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Re: "Schatz, dein Wording ist nicht okay"

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Ewald Pfau

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Jul 25, 2009, 8:07:24 PM7/25/09
to
(zur Information auch nach nebenan - wie drückt man eigentlich "for the
record" auf Deutsch aus, ohne dass es ein Klumpfuß wird?)

Oliver Cromm <lispa...@yahoo.de> schrieb:

> Radwege? Ja, zum Vergnügen schon immer, in den letzten Jahren aber auch
> zu echten Transportzwecken, mitten in der Stadt, und auf Kosten von
> Autofahrspuren und Parkplätzen. Montreal schickt sich an, /die/
> Fahrradstadt in Nordamerika zu werden - das Klima steht dem ein wenig im
> Wege, aber das kann ja noch werden. Seit diesem Jahr gibt es Bixi, ein
> Leih-Fahrrad à la parisienne.

Zu der Frage sei ein kurzer Bildungsabstecher zu den Resourcen in der
Umgebung der Nachbarn von drf anempfohlen, wo der Ratschlag eindeutig darauf
hinweist, dass mit Radwegen die Fahrradnutzung sowohl behindert als auch der
Nutzer massiv (!) gefährdet wird.

Um das nachvollzuziehen, sollte man den geübten Nutzer des
Alltagsverkehrsgeräts vom "Auch"-Radfahrer unterscheiden, und dazu dann
etwas längerfristig den Folgen der Errichtung von Separierungen zuschauen,
als sich mit einem Blick auf den ersten Effekt zu begnügen. Mit
Lobpreisungen der vermeintlichen Segnungen ist nur beim ersten Hinschauen zu
rechnen.

Auf der Fahrbahn ist der aufsitzend Kurbelnde Teil des Straßenverkehrs und
wird genau dort gesehen, wo man den Verkehrsnachbarn auch erwartet. Im
Mischverkehr ist Radfahren keinesfalls besonders gefährlich.

Mit Separée hingegen schnellen die gefährlichen Situationen an den
prinzipiell (!) unvermeidbaren Begegnungspunkten in die Höhe, sodass die
Benutzung des Verkehrsmittels sehr rasch als heimtückisch und besonders
gefährlich erlebt wird - beroffen sind vor allem ausgerechnet diejenigen,
die sich dorthin am liebsten verkriechen möchten, weil sie auf der Fahrbahn
ihre Lenkradperspektive wegen zu seltener Übung (und wahrscheinlich auch
sonstiger Überzeugung) partout nicht gegen die Lenkstangenperspektive
tauschen mögen.

Schade, wenn diese spezifische Seuche aus dem deutschen Sprachraum sonst
überallhin auf der Welt schwappt und Schaden verbreitet. Einst war dies in
unrühmlichem Kontext verbreitet (und seitdem ist hier die Zwangsnutzung
vorgeschrieben), um die Fahrbahn für die Zur-Schau-Stellung der exquisit
rollenden Massentonnage reservieren zu können. Da klingt noch das erlauchte
zynische Näseln des 19. Jahrhunderts nach. Alleine per legistischem
Federstrich wurde das dann zur Sicherheitseinrichtung umdefiniert. Und weil
dies dem Blechdoseninsassen kraft Massenaufkommen besonders zupass kommt,
ist man dem Glaubensartikel treu geblieben. Jetzt, wo der ewige Fortschritt
abzubröckeln beginnt, wäre eigentlich die Gretchenfrage eher fällig statt
zunehmende Verdrängung.

Wenn man dem Radverkehr etwas gutes tun möchte, dann muss man der
Blechtonnage etwas wegnehmen - nämlich nicht den Raum, sondern Tempo, und
den fragwürdigen Komfort des unaufmerksamen Dahinrollens - was sowieso
nirgends erlaubt ist, leider aber vorausgesetzt wird.

Fraglos aber sind die meisten Nachbarn auf den umblechten Polstersesseln
garnicht so sehr gegen Mischverkehr. Es gibt, vor Ort und ganz konkret, den
gewissen Sympathievorsprung für den Einsatz der eigenen Kräfte und die
Erinnerung an das eher menschliche Zeitmaß. Aber auch dies kann leicht, nach
rigoroser Zwangsimplantierung von Separierungen, allmählich schwinden, und
hiermit wird die Gefährlichkeit, wegen fehlender Gewöhnung an das
Miteinander, zunehmen.

Mit stellt sich das so dar, dass soziales Know-How ein Kapital ist, dazu
noch eines, das ganz schön ins Geld gehen kann, wenn es kurz einmal
zerschlagen wird. Nur ist es leider in gewisser Weise etwas schutzlos, weil
es sich nicht in opportunen Werten repräsentiert. Dass da etwas war, merkt
man in Kategorien solch opportuner Werte erst, wenn es fehlt.

Der Mut zur Konterkarikatur gegen den Mainstream, das ist in dem Fall
glaubwürdig und auch haltbarer. Mischverkehr und endlose Geduld bei der
Umsetzung. Kimono-Sportkurse für das richtige Hinfallen, entkrampfte
Beziehung zur körperlichen Präsenz, Gepäckdepots und DUschen gehören da
gleich dazu: Da gibt es viel Raum für Phantasie.

Aber eine Separierung ist da nicht dabei. Das ist das Gegenteil von
Phantasie, nämlich rigide Funktionalisierung.

Wenn Montreal (Zwangs-?) Separierungen anlegt, dann wird es gewiss keine
Radfahrerhauptstadt, das kann man ziemlich sicher vorwegnehmen - diese
Lügenkappe haben sie an vielen anderen Plätzen auch gleich still und
heimlich wieder abgesetzt, eine kleine Schweigezeit später, nach den x-ten
Replikationen der immer gleichen salbungsvollen Reden zum Ruhme der mobilen
Funktionalität, zu deren Abhaltung zudem ja auch immer viel Sprit verbrannt
wird, was den Kontext nebenbei schön markant anstinkt.

Siehe oben: Bitte mindestens zweimal hinschauen!

Auf eine Geographie kann man nun einmal nicht mehrere voneinander
unabhängige Verkehrsnetze projezieren. Das geht prinzipiell daneben. Da
helfen auch Glaubensartikel nicht weiter.

Ach ja, da gäbe es dann noch einen anderen ebenso immens schrägen und
destruktiven Glaubensartikel in Form des bunten Leichtstoffquaderhutes, den
man da gleich mit draufstülpen könnte. Aber gut, so ad hoc in Summe führte
das hier zu weit.

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