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Re: Lebt unsere Sprache und Kultur eigentlich noch?

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Joachim Pense

unread,
Nov 15, 2009, 2:59:40 PM11/15/09
to
Wolfram Heinrich (in de.etc.sprache.deutsch):

>
> Wenn ich, auf 1850 bezogen, von den italienischen Teilstaaten spreche,
> dann tue ich das aus der heutigen Perspektive, da ich weiß, daß später die
> Einigung erfolgte. Damals waren es italienische Staaten, also Staaten, in
> denen Italienisch gesprochen wurde (von einer Minderheit, der Großteil der
> Bevölkerung sprach nur den jeweiligen Regionaldialekt).
>

Ich hab mal vor Jahren gelesen, vor der italienischen Einigung habe es
kein "Italienisch" gegeben, nur die verschiedenen Italienischen Dialekte
(die sich ja auch heute nicht durch gegenseitige Verständlichkeit
auszeichnen). Man habe dann das Toskanische zur italienischen Hochsprache
erklärt, und den Rest zu Dialekten davon.

Später, durch das Fernsehen, sei dann der Einfluss des römischen Dialektes
etwas stärker geworden.

Joachim

Wolfram Heinrich

unread,
Nov 15, 2009, 3:12:31 PM11/15/09
to
Am Sun, 15 Nov 2009 20:59:40 +0100 schrieb Joachim Pense:

> Wolfram Heinrich (in de.etc.sprache.deutsch):
>
>>
>> Wenn ich, auf 1850 bezogen, von den italienischen Teilstaaten spreche,
>> dann tue ich das aus der heutigen Perspektive, da ich weiß, daß später die
>> Einigung erfolgte. Damals waren es italienische Staaten, also Staaten, in
>> denen Italienisch gesprochen wurde (von einer Minderheit, der Großteil der
>> Bevölkerung sprach nur den jeweiligen Regionaldialekt).
>>
> Ich hab mal vor Jahren gelesen, vor der italienischen Einigung habe es
> kein "Italienisch" gegeben, nur die verschiedenen Italienischen Dialekte
> (die sich ja auch heute nicht durch gegenseitige Verständlichkeit
> auszeichnen). Man habe dann das Toskanische zur italienischen Hochsprache
> erklärt, und den Rest zu Dialekten davon.
>

Das mit der italienischen Sprache ist meines Wissens doch etwas anders. Es
gab natürlich schon lange vor der italienischen Einigung eine italienische
Schriftsprache (wenn auch Neapolitanisch geraume Zeit Amtssprache war im
Königreich beider Sizilien). Dante hatte hier ähnlichen Einfluß wie später
Luther in Deutschland. Und das von Dante geprägte Italienisch ist deutlich
jünger als das von Luther geprägte Deutsch.
Das merkst du etwa daran, daß selbst in der italienischen Hauptschule die
"Göttliche Komödie" im Original gelesen wird und gelesen werden kann. Sie
ist mit wenig Erläuterungen noch verständlich. Deutsche Texte aus dieser
Zeit (um 1300) sind heute spontan kaum noch verständlich. Ich erkläre mir
das dadurch, daß das Italienische früher durch eine Literatursprache
"festgeklopft" wurde als das Deutsche, das heißt sie hat sich dadurch auch
deutlich langsamer und zäher verändert als das Deutsche. Schon das
Lutherdeutsch liest sich heute nur noch sehr zäh.

Ciao
Wolfram
--
Die gräßlichsten Morde werden an Universitäten begangen: Von häßlichen,
kleinen Fakten an wunderschönen und großen Theorien.
STANISLAW JERZY LEC
<http://derfranzehatgsagt.blogspot.com/> <www.theodor-rieh.de/heinrich>
<www.mpu-forum.eu> <http://www.youtube.com/watch?v=oDjbbkGVT4Q>

Helmut P. Einfalt

unread,
Nov 16, 2009, 1:03:41 AM11/16/09
to
Wolfram Heinrich beliebte zu schreiben :

> Und das von Dante
> geprägte Italienisch ist deutlich jünger als das von Luther geprägte
> Deutsch.

Das hab ich jetzt zweimal lesen müssen, bevor ich verstanden hab, was Du
meinst.

Sicherheitshalber wollen wir sagen:
Das von Dante geprägte (geschriebene) Italienisch wirkt deutlich
moderner als das Deutsch Luthers, obwohl es wesentlich älter ist.

Helmut
--
Nach dera Zei'n kimmt nix mehr

Wolfram Heinrich

unread,
Nov 16, 2009, 1:54:26 AM11/16/09
to
Am Mon, 16 Nov 2009 07:03:41 +0100 schrieb Helmut P. Einfalt:

> Wolfram Heinrich beliebte zu schreiben :
>
>> Und das von Dante
>> geprägte Italienisch ist deutlich jünger als das von Luther geprägte
>> Deutsch.
>
> Das hab ich jetzt zweimal lesen müssen, bevor ich verstanden hab, was Du
> meinst.
>

Das könnte daran liegen, daß mein real existierender Satz, so wie er da
steht, sinnlos bzw. falsch ist. Ich hatte wohl erst gedacht "...ist
deutlich früher entstanden..." und habe dann das "früher" durch "jünger"
ersetzt.

> Sicherheitshalber wollen wir sagen:
> Das von Dante geprägte (geschriebene) Italienisch wirkt deutlich
> moderner als das Deutsch Luthers, obwohl es wesentlich älter ist.
>

Das könnte hinkommen. Mich hat schon als Schüler verwirrt, daß die
Stilepochen in der Baukunst etc. in Deutschland um jeweils eine ganze
Epoche nach hinten verschoben ist. Während in Italien schon längst die
Renaissance tobt, werden in Deutschland noch gotische Dome gebaut.

Ciao
Wolfram
--
Der Franze hat gsagt, früher wär alles besser gewesen. Das ham, sagt er,
schon die alten Babylonier gesagt.

Helmut P. Einfalt

unread,
Nov 16, 2009, 2:38:43 AM11/16/09
to
Wolfram Heinrich beliebte zu schreiben :

>> Das hab ich jetzt zweimal lesen müssen, bevor ich verstanden hab,


>> was Du meinst.
>>
> Das könnte daran liegen, daß mein real existierender Satz, so wie er
> da steht, sinnlos bzw. falsch ist.

Des is ma eh gwehnt vo Dir... *ggg*

>> Das von Dante geprägte (geschriebene) Italienisch wirkt deutlich
>> moderner als das Deutsch Luthers, obwohl es wesentlich älter ist.
>>
> Das könnte hinkommen. Mich hat schon als Schüler verwirrt, daß die
> Stilepochen in der Baukunst etc. in Deutschland um jeweils eine ganze
> Epoche nach hinten verschoben ist. Während in Italien schon längst die
> Renaissance tobt, werden in Deutschland noch gotische Dome gebaut.

Jo mei, der Deitsche an sich ist halt nicht der Schnellste...

Wolfram Heinrich

unread,
Nov 16, 2009, 2:56:29 AM11/16/09
to
Am Mon, 16 Nov 2009 08:38:43 +0100 schrieb Helmut P. Einfalt:

> Wolfram Heinrich beliebte zu schreiben :
>

>> Das könnte hinkommen. Mich hat schon als Schüler verwirrt, daß die
>> Stilepochen in der Baukunst etc. in Deutschland um jeweils eine ganze
>> Epoche nach hinten verschoben ist. Während in Italien schon längst die
>> Renaissance tobt, werden in Deutschland noch gotische Dome gebaut.
>
> Jo mei, der Deitsche an sich ist halt nicht der Schnellste...
>

Nach meinen Erfahrungen mit italienischer Bürokratie und Lebensart wundere
ich mich immer wieder, wie die damals die Renaissance hingekriegt haben.
"Ci vuole pazienza" ist der Satz, den man in einem lebensnahen
Italienisch-Unterricht als erstes lernen sollte.

Ciao
Wolfram
--
Der Mensch kann bestimmte Verrichtungen überhaupt nicht ausführen, wenn er
sie nicht ordentlich ausführt. Nämlich die sinnlosen.
BERTOLT BRECHT

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