>Martin Gerdes schrieb:
>> Ja.
>> "Säugen" ist das Kausativum zu "saugen", es bedeutet (jemand
>> anderen) "saugen machen"; "veranlassen zu saugen".
>> Die Mutter säugt ihr Kind - und das saugt emsig.
>Ich darf etwas Bildungsbürgertum einwerfen und erwähnen,
>dass dies einer der ganz wenigen Fälle ist, wo es im
>Deutschen einen Kausativ durch Lautveränderung im
>Stamm gibt. Mir fällt noch "haften" und "(an)heften"
>ein, "legen" (zum Liegen bringen) und "liegen".
mehr auf meiner WWW-Seite http://www.lrz-muenchen.de/~hr/lang/caus.html .
>Im Hebräischen gibt es ein ganzes Genus verbi (obwohl
>der Begriff nicht ganz passt) für _jeden_ Wortstamm
Nennen wirs "Binjan": so heißts nun mal (wir treiben ja auch keine
lateinische Grammatik mit hebräischen Begriffen, warum also umgekehrt?).
>mit der (ungefähren) Bedeutung "veranlassen zu ..."
So gewaltig sind die Unterschiede zwischen dem deutschen Kausativ und
dem hebräischen Hif`il nicht. In beiden Fällen war der Binjan einst
produktiv und hat neue Wörter erzeugt, ist aber später nur noch an der
Etymologie vorhandener Wörter zu erkennen. Kennzeichen für die
Unproduktivität sind:
1) Bei vielen Wortwurzeln ist der Gebrauch des Binjan heute nicht
üblich und in der Literatur nicht bezeugt (im Deutschen die meisten
Wörter, aber auch im Hebräischen sehr viele).
2) Nicht immer ist die Bedeutung *exakt* "zum xxx bringen", manchmal
ist diese Bedeutung irgendwie übertragen oder weiter hergeholt. Das
ist für mich ein Zeichen, dass sich das kausative Verb in der
Vergangenheit verselbständigt und allein weiterentwickelt hat.
Beispiele (deutsch):
sprengen von springen
hetzen von hassen
Beispiele (hebräisch):
BXN: hivchin (bemerken) von bachan (prüfen)
M$K: himschich (fortsetzen) von maschach (ziehen)
)MN: heemin (vertrauen) von aman (erziehen)
GNB: higniv (einschmuggeln) von ganav (stehlen)
X$B: hechschiv (für wichtig halten) von chaschav (denken)
Deutsche verwandte Wörter sind übrigens "amen" zu "heemin" und
"Ganove" zu "ganav".
Ich habe versucht, diese Wörter in der Bibel zu finden, um einen Beleg
dafür zu haben, dass das immer schon so war. Fast Fehlanzeige: "aman"
kommt einmal in 2Kg.10:5 als "omen" (Vormund) vor, was wenigstens
dieses Beispiel rettet. Bei allen anderen kommt meist der Hif`il nicht
oder nicht in der obigen Bedeutung vor, manchmal hat dann schon der
Qal (also der nicht-kausative Binjan) die Bedeutung, z.B. "maschach"
in der Bedeutung "fortsetzen" in Ps.36:11. Man müsste das gründlicher
untersuchen als in einer Stunde hilflosen Blätterns möglich ist. Aber
es könnte doch ein Hinweis darauf sein, dass der Hif`il in biblischen
Zeiten noch weitgehend produktiv war.
Ein großer Unterschied zwischen Hebräisch und Deutsch in dieser
Beziehung ist, dass man im Hebräischen sieben wohldefinierte Binjanim
hat, so dass man jedes Verb eindeutig einem davon zuordnen kann. Für
Mathematiker: die Menge aller möglichen Verben ist das cartesische
Produkt der Menge der Wortwurzeln und der 7-elementigen Menge der
Binjanim. Sowas ginge im Deutschen kaum.
Naja, das wird in d.e.s.d. langsam weg-vom-Thema, obwohl die Diskussion
der Produktivität hier schon noch hergehört. Deswegen F'up nach
de.etc.sprache.misc.
Helmut Richter
> mehr auf meiner WWW-Seite http://www.lrz-muenchen.de/~hr/lang/caus.html .
Dort fehlt mir bei "stecken" und "schleifen" die Anmerkung, daß die beiden
Formen in manchen Gegenden unterschiedlich ausgesprochen werden.
Michael Kauffmann
Helmut Richter schrieb [viel]
[x] Ich habe verstanden :-)
--
Dr. Christian E. Naundorf alias CEN
Elen síla lúmenn' omentielvo
>Ich darf etwas Bildungsbürgertum einwerfen und erwähnen,
Helmut Richter schrieb dazu [viel].
"Christian E. Naundorf" <cnau...@t-online.de> schreibt jetzt:
>[x] Ich habe verstanden :-)
Wenn mein eingeworfenes Halbbildungsbürgertum (bin schließlich
ebensowenig Fachmann wie er) Christian verschreckt haben sollte, täte
mir das schrecklich. Ich schätze seine Beiträge in d.s.r.m. und habe
mich schon auf mehr von ihm in d.e.s.[dm]. gefreut.
Helmut Richter