Markus Luft <
02-...@news.marquee-moon.de>:
>On Sat, 25 May 2013 23:17:43 +0200, Wolfgang Strobl wrote:
[...]
>> Da� man mit einem intakten Fahrrad aus 40 km/h heraus problemlos
>> abbremsen kann. braucht man nicht "herzuleiten", das kann man selber
>> ausprobieren und reproduzierbar vorf�hren. Auch und gerade mit einem
>> Rennrad.
>>
>Da stellt man dann empirisch fest, da� Rennradbremsen schon fast zu
>gut bremsen und man das �ben sollte.
�ben ist hier ganz bestimmt nicht schlecht. "Zu gut" sehe ich aber
nicht. Auch Handkraft kann man zwar antrainieren, jedoch l�sst sich mit
weniger Krafteinsatz i.d.R. doch etwas feinf�hliger bremsen. Wichtig
ist, da� die Bremse m�glichst keinen Servoeffekt produziert und keine
Hysterese hat. An den 105er bzw. inzwischen der Ultegra meiner
Rennr�der ist diesbez�glich nichts auszusetzen, an der Magura am
Dreckrad auch nicht. Und selbst die vergleichsweise billige V-Brake, die
ich irgenwann mal am Dreckrad verbaut hatte, weil die Magura auf einer
Seite klemmte (ein Konstruktionsfehler durch die Klemmung, meine ich)
ist nicht wirklich schlechter, sondern nur ein wenig weicher. Ein
Riesenunterschied aber zur Trommelbremse am alten Sparta oder den Mafac
am alten Reiserad.
>Das Hinterrad steigt, kann aus
>der Spur kommen und mu� dann wieder "eingefangen" werden.
Ja richtig. Andererseits kann man so kinetische Energie in potentielle
umwandeln und so den Bremsweg weiter verk�rzen.
1999 hatte hier jemand mal gefragt, ob bzw. unter welchen Bedingungen
man sich mit dem Rennrad �berschlagen k�nne. Ich habe das dann - excuse
the pun - �berschlagen und f�r den konkreten Fall (mich, mein Rennrad)
ausgerechnet, da� bis ca. 12 km/h ein �berschlagen gar nicht m�glich
ist, weil bei entsprechend kr�ftiger Verz�gerung das Hinterrad zwar
hochkommt, die insgesamt verf�gbare Energie aber nicht ausreicht, es
samt Rad und Fahrer gen�gend hoch anzuheben. Damals schrieb ich
| Ich hab' das mal ausgerechnet und dann ausprobiert: bei meinem Rennrad
| liegt die Grenze bei etwa 12 km/h, unterhalb der Geschwindigkeit kann
| man sich �berhaupt nicht �berschlagen.
|
| Du sprachst von 20 km/h. Meiner Erfahrung nach kommt das Hinterrad bei
| der Geschwindigkeit so sanft hoch, da� man sich (jedenfalls bei
| Geradeausfahrt auf trockenem Asphalt) ohne gro�es Risiko an die
| Maximalverz�gerung herantasten kann - in dem Moment, wo's hochkommt,
| gibt man halt wieder etwas nach. Ohne diese Warnung ist das
| gef�hrlich: wenn Dir das Vorderrad wegrutscht, liegst Du auf der Nase,
| bzw. rutschst in ein Hindernis hinein, vor dem Du sonst noch h�ttest
| bremsen k�nnen. Also mu�t Du eine nicht unbetr�chtliche
| Sicherheitsspanne einkalkulieren, wenn Du bremst.
Tats�chlich besteht bei Notbremsungen, bei denen das Hinterrad in
nennenswertem Umfang hochkommt, das Hauptrisiko darin, durch eine
Querkomponente beim Wiederaufsetzen des Hinterrades dieses zu ruinieren
oder zumindest kr�ftig zu dezentrieren (ist mir ein oder zwei mal
passiert), der Vorteil aber eben auch darin, da� sich so der restliche
Bremsweg von 12 km/h runter auf Null auf fast nichts reduzieren l��t.
Eine weitere, damals nicht diskutierte M�glichkeit besteht darin, beim
Bremsen durch eine K�rperdrehung eine Drehung um die senkrechte Achse
einzuleiten. Ich habe da einmal intuitiv praktiziert, um einen
Zusammenprall zu vermeiden bzw. zu einem leichten Bodycheck abzumildern
und sp�ter in einem Buch von Forester gelesen, da� der ein �hnliches
Verfahren beschrieb. Es entspricht einem halbierten U-Turn-Bremsman�ver
beim Auto: Gegenlenken, Kupplung treten, Vollbremsung, bis dass das Auto
schlie�lich Heck voran zum Stehen kommt. (Das habe ich allerdings noch
nie gebraucht oder praktiziert).
F�r die Praxis reichte es m.E., sich zu merken, da� bei einer
Vollbremsung mit einem Rad mit Rennradgeometrie nur die Vorderradbremse
z�hlt, da� man ein Gef�hl daf�r entwickeln sollte, bei welcher maximalen
Verz�gerung das Hinterrad hochkommt (das h�ngt von der Radgeometrie und
dem K�rpergewicht ab, nicht aber von der Fahrgeschwindigkeit, l��t sich
also gefahrlos bei niedrigem Tempo ausprobieren), und da� man bei einer
Notbremsung so schnell wie m�glich diese Verz�gerung erreichen, aber
nicht �berschreiten sollte, so ab 12 km/h aber ganz zumachen sollte,
wenn es pressiert. Faktisch geht es auch andersherum, also wieder
nachzulassen, wenn das Hinterrad hochkommt, aber das kostet dann i.d.R.
das Hinterrad.
Bei einem Rad mit l�ngerem Radstand nebst Gep�ck ist es m.E.
schwieriger, wel man sich das Wegrutschen des Vorderrades nicht leisten
kann. Wenn man sich einfach daran orientiert, ab welcher Verz�gerung
beim Rennrad das Hinterrad hochkommt, liefert das einen
Orientierungspunkt, wo man noch weit im sicheren Bereich ist.
All dies gilt f�r den typischen Fall: Geradeausfahrt, trockener sauberer
Asphalt. In allen anderen F�llen geht es eh nur darum, ob man es schaft,
den Reibbeiwert gen�gend genau zu erraten. Wenn nicht, liegt man auf der
Schnauze, wenn man man zu vorsichtig r�t, z.B. im Stra�engraben. Die
Leistung der Bremse ist hier v�llig irrelevant, wenn �berhaupt, kommt es
auf die Dosierbarkeit (der Bremse) und die F�higkeit zum Bremsen (des
Fahrers) an, wie beim Motorrad, wie Du richtig anmerkst.
[...]
>Von "Spielzeugbremsen" oder gar "Wahnsinn" kann keine Rede sein.
>Das Vorurteil entstammt wohl noch aus Zeiten von "Weichmann" Bremsen
>auf Stahlfelgen. Ich habe ja in Physik nicht aufgepasst, aber die
>Haftreibungskr�fte sollen von der Fl�che der Oberfl�chen abh�ngen?
Die Haftreibung ist von der Aufstandsfl�che unabh�ngig. Das gilt zwar
f�r Gummi nur begrenzt, wie manche ohne Nachdenken gerne einwenden,
jedoch sind die Korrekturwerte jedenfalls bei den f�r Fahrr�der
geltenden Bedingungen so klein, da� das praktisch keine Rolle spielt.
W�re es anders, m�ssten wir uns gro�e Sorgen machen, wenn wir unsere
Reifen aufpumpen, denn die Aufstandsfl�che ist i.W. proportional zum
Reifendruck.