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Aussprache: hebraeisches Alphabet

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Olaf Dietrich

unread,
Apr 23, 2004, 5:03:32 AM4/23/04
to
Wie werden in der deutschsprachigen Hebraistik (genauer im
alttestamentarischen Kontext) denn üblicherweise die
Buchstabennamen ("Aleph", "Beth", "Gimel" usw.) ausgesprochen?

Aleph (א): /alɛf/ (ASCII-IPA /alEf/)?
Beth (ב): /bet/, /bɛt/, /vet/, /vɛt/, /beθ/, ...
(ASCII-IPA: /bet/, /bEt/, /vet/, /vEt/, /beT/, ...)?
Gimel (ג): mit /g/ im Anlaut oder /χ/ (/X/) oder einem ähnlichen
Reibelaut?
usw.

Ist die Aussprache (auch gelesener hebräischer Texte) relativ
einheitlich? Gibt es ähnlich wie im Altgriechischen verschiedene
»Schulen«? Im Web habe ich leider nicht viel Aufschlußreiches
gefunden (und bin dankbar für jeden Hinweis).

Olaf

Michael Kohs

unread,
Apr 23, 2004, 12:50:05 PM4/23/04
to
From: Michael Kohs <usen...@gmx.de>
Subject: Re: Aussprache: hebraeisches Alphabet
Newsgroups: de.etc.sprache.klassisch
User-Agent: 40tude_Dialog/2.0.10.1de
MIME-Version: 1.0
Content-Type: text/plain; charset="utf-8"
Content-Transfer-Encoding: 8bit
References: <c6am54$q7b$1...@wsc10.lrz-muenchen.de>
Date: Fri, 23 Apr 2004 18:41:29 +0200

Hallo,

Olaf Dietrich schrieb:


> Wie werden in der deutschsprachigen Hebraistik (genauer im
> alttestamentarischen Kontext) denn üblicherweise die
> Buchstabennamen ("Aleph", "Beth", "Gimel" usw.) ausgesprochen?

Ich bin nur Student der und habe keinen tiefgründigen Einblick in
die
deutsche Hebraistik, weiß demnach nicht, ob es wissenschaftlich
festgelegte Konventionen zur Ausprache des (Alt)Hebräischen gibt.
Ich
habe aber mal aus dem, was ich von unseren Dozenten in der Judaistik
höre, etwas empirisch "extrapoliert":

> Aleph (א): /alɛf/ (ASCII-IPA /alEf/)?

Alef: /a:lEf/, schwankt zwischen /a/ und /a:/.

> Beth (ב): /bet/, /bɛt/, /vet/, /vɛt/, /beθ/, ...
> (ASCII-IPA: /bet/, /bEt/, /vet/, /vEt/, /beT/, ...)?

Bet:
Hier hört man viele Varianten: /bet/, /bEt/, /beIt/, /bEIt/. Die
Aussprache mit /v/ nur äußerst selten, beim Buchstabieren wird
i.d.R.
/b/ gesprochen, auch wenn kein Dagesch steht. /T/ oder /s/ statt /t/
nur im jiddischen Kontext.

> Gimel (ג): mit /g/ im Anlaut oder /χ/ (/X/) oder einem ähnlichen
> Reibelaut?

Gimmel: nur /gIm@l/
Dalet: /da:lEt/
He: /he:/, /heI/, /hEI/
Waw: /vaf/, manchmal /vav/
Sajn: /zaen/, manchmal /zai:n/
Chet: /xEt/ mit [x]
Tet: /tEt/, manchmal /te:t/
Jud: /jUd/, auch /jud/; praktisch nie mit /o/
Kaf/Chaf: /kaf/; /xaf/ (relativ öfter als /vet/); beides mit [x]
Lamed: /la:mEd/
Mem: /mEm/
Nun: /nu:n/
Samech: /samEx/, auch /samex/, beides mit [x]
Ajin: /aen/, /ain/
Pe/Fe: /pe:/, /peI/, /pEI/; /fe:/, /feI/
Zade: /tsade:/, /tsad@/
Kuf: /ku:f/, /kUf/; fast nie mit /o/
Resch: /re:S/, /re:IS/, auch /rES/?
Schin/sin: /SIn/, /sIn/; auch mit /i/
Taw: /taf/, auch /tav/

> Ist die Aussprache (auch gelesener hebräischer Texte) relativ
> einheitlich? Gibt es ähnlich wie im Altgriechischen verschiedene
> »Schulen«?

Grundsätzlich ist feststellen, dass keine Differenzierung zwischen
Alef und Ajin, Chet und Chaf, Tet und Taw erfolt. Semitische
Kehllaute u.Ä. werden von deutschen Muttersprachlern nicht als
solche
gesprochen (wäre wohl auch etwas zuviel verlangt), sondern dem
Phoneminventar angepasst. Das rekonstruierte historische Aussprachen
des Hebräischen in der Lehre wirklich genutzt werden, ist mir noch
nicht untergekommen - biblische, rabbinische und moderne hebräische
Texte werden also mit gleicher moderner, dem Deutschen weitgehend
entsprechender Aussprache gelesen, wobei sich die regionale Herkunft
des Sprechers und des damit verbundenen Akzents natürlich auch im
Hebräischen bemerkbar macht (bsw. Realisierung des /r/). Allerdings
wurde in den Sprachkursen natürlich auf die in verschiedenen
Sprachstufen und Kulturkreisen voneinander abweichende Aussprache
hingewiesen.

Gruß
Micha

--
gequetschter, gepreßter Kehlkopflaut [...], nach einer 'klassischen' Beschrei-
bung ähnlich dem gepreßten a-Laut, den man vor dem Sich-Übergeben hervorbringt.
[Anmerkung zur Aussprache des hebräischen Buchstaben Ajin
aus: Stähli: Hebräisch-Kurzgrammatik, Göttingen 1985]

Michael Kohs

unread,
Apr 23, 2004, 1:11:42 PM4/23/04
to
Ich selbst schrieb:

[...gesnippt...]

Bitte entschuldigt die saumäßige Form meines vorhergehenden
Postings. Das kommt davon, wenn man ungetestet einen neuen
Newsreader einsetzt. :-/

Besserung gelobend
Micha

--
For truth is of the moment
And the believer is to blame
If some off-handed statement
Brings thoughtfulness and shame Will Oldham

Helmut Richter

unread,
Apr 26, 2004, 1:23:48 PM4/26/04
to
In article <c6am54$q7b$1...@wsc10.lrz-muenchen.de>, Olaf Dietrich wrote:

> Wie werden in der deutschsprachigen Hebraistik (genauer im
> alttestamentarischen Kontext)

Hmm. Wissenschaftliche Hebraistik betreibe ich nicht gerade ...

> Ist die Aussprache (auch gelesener hebräischer Texte) relativ
> einheitlich? Gibt es ähnlich wie im Altgriechischen verschiedene
> »Schulen«?

Im jüdischen Kontext wird die aschkenasische (ostjüdische) von der
sefardischen (spanisch-jüdischen) Aussprache unterschieden. Wichtigste
Unterschiede: Taw ohne Dagesh als [s] (aschk.) statt als [t] (sef.)
und Qamatz als [O] (aschk.) statt als [A] (sef.), also etwa "Schabbos"
statt "Schabbat". Die israelische Aussprache folgt eher dem
sefardischen Vorbild. Die yemenitische Aussprache ist auch eher die
sefardische, aber Ajin wird deutlich hörbar artikuliert und der
Unterschied zwischen Chet (Kehle) und Chaf wird gemacht, ebenso der
zwischen Qof (hinten) und Kaf (weiter vorn).

Die heutige israelische Aussprache hat durchweg Plosive beim g, d, t
und den Wechsel von Plosiven (mit Dagesch) und Frikativen (ohne
Dagesch) beim b, k und p. Typisch "theologisch" und wenig mit den
drei genannten Aussprachen korreliert ist die Sitte, auch beim b immer
den Plosiv [b] zu sprechen, also zwar "Seraph" (nicht "Serap") zu
sagen, aber trotzdem "Cherub", "Abib" und "Abraham" statt "Cheruv",
"Aviv" und "Avraham". Ebenfalls unisraelisch und theologentypisch ist
die hörbare Aussprache des bewegten Schwa in Wörtern wie "B(e)rit"
(Bund) oder "T(e)schuva" (Umkehr).

Ich würde die heutige israelische Aussprache zum Vorbild nehmen, egal
ob sie nun am exaktesten an biblische Vorbilder herankommt oder nicht
- soweit das überhaupt eindeutig feststeht. Der Unterschied dürfte
nicht so groß sein wie beim Alt/Neugriechischen. Wenns ein Prof
partout anders hören will, kann man sich ja anpassen.

Helmut Richter

Olaf Dietrich

unread,
Apr 27, 2004, 12:00:06 PM4/27/04
to
Michael Kohs <usen...@gmx.de>:

>
> Ich habe aber mal aus dem, was ich von unseren Dozenten in der Judaistik
> höre, etwas empirisch "extrapoliert":

Vielen Dank, damit hast Du meine Frage detaillierter beantwortet,
als ich sie gestellt habe. Als wesentliche Punkte fallen mir auf:
ein /θ/ (/T/) scheint (wahrscheinlich im Gegensatz zur angelsächsischen
Aussprache) eher nicht gebräuchlich zu sein, Yôd(h) und Qôph haben beide
ein /u/ oder /ʊ/ (/U/) und die Kehllaute /χ/ (/X/) sind relativ
einheitlich. Insgesamt einfacher als befürchtet ...

Danke auch an Helmut für die Erläuterungen
Olaf

Rahel Maria Liu

unread,
May 6, 2004, 5:28:42 PM5/6/04
to
Hi,

Michael Kohs schrieb:
Waw: /vaf/, manchmal /vav/

auch: /vau/

> Taw: /taf/, auch /tav/

auch: /tau/

Gruß
Rahel
--
* Rahel Maria Liu * www.SophiasWelt.net * www.MountainArea.com *

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