Re: "variadisch"

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Helmut Richter

unread,
Oct 2, 2015, 5:30:43 PM10/2/15
to
Am 02.10.2015 um 19:49 schrieb Stefan Ram:

> Newsgroups: de.etc.sprache.deutsch,de.etc.sprache.klassisch,de.sci.mathematik
>
> Ich habe jetzt folgende Tabelle zu Attributen von Operatoren
> und Funktionen aufgestellt:
>
> kein Operand/Argument nullär
>
> ein Operand/Argument unär monadisch
>
> zwei Operanden/Argumente binär dyadisch (diadisch)

und natürlich auch mehr: ternär, quaternär, ..., wovon mindestens das
erste durchaus gebräuchlich ist. Auf Deutsch 0-stellig, 1-stellig, ...,
n-stellig, auf Englisch 0-ary (selten), unary, ..., n-ary.

Alles nichts, was es nicht schon längst gäbe einschließlich der
Bezeichnungen.

> mit variabler Anzahl von Operanden/Argumenten

Das ist in der Mathematik unüblich. Man kann auf n-stellige Operationen
mit n>1 auch verzichten und verwendet dann lieber einstellige
Operationen auf n-Tupeln; dann sind die mit variabler Anzahl von
Operanden/Argumenten eben einstellige auf der Menge abbrechender Folgen,
die man zuvor geeignet definieren muss.

Ein Grund, jeder Operation feste Operandenzahl zu geben ist der Bau
algebraischer Strukturen: definiert man, was eine Gruppe ist, dann gibt
es eben eine zweistellige Operation, die Multiplikation, Addition,
Komposition oder auch ganz anders heißen kann (Namen sind Schall und
Rauch), eine einstellige Operation (Inverses) und eine nullstellige
Operation (Eins oder Null oder Identität, je nachdem).

> »Nullär« klingt ein bißchen wie eine Adhoc-Bildung von
> jemandem, der kein Latein gelernt hat, da es auf das
> deutsche oder englische Wort »Null« (»null«) zurückzugehen
> scheint. Aber selbst wenn die klassischen Römer keine Zahl
> »Null« hatten, hatten sie vielleicht ein Wort für »Nichts«
> oder »kein«.

Na ja, nullstellige Operationen werden gemeinhin "Konstante" genannt und
nullstellige Prädikate gibts genau zwei, nämlich "wahr" und "falsch".

--
Helmut Richter

Christian Weisgerber

unread,
Oct 2, 2015, 6:30:06 PM10/2/15
to
On 2015-10-02, Stefan Ram <r...@zedat.fu-berlin.de> wrote:

> kein Operand/Argument nullär
^^^^^^^^^
niladisch

> ein Operand/Argument unär monadisch
>
> zwei Operanden/Argumente binär dyadisch (diadisch)
>
> mit variabler Anzahl von variadisch
> Operanden/Argumenten

> Betrachtet man nun einmal nur die mittleren Zeilen, so
> wirken die Wörter der rechte Spalte wie klassische deutsche
> Fremdwörter griechischn Ursprungs, während sich die der
> mittleren Zeile an das Lateinische anlehnen könnten, aber
> vielleich auch über des Englische gekommen sein könnten.

Das Suffix -är sieht verdächtig französisch aus (frz. -aire < lat.
-arius).

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Thomas 'PointedEars' Lahn

unread,
Oct 3, 2015, 1:12:37 PM10/3/15
to
Christian Weisgerber wrote:

> On 2015-10-02, Stefan Ram <r...@zedat.fu-berlin.de> wrote:
>> kein Operand/Argument nullär
> ^^^^^^^^^
> niladisch

„nil“ ist abgeleitet vom lateinischen «nihilum» „nichts“/„das Nichts“ («ne»
„nicht“ + «hilum» „nicht das Mindeste“ – offenbar eine verstärkte
Verneinung), welches nicht nachweislich aus einer anderen Sprache entlehnt
wurde; die rechte Spalte soll aber griechischen Ursprungs sein. Das passt
also nicht.

<https://en.wiktionary.org/wiki/nihilum> pp.

>> ein Operand/Argument unär monadisch
>>
>> zwei Operanden/Argumente binär dyadisch (diadisch)
>>
>> mit variabler Anzahl von variadisch
>> Operanden/Argumenten
>
>> Betrachtet man nun einmal nur die mittleren Zeilen, so
>> wirken die Wörter der rechte Spalte wie klassische deutsche
>> Fremdwörter griechischn Ursprungs,

„Monade“ ist zwar griechischen Ursprungs [μονάς (monás) „Einzelheit“],
gelangte aber über lateinisch «monas» ins Deutsche.

<https://de.wiktionary.org/wiki/Monade>

>> während sich die der
>> mittleren Zeile an das Lateinische anlehnen könnten, aber
>> vielleich auch über des Englische gekommen sein könnten.
>
> Das Suffix -är sieht verdächtig französisch aus (frz. -aire < lat.
> -arius).

Französisch ist eine romanische Sprache, und die germanische Sprache
Englisch (Eroberung Englands durch die Germanen und folglich Altenglisch ab
ca. 450 n. d. Z.) wurde mindestens aufgrund der römischen
Besatzung/Verwaltung durch Latein stark geprägt.

„-är“ ist aber offenbar ohne Umweg über das Französische oder Englische ins
Deutsche gelangt:

<https://de.wiktionary.org/wiki/bin%C3%A4r> pp.

Lehnwörter wie „Seminar“ (von «sēmenarium») und „Kalender“ (von
«calendarium»), die auf dem lateinischen Suffix «-arius» („bezogen auf“,
„zugehörig“) basieren, hatten wir vor kurzem hier diskutiert.

Bitte das von Stefan Ram begonnene Amokcrossposten nicht fortsetzen; F'up2
de.etc.sprache.deutsch.

--
PointedEars

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