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Slawische Namensformen (was: Mal wieder "Tschechien")

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Diedrich Ehlerding

unread,
Apr 14, 2002, 10:39:50 AM4/14/02
to
"Dirk SCHNEIDER" <scd...@gmx.de> meinte:

Xpost, Fup2 desm

[weibliche Namensformen slawischer Sprachen]

> Wie ist denn da eigentlich die Gesetzmäßigkeit der Namensbil-
> dung? Was ist mit den nächsten Generationen? Heißen alle
> weiblichen Nachkommen automatisch "-ova"? Wie heißen wiederum
> dessen weibliche und männliche Nachkommen?

In slawischen Sprachen enden die Nachnamen der Frauen auf -a oder auf
-ova. Beispiele wurden oben schon erwähnt; aus der Literatur gibt es das
bekannte Beispiel der Anna Karenina (ihr Mann heißt Karenin).

Die einzelnen slawischen Sprachen unterscheiden sich im Detail;
Tschechisch bildet die weibliche Form mit -ova, Polnisch mit -a, Russisch
ggf. mit -a, manchmal auch (wenn der Name auf -ij oder -oj endet) mit
-aja: ich weiß nicht, ob Lev Nikolajewitsch Tolstoj verheiratet war oder
eine Schwester oder Tochter hatte, aber wenn, hätte die "Tolstaja"
gehießen. Der Sohn heißt dann wieder Tolstoj, die Tochter Tolstaja.

Im Russischen (bei anderen slawischen Sprachen weiß ich es nicht) ist BTW
zu beachten, dass man außerdem einen sog. Vatersnamen führt, das ist der
Vorname des Vaters, erweitert um "-owitsch" bzw. "-owna". Russen
untereinander reden sich häufig nicht mit (im Beispiel) "Herr
Chruschtschow" an, sondern mit "Nikita Sergejewitsch". N. S. hatte meines
Wissens eine Tochter, allerdings weiß ich nicht, wie die heißt; nehmen wir
mal an: Larissa, dann ist ihr voller Namw "Larissa Nikitowna
Chruschtschowa".

Wie im Isländischen (-son, -dottir) ist es immer der Name des Vaters,
nicht der Mutter, den man erhält.

Diedrich
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD auf den üblichen Servern
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3

Lars Braesicke

unread,
Apr 14, 2002, 2:19:51 PM4/14/02
to

"Diedrich Ehlerding" <diedrich....@t-online.de> schrieb im
Newsbeitrag news:mb4c9a...@diedrich.ehlerding.dialin.t-online.de...

> "Dirk SCHNEIDER" <scd...@gmx.de> meinte:
>
> Xpost, Fup2 desm
>
> [weibliche Namensformen slawischer Sprachen]
>
> > Wie ist denn da eigentlich die Gesetzmäßigkeit der Namensbil-
> > dung? Was ist mit den nächsten Generationen? Heißen alle
> > weiblichen Nachkommen automatisch "-ova"? Wie heißen wiederum
> > dessen weibliche und männliche Nachkommen?
>
> In slawischen Sprachen enden die Nachnamen der Frauen auf -a oder auf
> -ova. Beispiele wurden oben schon erwähnt; aus der Literatur gibt es
das
> bekannte Beispiel der Anna Karenina (ihr Mann heißt Karenin).
>
> Die einzelnen slawischen Sprachen unterscheiden sich im Detail;
> Tschechisch bildet die weibliche Form mit -ova, Polnisch mit -a,
Russisch
> ggf. mit -a, manchmal auch (wenn der Name auf -ij oder -oj endet) mit
> -aja: ich weiß nicht, ob Lev Nikolajewitsch Tolstoj verheiratet war
oder
> eine Schwester oder Tochter hatte, aber wenn, hätte die "Tolstaja"
> gehießen. Der Sohn heißt dann wieder Tolstoj, die Tochter Tolstaja.

Im Sorbischen gibt es Namensformen für verheiratete Frauen mit der
Endung -owa bei (männl.) Namen auf Konsonant: z.B. Nowak - Nowakowa
oder -ina/-yna bei (männl.) Namen auf -a oder -ski: z.B. Janca - Jancyna
und Namensformen für unverheiratete Frauen (-ec/-ic, Nowakec, Jancec)
z.B. Jan Nowak, seine Frau Marka Nowakowa und ihre Tochter Jana Nowakec

> [...]


> Wie im Isländischen (-son, -dottir) ist es immer der Name des Vaters,
> nicht der Mutter, den man erhält.

So ist's im Isländischen eben nicht, jedenfalls nicht mehr.
Es ist genauso gut möglich, sich nach der Mutter zu benennen, wenn auch
seltener üblich.
Heißt die Mutter Gudrún und der Vater Ólaf, so können ihr Sohn/ ihre
Tochter nach Lust und Laune Gudrúnssón/Gudrúnsdottir oder
Ólafssón/Ólafsdottir heißen (orthogr. Fehler bitte zu
entschuldigen, ich spreche kein Isländisch).

Lars

Roman Sotnikov

unread,
Apr 15, 2002, 12:58:10 AM4/15/02
to
Hallo,

> Im Russischen (bei anderen slawischen Sprachen weiß ich es nicht) ist BTW
> zu beachten, dass man außerdem einen sog. Vatersnamen führt, das ist der
> Vorname des Vaters, erweitert um "-owitsch" bzw. "-owna". Russen
> untereinander reden sich häufig nicht mit (im Beispiel) "Herr
> Chruschtschow" an, sondern mit "Nikita Sergejewitsch". N. S. hatte meines
> Wissens eine Tochter, allerdings weiß ich nicht, wie die heißt; nehmen wir
> mal an: Larissa, dann ist ihr voller Namw "Larissa Nikitowna
> Chruschtschowa".
>

Larissa Nikititschna (eng. Larisa Nikitichna) wird geschrieben, und
[nikitischna] wird ausgesprochen. Der Vatersname für Ilja wird auch
mit "-itschna" erstellt, Ilja -> Iljinitschna, also mit dem A endende Namen
meistens bilden deren Vatersnamen("Ottschestwo" eigentlich)
mit "-itschna", wobei Danila wäre eine Ausnahme, Danila -> Danilowna.

Männliche Vatersnamen (mit dem A im Auslaut) benutzen nicht "itschna",
sondern einfach "itsch", z.B. Wladimir Iljitsch (Lenin :) ), Iwan Nikitisch,
etc.


Gruß,
Roman


Florian Ritter

unread,
Apr 15, 2002, 5:18:54 PM4/15/02
to
diedrich....@t-online.de (Diedrich Ehlerding) schreibt:

> Im Russischen (bei anderen slawischen Sprachen weiß ich es nicht) ist BTW
> zu beachten, dass man außerdem einen sog. Vatersnamen führt, das ist der
> Vorname des Vaters, erweitert um "-owitsch" bzw. "-owna". Russen
> untereinander reden sich häufig nicht mit (im Beispiel) "Herr
> Chruschtschow" an, sondern mit "Nikita Sergejewitsch". N. S. hatte meines
> Wissens eine Tochter, allerdings weiß ich nicht, wie die heißt; nehmen wir
> mal an: Larissa, dann ist ihr voller Namw "Larissa Nikitowna
> Chruschtschowa".
>

> Wie im Isländischen (-son, -dottir) ist es immer der Name des Vaters,
> nicht der Mutter, den man erhält.

Du bist aber nie wirklich im Russischen gewesen, gell?

Nikanor Nikiforowitsch Nikitoff, vulgo FR

Ulf Kutzner

unread,
Apr 16, 2002, 4:43:33 AM4/16/02
to
Diedrich Ehlerding schrieb:

> [weibliche Namensformen slawischer Sprachen]
>
> > Wie ist denn da eigentlich die Gesetzmäßigkeit der Namensbil-
> > dung? Was ist mit den nächsten Generationen? Heißen alle
> > weiblichen Nachkommen automatisch "-ova"? Wie heißen wiederum
> > dessen weibliche und männliche Nachkommen?
>
> In slawischen Sprachen enden die Nachnamen der Frauen auf -a oder auf
> -ova.

Nicht jedoch bei Namen auf -tschuk.

Gruß, ULF

Jarek

unread,
Apr 30, 2002, 6:02:10 AM4/30/02
to
> Nicht jedoch bei Namen auf -tschuk.


Wie kommst du auf so etwas?

Ulf Kutzner

unread,
Apr 30, 2002, 4:47:04 PM4/30/02
to
Jarek schrieb:

>
> > Nicht jedoch bei Namen auf -tschuk.
>
> Wie kommst du auf so etwas?

Mir war so, als sei im Russischen und Ukrainischen für diesen Namen
keine weibliche Form vorgesehen.

Gruß, ULF

Roman Sotnikov

unread,
May 1, 2002, 3:10:39 AM5/1/02
to

"Ulf Kutzner" <kutz...@students.uni-mainz.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3CCF02C8...@students.uni-mainz.de...

Das stimmt. Die weibliche Form haben, m.W., nur Nachnamen, die mit
"-ow, -(j)ew, -in, -skij, -oj, -ij" enden.

Für die anderen Namen, dieselbe Form wird verwendet sowohl für
weiblichen Namen als auch für männlichen.

_Umgangsspachlich_ aber häufig bekommen solche "Nicht-Russische" Namen eine
Russische weibliche Endung, wenn es sich um eine weibliche Nachname handelt:
Tkatschuk (ukr.) -> Tkatschukowa,
Schewtschenko (ukr.) -> Schewtschenkowa,
Pogosjan (arm.) ->Pogosjanova,
Bonner, Bljumberg (deutsch. oder jüd.) ->Bonnerowa, Bljumbergowa,
Kan (kor.) ->Kanskaja
Lukitsch, Moskwitsch(allg. slaw. oder jüd.)->Lukitschowa, Moskwitschowa....

Jarek

unread,
May 2, 2002, 4:25:38 AM5/2/02
to
> Mir war so, als sei im Russischen und Ukrainischen für diesen Namen
> keine weibliche Form vorgesehen.

Aber in deinem Posting hast du von "allen slavischen" Sprachen geschrieben.

Ulf Kutzner

unread,
May 2, 2002, 4:39:52 AM5/2/02
to
Jarek schrieb:

>
> > Mir war so, als sei im Russischen und Ukrainischen für diesen Namen
> > keine weibliche Form vorgesehen.
>
> Aber in deinem Posting hast du von "allen slavischen" Sprachen geschrieben.

Sollte mich wundern. Ist aber inzwischen expired, so daß ich es auf dem
Server nicht mehr finde.

Gruß, ULF

Gerhard Jahnke

unread,
May 2, 2002, 6:59:05 AM5/2/02
to
Am 2 May 2002 01:25:38 -0700 schrieb Jarek:

define >> Ulf Kutzner

>> Mir war so, als sei im Russischen und Ukrainischen für diesen Namen
>> keine weibliche Form vorgesehen.
>
> Aber in deinem Posting hast du von "allen slavischen" Sprachen geschrieben.

Im Artikel <mb4c9a...@diedrich.ehlerding.dialin.t-online.de> von
Diedrich steht "In slawischen Sprachen enden die Nachnamen der Frauen
auf -a (...)", aber nicht "in allen". Auf diesen Artikel bezog sich Ulf.

Gruß, Gerhard

Jarek

unread,
May 3, 2002, 5:13:34 AM5/3/02
to
> Im Artikel <mb4c9a...@diedrich.ehlerding.dialin.t-online.de> von
> Diedrich steht "In slawischen Sprachen enden die Nachnamen der Frauen
> auf -a (...)", aber nicht "in allen". Auf diesen Artikel bezog sich Ulf.


Das ist natürlich Haarspalterei von mir, aber wenn ich sage "Hunde
essen Fleisch gern" dann meine ich "alle Hunde".

Ulf Kutzner

unread,
May 3, 2002, 7:34:36 AM5/3/02
to
Jarek schrieb:

Deswegen wollte ich den obigen Satz nicht unkommentiert stehen lassen...

Gruß, ULF

Gerhard Jahnke

unread,
May 6, 2002, 12:09:40 AM5/6/02
to

Du hast aber das falsche Haar gespalten. Das implizite "alle" war von
Diedrich, von Ulf war die Berichtigung ;-)

Gruß, Gerhard

mwolf

unread,
May 14, 2002, 5:41:01 PM5/14/02
to
Ulf Kutzner <kutz...@mail.uni-mainz.de> wrote in message news:<3CBBE435...@mail.uni-mainz.de>...

Im Sorbischen gibt es jeweils zwei Suffixe für unverheiratete und
verheiratete weibliche Personen. Endet der Familienname des Vaters
(bei Mädchen) auf Konsonant , -ka oder -ca endet die Form des
Familiennamens des Mädchens auf -ec, z. B. Jana Nowakec (von Nowak),
Anja Meltkec (von Meltka). Ansonsten heißt die Endung -ic (Borbora
^Sol´cic (von S^olta, mit Konsonantenwechsel, c mit Akut darüber,
entspricht unserem tsch, das l ist eigentlich ein polnisches l)
Bei verheirateten Frauen gibt es die Suffixe -owa und -ina bzw. -yna.
-ina/-yna wird verwendet, wenn der Familienname des Ehemannes auf -a
oder -ki endet, ansonsten wird -owa verwendet. Z. B. Nawka -->
Nawcyna, ^Solta --> ^Sol´cina. Krawc --> Krawcowa (=Schneider), ^Sewc
--> ^Sewcowa (=Schuster)
Die Namen der unverheirateten weiblichen Personen sind undeklinierbar.
Die Familiennamen der verheirateten Frauen werden wie weibliche
Adjektive dekliniert.

Mfg
Michael Wolf

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