kann mir hier vielleicht jemand weiterhelfen? Ich suche den russischen
Original-Wortlaut des legendären Gorbatschow-Zitats "Wer zu spät kommt,
den bestraft das Leben." Ein wenig russisch kann ich; es darf also gern
kyrillisch oder in einer üblichen Transliteration sein; auch ein Link
auf eine Web-Fundstelle wäre willkommen.
Ich habe den Verdacht, dass Russisch mit drei Wörtern auskommt, wo wir
deren acht verwenden, kann das sein?
Vielen Dank im Voraus
Rainer Schneehorst
["Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."]
> Ich habe den Verdacht, dass Russisch mit drei Wörtern auskommt, wo wir
> deren acht verwenden, kann das sein?
Habe dazu folgendes gefunden:
Jens Reich verbürgt sich für das russische Original: »Trudnosti
podsteregajut tech, kto ne reagirujet na shisn.« Das kann nach Reich nur
heißen: »Schwierigkeiten lauern auf/erreichen diejenigen, die nicht auf
das Leben reagieren.«
[http://www.uni-frankfurt.de/fb10/schlosser/lingua.html, 22.02.2003]
Grüße,
Martin
> Ich suche den russischen
> Original-Wortlaut des legendären Gorbatschow-Zitats "Wer zu spät
> kommt, den bestraft das Leben."
Siehe dazu <http://www.zeit.de/stimmts/199941_stimmts_gorbatsc.html>.
Gruß,
Stephan
--
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De omnibus dubitandum - an allem ist zu zweifeln
(Karl Marx)
Es gibt diesen Satz nicht. Das war ein Übersetzungfehler ins deutsche.
»Wer zu spät kommt...« - eine falsche Übersetzung
Was Michail Gorbatschow anlässlich des 40. Jahrestags der Gründung der
DDR 1989 vor einer Menschenmenge in Ost-Berlin äußerte und was - sicher
zu Recht - als Kritik an der verkalkten SED-Führung verstanden wurde,
läuft seitdem in einer deutschen »Übersetzung« als geflügeltes Wort um
und wird auch auf höchst Unpolitisches angewandt: »Wer zu spät kommt,
den bestraft das Leben.« Zweifel an der übersetzerischen Richtigkeit
dieser deutschen Formulierung sind schon früher aufgekommen. Eine sehr
genaue Erinnerung an Gorbatschows Äußerung auf Russisch hat u.a. noch
der Augen- und Ohrenzeuge jener Szene in Ost Berlin, Prof. Dr. Jens
Reich, Molekularbiologe, seinerzeit DDR-Bürgerrechtler und später sogar
Kandidat für das Bundespräsidentenamt. Jens Reich verbürgt sich für das
russische Original: »Trudnosti podsteregajut tech, kto ne reagirujet na
shisn.« Das kann nach Reich nur heißen: »Schwierigkeiten lauern
auf/erreichen diejenigen, die nicht auf das Leben reagieren.« (vgl. auch
Reichs Beitrag in DIE ZEIT vom 24.6.1999). Nach wie vor bleibt es eine
interessante Frage, wie es zur (möglicherweise gewollten) Verschärfung
dieses Satzes im Deutschen gekommen ist. Dass »das Leben« jemanden
»bestraft«, der »zu spät kommt«, ist zwar inzwischen durch den
Zusammenbruch des SED-Regimes erwiesen; ganz so sicher, wie es die
falsche Wiedergabe im Deutschen nahelegt, scheint sich Gorbatschow in
der zweiten Oktoberwoche 1989 aber noch nicht gewesen zu sein.
(X/99; auch: DER SPRACHDIENST 5/99)
http://www.uni-frankfurt.de/fb10/schlosser/lingua.html
Ciao Henning
> Rainer Schneehorst schrieb in de.etc.sprache.misc:
>
> > Ich suche den russischen
> > Original-Wortlaut des legendären Gorbatschow-Zitats "Wer zu spät
> > kommt, den bestraft das Leben."
>
> Siehe dazu <http://www.zeit.de/stimmts/199941_stimmts_gorbatsc.html>.
Ich zitiere mal das Wesentliche:
| Auch Gorbatschows Zitat wurde im Nachhinein wohl "begradigt".
| Ein Mitschnitt der Aktuel- len Kamera des DDR-Fernsehens vom 5.
| Oktober 1989 zeigt, wie Gorbatschow auf dem Flughafen
| Berlin-Schönefeld von Erich Honecker zur 40-Jahr-Feier der DDR
| empfangen wird. Bei dieser Gelegenheit sagte er den Satz: "Ich
| glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben
| reagieren." So weit die etwas holprige, aber immerhin
| öffentlich dokumentierte Redewendung. In seinen Memoiren
| schreibt Gorbatschow, er habe zwei Tage später Honecker in
| einem Vieraugengespräch gesagt: "Das Leben verlangt mutige
| Entscheidungen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."
| Vielleicht hat er tatsächlich zwei Tage an dem Spruch gefeilt,
| bis er schließlich griffig genug war. Nachprüfen kann man's
| nicht.
| Übrigens: Ein Mitarbeiter des Deutschlandfunks, der gerade die
| Ereignisse von 1989 aufarbeitet, sucht noch nach einem Beleg
| für den Spruch von Willy Brandt, nach dem zusammenwächst, was
| zusammengehört.
Ich habe in Erinnerung (wo man sich aber manchmal die Dinge vereinfacht
zurechtlegt), daß Gorbatschow den Satz in seiner Rede vor der
Volkskammer gesagt hat. Der Text sollte doch irgendwo zugänglich sein.
Ob der DLF-Mitarbeiter den Beleg für Brandts Ausspruch gefunden hat,
weiß ich nicht. Er müßte nur in den Rundfunkarchiven nach den
öffentlichen Äußerungen 1989/90 suchen. Es war bei irgendeiner Rede "vor
dem Volk".
Ralf
> Ob der DLF-Mitarbeiter den Beleg für Brandts Ausspruch gefunden hat,
> weiß ich nicht. Er müßte nur in den Rundfunkarchiven nach den
> öffentlichen Äußerungen 1989/90 suchen. Es war bei irgendeiner Rede
> "vor dem Volk".
Es gibt einige Dokumente im Web, die behaupten, dieser Ausspruch sei
nie in dieser Form im November '89 gefallen. Ich kann mich aber
erinnern, daß er recht freudig aufgenommen wurde und schon rasch vor
dem Zusammenwuchern gewarnt wurde...
Florian Weimer schrieb:
> Es gibt einige Dokumente im Web, die behaupten, dieser Ausspruch sei
> nie in dieser Form im November '89 gefallen.
Ich kann mich noch genau an die szene und den tonfall erinnern.
--
tobias benjamin köhler ____________________________ t...@uncia.de
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>> Es gibt einige Dokumente im Web, die behaupten, dieser Ausspruch sei
>> nie in dieser Form im November '89 gefallen.
>
> Ich kann mich noch genau an die szene und den tonfall erinnern.
Dann beschreib' mal. 8-)
Florian Weimer schrieb:
>>Ich kann mich noch genau an die szene und den tonfall erinnern.
> Dann beschreib' mal. 8-)
Aus dem gedächtnis ohne rückgriff auf video-archiv:
Willy Brandt stand vor einem wald von mikrophonen, zusammen
mit noch weiteren wichtigen politikern, und sprach zur masse...
"Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört"
Wie soll ich den tonfall beschreiben? Der des alten Brandt
dürfte bekannt sein: eher langsam und nachdenklich, nicht ganz
so enerrgisch wie in jüngerem alter, aber dennoch eindringlich.
> Florian Weimer schrieb:
>
> > Es gibt einige Dokumente im Web, die behaupten, dieser Ausspruch sei
> > nie in dieser Form im November '89 gefallen.
>
> Ich kann mich noch genau an die szene und den tonfall erinnern.
Ja, der Tonfall war sehr auffällig.
Anscheinend gibt es auch urban legends zum Quadrat.
Ralf
> Florian Weimer schrieb:
>
> >>Ich kann mich noch genau an die szene und den tonfall erinnern.
>
> > Dann beschreib' mal. 8-)
>
> Aus dem gedächtnis ohne rückgriff auf video-archiv:
> Willy Brandt stand vor einem wald von mikrophonen, zusammen
> mit noch weiteren wichtigen politikern, und sprach zur masse...
> "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört"
> Wie soll ich den tonfall beschreiben? Der des alten Brandt
> dürfte bekannt sein: eher langsam und nachdenklich, nicht ganz
> so enerrgisch wie in jüngerem alter, aber dennoch eindringlich.
Euphorisch war er.
Ralf
>
>
> Florian Weimer schrieb:
>
>>>Ich kann mich noch genau an die szene und den tonfall erinnern.
>
>> Dann beschreib' mal. 8-)
>
> Aus dem gedächtnis ohne rückgriff auf video-archiv:
> Willy Brandt stand vor einem wald von mikrophonen, zusammen
> mit noch weiteren wichtigen politikern, und sprach zur masse...
> "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört"
Also wenn uns unser kollektives Gedächtnis nicht trügt, wie uns manche jetzt
glauben machen wollen ... aber genau diese Szene habe ich auch noch in
meiner Erinnerung ....Und die anderen Politiker in seiner Umgebung waren
u.a. Helmut Kohl und Walta Mompa ... Und die Massen jubelten.Aber damals
jubelten die Massen ja dauernd.Und dann sangen die Herren Politiker
zusammen mehr schlecht als recht noch "Einigkeit und Recht und Freiheit"
... oder vermische ich da jetzt was in meiner Erinnerung?
b.a.
>, wie Gorbatschow auf dem Flughafen
>| Berlin-Sch?nefeld von Erich Honecker zur 40-Jahr-Feier der DDR
>| empfangen wird. Bei dieser Gelegenheit sagte er den Satz: "Ich
>| glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben
>| reagieren." So weit die etwas holprige, aber immerhin
>| ?ffentlich dokumentierte Redewendung. In seinen Memoiren
>| schreibt Gorbatschow, er habe zwei Tage sp?ter Honecker in
>| einem Vieraugengespr?ch gesagt: "Das Leben verlangt mutige
>| Entscheidungen. Wer zu sp?t kommt, den bestraft das Leben."
Ich war gerade in Deutschland, und habe die erwehnte Rede im Fernsehen
verfolgt. Woertlich kann ich mich nicht an alles erinnern, ich weiss
nur dass ich danach zu meinem Schwager sagte: "Mit der DDR ist es nun
endgueltig aus! Gorbi hat gerade damit gesagt dass er die
DDR-Regierung nicht mehr unterstuetzt. Ost-Deutschland giebt es nicht
mehr !!!"
Mann muss schon alles was sich damals, vor allem in der ehemaligen
Sovjet-Union, abspielte im betracht ziehen - dann wird es
verstaendlich. Unter Gorbatschow wurden auch in der Sovjet-Union
endlich klar dass mann sich die Jahrzenten-Irrtuemer die der
Komunismmus pflegte nicht mehr erlauben kann. Nur der Honecker wollte
es nicht wahr haben.
Deshalb der Satz. Honecker wurde damit sich selbst ueberlassen, nur
konnte er es nicht mehr verstehen. Was dann geschah, wissen wir alle.