Ist das eine sichere Hausnummer, unabhängig von der verwendeten Felge?
Bei mir derzeit Exal RX1.
Ich habe endlich ein Tensiometer zur Verfügung, und will jetzt meinen
labberig gelieferten Laufradsatz in einen brauchbaren Zustand bringen.
Allerdings habe ich schon mal eine Felge durch zu hohe Spannung zerstört
(nach ein paar hundert km Längsrisse an den Speichenbohrungen).
Mit freundlichen Grüßen, Erik
Dazu schreibt Jobst Brandt "Das Fahrrad-Rad", 1999, Palo Alto, Seite 75
(im folgenden Zitat: "Rad" = "Fahrrad-Rad"):
"Speichenspannung
Mit Speichen aus vorgespanntem Draht kann ein Rad nur bis zu dem Punkt
Lasten tragen, an dem die Speichen schlaff werden. Steigt die Belastung
weiter, bricht das Rad zusammen. Damit es seine hoechste Tragfaehigkeit
erreicht, muessen die Speichen so stark gespannt werden, wie es die
Felge noch zulaesst. Die Felge wirkt hier wie der Bogen, der durch die
nach innen ziehende Kraft der Speichen zusammengedrueckt wird. Die
Belastungsgrenze der meisten Felgen liegt weit unter dem, was die
Speichen leisten koennten, waeren sie bis zu ihrer Bruchspannung
angezogen. Die Belastungsgrenze eines herkoemmlichen Rades wird also
durch die Felge bestimmt, nicht durch die Speichen. Unter maximaler
Spannung gesetzt steht die Felge kurz vor ihrer plastischen Verformung.
Im Betrieb findet aber fast nie eine weitere Erhoehung der Spannung
statt. Obwohl die Spannung der einzelnen Speichen beim Fahren stark
schwankt, bleibt die durchschnittliche Spannung aller Speichen ziemlich
konstant und somit auch die Belastung der Felge. Auch in der Naehe
dieses Grenzbereichs sind Felgen durchaus haltbar.
In der Praxis sollten die Speichen jedoch nicht bis zur maximal
möglichen Belastung der Felge gespannt sein, da sich die Felge dann
durch den Bruch einer einzigen Speiche bereits stark verbiegen kann. Am
staerksten beansprucht wird die Felge durch die vom Speichenzug erzeugte
Druckspannung, weshalb sie bei zu hoher Speichenspannung unter der Last
nachgibt wie eine dünne Stange unter zu grosser Belastung und seitwaerts
ausknickt, das Rad also einen Achter bekommt. Sind die Speichennippel
gut geschmiert und lassen sich leicht drehen, können die Speichen leicht
staerker gespannt werden, als es die Felge aushaelt.
Obwohl Speichen selten mit mehr als der Haelfte ihrer hoechstzulaessigen
Zugspannung gespannt werden, kommt es gelegentlich schon beim Spannen
zum Speichenbruch. Das zum Anziehen der Nippel erforderliche Drehmoment
wächst mit der Speichenspannung. Sind die Nippel nicht gut geschmiert,
kann die gemeinsame Belastung von Verdrehung und Zugspannung leicht die
Bruchspannung der Speiche überschreiten. Das Zusammenwirken der beiden
Kräfte hat eine groessere Auswirkung als die Summe der einzelnen
Kraefte."
Uebliche Speichenspannungen nennt unter anderem das
Manual zum Spoke Tension Meter TM-1 von Park Tool (PDF, 1 MegaByte):
www.parktool.com/products/detail.asp?cat=16&item=TM-1
dort das Manual:
www.parktool.com/products/documents/TM-1-instructions_Parts_5-9-08_200859_30716.pdf
Darin: "Die empfohlene Speichenspannung bei Fahrrad-Laufrädern liegt
zwischen [...] 800N und [...] 1.300 N. Als Faustregel gilt, die
Speichenspannung so hoch zu wählen, wie es das schwächste Glied der
Kette erlaubt – bei Laufrädern ist dies in der Regel die Felge. Daher
sollten die Vorgaben des Felgenherstellers unbedingt beachtet werden."
Frank
Selbstverständlich gibt es die. In einem Hinterrad habe ich links und
rechts unterschiedliche DT-swiss Nippel verwenden müssen.
--
Gerald
| FAQ zu de.rec.fahrrad: http://0x1a.de/rec/fahrrad/ |
| Wiki von de.rec.fahrrad: http://de-rec-fahrrad.de |
Tja, wenn der Felgenhersteller diese Angaben für mich auffindbar
irgendwo verraten würde, müsste ich nicht so dumm fragen...
So werde ich mich wohl einfach an das Minimum der Empfehlungen halten
müssen, also 800N vorn und 1100N hinten Zahnkranzseite.
Mit freundlichen Grüßen, Erik
Nicht allzu hart, sollte aber idR reichen.
> Ist das eine sichere Hausnummer, unabhängig von der verwendeten
> Felge?
Eine Hochprofilfelge mit geeignetem Nippelsitz wirst Du haerter
einspannen koennen, brauchst es aber idR nicht.
> Allerdings habe ich schon mal eine Felge durch zu hohe Spannung
> zerstört (nach ein paar hundert km Längsrisse an den
> Speichenbohrungen).
Das ist ein Dauerfestigkeitsschaden, mE Fehler des
Felgenkonstrukteurs. Flache Felgen chippen bei zu hoher Spannung,
bei tiefen Felgen kommen die Nippel durch den Felgenboden.
--
MfG/Best regards
helmut springer panta rhei
Die linken sind die mit dem kleineren Gewinde.
Eine Email-Anfrage an exal.be waere eine Moeglichkeit und wird eventuell
sogar in deutsch beantwortet. Oder wende dich doch gleich an
schuermann-rims.de (Leopoldshoehe) per Email oder wenn es schnell gehen
soll einfach per Telefon (man spricht westfälisch ;-)).
Frank
Gerade Alu ist durchaus duktil, wie zB an den Speichenloechern der
Naben zu sehen. Es gibt aber wohl rissfreudigere Legierungen,
> > Das ist ein sehr häufiges Schadensbild - was in den meisten Fällen
> > nicht durch zu hohe Speichenspannung verursacht sein dürfte.
> Ich hatte das mal bei Tropfenfelgen, wo konstruktionsbedingt keine Ösen
> möglich waren und durch ungeschickte Ausformung der Innenseite der
> Nippel nur an zwei Punkten auflag. Nach etwa 8000km zeigten sich an
> diversen Speichenlöchern Risse. Der Fahrradhersteller hat das auf
> Kulanz dann getauscht, sogar Umspeichen war inbegriffen. Die neueren
> Modelle dieses Rades hatten diese Tropfenfelge übrigens nicht mehr.
> Ich vermute, daß diese Felgen ein Konstruktionsfehler waren, jedenfalls
> in Kombination mit normalen Nippeln und dem verwendeten Material.
Mitte der 80er hatte ich auf dem RR Wolber Profil (Typ A oder 20 oder ?)
Schlauchreifenfelgen zuerst 36-Loch später vorne 24-Loch. Die waren ungeöst,
ohne Einsatz für die Nippel und beschichtet. Waren sehr robust und haben auf
x0TSD km keine derartigen Risse oder Schläge etc. bekommen. Auch einen
Ausflug in den Graben bei >35km/h über einen faustgroßen Stein hat die
Vorderradfelge ausgehalten. Einzig die Beschichtung hat sich auf Dauer etwas
eingebremst (Ultegra).
Waren (bzw. sind es noch im Keller) Superteile. Der Querschnitt um die
Nippellöcher war allerdings kräftig ausgeführt.
Solche Fehlerbilder liegen also an Material und Querschnitt. Ich kante das
Phänomen von 400g Kastenfelgen für Schlauchreifen.
Danke! Mail an exal.be ist raus -- mal sehen, ob man dort Lust hat, sich
mit einem Privatkunden auseinanderzusetzen...
Mit freundlichen Grüßen, Erik (der da normalerweise skeptisch ist)
.. wenn nicht: Schuermann positioniert Exal ja im hochwertigen
Segment, in dem man die Angabe solcher Infos für jedermann
eigentlich erwarten kann. Deshalb im negativen Fall unbedingt
einmal bei der Mutter Schuermann neugierig nachfragen ;-)
Frank
Ehrlich gesagt: nein. Warum auch?
Abgsehen von diesbzgl. limitiertem Leichtbau muss die Felge die
ueblichen Spannungen aushalten, fertig.
Weil immer mehr Endkunden in diesem Segment die entsprechenden
Werkzeuge haben und die Spezifikationen nachfragen (siehe OP)...
Fra"das war jetzt einfach"nk
Das duerfte eine Minderheit sein.
Der Rest baut mit den ueblichen Spanungen. Wenn die Felge die nicht
haelt, wird das Rad nicht halten. Wenn die Felge mehr aushaelt: was
soll's?
... und, ist schon reagiert worden? Wenn ja, wie?
Frank
Schweigen im Walde...
Erik