Bernhard Kraft schreibt:
> Am 23.05.2016 um 22:07 schrieb Olaf Schultz:
>
>>
>> Was ein recht netter Weg ist: Es gibt von der B4 knap unterhalb der
>> 700m-Schilderung einen Abzweiger links rein Waldweg (super Oberfläche),
>> der auf dem längesten östlich Ausleger der Okertal rauskommt. Geht laut
>> der Top RC4526 die Kalbe hoch. Da kommt man zwangsläufig über den
>> Okerdamm:-)
>>
>
> Diese Strecke ist Bestandteil einer RTF, muss also für Rennrad geeignet
> sein.
>
><
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=oscqzuiprgjpyrbt>
Ja... geteert, aber man muß ein paar Löcher umfahren.
Aber der Reihe nach.
Ich war von Donnerstag bis Sonntag unterwegs.
Eigentlich wollte ich Do in aller frühe los, um von Chemnitz ohne
Streß ein Stück in den Harz zu kommen, und am Freitag quasi schon
direkt in der Gegend zu sein - aber es gibt so Tage, an denen klappt
es einfach nicht so.
Ich bin schon viel später als geplant weggekommen, dann war die Straße
gesperrt und ich mußte eine Ausweichroute über die Dörfchen
nehmen. Nachdem ich ohnehin schon im Zeitverzug war, habe ich auf der
Ausweichroute ein Mobiltelefon am Straßenrand gefunden, das
offensichtlich jemand unterwegs verloren hatte: Eingeschaltet,
funktionsfähig, etc., wenn auch leicht verkratzt. Man kann das
schließlich schlecht einfach liegen lassen, bis es irgendjemand platt
fährt. Ich hab' dann die letzte angerufene Nummer gewählt und den
Kollegen des Besitzers dranbekommen, der mir gesagt hat, dass der
Besitzer drei Dörfer weiter wohnt. Glücklicherweise lag der Ort am
Weg, und ich habe dort auch jemanden angetroffen :-)
Am späten Vormittag habe ich in einer Bäckerei Station gemacht und die
Spezialität des Hauses (Name vergessen) probiert. Etwas
Schmalzgebackenes mit Puderzucker, eine große Portion, und unglaublich
lecker. Leider habe ich das Angebot der Bäckerin nicht angenommen, mir
die Hälfte für unterwegs einpacken zu lassen und das Ding ganz
gegessen (ich hatte Hunger). Ich fühlte mich dann eine schöne Zeit
lang etwas voll...
Im Prinzip bin ich einfach der B180 gefolgt, Zeitz (Bratwurst!),
Naumburg, Freiburg (nochmal eine Bratwurst), Querfurt. Lief jetzt ganz
gut, allerdings eine Menge LKWs. In Rothenschirmbach (Eis) hätte ich
nach Westen abbiegen sollen, bin aber dummerweise den blöden Berg
Richtung Eisleben hochgeackert, und dann wieder runtergerollt, um über
die Dörfer Richtung Sangerhausen zu fahren. Weniger Verkehr,
langschaftlich schön, aber zunehmend bergiger.
In Sangerhausen (ca 18:30 Uhr) habe ich mich versorgt, d.h. ein
bischen Zeug für eine Brotzeit (für später...) gekauft und dann so
langsam nach einer Unterkunft Ausschau gehalten. Der südliche
Unterharz(?) ist allerdings eine einsame Gegend, und die wenigen
Gasthöfe bieten entweder keine Beherbergung, waren ausgebucht
("Jagdgesellschaft...!") oder geschlossen. Das Ziel war eigentlich,
bis etwa 20:00 Uhr ein Bett zu haben, aber ich habe erst um 21:30 Uhr
mit einigem Glück in Güntersberge was gefunden. Da waren dann ca 230km
auf der Uhr und ich war ziemlich geschlaucht.
Das steckte mir dann am nächsten Tag noch in den Oberschenkeln, auch
wenn ich dafür schon mitten im Harz war.
Wenigstens sieht man ziemlich bald den Brocken, ich glaube so kurz vor
Hasselfelde:
http://www.lewonze.de/bilder/2016/harz-2016/hassel-brocken.jpg
D.h., wenn es nicht diesig ist, sieht mans natürlich viel besser.
Ich bin dann ganz klassisch (d.h. von Sorge nach Elend) durch den Harz
gefahren, nach Schierke hinauf, und von da aus nochmal weit hinauf bis
auf den Gipfel, z.t. ziemlich steil, aber gut geteert. Die
Rennradfahrer mit ihren leichten Alu- bzw. Carbonrädern sind an mir
vorbeigezischt. Ich war stellenweise über das 30er Kettenblatt und das
34er Ritzel froh. Auf dem Brockengipfel liegen ein paar Felsbrocken
mit Bronzetafel, dahinter steht der Turm mit diesem komischen
Riesenfußball auf dem Dach.
http://www.lewonze.de/bilder/2016/brocken-oben.jpg
Weitere Fotos waren nicht lohnenswert (zu diesig).
Lange habe ich mich da oben nicht aufgehalten, denn ich war auch an
diesem Tag später dran als geplant. Wieder runter nach Elend und
weiter nach Braunlage, ab da wieder ein schönes Stück hinauf nach
Torfhaus. Die B4 ist tatsächlich stark befahren mit z.T. zwei
Fahrspuren bergauf, wird aber trotzdem von einer Unmenge
Rennradfahrern benutzt. In Torfhaus habe ich an der Frittenschmiede
halt gemacht und bei leichtem Nieselregen einen Abschiedsblick auf den
Brocken geworfen.
http://www.lewonze.de/bilder/2016/harz-2016/torf-brocken.jpg
(Hab' ich schon erwähnt, dass es diesig war? Der Regen hat sich dann
wieder verzogen)
Kurz hinter Torfhaus geht der von Olaf und Bernhard beschriebene Weg
ab. Mit GPS-Unterstützung leicht zu finden, z.T. steil bergab,
autofrei, und man kommt am Okerstausee raus. Kurz vor dem Stausee
hatte ich so ein komisches Gefühl beim Fahren. Der Reifen war nämlich
platt (ein Steinsplitterchen):
http://www.lewonze.de/bilder/2016/harz-2016/platt-oker.jpg
Also den Ersatzschlauch montiert, und dabei mit leichtem Entsetzen
festgestellt, dass der Mantel auch ziemlich fertig ist, das Gewebe
hatte Risse. Ich habe das Hinterrad lieber nicht ganz prall
aufgepumpt. Der Zeitplan war jetzt natürlich vollkommen im Arsch.
Es hat noch zu einem Foto auf den Stausee gereicht
http://www.lewonze.de/bilder/2016/harz-2016/okerstausee.jpg
(ja, es war etwas diesig an dem Tag)
Das weitere Touristikprogramm habe ich dann gestrichen. Also kein
Clausthal-Zellerfeld, Goslar, usw. Ich bin nach geradewegs (B498) nach
Oker und von da Richtung Braunschweig-Ost gerollt. Hornburg leider nur
im vorbeifahren.
Unterwegs kam ein Rewe vorbei, und ich stellte fest, dass er außer
Verpflegung auch Fahrradersatzteile wie Mäntel in 40-622 führt :-) Ich
wollte das Ding aber in Ruhe montieren, also hinten drauf geschnallt
und erst noch zum Hotel.
http://www.lewonze.de/bilder/2016/harz-2016/reifentransport.jpg
Allerdings kam ich wegen Erschöpfung nur noch langsam
vorwärts. Gottseidank ist es ab Oker ziemlich flach, und immerhin
hatte ich Zeit, denn das Hotel war schon gebucht und die Rezeption bis
24:00 Uhr besetzt - Ungefähr 170km an diesem Tag.
Um 22:00 Uhr war ich im Hotel, geduscht, und der Mantel war montiert.
Sehr typisch für die Gegend um Wolfenbüttel ist diese Kombiantion:
http://www.lewonze.de/bilder/2016/harz-2016/wegelchen.jpg
Offenbar sind die Nebensträßchen so unglaublich gefährlich, dass
die B.-Pflicht trotz der Murxwegelchen gerechtfertigt ist :o|
Ich glaube, die Schilderkombination aus blauem Lolli, Gefahrenzeichen
und "Radwegschäden" liegt bei denen schon vormontiert im Depot, so oft
wie das da steht. Die Beachtung der "Kunstwerke" war für mich
optional, nicht zwingend. Aber weiter...
Am Samstag bin ich nach einem opulentem Frühstück (von A wie Pancakes
mit Sirup bis Z wie Rührei) nach Braunschweig, und dort war ich
ausgiebig auf dem BMW E12 und E28 Treffen
http://www.lewonze.de/bilder/2016/bs-2016/DSC_2645.JPG
Radfahrmäßig war der Samstag eher ein Ruhetag. Ich bin erst kurz vor
15:00 Uhr los, um gerade so noch die ersten 100km vom Rückweg zu
schaffen. Endpunkt war Egeln (über Königslutter, Schöningen,
Oschersleben). Es war recht warm und ich hatte eine Tafel Ritter Sport
in der Geschmacksrichtung "Espresso" dabei. Die war dann tatsächlich
flüssig, aber glücklicherweise war die Verpackung dicht. Ich habe sie
lieber nicht aufgemacht.
Am Sonntag hatte ich dann nochmal eine lange Etappe (~220km), zunächst
flach, durch die Börde
http://www.lewonze.de/bilder/2016/harz-2016/boerde.jpg [1]
allerdings ziemlich schwülwarm. Halle und Leipzig habe ich wegen der
mir bekannten "Radverkehrsinfrastruktur" östlich umgangen (Delitzsch
hätte auch umgehen sollen...), und bin dann über Bad Lausick, Geithain
und Burgstädt zurück nach Chemntiz.
Ich war dann erstmal ziemlich platt und etwas wund am Hintern (gut,
dass ich auch ein Liegerad habe...), aber langsam geht es wieder. Und
an Armen, Beinen und im Gesicht bin ich schön braun geworden. Gut über
700km alles in allem.
Die Route war mir z.T. schon bekannt, und einige Teile habe ich durch
brouter [2] vorschlagen lassen und mehr oder weniger kräftig
angepaßt. Eigentlich mußte ich nur einem GPX-Track nachfahren, was
ggü. der klassischen Navigation mit Karten schon ein Fortschritt
ist. Wie man aus dem Track (=roter Faden auf Openstreetmap-Karte) eine
echte Route macht, damit einem das GPS sagt, dass man gleich abbiegen
muß, lerne ich auch noch irgendwann.
Und das Touristikprogramm hole ich halt nächstes Jahr nach.
N., jetzt ist es doch ein ziemlicher Roman geworden...
[1] wobei das eigentlich schon südlich der Börde (Gröbzig) ist
[2]
http://brouter.de/brouter-web/