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Vorname Zeljka wie aussprechen?

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Michael Adam

unread,
Jul 13, 1999, 3:00:00 AM7/13/99
to
Hallo,

wie spricht man den wahrscheinlich aus dem Jugoslawischen
kommenden Vornamen "Zeljka" aus?

Einfach "Zelka" ohne "j" oder gar "Zeljaka" mit "j" als "ja" drin?

Kann man eigentlich aus solchen Vornamen schließen, welcher
Ethnie derjenige angehört, also ist "Zeljka" klar moslemisch,
serbisch, o.ä.?

Vielen Dank für Tips
Gruss
Michael Adam


Christian Weisgerber

unread,
Jul 13, 1999, 3:00:00 AM7/13/99
to
Michael Adam <michae...@gmx.de> wrote:

> wie spricht man den wahrscheinlich aus dem Jugoslawischen
> kommenden Vornamen "Zeljka" aus?

Vielleicht antwortet noch jemand, der sich damit auskennt. Bis dahin:

Dem SAMPA-Eintrag für Kroatisch nach wird es etwa /"zeLka/ sein.
Eventuell mit langen Vokalen. Ob /e/ als [e] oder [E] realisiert
wird, steht da leider nicht.

> Einfach "Zelka" ohne "j" oder gar "Zeljaka" mit "j" als "ja" drin?

Weder noch. Der Digraph "lj" - in kyrillischer Schreibung nur ein
einzelner Buchstabe - steht für ein palatisiertes 'l' ("palatal
lateral approximant"). Im Unterschied zum normalen [l] wird der
Zungenrücken gegen den vorderen Gaumen gehoben.

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.rhein-neckar.de

Christopher Schmidt

unread,
Jul 13, 1999, 3:00:00 AM7/13/99
to

Michael Adam schrieb:

> Hallo,


>
> wie spricht man den wahrscheinlich aus dem Jugoslawischen
> kommenden Vornamen "Zeljka" aus?
>

> Einfach "Zelka" ohne "j" oder gar "Zeljaka" mit "j" als "ja" drin?
>
>

Weder noch
<lj> entspricht in IPA dem umgedrehten y, also einem palatalen Lateral,
der hochsprachlichen Aussprache von "ll" in sp. "calle" oder "gl" in it.
"gli". Es ist nicht dt. lj!, sondern ein Laut!

Chris


Frank

unread,
Jul 14, 1999, 3:00:00 AM7/14/99
to

Michael Adam <michae...@gmx.de> wrote in message
news:7mdovu$ksq$1...@f40-3.zfn.uni-bremen.de...

> wie spricht man den wahrscheinlich aus dem Jugoslawischen
> kommenden Vornamen "Zeljka" aus?

naja, wie 'selka', nur mit slawischem Akzent. ;-)

> Kann man eigentlich aus solchen Vornamen schließen, welcher
> Ethnie derjenige angehört, also ist "Zeljka" klar moslemisch,
> serbisch, o.ä.?

Hmmm... hast du auch nen Nachnamen dazu?

--
Ciao,
Frank

Christopher Schmidt

unread,
Jul 14, 1999, 3:00:00 AM7/14/99
to
Michael Adam schrieb:

> Hallo,


>
> wie spricht man den wahrscheinlich aus dem Jugoslawischen
> kommenden Vornamen "Zeljka" aus?
>

Alexandre Meissonnier

unread,
Jul 18, 1999, 3:00:00 AM7/18/99
to

Michael Adam schrieb:


>
> wie spricht man den wahrscheinlich aus dem Jugoslawischen
> kommenden Vornamen "Zeljka" aus?
>

Hallo,

also ich kannte mal einen Kroaten mit dem Vornamen Zeljko. Der schrieb
sich erstens mal mit einem "Häkchen" (umgekehrten Zirkumflex) über dem
Z. Der erste Buchstabe wird also wie das zweite G in "Garage"
ausgesprochen. Das lj war in seiner Aussprache zu einem einfachen i
abgeschliffen. Fast alle, die die korrekte Schreibung nicht kannten,
schrieben automatisch "Jeiko" oder sowas ähnliches.

Alle Klarheiten beseitigt?

--
Alexandre Meissonnier

mailto:al...@gmx.de


Michael Adam

unread,
Jul 19, 1999, 3:00:00 AM7/19/99
to
Hallo Alexandre und alle anderen,

Alexandre Meissonnier <Alexandre....@gmx.de> schrieb in Newsbeitrag:
3791AABA...@gmx.de...

> also ich kannte mal einen Kroaten mit dem Vornamen Zeljko. Der schrieb
> sich erstens mal mit einem "Häkchen" (umgekehrten Zirkumflex) über dem
> Z. Der erste Buchstabe wird also wie das zweite G in "Garage"
> ausgesprochen. Das lj war in seiner Aussprache zu einem einfachen i
> abgeschliffen. Fast alle, die die korrekte Schreibung nicht kannten,
> schrieben automatisch "Jeiko" oder sowas ähnliches.
>
> Alle Klarheiten beseitigt?

Allerdings, wer denkt sich bloß solche Namen aus :), hm also
"jellllka" oder "sssselllllka", bzw. ein Derivat dazwischen, da ent-
gleist die deutsche Zunge aber sehr leicht.

Trotzdem vielen Dank für die Tips
Gruss
Michael Adam


Message has been deleted

Dorothee Hermann

unread,
May 17, 2020, 8:19:26 PM5/17/20
to
Am 17.05.20 um 17:51 schrieb wickedtruths at yahoo.com:
> Am 13.07.1999 schrieb Michael Adam:
^^^^^^^^^^^^^
Message-ID: <7mdovu$ksq$1...@f40-3.zfn.uni-bremen.de>#1/1


> Hallo Michael, also ich heiße Željko, so wird der Name richtig
> geschrieben, auch bei Željka. Der Name kommt aus Serbien, Kroatien,
> Bosnien und Montenegro. Er bedeutet "der/die Erwünschte" vom Wort
> Želja (Wunsch). Ž spricht man wie Sch aber mit Stimme. Also wie J in
> Jealusine, G bei Gandarme, oder das zweite G bei Garage. Lj ist
> eigentlich sehr ähnlich zu dem deutschen L. Also wenn man es schafft
> Želko zu sagen, ist der Namenträger glauben Sie mir sehr sehr
> dankbar.

Ich glaube nicht, dass 21 (!) Jahren der Michael zusätzlich zu den im
o.a. Thread Erklärungen noch Deine Beschreibung liest?!


Dorothee
--
https://groups.google.com/forum/#!search/Vorname$20Zeljka$20wie$20aussprechen$3F/de.etc.sprache.misc/fIByzbjkJ54/k98isvjpAQAJ

Michael Pachta

unread,
May 18, 2020, 8:12:38 AM5/18/20
to
Am 18.05.2020 um 02:19 schrieb Dorothee Hermann:
>> Hallo Michael, also ich heiße Željko, so wird der Name richtig
>> geschrieben, auch bei Željka. Der Name kommt aus Serbien, Kroatien,
>> Bosnien und Montenegro. Er bedeutet "der/die Erwünschte" vom Wort
>> Želja (Wunsch). Ž spricht man wie Sch aber mit Stimme. Also wie J in
>> Jealusine, G bei Gandarme, oder das zweite G bei Garage. Lj ist
>> eigentlich sehr ähnlich zu dem deutschen L. Also wenn man es schafft
>> Želko zu sagen, ist der Namenträger glauben Sie mir sehr sehr
>> dankbar.
>
> Ich glaube nicht, dass 21 (!) Jahren der Michael zusätzlich zu den im
> o.a. Thread Erklärungen noch Deine Beschreibung liest?!

Das sicher nicht. Aber ich fand es trotzdem interessant, da mir der Name
"Željka" schon einmal schriftlich untergekommen ist (als "Zeljka"), ich
aber nicht wusste, wie man das "lj" ausspricht. Ich dachte, es würde wie
"li" gesprochen. Und das "Ž" war in "Zeljka" gar nicht vorhanden. Also
sprach bzw. las ich plump "Tselika".

Sergio Gatti

unread,
May 18, 2020, 9:41:29 AM5/18/20
to
Michael Pachta hat am 18.05.2020 um 14:12 geschrieben:
Eigentlich müsste jemand, der behauptet, Željko zu heißen, am besten
wissen, wie man seinen Vornamen und die weibliche Form Željka
ausspricht. Aber ich weiß nicht, wie er "sehr ähnlich zu dem deutschen
L" meint.

Ich dachte mich zu erinnern, dass die serbokroatischen Buchstaben lj
eher meinem italienischen gl wie in gli, figlio usw. bzw. einer Variante
des spanischen ll entsprechen.
Der wesentliche Unterschied zum deutschen L ist für mich offensichtlich.
Und siehe da: Laut
<https://de.wikipedia.org/wiki/Serbische_Sprache#Aussprache>
ist lj ein palataler lateraler Approximant.
In
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kroatische_Sprache#Alphabet_und_Aussprache>
lese ich sogar: "stimmhafter lateraler palataler Approximant, zu einem
Laut verschmolzen, wie ital. gli in figlio". Quod erat demonstrandum.

Helmut Richter

unread,
May 19, 2020, 5:27:17 AM5/19/20
to
On Mon, 18 May 2020, Sergio Gatti wrote:

> > Das sicher nicht. Aber ich fand es trotzdem interessant, da mir der Name
> > "Željka" schon einmal schriftlich untergekommen ist (als "Zeljka"), ich
> > aber nicht wusste, wie man das "lj" ausspricht. Ich dachte, es würde wie
> > "li" gesprochen. Und das "Ž" war in "Zeljka" gar nicht vorhanden. Also
> > sprach bzw. las ich plump "Tselika".

Im Russischen unterscheidet man palatisierte („weiche“) von nichtpalatisierten
(„harten“) Konsonanten, wobei es fast immer beide gibt. In der Schreibung
sieht man das nicht dem Konsonantenzeichen an, sondern dem folgenden
Schriftzeichen: weich ist ein Konsonant, dem ein weicher Vokal (​е, и, ю, я)
folgt oder ein „weiches Zeichen“ (ь) falls kein Vokal folgt. Der Unterschied
ist besonders gut hörbar bei l, d und n, wobei bei d und n die deutschen
Konsonanten als hart empfunden und deswegen mit harten russischen Konsonanten
traskribiert werden. Nur beim l ist das anders herum: das deutsche l [l] wird
als weich empfunden und so transkribiert: „Luther“ wird zu „Лютер“
(l-ju-t-e-r), nicht zu „Лутер“ (l-u-t-e-r) mit hartem l; schließlich spricht
man ja im Deutschen auch kein hartes [ɫ]. Ebenso ohne nachfolgenden Vokal mein
Vorname „Helmut“ als „Гельмут“ mit explizit weichem l.

Im Serbokroatischen (gibts nicht mehr – ich meine die Sprache, die zwei
Alphabete nebeneinander verwendet hat) wird das weiche l als љ bzw. lj
dargestellt, wobei љ eine Ligatur ist, die russischem ль entspricht.

Es gibt also grob eine Reihenfolge:

hart
russisches hartes l („Wolga“) = englisches hartes l („London“)
deutsches normales l („Leipzig“)
russisches weiches l („Lena“)
stark palatisiertes l (it „Puglia“, es „Sevilla“)
weich

Die Russen haben sich nun entschieden, dass das deutsche l eher ihrem weichen
l gleicht als ihrem harten, meinem Gehör nach zu Recht.

Ohne Serbisch oder Kroatisch zu können, nehme ich an, dass Željko denselben
Eindruck hat, was das lj in seinem Namen betrifft. Wie genau das harte und
weiche l dort ausgesprochen wird, weiß ich nicht, aber die Dichotomie gibts
auch.

--
Helmut Richter

Sergio Gatti

unread,
May 19, 2020, 6:36:40 AM5/19/20
to
Helmut Richter hat am 19.05.2020 um 11:27 geschrieben:
> On Mon, 18 May 2020, *Michael Pachta* wrote:
>
>>> Das sicher nicht. Aber ich fand es trotzdem interessant, da mir der Name
>>> "Željka" schon einmal schriftlich untergekommen ist (als "Zeljka"), ich
>>> aber nicht wusste, wie man das "lj" ausspricht. Ich dachte, es würde wie
>>> "li" gesprochen. Und das "Ž" war in "Zeljka" gar nicht vorhanden. Also
>>> sprach bzw. las ich plump "Tselika".
>
>
> hart
> russisches hartes l („Wolga“) = englisches hartes l („London“)
> deutsches normales l („Leipzig“)
> russisches weiches l („Lena“)
> stark palatisiertes l (it „Puglia“, es „Sevilla“)
> weich
>
> Die Russen haben sich nun entschieden, dass das deutsche l eher ihrem weichen
> l gleicht als ihrem harten, meinem Gehör nach zu Recht.

Für mein Gehör ist das L in Leipzig nicht dem russischen weichen L näher
als dem englischen L in London. Die Entscheidung der Russen für die
Transkription in ihre Sprache bleibt logischerweise den Russen
überlassen. Sie wissen am besten, wie sie Wolga und Lena aussprechen.



> Ohne Serbisch oder Kroatisch zu können, nehme ich an, dass Željko denselben
> Eindruck hat, was das lj in seinem Namen betrifft. Wie genau das harte und
> weiche l dort ausgesprochen wird, weiß ich nicht, aber die Dichotomie gibts
> auch.

Es wäre interessant, wenn Željko Italienisch genug gut könnte, um uns zu
verraten, ob "lj" in seinem Namen eher wie "l" in melo oder in sveglio
klingt. Ich denke: "Wie in sveglio", aber ich kann weder Serbisch noch
Kroatisch.

Interessant auch, wie die Russen laut Wikipedia die deutsche Stadt Halle
schreiben:
Га́лле, иногда (früher) Ха́лле
Sprechen die Deutschen das H am Anfang weicher als früher, merkten die
Russen den Unterschied zwischen H wie in Halle und CH wie in Bach früher
nicht, oder war er ihnen weniger wichtig als der zwischen H wie in Halle
und G wie in Goethe und sie haben ihre Meinung später geändert?

Ich habe mir übrigens erlaubt, dein Zitat von Michael ihm und nicht mir
zuzuschreiben.

Helmut Richter

unread,
May 19, 2020, 8:48:43 AM5/19/20
to
On Tue, 19 May 2020, Sergio Gatti wrote:

> Interessant auch, wie die Russen laut Wikipedia die deutsche Stadt Halle
> schreiben:
> Га́лле, иногда (früher) Ха́лле

Хильдесхайм, Хельсинки und Ханой werden lt. ru:WP immer noch mit Х
geschrieben, und auch meinen Vornamen schrieb ich bislang immer so. Ich habe
das Г nur verwendet, weil in der ru:WP die beiden deutschen Kanzler namens
Helmut mit Г geschrieben werden. Offenbar gibts keine Regel, und der Gebrauch
wechselt auch.

> Sprechen die Deutschen das H am Anfang weicher als früher, merkten die
> Russen den Unterschied zwischen H wie in Halle und CH wie in Bach früher
> nicht, oder war er ihnen weniger wichtig als der zwischen H wie in Halle
> und G wie in Goethe und sie haben ihre Meinung später geändert?

Ich glaube eher, dass die Schreibung des h-Lautes mit Г eher darauf
zurückzuführen ist, dass es innerhalb der slawischen Sprachen eine
Lautverschiebung g→h gegeben hat: viele Wörter mit g im Russischen,
Polnischen, Serbischen, Kroatischen und Niedersorbischen haben stattdessen h
im Tschechischen, Slowakischen, Ukrainischen, Weißrussischen und
Obersorbischen. Deswegen dient der Buchstabe Г je nach Sprache als g oder h,
z.B. in den Städtenamen Hrodna = Grodno und Krywyj Rih = Kriwoi Rog.
Naheliegend, den auch für Namen von außerhalb des russischen Reiches zu
verwenden.

> Ich habe mir übrigens erlaubt, dein Zitat von Michael ihm und nicht mir
> zuzuschreiben.

Ja, war ein Flüchtigkeitsfehler.

--
Helmut Richter

Christian Weisgerber

unread,
May 19, 2020, 1:30:06 PM5/19/20
to
On 2020-05-19, Sergio Gatti <sergi...@meine-wahrheit-deine-wahrheit.de> wrote:

> Interessant auch, wie die Russen laut Wikipedia die deutsche Stadt Halle
> schreiben:
> Га́лле, иногда (früher) Ха́лле

иногда: manchmal, bisweilen, mitunter (Langenscheidts Taschenwörterbuch)

> Sprechen die Deutschen das H am Anfang weicher als früher, merkten die
> Russen den Unterschied zwischen H wie in Halle und CH wie in Bach früher
> nicht, oder war er ihnen weniger wichtig als der zwischen H wie in Halle
> und G wie in Goethe und sie haben ihre Meinung später geändert?

Russisch transkribiert h althergebracht als г (g). Das hat sicher
damit zu tun, dass in Südrussisch und Weißrussisch г als [ɣ], im
Ukrainischen als [ɦ] gesprochen wird; auch Tschechisch und Slovakisch
haben ursprüngliches g zu h verschoben. Es gibt also eine Art Verlauf
h > g zwischen Mitteleuropa und Moskau.

In neuerer Vergangenheit – vielleicht seit der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts? – wird h aber nun als х ins Russische transkribiert:

Home Office > Хоум-офис (brit. Innenministerium)
Edward Heath > Эдвард Хит
Han Solo > Хан Соло
Sea Harrier > Си Харриер

Gewohnte Namen behalten ihr altes г, so dass es drunter und drüber
geht. Harry Potter ist Гарри Поттер, weil Harry = Гарри schon lange
etabliert ist.

Entsprechend sieht man bei Russen, die Deutsch oder Englisch
schreiben, gelegentlich auch Fehler wie „Gindukusch“.

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Ulf.K...@web.de

unread,
May 19, 2020, 4:46:36 PM5/19/20
to
Am Dienstag, 19. Mai 2020 11:27:17 UTC+2 schrieb Helmut Richter:

> Im Serbokroatischen (gibts nicht mehr – ich meine die Sprache, die zwei
> Alphabete nebeneinander verwendet hat)

Das gibt es im Serbischen noch heute.

> wird das weiche l als љ bzw. lj
> dargestellt, wobei љ eine Ligatur ist, die russischem ль entspricht.

Gruß, ULF

Ulf.K...@web.de

unread,
May 19, 2020, 4:51:02 PM5/19/20
to
Am Dienstag, 19. Mai 2020 19:30:06 UTC+2 schrieb Christian Weisgerber:

> > Interessant auch, wie die Russen laut Wikipedia die deutsche Stadt Halle
> > schreiben:
> > Га́лле, иногда (früher) Ха́лле
>
> иногда: manchmal, bisweilen, mitunter (Langenscheidts Taschenwörterbuch)
>
> > Sprechen die Deutschen das H am Anfang weicher als früher, merkten die
> > Russen den Unterschied zwischen H wie in Halle und CH wie in Bach früher
> > nicht, oder war er ihnen weniger wichtig als der zwischen H wie in Halle
> > und G wie in Goethe und sie haben ihre Meinung später geändert?
>
> Russisch transkribiert h althergebracht als г (g). Das hat sicher
> damit zu tun, dass in Südrussisch und Weißrussisch г als [ɣ], im
> Ukrainischen als [ɦ] gesprochen wird; auch Tschechisch und Slovakisch
> haben ursprüngliches g zu h verschoben. Es gibt also eine Art Verlauf
> h > g zwischen Mitteleuropa und Moskau.
>
> In neuerer Vergangenheit – vielleicht seit der zweiten Hälfte des
> 20. Jahrhunderts? – wird h aber nun als х ins Russische transkribiert:
>
> Home Office > Хоум-офис (brit. Innenministerium)
> Edward Heath > Эдвард Хит
> Han Solo > Хан Соло
> Sea Harrier > Си Харриер
>
> Gewohnte Namen behalten ihr altes г

Das betrifft insbesondere auch die 'h', die erst durch
Lautverschiebung entstanden sein dürften, wie die
tschechische Eigenbezeichnung der Hauptstadt an der
Moldau. Bereits im Polnischen steht da ein 'g'.

JaWo

unread,
May 20, 2020, 4:38:25 AM5/20/20
to
> Helmut Richter
>



Gute Fleißarbeit bezügl. Russisch, hat aber mit o.a. Frage nichts zu
tun. Želj-ko deverbal von žèlj-eti 'wünschen', < *želѢ-ti, also palatal.
Nichtpalatales 'l' vor Pause bzw. Cons. wird (ca. 14. Jh. *) ja
vokalisiert (cf. Beograd).

* Popović Ivan, Geschichte der serbokroatischen Sprache,
Harrassowitz 1960, pp.305-306.




Ulf.K...@web.de

unread,
May 20, 2020, 2:20:19 PM5/20/20
to
Am Mittwoch, 20. Mai 2020 10:38:25 UTC+2 schrieb JaWo:

> Želj-ko deverbal von žèlj-eti 'wünschen', < *želѢ-ti, also palatal.
> Nichtpalatales 'l' vor Pause bzw. Cons. wird (ca. 14. Jh. *) ja
> vokalisiert (cf. Beograd).
>
> * Popović Ivan, Geschichte der serbokroatischen Sprache,
> Harrassowitz 1960, pp.305-306.

Zumindest bei Lehnwörtern macht man Ausnahmen.
Vgl. https://hr.wikipedia.org/wiki/Moral

Helmut Richter

unread,
May 21, 2020, 4:08:32 AM5/21/20
to
On Tue, 19 May 2020, Sergio Gatti wrote:

> Helmut Richter hat am 19.05.2020 um 11:27 geschrieben:

> > Die Russen haben sich nun entschieden, dass das deutsche l eher ihrem weichen
> > l gleicht als ihrem harten, meinem Gehör nach zu Recht.
>
> Für mein Gehör ist das L in Leipzig nicht dem russischen weichen L näher
> als dem englischen L in London. Die Entscheidung der Russen für die
> Transkription in ihre Sprache bleibt logischerweise den Russen
> überlassen. Sie wissen am besten, wie sie Wolga und Lena aussprechen.

Vielleicht ist das Beispiel „London“ ungeeignet. Ich meinte den
Unterschied zwischen den l in englisch „tall“ und deutsch „toll“: das
erste hart, das zweite weich, wenn auch nicht deutlich palatal.

--
Helmut Richter
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