HP überwacht auf dem LinuxTag

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Alexander Bernauer

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Jun 24, 2005, 6:44:05 AM6/24/05
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Hi

HP will Werbung für seine Netzwerkkameras auf dem LinuxTag machen.
Deshalb ist ein Teil der Ausstellungsfläche zur Demonstration mit
Kameras gespickt.

Ein paar davon sind an der Decke, andere auf einem Roboterplagiat
installiert. Da nirgends ein Hinweis auf die Überwachung zu finden
war, wollten wir testen, ob die Kameras an dem Roboter tatsächlich
online sind und haben von einer den Netzwerkstecker gezogen.

Keine 10 Sekunden später war jemand von HP da und hat uns
aufgefordert, den Stecker wieder rein zu tun. Als wir uns weigerten,
hat er mit dem Sicherheitspersonal gedroht. Auf die Frage, wo denn
hier auf die Überwachung hingewiesen wird, kam keine Antwort. Auf die
Frage, ob aufgezeichnet wird, kam auch keine Antwort.

Da wir keine Lust auf Machtdemonstrationen hatten, haben wir den
Stecker wieder rein getan. Dabei bemerken wir, wie prompt eine der
Deckenkameras remote gedreht und auf uns gerichtet wurde. Man
beobachtete uns, wie wir in dem Durchgang rumstanden und redeten und
verfolgte uns auf unserem Weg bis wir den überwachten Bereich
verlassen hatten.

Das zeigt einmal mehr, dass technische Systeme ihr Potential
entfalten werden, egal welche initialen Absichten man hat. Das "nur
zu Demonstrationszwecken" installierte System wurde innerhalb von
Sekunden produktiv zum "Selbstschutz" eingesetzt.

Der Vorfall mag trivial sein und hat wahrscheinlich auch keine
Konsequenzen. Dennoch ist er ein sehr gutes Beispiel für die
Probleme, die unsere Gesellschaft mit der Überwachung hat und noch
bekommen wird.

Außerdem hat HP bewiesen, dass sie wenig von freier Software und der
Community verstanden haben. Sonst wüsste man, dass dort Überwachung
überhaupt nicht gerne gesehen wird.

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Marcel Dunkelberg

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Jun 24, 2005, 8:49:59 AM6/24/05
to
Michael Holzt wrote:

> Das liegt in Deiner/Eurer Hand. Habt Ihr die Linuxtag-Leitung auf die
> vermutlich rechtswidrige (da keine Hinweisschilder) Überwachung
> angesprochen? Bitte tut das.

Hi,

schonmal drüber nachgedacht dass man bei einer Großveranstaltung
überhaupt keine Erlaubnis dafür benötigt?
Nett wäre natürlich ein Hinweis gewesen, aber zwingend ist dieser nicht.

Gruß
Marcel

Carsten Krüger

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Jun 24, 2005, 11:25:05 AM6/24/05
to
Am Fri, 24 Jun 2005 14:49:59 +0200 schrieb Marcel Dunkelberg:

> schonmal drüber nachgedacht dass man bei einer Großveranstaltung
> überhaupt keine Erlaubnis dafür benötigt?

Wieso sollte das nicht notwendig sein?

Wahrscheinlich wird's nen generellen Hinweis am Eingang geben ...

Gruß Carsten

Ralf Bader

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Jun 24, 2005, 2:04:19 PM6/24/05
to
Marcel Dunkelberg wrote:

Schon mal darüber nachgedacht, bei Sachen, von denen Du nichts verstehst,
einfach stille zu sein? Die geschilderte Videoüberwachung fällt eindeutig
unter §6b BDSG (sie findet in einem öffentlichen Raum statt, sie dient
nicht ausschließlich persönlichen oder familiären Tätigkeiten), und dessen
Abs. 2 verlangt, den "Umstand der Beobachtung und die verantwortliche
Stelle" "durch geeignete Maßnahmen erkennbar zu machen". Wobei mir gerade
auffällt, daß solche Floskeln wie "Der Eigentümer" auf diesen
Hinweisschildern zwecks Videoüberwachung ja wohl keine Kenntlichmachung der
verantwortlichen Stelle sind. Ich glaube, ich werde in nächster Zeit mal
einige Videoüberwacher andonnern.


Ralf

Ralf Bader

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Jun 24, 2005, 4:57:40 PM6/24/05
to
Ergänzung:
http://www.im.baden-wuerttemberg.de/sixcms/media.php/1227/him_40_endfassung.pdf
scheint eine recht brauchbare Darstellung der Sachlage zu sein.

Marcel Dunkelberg

unread,
Jun 24, 2005, 6:18:22 PM6/24/05
to
Ralf Bader schrieb:

> Schon mal darüber nachgedacht, bei Sachen, von denen Du nichts verstehst,
> einfach stille zu sein? Die geschilderte Videoüberwachung fällt eindeutig
> unter §6b BDSG (sie findet in einem öffentlichen Raum statt, sie dient
> nicht ausschließlich persönlichen oder familiären Tätigkeiten), und dessen
> Abs. 2 verlangt, den "Umstand der Beobachtung und die verantwortliche
> Stelle" "durch geeignete Maßnahmen erkennbar zu machen". Wobei mir gerade
> auffällt, daß solche Floskeln wie "Der Eigentümer" auf diesen
> Hinweisschildern zwecks Videoüberwachung ja wohl keine Kenntlichmachung der
> verantwortlichen Stelle sind. Ich glaube, ich werde in nächster Zeit mal
> einige Videoüberwacher andonnern.

Schon mal darüber nachgedacht über Sachen nicht zu meckern die du nicht
verstehst?.... Eine Messe ist keine öffentliche Veranstaltung, denn du
bezahlst Eintritt dafür. Warst du schonmal auf einem Konzert? Dort wird
schon auf den Eintrittskarten das Recht am eigenen Bild aberkannt.

> Ralf
>

Gruß
Marcel

Message has been deleted

Ralf Bader

unread,
Jun 24, 2005, 7:24:39 PM6/24/05
to
Marcel Dunkelberg wrote:

Lies einfach mal die in meinem 2. Posting genannte Quelle, falls du das
hinkriegst.

Ralf Bader

unread,
Jun 24, 2005, 7:38:30 PM6/24/05
to
Marcel Dunkelberg wrote:

Du solltest eventuell in Erwägung ziehen, rechtliche Fragen anhand
sinnvoller Informationsquellen zu klären, etwa die in meinem anderen
Posting genannte, und nicht durch dubiose Sprüche auf Eintrittskarten. Das
Recht am eigenen Bild gem. KunstUrhG hat mit den nach BDSG zu beachtenden
Modalitäten einer Videoüberwachung eher wenig zu tun.


Ralf


Ralf

Jochim Selzer

unread,
Jun 25, 2005, 3:40:28 AM6/25/05
to
Markus D. Frick wrote:

> Ist das rechtsgültig?????

In der c't stand meiner Erinnerung nach mal ein Artikel zu diesem Thema.
Ich weise im Vorfeld darauf hin, dass ich kein Jurist bin und nicht nur
deswegen jetzt daneben liegen kann. Da bei einem Konzert vom
Veranstalter häufig Aufnahmen für spätere Kaufvideos erstellt werden und
man einfach keine Möglichkeit hat, 10000 Leute um ihre schriftliche
Zustimmung zu bitten, benutzt man eine Ausschlussklausel auf den
Eintrittskarten. Da das Publikum in den meisten Fällen ohnehin nur
schmückendes Beiwerk des Videos darstellt, wird da auch keiner groß in
seiner persönlichen Freiheit verletzt. Selbst wenn während des Konzerts
jemand aus dem Publikum auf die Bühne gehoben wird und damit aus der
anonymen Masse identifizierbar auftaucht, ist dies (so vermute ich) mit
der Generalklausel abgegolten.

Gruß

Jochim

gunter Kühne

unread,
Jun 25, 2005, 3:49:49 AM6/25/05
to
Jochim Selzer wrote:

Aber nur solange bis derjenige nicht klagt.
Dann kann alles anders werden.
Das was manche behauten recht zu sein ist nicht unbedingt das was was die
Gerichte dann entscheiden.

Gunter
--
Wichtige Nachrichten an Bastler100ya-at-Yahoo.de

Ralf Bader

unread,
Jun 25, 2005, 5:36:14 AM6/25/05
to
Markus D. Frick wrote:

> Marcel Dunkelberg schrieb am Samstag, 2005-06-25:
>
>> bezahlst Eintritt dafür. Warst du schonmal auf einem Konzert? Dort wird
>> schon auf den Eintrittskarten das Recht am eigenen Bild aberkannt.
>

> Ist das rechtsgültig?????

Es ist irrelevant, inhaltlich wegen
http://transpatent.com/gesetze/kunstg.html#23
und formal wahrscheinlich auch, da es nicht Vertragsbestandteil geworden
ist. Man kann es als Hinweis auf die ohnehin bestehende Rechtslage
betrachten. Beachte auch, worum es beim "Recht am eigenen Bild" genau geht
- nämlich nicht den Vorgang des Fotografiert- oder Gefilmtwerdens, sondern
die Veröffentlichung der Bilder.


Ralf

stefanen

unread,
Jun 28, 2005, 6:51:22 AM6/28/05
to
Einfach mal den Sachverhalt ordentlich aufschreiben und an den
Bundesdatenschutzbeauftragten schreiben.
Das ist eine geeignete Lösung um Rechts-Sicherheit zu bekommen und es
müsste doch akzeptabel sein einer Person die dafür bezahlt wird (ca.
6000EUR wenn ich mich recht entsinne) zu konsultieren.
Wofür ist er denn da?

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