On 7 Mai, 08:23, Hans-Georg Michna <hans-
> >Ich bin davon überzeugt, dass Intelligenz erblich ist. Allerdings sind
> >Abweichungen zu Intelligenzen der Eltern zu gross, als dass die
> >gemessenen Werte vergleichbar mit ererbter Augen- oder Hautfarbe wäre.
> >Ausreisser aus dem Bereich des Zwischenraums des IQ der Eltern müssten
> >auf Genmutationen zurückzuführen sein, um eine Vererbung nach Mendel
> >anwenden zu können.
>
> >Je häufiger ein Kind einen IQ ausserhalb des elterlichen Spektrums
> >aufweist, desto häufiger sind also Mutationen. Die Wahrscheinlichkeit
> >dafür steigt exponentiell mit der Anzahl entsprechend funktioneller
> >Gensequenzen.
>
> Ausreißer können auch durch Umwelteinflüsse verursacht werden.
> Ich vermute, Ausreißer nach unten können leicht durch ungünstige
> Bedingungen in der Kindheit verursacht werden. Ein Schlag mit
> dem Holzhammer auf den Kopf könnte schon reichen.
>
> Umgekehrt können Ausreißer nach oben durch ungünstige
> Bedingungen in der Kindheit der Eltern verursacht werden oder
> jedenfalls dadurch, dass das Kind sehr viel günstigere
> Bedingungen vorfindet als seine Eltern sie hatten.
>
> Grundsätzlich sollte klar sein, dass der Grad der Erblichkeit
> von der Umgebung abhängt. In optimaler Umgebung ist der IQ
> vollständig ererbt, denn es gibt dort per definitionem keine
> unterschiedlichen Umwelteinflüsse.
>
> In einer "Kultur" hingegen, in der die Kinder mit dem Holzhammer
> oder mit anderen stark hinderlichen Einflüssen traktiert werden,
> wird der IQ weitgehend unabhängig von der Erbmasse sein, nämlich
> universell niedrig.
>
> >Vielleicht kann man, z. B. durch fMRT oder eher durch die Genetik,
> >feststellen, was noch zur Intelligenz gehört. Mglw. haben wir für
> >Einiges noch gar keine Wörter. Mich wundert jedenfalls, dass sich
> >Intelligenz praktisch auf Problemlösungsfähigkeit, strukturelles
> >Denken, Assoziationsfähigkeit (alles zeitabhängig) reduziert. Ich
> >würde auch Intuition und Musikalität dazuzählen, auch wenn die
> >Begriffe ebenso schwammig sind wie Intelligenz selbst.
>
> Man kann nicht objektiv feststellen, was zur Intelligenz gehört,
> ebenso, wie man nicht objektiv feststellen kann, was das Wort
> "grün" zu bedeuten hat. Solche Worte sind von Menschen erdacht
> und mit einer Bedeutung versehen worden, die ursprünglich
> beliebig festgelegt werden konnte.
>
> Heute aber ist der Begriff Intelligenz in der Wissenschaft,
> genauer gesagt, in der Psychometrie, bereits definiert, und wir
> können ihn nicht sinnvoll umdefinieren, wenn wir uns mit
> Psychometrikern noch verständigen wollen. Du kannst das zwar
> tun, aber dann musst du jedes Mal erklären, was du abweichend
> von der wissenschaftlichen Definition unter Intelligenz
> verstehst, bevor du mit einem allgemeingebildeten Menschen in
> einen Dialog trittst, der bereits gelernt hat, was man unter
> Intelligenz versteht. Eine verbreitete Definition ist etwa:
> Intelligenz ist die Fähigkeit, in einer neuartigen Situation
> zweckmäßig zu handeln. Andere bekannte Definitionen laufen
> relativ genau auf dasselbe hinaus.
>
> In der Bevölkerung außerhalb der Wissenschaft wird der Begriff
> Intelligenz allerdings ständig umdefiniert. ("Mein Kind kann gut
> klettern, also hat es Kletterintelligenz.") Deswegen vermeide
> ich das Wort Intelligenz schon weitgehend und verwende statt
> dessen lieber den Begriff IQ, der bei aller Kritik doch
> einigermaßen scharf definiert ist, nämlich als Transformation
> eines Ranges auf die Gaußsche Glockenkurve. Der Rang wird
> wiederum bestimmt durch einen Test, in dem die Probanden eine
> Reihe logischer Probleme lösen müssen.
>
> Diese Definition wurde von einer veralteten Definition
> abgeleitet, die früher auf Kinder angewendet wurde, nämlich:
>
> IQ = 100 * Intelligenzalter / chronologisches Alter
>
> Beispiel: Ein Kind, das im Alter von 10 Jahren die
> durchschnittliche geistige Leistungsfähigkeit eines 13-jährigen
> Kindes zeigt, hat einen IQ von 130.
>
> Die populären Redefinitionen haben alle eines gemeinsam---sie
> versuchen, die Bedeutung auszuweiten und somit zu verwässern,
> bis zur Unbrauchbarkeit. Dahinter steckt wiederum die Furcht vor
> dem Begriff von einer genauen, messbaren Intelligenz, weil die
> Leute letztendlich befürchten, als unwiderruflich dumm gemessen
> zu werden. Deswegen lieben sie Begriffe wie soziale Intelligenz
> (in der Wissenschaft nur als Sozialkompetenz bezeichnet) und
> andere "multiple Intelligenzen".
Das ist mir alles klar. Deshalb lehne ich multiple Intelligenzen auch
ab. Aber guten Gewissens geht das nur mit einer scharfen Definition.
Mir ist für die Vererbung der Peak der "Glockenkurve" nicht ausgeprägt
genug, also die Standardabweichung zu gross. Mit einer Verengung des
Intelligenzbegriffs wäre das zu beheben. Mglw. findet man bspw. für
Intelligenz und Kreativität gemeinsame Gensequenzen, wodurch der
Intelligenz belastbarere Kriterien zugrundeliegen.
Natürlich ist im Augenblick Intelligenz das, was ein Test misst. Aber
das finden nicht nur Aussenstehende unbefriedigend, obwohl es genau
analog danach gebildet ist, dass Grösse das ist, was ein
Längenmassstab misst.
Mir ging es bei der Erblichkeit darum, dass vererbte Eigenschaften
durch geeignete Spezifizierung eine (geometrisch) schmalere
Glockenkurve aufweisen, s. o. Und diese Eigenschaften gehören in die
Intelligenzdefinition.