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Seriös-modernes Tourenrad gesucht

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Hannes Kuhnert

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Apr 22, 2019, 12:12:51 PM4/22/19
to
Gesucht wird ein Fahrrad, geeignet für entspannte Tagestouren vorwiegend auf
befestigten Wegen, das nennenswert unter 1000 Euro kostet.


Es soll ein gekapseltes Getriebe haben. Das läuft zusammen mit der
Preisvorstellung auf eine Planetengetriebe-Nabenschaltung hinaus. Die 8-Gang
von Shimano ist da schon okay, die hat wenigstens den Übersetzungsumfang der
vom Markt verschwundenen Sram S7 – für diese Anwendung ausreichend.

Die Gabel soll starr sein.

Ein tiefer Durchstieg ist nicht gewünscht – besser den Steifigkeits- oder
Gewichtsvorteil bspw. eines Diamantrahmens nutzen! Es läuft dann auf eine
Rahmenhöhe zwischen 55 cm und 60 cm hinaus. Traditionell wird sowas vor
allem mit 28″-Rädern gebaut. Ein 26″-Konzept wäre aber auch eine Betrachtung
wert.


Eine Nabendynamo-Beleuchtungsanlage wird benötigt.

Scheibenbremsen bringen Pluspunkte. Perfekt integrierte hydraulische
Felgenbremsen können in der subjektiven Wertung eventuell mithalten.

Vorteilhaft sind Gewinde für einen Lowrider.

Wünschenswert ist auch ein frei in der Höhe verstellbarer Lenker, wie bei
klassisch innen im Gabelrohr geklemmtem Vorbau.

Ein geschlossener Antrieb wäre schön – und dürfte sich mit Kette
vergleichsweise leicht durch Nachrüstung erzielen lassen.

Bei den Anbauteilen wird schwarz gegenüber silber bevorzugt.


Beispielhaft zwei Fahrräder, die schon recht interessant sind, bei denen aber
jeweils Abstriche gemacht werden müssten:

Carver Lyfe 110 N08
<http://fahrrad-xxl.de/carver-lyfe-110-n08-x0034633>

Fahrradmanufaktur T-100
<http://fahrrad.de/vsf-fahrradmanufaktur-t-100-diamant-nexus-8-gang-fl-M476024.html>


Fällt jemand noch ein ganz gut zu zu obigen Kriterien passendes Modell ein?
--
Hannes Kuhnert

Rolf Mantel

unread,
Apr 23, 2019, 4:46:53 AM4/23/19
to
Am 22.04.2019 um 18:12 schrieb Hannes Kuhnert:
> Gesucht wird ein Fahrrad, geeignet für entspannte Tagestouren vorwiegend auf
> befestigten Wegen, das nennenswert unter 1000 Euro kostet.
>
> Scheibenbremsen bringen Pluspunkte. Perfekt integrierte hydraulische
> Felgenbremsen können in der subjektiven Wertung eventuell mithalten.

Dies hier ist unpassend: in der Preisklasse unter € 1000.- solltest du
so weit wie möglich von Scheibenbremsen fernbleiben. Eine Billigschott
Scheibenbremse ist deutlich schlechter (und schwerer) als eine gute
Felgenbremse für ein paar Euro. Wenn du unbedingt eine Scheibenbremse
willst, solltest du den Preisrahmen deutlich erhöhen, um eine *gute*
Scheibenbremse kaufen zu können, und das ist für deinen Zweck vermutlich
nicht zielführend.

Schon deshalb würde ich zwischen den beiden Angeboten das T100
empfehlen; Fahrradmanufaktur hat zusätzlich einen ziemlich guten Ruf für
"no-nonsense" Fahrräder. Die Magura HS11 als Bremse kann ich auch aus
eigener Erfahrung voll und ganz empfehlen; mein letztes Liegerad (2001
gekauft, knapp 15 Jahre gefahren) hatte so eine (das jetzige hat eine
Scheibenbremse, die deutlich teurer war).

Rolf

Anton Ertl

unread,
Apr 23, 2019, 6:13:17 AM4/23/19
to
Rolf Mantel <ne...@hartig-mantel.de> writes:
>Am 22.04.2019 um 18:12 schrieb Hannes Kuhnert:
>> Scheibenbremsen bringen Pluspunkte. Perfekt integrierte hydraulische
>> Felgenbremsen können in der subjektiven Wertung eventuell mithalten.
>
>Dies hier ist unpassend: in der Preisklasse unter € 1000.- solltest du
>so weit wie möglich von Scheibenbremsen fernbleiben. Eine Billigschott
>Scheibenbremse ist deutlich schlechter (und schwerer) als eine gute
>Felgenbremse für ein paar Euro.

Dass eine Schrottbremse deutlich schlechter ist als eine gute, ist
eine Tautologie. Aber "gute Felgenbremse" ein Oxymoron.

Jedenfalls bin ich mit der Shimano BR-M315 (moeglicherweise inzwischen
von BR-M365 abgeloest) bisher zufrieden, was ich ueber keine einzige
Felgenbremse, die ich probiert habe (und ich habe viele probiert,
inkl. der von manchen hochgelobten Hydraulik-Felgenbremsen), sagen
kann. Mit der mechanischen Avid BB7-R (die mit normalen
Rennradbremshebeln bedienbar ist) bin ich seit 12 Jahren im Alltag
unterwegs und zufrieden. Beide sind nicht besonders teuer.

Dass Scheibenbremsen schwerer sind als Felgenbremsen, mag sein. "Gar
keine Bremsen" sind noch leichter, und bremsen in manchen Faellen kaum
schlechter als Felgenbremsen.

>Wenn du unbedingt eine Scheibenbremse
>willst, solltest du den Preisrahmen deutlich erhöhen, um eine *gute*
>Scheibenbremse kaufen zu können, und das ist für deinen Zweck vermutlich
>nicht zielführend.

Ich bin mir sicher, dass die BR-M315 billiger ist als die Magura
Louise, trotzdem ist sie nach meinen bisherigen Erfahrungen besser.

Worauf beruht Deine Einschaetzung?

- anton
--
de.rec.fahrrad FAQ: http://0x1a.de/rec/fahrrad/
Radfahrer sollten vor oder hinter fahrenden Kfz fahren und nicht daneben.
Ist der Radverkehr erst separiert, diskriminiert man ihn voellig ungeniert.

Anton Ertl

unread,
Apr 23, 2019, 10:22:30 AM4/23/19
to
an...@mips.complang.tuwien.ac.at (Anton Ertl) writes:
>Rolf Mantel <ne...@hartig-mantel.de> writes:
[...]
>Jedenfalls bin ich mit der Shimano BR-M315 (moeglicherweise inzwischen
>von BR-M365 abgeloest)
...
>>Wenn du unbedingt eine Scheibenbremse
>>willst, solltest du den Preisrahmen deutlich erhöhen, um eine *gute*
>>Scheibenbremse kaufen zu können, und das ist für deinen Zweck vermutlich
>>nicht zielführend.
>
>Ich bin mir sicher, dass die BR-M315 billiger ist als die Magura
>Louise, trotzdem ist sie nach meinen bisherigen Erfahrungen besser.
>
>Worauf beruht Deine Einschaetzung?

Ich wollte dann noch ein bisschen naeher ueber die Nachfolge von der
M315 recherchieren und bin dabei auf
<https://forum.cyclinguk.org/viewtopic.php?t=123023> gestossen, was
recht gut erklaert, was man bei Shimano fuer mehr Geld bekommt.

Was man dabei noch ergaenzen kann, ist dass man auch gesinterte
Belaege von Drittherstellern verwenden kann, wobei die meisten
Scheiben von Shimano nicht dafuer geeignet sind. Ich verwende mit der
BR-M315 die Koolstop KS-D620S und als Scheibe vermutlich die Magura
Storm, und bin damit zufriedener als mit den organischen
Original-Shimano-Belaegen auf der selben Scheibe
<2018Oct...@mips.complang.tuwien.ac.at>.

Ralph Aichinger

unread,
Apr 23, 2019, 10:26:10 AM4/23/19
to
Anton Ertl <an...@mips.complang.tuwien.ac.at> wrote:
> Was man dabei noch ergaenzen kann, ist dass man auch gesinterte
> Belaege von Drittherstellern verwenden kann, wobei die meisten
> Scheiben von Shimano nicht dafuer geeignet sind. Ich verwende mit der

Was passiert, wenn man das kombiniert? Werden die Scheiben schneller
hin, oder ist die Bremswirkung weg?

/ralph
--
-----------------------------------------------------------------------------
https://aisg.at
ausserirdische sind gesund

Sepp Ruf

unread,
Apr 23, 2019, 12:03:22 PM4/23/19
to
Am 22.04.2019 um 18:12 schrieb Hannes Kuhnert:
> Gesucht wird ein Fahrrad, geeignet für entspannte Tagestouren vorwiegend auf
> befestigten Wegen, das nennenswert unter 1000 Euro kostet.

1999er FRZ oder 2019er?

Schlecht, dass du offenbar dein Sparschwein mit Wechselgeldcents statt den
Euros gefuettert hast

Gut, dass du nichts gegen Gebrauchtware einzuwenden hast.
Ich behaupte mal, du bekaemst zum MwSt.-Anteil + ein (oder zwei...)
Wochenende Schrauben bessere Garagenaufraeumware aus den 90ern am
Gebrauchtmarkt.

Aber wer sich ein Rad kaufen will, bei der ausser Rohloff-Ersatz,
HS33-Ersatz und SON-Ersatz auch noch sonst fast alles andere nie bei einem
eigenen Wunschaufbau zum Zuge kommen wuerde, welchen er auch mit
2-Radlermass-Dauerpegel sauberer aufbauen wuerde, soll ruhig einem angeblich
"gutem Ruf" vertrauen statt z.B. dem poesen.

> Fällt jemand noch ein ganz gut zu zu obigen Kriterien passendes Modell ein?

Ja, landen nett konfiguriert alle ueber 1000 FRZ, z.B.
...
ach, ich sehe gerade, du hast zu viel Zeit und streitest lieber um
irgendwelche Emofa-Wendekreise. Dann such doch besser selbst!

Ralph Aichinger

unread,
Apr 23, 2019, 2:47:06 PM4/23/19
to
Sepp Ruf <inq...@safe-mail.net> wrote:
> Ich behaupte mal, du bekaemst zum MwSt.-Anteil + ein (oder zwei...)
> Wochenende Schrauben bessere Garagenaufraeumware aus den 90ern am
> Gebrauchtmarkt.

Das bezweifle ich erhlichgesagt, wenn du mit deiner Formulierung
ca. 200 Euro meinst.

Nur als Beispiel: Mein derzeitiges Lieblingsrad hat mich im Rohzustand
ungefähr 170 gekostet. Gut, ich hätte etwas länger suchen können,
aber ich wollte genau den relativ seltenen Typ in genau der Rahmenhöhe.

Aber: Neues Vorderrad für Nabendynamo irgendwo um die 100 oder 120 Euro,
weil ich einen etwas besseren Shimano wollte. Scheinwerfer 50 oder so,
Rücklicht 30?

Lenker 50 oder 70 (weiß nicht mehr, Nitto), Vorbau auch 40,- glaub ich.
Bremshebel 40?, eine Bremse vorne (alte war verbogen) auch noch mal 25,-,
Reifen 50, Schläuche 10?

Barends haben glaub ich 80 gekostet (Ultegra).

Züge, Kleinteile 10-20 Euro, Klingel 15.

Neuer Brooks B17 auch noch mal 80 oder 100, Satteltasche 40.

Vermutlich war ich in Summe knapp unter 500. Nein, ich bereue keinen Cent,
das Rad fährt sich traumhaft und ist genau was ich will.

> Aber wer sich ein Rad kaufen will, bei der ausser Rohloff-Ersatz,
> HS33-Ersatz und SON-Ersatz auch noch sonst fast alles andere nie bei einem
> eigenen Wunschaufbau zum Zuge kommen wuerde, welchen er auch mit
> 2-Radlermass-Dauerpegel sauberer aufbauen wuerde, soll ruhig einem angeblich
> "gutem Ruf" vertrauen statt z.B. dem poesen.

Es kommt drauf an, welche Vorstellungen man hat. Es gibt Teile da bin ich
weniger bereit Kompromisse zu machen (Sattel, Lenker), bei anderen ist es
mir fast egal, solange es funktioniert (Sattelstütze, Umwerfer).

> Ja, landen nett konfiguriert alle ueber 1000 FRZ, z.B.

Bei einem Gebrauchtrad-Neuaufbau selbst ohne neue Lackierung bist du aber
auch schnell mal bei 500, wenn du auch nur ein paar teurere Teile tauschst.
Und hast dann ein 20 oder 30 Jahre altes Rad, das auch nicht mehr neu aussieht.
Und arbeitest ein paar Nachmittage.

Bernhard Kraft

unread,
Apr 24, 2019, 3:31:17 AM4/24/19
to
Am Dienstag, 23. April 2019 18:03:22 UTC+2 schrieb Sepp Ruf:
> ...
> ach, ich sehe gerade, du hast zu viel Zeit und streitest lieber um
> irgendwelche Emofa-Wendekreise. Dann such doch besser selbst

Keep cool

Das "Forum" drf entwickelt sich halt weiter. Vor wenigen Jahren war es nur
das Verlautbarungsorgan der Helm- und Radweggegner. Dann wurde es zur
offiziellen Meldestelle von tödlichen Radunfällen und jetzt ist es auch noch Beratungsstelle für Schnäppchenjäger und Hilfeportal beim Umstieg auf
Motorfahrzeuge. Der Gipfel ist natürlich, dass sogar Google-Groups Schreiber
gelesen werden.

Bodo G. Meier

unread,
Apr 24, 2019, 3:56:15 AM4/24/19
to
LOL! :-D)

SCNR
Bodo

Sepp Ruf

unread,
Apr 24, 2019, 6:04:18 AM4/24/19
to
Am 23.04.2019 schrieb Ralph Aichinger:
> Sepp Ruf wrote:
>> Ich behaupte mal, du bekaemst zum MwSt.-Anteil + ein (oder zwei...)
>> Wochenende Schrauben bessere Garagenaufraeumware aus den 90ern am
>> Gebrauchtmarkt.
>
> Das bezweifle ich erhlichgesagt, wenn du mit deiner Formulierung
> ca. 200 Euro meinst.
>
> Nur als Beispiel: Mein derzeitiges Lieblingsrad hat mich im Rohzustand
> ungefähr 170 gekostet. Gut, ich hätte etwas länger suchen können,
> aber ich wollte genau den relativ seltenen Typ in genau der Rahmenhöhe.
>
> Aber: Neues Vorderrad für Nabendynamo irgendwo um die 100 oder 120 Euro,
> weil ich einen etwas besseren Shimano wollte. Scheinwerfer 50 oder so,
> Rücklicht 30?
>
> Lenker 50 oder 70 (weiß nicht mehr, Nitto), Vorbau auch 40,- glaub ich.
> Bremshebel 40?, eine Bremse vorne (alte war verbogen) auch noch mal 25,-,
> Reifen 50, Schläuche 10?
>
> Barends haben glaub ich 80 gekostet (Ultegra).
>
> Züge, Kleinteile 10-20 Euro, Klingel 15.
>
> Neuer Brooks B17 auch noch mal 80 oder 100, Satteltasche 40.
>
> Vermutlich war ich in Summe knapp unter 500. Nein, ich bereue keinen Cent,
> das Rad fährt sich traumhaft und ist genau was ich will.

Perfekt! Und wenn es dann ein paar Jahre kaum Wartung braucht, weil
ordentlich_gemacht, relativiert sich Preis noch mehr. Bei einem a2019
doppelt so teuren alles-dran-Neurad aergert mich schon aus 50 Metern die
Optik, es faehrt auch nicht traumhaft, und zudem ist es nicht mal klausicher.

Neueste eroicareife Rettungsaktion von _donalphonso, dem Stammkunden bei
"Abfallwirtschaft & Caritas Tegernsee":

Mit angezuendetem Lenkerband(!?!) vom Schrott gerettet, 50 Euro
investiert... - nur metallurgische Weicheier naehmen vorsichtshalber einen
neuen Lenker...
<https://pbs.twimg.com/media/D4mSXaGW0AE_iNE.jpg>

Oder ein Klein Navigator von 1998 ... wobei ein gutsortierter Fundus hilft:
<https://mobile.twitter.com/_donalphonso/status/1119253020674613249/photo/1>
"Die Schaltbremshebel sind das einzige, was nicht vom Schrott kommt: Der
Rahmen lag mit Kurbel in einem Container, Schaltwerke und Laufräder sind aus
Unfallrädern, Lenker und Vorbau aus dem Mülleimer, der Sattel aus einer
Tasche voller abgegebener Sättel... "

In semesterticketfreien Unistaedten, mit unkontrolliertem taeglichem
Recycling-Sprinterverkehr nach Osten oder in abgebluehten
Mifa-Klapprad-Landstrichen natuerlich schwieriger, sowas alles legal
aufzuklauben. Insofern
Alphonso-/Aussersdorfer-Hochmietenstandortkollateralvorteil.

>> Aber wer sich ein Rad kaufen will, bei der ausser Rohloff-Ersatz,
>> HS33-Ersatz und SON-Ersatz auch noch sonst fast alles andere nie bei einem
>> eigenen Wunschaufbau zum Zuge kommen wuerde, welchen er auch mit
>> 2-Radlermass-Dauerpegel sauberer aufbauen wuerde, soll ruhig einem angeblich
>> "gutem Ruf" vertrauen statt z.B. dem poesen.
>
> Es kommt drauf an, welche Vorstellungen man hat. Es gibt Teile da bin ich
> weniger bereit Kompromisse zu machen (Sattel, Lenker), bei anderen ist es
> mir fast egal, solange es funktioniert (Sattelstütze, Umwerfer).

Klar. Aber schau dir die
drittklassigkomplett-nexusmaguranadyaxasks-Neugurken u1000 genau an, was da
alles weg "muss", damit will man teilweise nicht mal seine
Gebrauchtersatzteile-Kiste belasten.

>> Ja, landen nett konfiguriert alle ueber 1000 FRZ, z.B.
>
> Bei einem Gebrauchtrad-Neuaufbau selbst ohne neue Lackierung bist du aber
> auch schnell mal bei 500, wenn du auch nur ein paar teurere Teile tauschst.
> Und hast dann ein 20 oder 30 Jahre altes Rad, das auch nicht mehr neu aussieht.
> Und arbeitest ein paar Nachmittage.

... und sparst aufwendiges Boruttisieren.

Wolfgang Strobl

unread,
Apr 29, 2019, 1:53:16 PM4/29/19
to
Am Tue, 23 Apr 2019 09:30:15 GMT schrieb
an...@mips.complang.tuwien.ac.at (Anton Ertl):

>Rolf Mantel <ne...@hartig-mantel.de> writes:
>>Am 22.04.2019 um 18:12 schrieb Hannes Kuhnert:
>>> Scheibenbremsen bringen Pluspunkte. Perfekt integrierte hydraulische
>>> Felgenbremsen können in der subjektiven Wertung eventuell mithalten.
>>
>>Dies hier ist unpassend: in der Preisklasse unter € 1000.- solltest du
>>so weit wie möglich von Scheibenbremsen fernbleiben. Eine Billigschott
>>Scheibenbremse ist deutlich schlechter (und schwerer) als eine gute
>>Felgenbremse für ein paar Euro.
>
>Dass eine Schrottbremse deutlich schlechter ist als eine gute, ist
>eine Tautologie. Aber "gute Felgenbremse" ein Oxymoron.

In diesem Punkt neige ich aus eigenere Erfahrung eher zu der Ansicht von
Rolf Mantel als zu Deiner. Die Information, daß Scheibenbremsen im
unteren Preissegment oft die Bezeichnung "Schrott" verdienen, während es
für vergleichbares Geld durchaus gute Felgenbremsen gibt, ist keine
Tautologie.

Sowohl bei der Fahrt zur Arbeit als auch bei Privatfahrten waren bei der
Technik der Fahrräder "billige Felgenbremsen" das Geringste meiner
Probleme. Sondern z.B. Pfusch beim montierenden Fahrradhändler.

>
>Jedenfalls bin ich mit der Shimano BR-M315 (moeglicherweise inzwischen
>von BR-M365 abgeloest) bisher zufrieden, was ich ueber keine einzige
>Felgenbremse, die ich probiert habe (und ich habe viele probiert,
>inkl. der von manchen hochgelobten Hydraulik-Felgenbremsen), sagen
>kann. Mit der mechanischen Avid BB7-R (die mit normalen
>Rennradbremshebeln bedienbar ist) bin ich seit 12 Jahren im Alltag
>unterwegs und zufrieden. Beide sind nicht besonders teuer.

Mag sein. Die V-Brake vorne, welche schließlich die gelegentlich am
Kolben klemmende und dann schleifende hydraulische Magura ersetzte, war
auch nicht besonders teuer, der Bremskörper kostete Anfang 2010 19 EUR
und hat weniger Ärger gemacht als die anfängliche
Deore-Cantilever-Bremse und der spätere HS33-Bremskörper. Und das liegt
nicht daran, daß ich meine Vorderradbremsen zaghaft zu benutzen pflegte.

Jedenfalls habe ich in Jahrzehnten der Fahrt zur Arbeit, mit dem Rennrad
im Sommer und einem als Randonneur aufgebauten Reiserad im Winter nicht
den dringenden Wunsch verspürt, Felgenbremsen durch Scheibenbremsen zu
ersetzen. Bei Urlaub-, Freizeit- und Besorgungsfahrten auch nicht.

In allen Fällen war die Einfachheit des Prinzips, Reduktion der Bremse
auf ein für sich ebenfalls austauschbares Element - Bremskörper - und
die damit einhergehende einfache Austauschbarkeit der Laufräder wichtig
und wurde auch genutzt. Am Winterrad habe ich nacheinander drei
verschiedene Bremskörper verwendet und unabhängig davon die Laufräder
zwischen Sommerslicks und Winterreifen gewechselt. Kurz vor einer
längeren Tour war am Rennrad meiner Frau mal das Vorderradlager hin -
kein Problem, es stand noch ein Ersatz-Laufrad rum, das ich bei irgend
einer früheren Reparatur übrigbehalten bzw. wieder aufgebaut hatte,
genau für solche Zwecke.

Wie dergleichen fahrrad- und personenübergreifend auf derart einfache
Weise mit Scheibenbremsen funktionieren soll, kann ich mir nicht
vorstellen. Laufräder kann man recht problemlos sogar zwischen
Cantilever, Magura, V-Brake Single- und Dual-Pivot, also ziemlich
unterschiedlichen Konstruktionen wechseln. Bei Scheibenbremsen bin ich
mir nicht mal sicher, ob man von Rad zu Rad zwischen vom Typ her
identischen Bremsen werkzeugfrei wechseln kann.

Nassbremsverhalten schön und gut, das sehe ich ein, auch wenn ich
argwöhne, daß die Verbesserung durch größeren Anpressdruck und damit
kleinere Toleranzen nicht für lau kommt. Ich für meinen Teil habe es
vorgezogen, das Regenradar zu beobachten und Felge trockenbremsen zu
üben und würde für unvermeidliche Fahrten bei strömenden Regen eine
tatsächlich wetterunempfindliche Bremse bevorzugen, also z.B. eine
Trommelbremse. Was ich am Rennrad, das ich aus div. Gründen nur noch
bei Trockenheit fahre, von einer Scheibenbremse statt der Ultegra 6700
hätte, erschließt sich mir nicht.

Der OP schrieb was von "entspannten Tagestouren". Das klingt auch nicht
gerade nach vielen Vollbremsungen bei Regenfahrten. YMMV

Interessieren würden _spezifische_ Situationen, in denen eine
Scheibenbremse am Fahrrad einer gleich teuren Felgenbremse vorzuziehen
wäre, nebst einer technischen Erklärung, warum. Das würde nicht nur dem
OP erlauben, Nutzen aus der Diskussion zu ziehen.

Was man ans Fahrrad dranbaut, ist immer ein Balanceakt, man muß abwägen,
da geht es meist nicht um gut oder schlecht, sondern darum, was man an
anderer Stelle aufgeben muß, wenn's besser als "gut genug" sein soll.

--
Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen

Bernhard Kraft

unread,
Apr 29, 2019, 4:10:16 PM4/29/19
to
Am 29.04.2019 um 19:52 schrieb Wolfgang Strobl:
>
> Interessieren würden _spezifische_ Situationen, in denen eine
> Scheibenbremse am Fahrrad einer gleich teuren Felgenbremse vorzuziehen
> wäre, nebst einer technischen Erklärung, warum. Das würde nicht nur dem
> OP erlauben, Nutzen aus der Diskussion zu ziehen.
>

Die spezifische Situation ist doch klar: Fahrradweg. Da hüpfen Kinder
und Hunde herum, also fährt man entspannter, wenn man eine Bremse hat,
die einen sofort zum stehen bringt, wenn man mit angemessener
Geschwindigkeit von so ca. 15km/h fährt.

Ich verstehe ja deine Argumentation. Sie ist aber auch so ein bisschen
im Stil der alten Männer, die von den alten Zeiten erzählen: "Wir hatten
ja nix und es ging trotzdem!"

Wir leben aber in einer Zeit, wo viele der heute Erwachsenen ihre
Kindheit auf der Rücksitzbank verbracht haben. Vati hatte vorne ein
Pedal. Wenn man da drauf trat, blieb das Auto stehen. Das war in meiner
Kindheit noch anders. Da gab es noch den VW-Käfer. Da war Bremsen noch
ein kleines Abenteuer.

Den selben Komfort wünscht sich der Radfahrer von heute deswegen auch
für das Fahrrad. Er will mit 15km/h auf dem Radweg genauso entspannt
fahren wie mit 50km/h mit dem Auto durch die Stadt.

Jetzt kann man natürlich einwenden, dass beides nicht entspannend ist,
aber das sieht die Mehrheit wohl anders, sonst wären die Straßen der
Städte nicht voll mit Blech.

Dann zur Frage, warum man nicht eine gleich teure Felgenbremse nehmen
sollte: Die Antwort gibt die Massenproduktion. Die Scheibenbremse wird
sich durchsetzen und über kurz oder lang ein besseres
Preis/Leistungsverhältnis bringen. Beim MTB hat man ja jetzt schon gar
nicht mehr die Wahl.

Eine technische Erklärung ist das leider nicht.



Ewald Pfau

unread,
Apr 29, 2019, 5:31:31 PM4/29/19
to
Bernhard Kraft <bernha...@web.de>:

> also fährt man entspannter, wenn man eine Bremse hat,
> die einen sofort zum stehen bringt, wenn man mit angemessener
> Geschwindigkeit von so ca. 15km/h fährt.

Und was hat das nun mit Scheiben- vs Felgen-usw. zu tun?
Die Geschichte mit den 15 km/h für's Fahrrad sind für Märchenonkel.

Bittesehr: Das Vehikel hat keine typische Geschwindigkeit, das ist wieder
Motoren- und Lenkrad-Perspektive. dem Vehikel ein Pi-mal-Daumen-Tempo für
alle Lebenslagen unterstellen zu wollen. Real sind gegen das Wasser (oder
den Wind) eher mit 10 km/h oder noch weniger, mit dem Wasser (oder in der
gemeinsam bewegten Luftglocke im Pulk) 30 km/h und mehr.

Das vornweg. Nun, dass es mich immer noch gibt, verdanke ich genau dem
Szenario: Bremsen. Und sofort stehen. Bei verschiedenen Geschwindigkeiten.
Ging es hurtiger, dann war ich mit dem Füßen schon am Boden, weil aus dem
Sattel nach vorn gerutscht, während das Hinterad in die Luft ging. Was
soll's.

Gefährlich sind dann die Märchenonkel, die daherkommen und lamentieren, aber
das geht doch garnicht. Nun, die interessieren mich nicht, von daher lass
ich mich nicht irritieren, und, siehe da, mich gibt es noch, das reicht mir
bis dahin.

Hilfreich ist, wenn man die Bewegungsdynamik noch als Jugendlicher hat
verinnerlichen können, dann bringt man das ohne Hysterie und
reaktionshemmenden Zwischengedanken über die Bühne. Gegen letztere hilft
auch die beste Technik nichts.

Und die direkt zupackende Reaktion ist als wirkende Komponente zumindest im
gleichen Wirkradius wie das Wedeln mit Konsumentenschnickschnack.

..
wenn das Zeug in Ordnung ist, und die technischen Komponenten aufeinander
abgestimmt.

Da musste ich dann plötzlich auch Abstriche lernen, das musst ich dann
lernen, mir die halbwegs sauberen Betriebsbedingungen selber
herbeibuchstabieren, zuvor musste ich die Übersetzung von Schremshebeln auf
Treckingfelgen für einige Jahre als ziemliche Zumutung hinnehmen, was die
schlechte Anpassung anbelangt.

Kompensation hier also mit entsprechend vorausschauender Fahrweise!

Und siehe da, die hysterische Nummer mit den ach! und plötzlich da! und
plötzlich dort!

können sich die Märchenonkels wieder gleich an den eigenen Hut schmieren.

Sie haben die erste Regel nicht kapiert, was beim Fahrrad den wichtigsten
Schutz bietet:

im Rahmen der Risikoabschätzung zu wissen was man tut.

Das auf Technik abzuschieben ist albern. Und dazu noch Gefährdung derer, die
man dazu bringt, an Schrott zu glauben.

Gut, nach und nach hab ich auch die Kombination verbessern können -
hilfreich waren: Mini-V-Brakes statt Übersetzungsrolle, und gleich dazu die
Obenlenkerzusatzgriffe abbauen, sodass der Weg von der Bremsbetätigung zur
Wirkkraft möglichst direkt werde.

Die letzte Nummer, explizit bei Felgenbremsen, wartet noch:

nicht bei den Naben zu sparen! auf dass das seitliche Spiel am Felgenumfang
so knapp wie möglich wird - erst damit lässt sich die Bremse sauber und auf
knackigen Biss einstellen. Wenn da Spiel ist, muss man der Bremse auch mehr
Luft lassen, klar, dann wird irgendwann die Qualität fraglich.

Die Scheibnebremse ist da nicht einfach besser, sondern das Verhalten lässt
sich billiger reproduzieren, schon gar im industriellen Maßstab. Passt dann
besser zum Konsumentendrall in Richtung großkotzige Entfremdung, von nix
eine Ahnung (Propagandaparolen ausgenommen) aber immer alles supermodern.

Nun denn.

Anton Ertl

unread,
Apr 30, 2019, 3:05:10 AM4/30/19
to
Wolfgang Strobl <ne...@mystrobl.de> writes:
>Am Tue, 23 Apr 2019 09:30:15 GMT schrieb
>an...@mips.complang.tuwien.ac.at (Anton Ertl):
>>Dass eine Schrottbremse deutlich schlechter ist als eine gute, ist
>>eine Tautologie. Aber "gute Felgenbremse" ein Oxymoron.
>
>In diesem Punkt neige ich aus eigenere Erfahrung eher zu der Ansicht von
>Rolf Mantel als zu Deiner. Die Information, daß Scheibenbremsen im
>unteren Preissegment oft die Bezeichnung "Schrott" verdienen,

Erzaehle von Deinen Erfahrungen damit.

Meine Erfahrungen sind folgende: Von den drei Scheibenbremsen, die ich
bisher in Verwendung hatte, sind zwei voellig zufriedenstellend,
waehrend die wohl teuerste (Magura Louise) durch schnelles Luftziehen
genervt hat und ich sie deswegen letztlich gegen eine Billigbremse
getauscht habe, die befriedigend funktioniert; aber wenigstens
bemerkte ich das Luftziehen der Louise schon beim Losfahren, waehrend
das Bremsversagen von Felgenbremsen irgendwann kommt. Als Ersatz fuer
die Louise habe ich jetzt das billigste, was es von Shimano gab
(BR-M315; den Nachfolger BR-MT200 gibt's bei
<https://www.bike24.at/p1300029.html> fuer EUR 22 (ohne Scheibe), die
etwas bessere (Alu-Hebel) BR-M365 bei
<https://www.rosebikes.de/shimano-br-m365-vorderrad-scheibenbremse-881970>
um EUR 22.90).

>Sowohl bei der Fahrt zur Arbeit als auch bei Privatfahrten waren bei der
>Technik der Fahrräder "billige Felgenbremsen" das Geringste meiner
>Probleme.

Also bei mir waren Felgenbremsen das groesste Problem, egal ob billig
oder teuer. Wenn es geregnet hat, haben sie alle irgendwann versagt;
oder schlimmer, voellig unberechenbar zugebissen. Das war immer Mist,
und ich habe ueber zehn Jahre lang daran herumgedoktort, und habe die
verschiedenen Schlangenoele ausprobiert, die hier zur Behebung des
Problems beworben wurden (besonders beliebt: "lachsfarbene"
Bremsbelaege). Nichts hat geholfen. Dann bin ich auf Scheibenbremsen
umgestiegen, und seither ist dieses Problem geloest.

>In allen Fällen war die Einfachheit des Prinzips, Reduktion der Bremse
>auf ein für sich ebenfalls austauschbares Element - Bremskörper - und
>die damit einhergehende einfache Austauschbarkeit der Laufräder wichtig
>und wurde auch genutzt. Am Winterrad habe ich nacheinander drei
>verschiedene Bremskörper verwendet und unabhängig davon die Laufräder
>zwischen Sommerslicks und Winterreifen gewechselt. Kurz vor einer
>längeren Tour war am Rennrad meiner Frau mal das Vorderradlager hin -
>kein Problem, es stand noch ein Ersatz-Laufrad rum, das ich bei irgend
>einer früheren Reparatur übrigbehalten bzw. wieder aufgebaut hatte,
>genau für solche Zwecke.

Mir ist einmal kurz vor einer laengeren Tour die von der Felgenbremse
abgenutzte Felge am Reiserad geplatzt. Ich konnte nicht das Laufrad
des Alltagsrades einsetzen, weil das einen groesseren Durchmesser hat.
Zum Glueck hatte mein Fahrradhaendler eine Felge vorraetig (bei
406er-Felgen ist das keine Selbstverstaendlichkeit) und hatte Zeit,
sie einzuspeichen. Zum Glueck ist mir das nicht auf der Tour
passiert. Auch ein Problem, das ich dank Scheibenbremse nicht mehr
habe.

>Wie dergleichen fahrrad- und personenübergreifend auf derart einfache
>Weise mit Scheibenbremsen funktionieren soll, kann ich mir nicht
>vorstellen. Laufräder kann man recht problemlos sogar zwischen
>Cantilever, Magura, V-Brake Single- und Dual-Pivot, also ziemlich
>unterschiedlichen Konstruktionen wechseln. Bei Scheibenbremsen bin ich
>mir nicht mal sicher, ob man von Rad zu Rad zwischen vom Typ her
>identischen Bremsen werkzeugfrei wechseln kann.

Wenn das Dein wichtigstes Kriterium fuer eine Bremse ist ... Bei mir
ist das wichtigste Kriterium, dass sie bremst. Und das tun die
Scheibenbremsen zuverlaessig, die Felgenbremsen nicht zuverlaessig.

Aber um auf Deinen Punkt einzugehen: Theoretisch kommt es nur darauf
an, dass die Scheibe gleich gross ist und gleich liegt (kleine
Abweichungen werden bei hydraulischen Scheibenbremsen durch die
Selbstnachstellung ausgeglichen, bei mechanischen muss man
einstellen). Bei hydraulischen Scheibenbremsen musst Du dabei wohl
noch die Belaege auseinanderdruecken, dazu brauchst Du wohl ein
Werkzeug. Bei mechanischen Scheibenbremsen gibt es welche, die man
werkzeuglos einstellen kann. Und nach dem, was man so liest, muss die
Bremse nach einem Scheibenwechsel wieder eingefahren werden. Ach ja,
die Scheiben muessen zu den Belaegen passen; also am besten ueberall
Scheiben, die mit allen Belaegen koennen, oder ueberall nur organische
Belaege (ich fahre aber mit gesinterten Belaegen
<2016Nov2...@mips.complang.tuwien.ac.at>
<2018Sep...@mips.complang.tuwien.ac.at>
<2018Oct...@mips.complang.tuwien.ac.at>).

Praktisch habe ich keine Erfahrung mit dem Wechsel von Laufraedern mit
Scheibe.

>Nassbremsverhalten schön und gut, das sehe ich ein, auch wenn ich
>argwöhne, daß die Verbesserung durch größeren Anpressdruck und damit
>kleinere Toleranzen nicht für lau kommt. Ich für meinen Teil habe es
>vorgezogen, das Regenradar zu beobachten und Felge trockenbremsen zu
>üben und würde für unvermeidliche Fahrten bei strömenden Regen eine
>tatsächlich wetterunempfindliche Bremse bevorzugen, also z.B. eine
>Trommelbremse.

Dann mach das. Meine Scheibenbremsen haben bisher immer funktioniert,
egal bei welchem Wetter. Bei Trommelbremsen stoert mich, dass die
Selbstverstaerkung Unterschiede im Reibwert verstaerkt und die Bremse
damit schlechter dosierbar ist (wobei meine Erfahrungen mit einer
Hinterradbremse am Motorrad sind; die schlechte Dosierbarkeit kann
auch einfach von der wenig feinfuehligen Fussbetaetigung kommen). Bei
einem Reiserad stoert mich daran auch noch, dass die Trommelbremse
leichter ueberhitzt.

Was den Mythos des Trockenbremsens von Felgenbremsen betrifft, das hat
bei mir nicht wirklich funktioniert: Einmal bin ich bei nicht
besonders starkem Regen ein leichtes Gefaelle mit 60km/h
runtergefahren und wollte die Felgen trockenbremsen (mit einer V-Brake
und einer Magura HS22 mit "lachsfarbenen" Bremsbelaegen); da
hat sich die Bremswirkung einfach nicht verbessert, egal wie lange und
stark ich die Bremsen gezogen habe. Das hoechste aller Gefuehle war
eine Verringerung der Geschwindigkeit auf 50km/h.

Aber ich hab's auch einmal erlebt, dass ich beim Bremsen zu einer
Ampel eine extrem schwache Bremswirkung einer Felgenbremse hatte, und
bei der naechsten Ampel deshalb wieder heftig reingegriffen habe, die
Bremse unerwartet gebissen hat, und ich einen Penninger produziert
habe.

>Was ich am Rennrad, das ich aus div. Gründen nur noch
>bei Trockenheit fahre, von einer Scheibenbremse statt der Ultegra 6700
>hätte, erschließt sich mir nicht.

Fuer Schoenwetterraeder sind Felgenbremsen ausreichend.

>Der OP schrieb was von "entspannten Tagestouren". Das klingt auch nicht
>gerade nach vielen Vollbremsungen bei Regenfahrten. YMMV

Eine reicht. Will man zuhausebleiben, nur weil es moeglicherweise
doch regnen koennte? Oder man faehrt los, es regnet doch, und man
kann nicht bremsen?

>Interessieren würden _spezifische_ Situationen, in denen eine
>Scheibenbremse am Fahrrad einer gleich teuren Felgenbremse vorzuziehen
>wäre, nebst einer technischen Erklärung, warum.

Regen. Weil die Scheibenbremse zuverlaessig bremst, und die
Felgenbremse nicht.

Johann Mayerwieser

unread,
Apr 30, 2019, 4:33:58 AM4/30/19
to
Am Mon, 29 Apr 2019 22:10:12 +0200 schrieb Bernhard Kraft:

>> Interessieren würden _spezifische_ Situationen, in denen eine
>> Scheibenbremse am Fahrrad einer gleich teuren Felgenbremse vorzuziehen
>> wäre, nebst einer technischen Erklärung, warum. Das würde nicht nur
>> dem OP erlauben, Nutzen aus der Diskussion zu ziehen.
>>
>>
> Die spezifische Situation ist doch klar: Fahrradweg. Da hüpfen Kinder
> und Hunde herum, also fährt man entspannter, wenn man eine Bremse hat,
> die einen sofort zum stehen bringt, wenn man mit angemessener
> Geschwindigkeit von so ca. 15km/h fährt.

Wenn mit einer Cantilever das Hinterrad abhebt, kann die Scheibenbremse
nicht besser sein. Der limitierende Faktor beim Bremsen, egal ob beim
Auto oder beim Fahrrad sind die Reifen und die Fahrbahnoberfläche, beim
Fahrrad kommt noch die ungünstige Schwerpunktlage beim Bremsen dazu, den
Arsch nach hinten schieben ist der langsamste Teil bei der Reaktion.

Bernhard Kraft

unread,
Apr 30, 2019, 4:58:33 AM4/30/19
to
Am Dienstag, 30. April 2019 10:33:58 UTC+2 schrieb Johann Mayerwieser:
> Am Mon, 29 Apr 2019 22:10:12 +0200 schrieb Bernhard Kraft:
>
> >> Interessieren würden _spezifische_ Situationen, in denen eine
> >> Scheibenbremse am Fahrrad einer gleich teuren Felgenbremse vorzuziehen
> >> wäre, nebst einer technischen Erklärung, warum. Das würde nicht nur
> >> dem OP erlauben, Nutzen aus der Diskussion zu ziehen.
> >>
> >>
> > Die spezifische Situation ist doch klar: Fahrradweg. Da hüpfen Kinder
> > und Hunde herum, also fährt man entspannter, wenn man eine Bremse hat,
> > die einen sofort zum stehen bringt, wenn man mit angemessener
> > Geschwindigkeit von so ca. 15km/h fährt.
>
> Wenn mit einer Cantilever das Hinterrad abhebt, kann die Scheibenbremse
> nicht besser sein.
Das Abheben kriegt man mit jedem Bremstyp hin. Es macht aber ein Unterschied,
wie lange es dauert, bis das Rad abhebt. Bei der V-Brake bei Nässe z.B
irgendwann und plötzlich.

Ralph Aichinger

unread,
Apr 30, 2019, 5:07:57 AM4/30/19
to
Bernhard Kraft <bernhar...@gmx.de> wrote:
> Das Abheben kriegt man mit jedem Bremstyp hin.

Ich sag nur Shimano Roller Brake im Vorderrad mit "Modulator" ;)

Bernhard Kraft

unread,
Apr 30, 2019, 5:11:03 AM4/30/19
to
Am Montag, 29. April 2019 23:31:31 UTC+2 schrieb Ewald Pfau:
> Bernhard Kraft <bernha...@web.de>:
>
> > also fährt man entspannter, wenn man eine Bremse hat,
> > die einen sofort zum stehen bringt, wenn man mit angemessener
> > Geschwindigkeit von so ca. 15km/h fährt.
>
> Und was hat das nun mit Scheiben- vs Felgen-usw. zu tun?
Das Wort "sofort". Der Unterschied zwischen guter Hydraulik und schlecht
eingestelltem Seilzug Seilzug ist aber größer als zwischen Felgen- und
Scheibenbremse. Scheibenbremsen werden glücklicherweise meistens hydraulisch
verbaut.

Frank Möller

unread,
Apr 30, 2019, 7:48:56 AM4/30/19
to
Wolfgang Strobl schrieb:

> Jedenfalls habe ich in Jahrzehnten der Fahrt zur Arbeit, mit dem Rennrad
> im Sommer und einem als Randonneur aufgebauten Reiserad im Winter nicht
> den dringenden Wunsch verspürt, Felgenbremsen durch Scheibenbremsen zu
> ersetzen. Bei Urlaub-, Freizeit- und Besorgungsfahrten auch nicht.

Wenn's für Dich paßt, paßt's ja. Bei mir war das ganz anders.

> In allen Fällen war die Einfachheit des Prinzips, Reduktion der Bremse
> auf ein für sich ebenfalls austauschbares Element - Bremskörper - und
> die damit einhergehende einfache Austauschbarkeit der Laufräder wichtig
> und wurde auch genutzt. Am Winterrad habe ich nacheinander drei
> verschiedene Bremskörper verwendet und unabhängig davon die Laufräder
> zwischen Sommerslicks und Winterreifen gewechselt.

Irgendwie fehlt mir hier die Erwähnung der Felgenbreite. Ist die nicht
überall identisch, geht's dann auch gleich los mit der Einstellorgie - und
das empfand ich bei allen gefahrenen Felgenbremsen von 70er Jahre
Zangenhebel über Canti und V-Brakes bis HS 33 immer als Strafarbeit.

Dann kommt auch noch dazu, wie weit und mit welcher Art "Schleif-Nut" eine
Felge bereits eingefräst ist.

> Wie dergleichen fahrrad- und personenübergreifend auf derart einfache
> Weise mit Scheibenbremsen funktionieren soll, kann ich mir nicht
> vorstellen. Laufräder kann man recht problemlos sogar zwischen
> Cantilever, Magura, V-Brake Single- und Dual-Pivot, also ziemlich
> unterschiedlichen Konstruktionen wechseln.

Bei unterschiedlicher Felgenbreite nicht.

> Bei Scheibenbremsen bin ich mir nicht mal sicher, ob man von Rad zu Rad
> zwischen vom Typ her identischen Bremsen werkzeugfrei wechseln kann.

Kann man, da die Naben resp. Scheibenbremsaufnahmen genormt sind. Selbst
bei unterschiedlichen Scheiben z. B. für Sommer- oder Winter-Laufradsätze
geht das normalerweise. Z. B. fahre ich im Winter natürlich keine teuren
innenbelüfteten Scheiben, da reichen normale, die dann auch schmäler sind.
Stimmen muß der Scheibendurchmesser.

Und wenn eine Scheibenbremse nach Laufradwechsel vielleicht doch neu
justiert werden muß, dann ist das IMO schneller und einfacher neu
eingestellt als bei Felgenbremsen. BTDTGT.

> Nassbremsverhalten schön und gut, das sehe ich ein, auch wenn ich
> argwöhne, daß die Verbesserung durch größeren Anpressdruck und damit
> kleinere Toleranzen nicht für lau kommt.

Mei, "umsonst ist der Tod, und der kost' des Leb'n" (meine Oma).

> Der OP schrieb was von "entspannten Tagestouren". Das klingt auch nicht
> gerade nach vielen Vollbremsungen bei Regenfahrten. YMMV

Das schließt aber die eine oder andere Hügelabfahrt (auch mit Gepäck) nicht
aus.

> Interessieren würden _spezifische_ Situationen, in denen eine
> Scheibenbremse am Fahrrad einer gleich teuren Felgenbremse vorzuziehen
> wäre...

Wieso diese Preisvorgabe?

Na ja, wie dem auch sei: Ich bin für mich zu der Erkenntnis gelangt, daß
ich Felgenbremsen gar nicht mehr will; und bei Scheibenbremsen nehme ich
nur noch die standfestesten, die ich kriegen kann (also Hope). Folglich
kostet das Geld.

Ich kann dann aber auch mit 60+ irgendwo runterstechen und mich immer noch
drauf verlassen, daß die Bremsen sehr kraftvoll und gut dosierbar und nicht
nur mit Hängen und Würgen und Beten vielleicht gerade noch so
funktionieren, auch mit Gepäck.

Auf jeden Fall ist das immer recht aufschlußreich, wenn z. B. bei so
kleinen ADFC-Anfänger- und Schnuppertouren es "aus Versehen" mal irgendwo
mit 15+ % runtergeht (wir haben hier Hügelland, da ist das eigentlich nicht
so ungewöhnlich) und die Leute dann den Angstschweiß auf der Stirn haben,
weil sie sich sonst um solche Abfahrten immer herumdrücken, aber in der
Gruppe sich nicht trauen, wie sonst abzusteigen.

Ehrlich gesagt kann ich bei dem Gedanken "Bremsen müssen billig sein" nur
noch abwinken. Aber das muß am Ende eben jeder selber entscheiden, was ihm
solche Bauteile wert sind, von denen letztlich "nur" das eigene Leben
abhängt.

> ... nebst einer technischen Erklärung, warum.

Regen und Schnee. Ebenso höhere Bremskraft bei gleichzeitig besserer
Dosierbarkeit.

> Was man ans Fahrrad dranbaut, ist immer ein Balanceakt, man muß abwägen,
> da geht es meist nicht um gut oder schlecht, sondern darum, was man an
> anderer Stelle aufgeben muß, wenn's besser als "gut genug" sein soll.

Bei Bremsen geht es oft genug eben doch um gut oder schlecht, und "gut
genug" ist leider meist doch zu schlecht, wenn man genauer hinschaut oder
testet.

Zu dem "gut genug" mal ein kleines Beispiel: Nach einem Sommerfest letztes
Jahr bin ich mit einem Bekannten zusammen heimgeradelt. Er mit seinem
Billig-Dynamo und seiner Winzig-Funzel meinte, es wäre zwar schön, am Fluß
fahren zu können, aber da würde er im Dunkeln ja nix sehen, er würde also
lieber die g'schissene Straße fahren wollen. Ich hab dann meine
Akku-Stecklampe an den Lenker und meine LED Lenser H14.2 auf die Rübe, habe
gesagt, er möge sich einfach keine Sorgen machen, das kriegen wir schon
hin, ich hätte Licht, was auch "gut genug" für zwei wäre. Dann habe ich
beide Lampen eingeschaltet und ihm ist "d'Lätschn obagflogn" (die Kinnlade
runtergklappt), wie das plötzlich geht mit Dunkelheit und Licht. Bis dahin
kannte er das nur aus meinen Erzählungen; der Live-Effekt hat ihn förmlich
geschockt, das hatte er so nicht erwartet.

Ein paar Wochen später haben wir eine Tagestour gemacht. Nachdem er am
Abend zuvor "mal schnell" die Speichen nachziehen wollte, ist eine gerissen
und das Laufrad eierte. Ich hab ihm dann abgeraten, mit der Gurke auf Tour
zu gehen und er hat ein Leihrad von der Werkstatt bekommen. Das Leihrad
hatte eine vernünftige Schaltung und ich konnte ihn dann damit zum Abschluß
noch auf eine Anhöhe lotsen, wo wir bei Sonnenuntergang den Blick weit über
die Landschaft schweifen lassen konnten. Der ist um die 20 Jahre hier und
von den verschiedenen traumhaften Aussichtspunkten kannte er noch keinen
einzigen von oben, weil seine Normalgurke das schlicht nicht zuläßt. Man
hat ihm angesehen, wie ihm das Herz aufging angesichts der Aussicht.

Neulich hat er dann überlegt: doch mal ein neues Radl. Ich hab ihm dann
angesichts der Erfahrungen zusammen mit mir "was ordentliches"
vorgeschlagen. Das ging los mit Rohloff Speedhub und SON, Wartungsarmut
bei gleichzeitig sehr guter Funktion wollte er ja ausdrücklich. Ein
packtaschentauglicher Gepäckträger, vernünftige Scheibenbremsen (meine
kannte er da auch schon), gefederte Sattelstütze (also Thudbuster LT, denn
gegen die ist alles andere alberner Spielkram), Plattformpedale und was
eben so zusammenkommt, wenn man "was richtig ordentliches und wartungsarm"
vorgibt. Waren wir bei um die 3000 Öro. Ergebnis: "Das geht ja GAR NICHT!"

Alles, was er oder auch ich bis max. 1500 Öro angeschaut haben, erfüllt
seine Anforderungen aber nicht. "Ja, ist das denn nicht gut genug?" "Nein,
wenn Du das und das und das und das willst, dann nicht." Mehr will er aber
dennoch nicht ausgeben.

Er fährt nun immer noch seine alte Schrottgurke. Ich habe ihn wissen
lassen, wo ich heuer schon die Frühlingssonnenuntergänge genossen habe.
Deutliches Zähneknirschen auf der anderen Seite, aber keine Einsicht.
"Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß!"

Seine Dose hat mal irgendwie so das 10-fache des von mir vorgeschlagenen
Radls gekostet. Dieser Hinweis hilft auch nix.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich würde mal ganz ehrlich meine Bedürfnisse
hinterfragen und dabei auch eine gute "Rundungsreserve" nach oben mit
einplanen, wenn ich ein Radl oder Komponenten suche, die "gut genug" sind.
Der Appetit kommt ja oft beim Essen, und wenn dann Geschirr und Besteck
viel zu enge Grenzen stecken, man das aber erst zu spät merkt, ist das ja
nur frustrierend. Ich für mich wünschte jedenfalls, ich wäre schon viel
früher auf das Credo "Am Radl wird nicht gekleckert, sondern geklotzt"
gekommen.

--

Anton Ertl

unread,
Apr 30, 2019, 11:27:04 AM4/30/19
to
Bernhard Kraft <bernhar...@gmx.de> writes:
>Am Montag, 29. April 2019 23:31:31 UTC+2 schrieb Ewald Pfau:
>> Bernhard Kraft <bernha...@web.de>:
>>=20
>> > also f=C3=A4hrt man entspannter, wenn man eine Bremse hat,
>> > die einen sofort zum stehen bringt, wenn man mit angemessener
>> > Geschwindigkeit von so ca. 15km/h f=C3=A4hrt.
>>=20
>> Und was hat das nun mit Scheiben- vs Felgen-usw. zu tun?
>Das Wort "sofort". Der Unterschied zwischen guter Hydraulik und schlecht
>eingestelltem Seilzug Seilzug ist aber gr=C3=B6=C3=9Fer als zwischen Felgen=
>- und
>Scheibenbremse.

Der Unterschied zwischen gut und schlecht ist groesser? Kann sein, je
nach Definition von "gut" und "schlecht".

Was aber den Unterschied zwischen Hydraulik und Seilzug, und den
Unterschied zwischen Scheiben und Felgenbremse betrifft:

Hydraulik gibt den besseren Druckpunkt, ausser sie hat Luft gezogen
(oder was auch immer das Problem mit meiner Louise war).

Scheibenbremsen funktionieren bei Naesse zuverlaessig, Felgenbremsen
nicht.

Mir ist die zuverlaessige Funktion wichtiger als der Druckpunkt.

>Scheibenbremsen werden gl=C3=BCcklicherweise meistens hydra=
>ulisch
>verbaut.

Ich habe eine mit Seilzug und eine hydraulische (und die Louise liegt
noch herum).

Thomas Bliesener

unread,
Apr 30, 2019, 2:08:05 PM4/30/19
to
Wolfgang Strobl schrieb:
> Was ich am Rennrad, das ich aus div. Gründen nur noch bei Trockenheit
> fahre, von einer Scheibenbremse statt der Ultegra 6700 hätte,
> erschließt sich mir nicht.

Ich habe ein RR mit mechanischen Felgenbremsen und eines mit
hydraulischen Scheibenbremsen.

Bei längeren steilen Abfahrten mit Felgenbremse tun mir nach wenigen
Minuten die Hände weh, oder ich muß in die unbequeme Unten-Lenker-
Position gehen (dort reichen dann zwei Finger), so daß ich mich manchmal
frage, ob nun bergauf oder bergab anstrengender war.

Mit der Scheibenbremse habe ich das Problem nicht. Die braucht so wenig
Kraft am Hebel, daß das auch gut von oben geht.
--
bli

Thomas Bliesener

unread,
Apr 30, 2019, 3:00:04 PM4/30/19
to
Frank Möller schrieb:
> Der Appetit kommt ja oft beim Essen, und wenn dann Geschirr und Besteck
> viel zu enge Grenzen stecken, man das aber erst zu spät merkt, ist das ja
> nur frustrierend. Ich für mich wünschte jedenfalls, ich wäre schon viel
> früher auf das Credo "Am Radl wird nicht gekleckert, sondern geklotzt"
> gekommen.

ACK!

Als Jugendlicher hatte ich immer Billigräder, weil das Fahrrad bei
meinen Eltern eher unter Spielzeug lief und später als Student auch,
wegen des Diebstahlsrisikos. 60 Tages-km sind auch mit einem Baumarktrad
möglich, das schlaucht jedoch und macht nicht sehr viel Spaß. Was war
das für eine Offenbarung, als ich das erste Mal auf einem etwas teureren
Rad gesessen habe. Was wäre bloß aus mir geworden, wenn ich schon mit 16
ein teures Rad bekommen hätte? ;)
--
bli

Thomas Bliesener

unread,
Apr 30, 2019, 3:00:06 PM4/30/19
to
Anton Ertl schrieb:
> Was den Mythos des Trockenbremsens von Felgenbremsen betrifft, das hat
> bei mir nicht wirklich funktioniert: Einmal bin ich bei nicht
> besonders starkem Regen ein leichtes Gefaelle mit 60km/h
> runtergefahren und wollte die Felgen trockenbremsen (mit einer V-Brake
> und einer Magura HS22 mit "lachsfarbenen" Bremsbelaegen); da
> hat sich die Bremswirkung einfach nicht verbessert, egal wie lange und
> stark ich die Bremsen gezogen habe. Das hoechste aller Gefuehle war
> eine Verringerung der Geschwindigkeit auf 50km/h.

Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Ich konnte zwar mit aller
Kraft auf etwa 15 km/h runterbremsen. Aber selbst das ist schon ein
saublödes Gefühl, wenn man merkt, daß man die nächsten 200 m nicht
sturzfrei anhalten kann.
--
bli

Frank Möller

unread,
Apr 30, 2019, 3:36:31 PM4/30/19
to
Thomas Bliesener schrieb:
> Frank Möller schrieb:

>> Der Appetit kommt ja oft beim Essen, und wenn dann Geschirr und Besteck
>> viel zu enge Grenzen stecken, man das aber erst zu spät merkt, ist das ja
>> nur frustrierend. Ich für mich wünschte jedenfalls, ich wäre schon viel
>> früher auf das Credo "Am Radl wird nicht gekleckert, sondern geklotzt"
>> gekommen.

> ACK!

> Als Jugendlicher hatte ich immer Billigräder, weil das Fahrrad bei
> meinen Eltern eher unter Spielzeug lief und später als Student auch,
> wegen des Diebstahlsrisikos. 60 Tages-km sind auch mit einem Baumarktrad
> möglich, das schlaucht jedoch und macht nicht sehr viel Spaß.

Eben. Und auf Hügel rauf und Hügel runter verzichtet man dann gerne gleich
ganz.

> Was war das für eine Offenbarung, als ich das erste Mal auf einem etwas
> teureren Rad gesessen habe. Was wäre bloß aus mir geworden, wenn ich
> schon mit 16 ein teures Rad bekommen hätte? ;)

Als ich 14 war, habe ich mein erstes eigenes Radl bekommen und es auch ab
sofort intensiv genutzt. Im selben Jahr war ich auch in Prag und bin dort
vom Hradschin die Staré zámecké schody
<https://www.google.com/search?q=praha,+Star%C3%A9+z%C3%A1meck%C3%A9+schody&tbm=isch&source=univ&sa=X&ved=2ahUKEwjfz7yYxfjhAhWhPOwKHTaRBBIQsAR6BAgIEAE&biw=1742&bih=1223>
runterspaziert. Ich dachte so: "Was wäre das herrlich, wenn man hier mal
gemütlich mit einem Radl runtercruisen könnte..."

Das erste Mountain Bike war da noch lange nicht erfunden und mein Radl wäre
schon nach dem ersten oder zweiten Treppenabsatz nur noch
zusammengefalteter Schrott gewesen. Heute ist das schon mit normalem
DH-Material überhaupt kein Thema mehr. Wie schon Johnny Walker sagte:
"Times may change." :-))

--

Ewald Pfau

unread,
May 1, 2019, 5:35:13 PM5/1/19
to
Bernhard Kraft <bernhar...@gmx.de>:

> Das Wort "sofort". Der Unterschied zwischen guter Hydraulik und schlecht
> eingestelltem Seilzug Seilzug ist aber größer als zwischen Felgen- und
> Scheibenbremse. Scheibenbremsen werden glücklicherweise meistens
> hydraulisch verbaut.

Klar, Zucker vor dem Schlafengehen ist schlechter als Zähneputzen. War es
das, was Du sagen wolltest?

Mir imponiert die Materialschlacht nicht, solange der Konsument nur darauf
getrimmt wird, den Verstand auszuschalten. Und siehe da, der wahre Fan will
sich auf die maßgeblichen Details partout nicht einlassen:

Von mir aus habe ich zugestanden, dass eine Form von Technik sich
verbreitet, mit der für das Mittelmaß der Betriebsbedingungen im großen
Raster der Massennutzung durchaus Besserung erreicht wird, indem das Zeugs
mit den extra Scheiben deutlich robuster gegen Schlamperei ist.

Das heißt nun aber nicht, dass es besser ist. Das ist ein Fehlschluss. Es
ist nur besser für das Mittelmaß im großen Raster, als Mittel gegen
landläufige Schlamperei.

Im Zugriff stehen sich die beiden Methoden um nichts nach, wenn die
Abstimmung gegeben ist.

Sofort ist sofort nach Reaktionsbereitschaft. Und die wird nicht nach dem
Grad von Hysterie gemessen, den man propagandierenderweise unter die Leute
bringen kann, auch wenn die Verlockung offenbar sehr vereinnahmend ist, sich
da an den Rockzipfel zu hängen, wo ideologischerweise mit viel
Materialschlacht geschaumschlägert wird:

.. Verstand ausschalten! Kaufen! Sonst droht Gefahr!

Jaja, schon klar. Anstatt besonnen und vorausschauend zu reagieren, zappeln
die Leute dann hypernervös herum und führen sich unberechenbar auf,
verunsichert im Allerersten, was eigentlich wichtig wäre, nämlich, im Rahmen
der Bewegungsdynamik zu wissen, was man tut.

Die für Konsumenten vorgesehendn Verhaltensmuster, wie sie sich ideologisch
konform propagieren lassen, haben alle den Designfehler, dass die Dynamik
des Augenblicks ausgeblendet werden muss, mitsamt der haptischen Bändigung
dessen, was man nicht kaufen kann, sondern woran man sich lernenderweise
annähern muss.

Und das Zeitmaß, das letztere Prozesse vorgeben, definiert einen Begriff von
sofort. Daran gemessen, kann sich der imaginierte Hebelgriff eines
Robotnik-Simulanten erstmal schleichen gehen, weil der hat nix kapiert,
steht lieber dumm im Weg, auf der Schiene von irgendwelchen
Kategorienfehlern der Wahrnehmung.

Nebenbei, wo ich hier die Hügel rauf- und runterfahre, ist mir eine
Felgenbremse um einiges lieber, bergauf, weil es die schlankere Bauweise des
Verkehrsgeräts unterstützt, bergab, weil ich den rotierenden Felgen mehr
zutraue, dank größerer Fläche im großen Radius, plus mehr Luftströmung,
verheizte Leistung wegzukühlen.

Lieber noch würde ich mir die Kombination mit einer zusätzlichen
Trommelbremse, vor allem am Hinterrad, wünschen, schon, weil meist nur als
kleiner Temporegulierer gebraucht, das dafür ständig. Es gibt eine solche,
die mit x-fach-Ritzel kompatibel ist, aber alle Schrauber, bei denen ich
herumfragte, rieten mehr oder weniger dringend davon ab, Idee gut,
Ausführung naja, naja.

Nun ja, mangels anderen Materials wäre hinten die Scheibe dann leichter mit
meinem Bedarf zu vereinbaren, die steifere Verstrebung im Rahmen ist sowieso
da, und die volle Leistung braucht sie nicht abzugeben. Vorne trifft das
nicht meinen Bedarf, die Gabel müsste anders gebaut sein, mag ich nicht, und
der Übergang der Standfestigkeit zum kritischem Betrieb ist mir zu wenig
nachvollziehbar.

Zur Illustration: Die Konen des nicht ganz so billigen Nabendynamos vorn
hielten den Betrieb nicht aus (das schwäbische Produkt als Nachfolger bis
dahin allerdings schon)! Das ist nicht ganz ident mir dem urbanen kleinen
Weg zum Bäcker. Da brauch ich nicht schneidiges Rallye-Blabla sondern ganz
normale Robustheit.

Stefan Engler

unread,
May 1, 2019, 6:52:19 PM5/1/19
to
Am 01.05.2019 um 23:35 schrieb Ewald Pfau:
> Trommelbremse, vor allem am Hinterrad, wünschen, schon, weil meist nur als
> kleiner Temporegulierer gebraucht, das dafür ständig. Es gibt eine solche,
> die mit x-fach-Ritzel kompatibel ist, aber alle Schrauber, bei denen ich
> herumfragte, rieten mehr oder weniger dringend davon ab, Idee gut,

Ich wusst gar nicht, dass Trommelbremsen fürs Fahrrad noch groß
hergestellt werden. (Sturmey Archer)
Aus- und Einbau das Rades ist eine zimliche Fummellei.

Der Bremszug geht ans Rad und nicht an den Rahmen, wie bei
Felgen oder Scheibenbremsen. Dazu muss noch die Schlaufe von
der Trommel in den Rahmen eingefädelt werden.

Ich bin mir auch noch nicht sicher, wie leicht jetzt die Bremsbeläge
gewechselt werden können.
Statt der Bremsscheibe wird manchmal die Nabe gewechselt inkl. neu
Einspeichen. Teurere ist die Sache auch noch.

Ich lese eher davon, dass Trommelbremsen durch Felgenbremsen ersetzt
werden, wenn ein neue Felge/Bremstrommel fällig wird.

Scheibenbremsen sind: billiger und wartungfreundlicher

Ralph Aichinger

unread,
May 2, 2019, 1:48:55 AM5/2/19
to
Stefan Engler <ste...@epiket.de> wrote:
> Ich wusst gar nicht, dass Trommelbremsen fürs Fahrrad noch groß
> hergestellt werden. (Sturmey Archer)

Genau: Sturmey Archer, und die "Rollenbremsen" von Shimano sind
auch mehr oder weniger Trommelbremsen.

> Aus- und Einbau das Rades ist eine zimliche Fummellei.

Naja, natürlich sind Welten zwischen einem Rennrad mit Schnell-
spanner und einem Hollandrad (oder so) mit Trommelbremsen, aber
es geht schon. Rücktrittbremse macht diesbezüglich auch keinen
großen Spaß.

> Ich bin mir auch noch nicht sicher, wie leicht jetzt die Bremsbeläge
> gewechselt werden können.

Die halten meistens ziemlich lang, und dann kann man sie oft
durch Anrauen mit Schleifpapier wiederbeleben, und ich glaube
Sturmey verkauft Ersatzteilsätze.

> Ich lese eher davon, dass Trommelbremsen durch Felgenbremsen ersetzt
> werden, wenn ein neue Felge/Bremstrommel fällig wird.

Vermutlich weil die Leute nicht recherchieren wollen, wie man
Sturmey-Archer-Teile kriegt.

> Scheibenbremsen sind: billiger und wartungfreundlicher

Ersteres ja, letzteres nein. Eine Trommelbremse kannst du
jahrelang fahren, bei jedem Wetter ohne irgendwas zu tun. Es
hat Gründe, warum z.B. die Leihradsysteme meisten Shimano
Rollerbrakes haben. Trommelbremsen sind sicher die wartungs-
ärmsten Bremsen. Hauptnachteil ist das Gewicht.
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