
Unbeholfenden angepriesen werden, sich dann, wenn auf ihre vielf�ltigen
Gefahrstellen, Erschwernisse und und Fallen hingewiesen wird, aber um
180 Grad gedreht und gen�lt wird, man k�nne bittsch�n doch als Radfahrer
auch mal vorausschauend fahren, aufpassen, zur�ckstecken, einen siebten
Sinn entwickeln...? Sorry, man kann nicht beides haben.
Da� Freizeit- und Sch�nwetterfahrer in vollem Ornat den Hindernisparcour
entweder als sportliche Herausforderung ansehen, dem sich sich aber
aufgrund ihres Trainings gewachsen f�hlen, da� sie Risiken einer
bez�glich Zeitpunkt und Route selbst gew�hlten Strecke anders bewerten
als der Pendler, der tagein tagaus eine Zwangsstrecke schnell bew�ltigen
mu�, sollte einen kaum verwundern. Aus Deiner obigen Latrinenparole
kommt doch vornehmlich Eines zum Vorschein, die starkt gef�rbte
Einsch�tzung eines Fahrzeugs als Verkehrsmittel, je nachdem ob es
motorisiert ist oder nicht. Und um gleich dem n�chsten Klospruch
vorzubeugen, Fahrr�der werden entgegen einem popul�ren Aberglauben nicht
h�ufiger f�r Freizeitfahrten, Sport oder "Sports" eingesetzt als
motorisierte Fahrzeuge. Wenn man �berhaupt differenzieren m�chte (ich
habe damit nicht angefangen), geh�ren vornehmlich die gr��eren
Motorr�der fast ausschlie�lich in die Kategorie "Spielzeug".
>
>> Der in die neu gemalten Dreckecken geschleuderte und
>> dort liegenbleibende Sand und Dreck tut ein �briges. Und last but not
>> least, man bekommt f�r diese Art der Radverkehrsbehinderung problemlos
>> die Unterst�tzung des ADFC.
>
>Markierte Radwege oder -Spuren sind eine Radverkehrsbehinderung?
Sie bieten gef�hlte Sicherheit auf Kosten der tats�chlichen Sicherheit.
Ob man das als eine Behinderung ansieht, ist eine Frage der pers�nlichen
Wertma�st�be und Verhaltensweisen. Man kann sie aber auch als gef�hlte
Beschleunigung des motorisierten Verkehrs (ich paraphrasiere Deine
"umgekehrte" Argumentation von oben) ansehen, auf Kosten des
tats�chlichen Durchsatzes, da Separierung Platz braucht, der dann fehlt.
Bleibt noch die dritte M�glicheit, aus den Augen, aus dem Sinn resp.
"Augen zu und durch". Dabei kommt aber zwangsl�ufig hin und wieder
jemand unter die R�der. "Radwege bauen hei�t Fallen stellen" ist ein
Sinnspruch, den ich nur unterstreichen kann.
"Falle" �brigens nicht nur f�r Radfahrer. So manchen Lkwfahrern, die
beim Rechtsabbiegen �ber den bevorrechtigten Radweg eine Radfahrerin
get�tet haben, weil das unvermeidlich war, nehme ich ihre Ersch�tterung
durchaus ab. Auch wenn sie formal und praktisch die Schuldigen sind -
die eigentlichen T�ter sitzen anderswo.
>Aha,
>das wu�te ich allerdings noch nicht, danke f�r den Hinweis, auch wenn
>das hier eigentlich immer noch oder wieder die falsche NG ist.
Dann ist es ja sch�n, da� Du, wie von mir durch den entsprechenden
Header angeregt, in der Newsgroup de.rec.fahrrad geantwortet hast. :-}
*) Fotothema: m.E. sind Fahrr�der und Verkehrssituationen aus
Radfahrerperspektive ausgesprochen schwer in Szene zu setzen.